Re: Was lest Ihr so?
Verfasst: Di 17. Nov 2020, 12:42
In der letzten woche habe ich einen dicken Schinken gelesen, der im Forum schon an anderer Stelle erwähnt wurde.
"Troubeld Blood" von Robert Galbraith aus dem Jahr 2020, noch nicht auf deutsch erschienen. Es ist der fünfte von einer Reihe über den Dedektiv Cormoran Strike. Ich habe mich nicht daran erinnert, dass Robert Galbraith das Pseudonym für J.K. Rowlings ist und der Roman als trans feindlich in der Kritik steht.
So habe ich diesen zunächst als durchaus spannenden und fantasievollen Krimi mit spürbaren politischen Bezügen zum Beispiel in den Unabhängigkeitsbestrebungen von Cornwall und Schottland gelesen. Befremdet haben mich die holzschnitartigen Menschenbilder. Im reichhaltigen Umfeld um Arztpraxis in einem sozialen Brennpunkt Londons und der Dedektei gab es neben einem nicht effiminierten schwulen Paar und einem nobelen lesbischen Paar nur gestörte Beziehungen aus unempathischen und verweichlichten Männern und intriganten Frauen.
Als mir, nach der Lektüre, meine Verwechslung der Autorin mit einem Autorenpaar aus Großbritannien klar wurde fielen die Puzzleteile in einen Zusammenhang.
Der pro britische, eigentlich englische Nationalismus in der Wertung der UInabhängigkeitsbewegungen, der effiminierte, tuntig wirkende Frauenmörder, die beziehungsunfähige, nur scheinbar empathische Krankenschwester, die Konkurentinnen ohne Gefühl aus dem Weg räumt, der auf keinen Fall sichtbar schwulen und trotzdem emanzipierte Mitbewohner der Partnerin in der Agentur, die lesbische Tochter einer vor vierzig Jahren von der mordenden Krankenschwester getöteten Ärztin mit ihrer erolgreichen Frau, die die Agentur beauftragt hat...
Ich empfinde die hier karrikierten Menschenbilder nicht nur transfeindlich sondern auch frauenfeindlich. Heterosexuelle Frauen sind bis auf die Mitinhaberin der Agentur und die Ärztin nur in ihrem Zusammenhang mit ihrem Mann wert oder in untergeordneter Stellung tätig, wertvoll ist ein Menschen, wenn diese*r eher duchsetzungsstark als gefühlsbetont ist... nicht nur Männer können eine patriarschaliches Weltbild bestärken, toxische Männlichkeit kommt auch bei Frauen vor... und wenn ich die politischen Aussagen in anderen Feldern (Nationalismus) lese glaube ich nicht, dass solche Anspielungen nur unbewusst und ohne eigene Haltung der Autorin einfließen.
Trotzdem ist ihr Schreibstil sehr gut lesbar und das Buch spannend...
Liebe Grüße
Marlene
"Troubeld Blood" von Robert Galbraith aus dem Jahr 2020, noch nicht auf deutsch erschienen. Es ist der fünfte von einer Reihe über den Dedektiv Cormoran Strike. Ich habe mich nicht daran erinnert, dass Robert Galbraith das Pseudonym für J.K. Rowlings ist und der Roman als trans feindlich in der Kritik steht.
So habe ich diesen zunächst als durchaus spannenden und fantasievollen Krimi mit spürbaren politischen Bezügen zum Beispiel in den Unabhängigkeitsbestrebungen von Cornwall und Schottland gelesen. Befremdet haben mich die holzschnitartigen Menschenbilder. Im reichhaltigen Umfeld um Arztpraxis in einem sozialen Brennpunkt Londons und der Dedektei gab es neben einem nicht effiminierten schwulen Paar und einem nobelen lesbischen Paar nur gestörte Beziehungen aus unempathischen und verweichlichten Männern und intriganten Frauen.
Als mir, nach der Lektüre, meine Verwechslung der Autorin mit einem Autorenpaar aus Großbritannien klar wurde fielen die Puzzleteile in einen Zusammenhang.
Der pro britische, eigentlich englische Nationalismus in der Wertung der UInabhängigkeitsbewegungen, der effiminierte, tuntig wirkende Frauenmörder, die beziehungsunfähige, nur scheinbar empathische Krankenschwester, die Konkurentinnen ohne Gefühl aus dem Weg räumt, der auf keinen Fall sichtbar schwulen und trotzdem emanzipierte Mitbewohner der Partnerin in der Agentur, die lesbische Tochter einer vor vierzig Jahren von der mordenden Krankenschwester getöteten Ärztin mit ihrer erolgreichen Frau, die die Agentur beauftragt hat...
Ich empfinde die hier karrikierten Menschenbilder nicht nur transfeindlich sondern auch frauenfeindlich. Heterosexuelle Frauen sind bis auf die Mitinhaberin der Agentur und die Ärztin nur in ihrem Zusammenhang mit ihrem Mann wert oder in untergeordneter Stellung tätig, wertvoll ist ein Menschen, wenn diese*r eher duchsetzungsstark als gefühlsbetont ist... nicht nur Männer können eine patriarschaliches Weltbild bestärken, toxische Männlichkeit kommt auch bei Frauen vor... und wenn ich die politischen Aussagen in anderen Feldern (Nationalismus) lese glaube ich nicht, dass solche Anspielungen nur unbewusst und ohne eigene Haltung der Autorin einfließen.
Trotzdem ist ihr Schreibstil sehr gut lesbar und das Buch spannend...
Liebe Grüße
Marlene