Liebe Jasmin,
ich kann Deine Haltung nicht nur gut verstehen, sondern ich teile sie auch in weiten Bereichen. Nur haben wir keine "Hängepartie, sondern einen Fahrplan.
Jasmine hat geschrieben: So 27. Nov 2022, 11:11
also muß ich doch am Ball bleiben.
Das finde ich richtig, aber die einzige Forderung, die ich diesbezüglich an die Politik habe, ist das Einhalten des Versprechens innerhalb des Fahrplans. Ich möchte mich nicht an den Dingen aufreiben, die ich nicht ändern kann. Für mich ist es aber etwas anderes "am Ball zu bleiben". Vielleicht ist es ja auch nur eine Temperaments- oder Dringlichkeitsfrage. Das "wann" steht bei mir nicht so sehr im Vordergrund, wenn es nächstes Jahr kommt.
Jasmine hat geschrieben: So 27. Nov 2022, 11:11
Ansonsten entsteht doch der Eindruck das die Politik nicht handlungsfähig ist und sich selbst blockiert. Gerade das Trauerspiel in der letzten Legilaturperiode zeigt doch worum es zum Beispiel geht.
Ich weiß nicht, worauf Du anspielst, aber das Selbstbestimmungsgesetz ist auf dem gleichen Weg, wie andere Gesetzgebungen. Das war auch in den früheren Legislaturperoden so. Da kann man beklagen, aber es ist das Handwerk der Gesetzgebung, dass neben allen Betroffenen Ministerien, auch Verbände und ggfs. Länder gehört werden. Ggfs. müssen auch noch Änderungen berücksichtigt werden. Das kostet Zeit. Ich habe ein wenig Einblick in die praktische Umsetzung einer Gesetzgebung, da ich an einer Gesetzesänderung mitarbeiten durfte. Das ist zäh, denn nicht nur fachliche Sichtweisen sind erforderlich, sondern auch Juristerei, Folgen der Gesetzgebung, etc. spielen hier herein. Was für den oder die Einzelne/n ganz klar und einfach ist, wird kompliziert, wenn es in die praktische Umsetzung geht und viele Köpfe eine Rolle spielen.
Jasmine hat geschrieben: So 27. Nov 2022, 11:11
Warum sollten die Standesämter nicht vom ersten Tag an wissen wie sie mit dem Gesetz umgehen sollten?
Ein Gesetz stellt einen Rahmen für einen politischen Willen dar, ist aber keine Verwaltungsvorschrift. Diese wird erst erstellt, wenn ein Gesetz beschlossen ist. Und dann kann es wieder mühsam werden, denn diejenigen, die die Verwaltungsvorschrift erstellen, müssen das Gesetz interpretieren. Auf dieser Ebene kann es wieder zu heftigen Diskussionen kommen, die die Umsetzung erschweren. Ich schreibe das nur, damit Du nicht übermäßig enttäuscht bist, wenn es dann noch etwas dauert ...
Jasmine hat geschrieben: So 27. Nov 2022, 11:11
Die Gegner des Selbstbestimmungsgesetzes sind dauernd irgendwo in der Presse und nutzen ihre Promivorteile und ich als Betroffene soll in Ruhe abwarten?
Da bin ich ganz bei Dir. Ich denke auch, dass es wichtig ist, Flagge zu zeigen und immer wieder deutlich machen, dass wir dieses Gesetz als ein Menschenrecht brauchen. Aber immer nur "nörgeln" (sorry, meine das nicht persönlich, sondern nur um eine mögliche Wirkung bei den Akteuren zu zeigen), dass die Politik nichts täte oder immer wieder verzögern würde, bringt mMn nichts. Wäre es nicht besser, die eigene Vorfreude und Zustimmung auf einen wichtigen Fortschritt im Menschenrecht auszudrücken ? Darüber freut sich bestimmt auch Dein MdB und ist gewillter, die Sache zu unterstützen. Wäre es nicht möglich, Dringlichkeit positiv zu besetzen ?