Mit der Wartezeit tut es mir leid.
Ich will versuchen, wieder regelmäßig zu schreiben, damit der Fluss nicht verlorengeht.
... und irgendwie ist das Schreiben ja auch Therapie
Es kehrt Ruhe ein im Dorf. Bald ist die Angelegenheit fast vergessen.
Die Ermittlungen sind im Sande verlaufen — von den Einen befürchtet — und von den Anderen erhofft.
Es gibt viel zu tun.
Hedwig ist froh, dass Konrad und Wilhelmine endlich in ihr eigenes Heim ziehen; ihr fällt eine Last von der Seele. Der Bürgermeister hat Wort gehalten. Konrad kann und darf seine Arbeitskraft nun für seinen eigenen Wände einsetzen. Er ist stolz und glücklich.
"Daraus machen wir ein Schmuck-Kästchen", erzählt er jedem, der ihm zuhört.
"Da müsste schon ein Wunder geschehen", denken die meisten Leute, "wie soll sonst aus einer Hütte ein Schmuck-Kästchen entstehen?"
Sie beneiden ihn jedoch um das schöne Grundstück.
"Abreißen und neu bauen", sagt Konrads Chef — aber das ist laut Vertrag verboten.
Das Angebot von Wilhelmine, "die Kinder können ja trotzdem zusammen spielen", beantwortet Hedwig halbherzig mit "vielleicht".
Sie ist erst einmal nur froh, dass sie die Gäste gut wieder los ist.
Wenn sie im Haus wieder für sich und alleine sind, wird es vielleicht sogar mit Adelheid wieder so schön, wie es mal war.
Eines muss man den scheidenden Gästen lassen: sie haben die Kammern gut und sauber hinterlassen. Wilhelmine lässt sogar die Vorhänge und Gardinen hängen und sichert zu: "Ich habe noch mehr von den Stoffen. Wenn Du magst, nähe ich Dir Passendes für die anderen Zimmer".
Das kommt Hedwig gerade recht.
Der Professor hat sich angemeldet — und sie hat schon zwei Anfragen von anderen Gästen für die neue Saison. Es wird Zeit, dass die Kammern gerichtet werden!
Alle packen mit an. Wenn es sein muss, arbeitet Magda wie ein Pferd. Hedwig muss sie bremsen: "lass für mich auch noch Arbeit übrig!"
Der Aufbruch ist auch in den anderen Häusern zu spüren. Das Geld von der Versicherung erweist sich als Segen und wird zum Erwerb von Baumaterial umgesetzt. Nur einige Dorfbewohner sind so dumm und tragen das Geld zum Kaufmann. Einige Zeit geht es "fein" zu bei ihnen: Fleisch kommt auf den Tisch, abends gibt es reichlich Wurst und Käse — und reichlich Bier zum Feierabend.
Dabei haben sie kaum Recht auf Feierabend; denn sie haben noch nichts geschafft.
Als sie merken, dass das Geld langsam bedrohlich weniger wird, ist es für manche schon zu spät.
Einige Häuser haben schon einen neuen Außenanstrich bekommen — und in etlichen Vorgarten steht ein Schild "Fremdenzimmer zu vermieten".
"So könnte es immerzu weiter gehen", denkt Hedwig, "wenn wir endlich mit den Zimmern fertig sind, kann ich mich wieder der Fischerei widmen".
Ulli ist ordentlich gewachsen und wuselt ihr zwischen den Beinen herum.
Ein munteres Kind!
Die ole Hex ist beerdigt worden.
Bürgermeister, Schutzmann und der Totengräber haben sich davon überzeugt, dass sie noch in ihrem Sarg liegt. "Ist doch Quatsch", stellen sie nüchtern fest, "wo sollte sie auch sonst sein?"
Der Schutzmann bekommt Order, nur noch mit halber Kraft nach dem Schuldigen zu suchen. Es ist doch nichts passiert - eigentlich!
Da er eh schon mit halber Kraft ermittelte, was bei fast bei jeder Tätigkeit seine Gewohnheit ist, müsste er schon über den Schuldigen stolpern, um ihn zu fassen.
So scheint alles in bester Ordnung. Hedwig wiegt sich in Sicherheit.
Nie würde sie darauf kommen, dass in Angelegenheiten der olen Hex noch etwas geschieht.
Doch eines Tages ist er da: ein amtlicher Brief von der Kreisverwaltung.
Hedwig soll sich binnen 14 Tagen bei einem Notar in der Stadt einfinden.
Ausweispapiere und die Geburtsurkunde soll sie zum "Nachweis der Berechtigung" mitbringen.
Sie kann sich keinen Reim darauf machen.
"Berechtigung" hört sich nicht nach "Schuld und Sühne an", aber ein amtliches Schreiben bedeutet selten etwas Gutes.
Es wird sie doch wohl niemand verraten haben?
Fast ist sie versucht, die Angelegenheit mit Willi zu besprechen, aber dann entscheidet sie sich, alles selbst zu regeln. Sie lässt sich von Magda die Geburtsurkunde und den Ausweis geben, leiht sich von Willi das Auto, ohne zu sagen, wo es hingehen soll — und fährt in die Stadt.
"Ich bin bald zurück", hat sie Magda noch zugerufen.
Mehr für sich selbst fügt sie hinzu: "hoffentlich".