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Re: Blutengel

Verfasst: Fr 5. Mär 2021, 17:14
von Engelchen
Und schon wieder freute ich mich sehr über zwei Festsetzungen.
Hab ganz lieben Dank dafür...

Liebe Grüße Lisa

Re: Blutengel

Verfasst: Sa 6. Mär 2021, 11:53
von bella49
:lol: Gelle, am liebsten hätten wir gerne täglich eine neue Geschichte? :lol:
oder zwei, oder drei................. (ki)

Re: Blutengel

Verfasst: Do 11. Mär 2021, 12:28
von Stephanie
Bei Sandra

Wir kommen bei Sandra an. Engumschlungen gehen wir vom Carport zum Haus. Sandra schließt die Tür auf und wir gehen rein. "Warte mal kurz", sagt Sandra und geht die Treppe nach oben. An einer der Wohnungen im ersten Geschoß klingelt sie. Eine ältere Dame öffnet die Tür. "Hallo Sandra", sagt die Dame. "Hallo Oma Willi, ich bin dann zurück", sagt Sandra. "Mit den Katzen ist alles OK", sagt die Dame lächelnd, "aber wer ist die Dame an deiner Seite?" Ich gehe die Treppe hoch und stelle mich vor. "Ich bin Stefanie", sage ich. "Wir beide sind ein Paar", sagt Sandra dann. "Ihr seht auch sehr glücklich aus", sagt die Dame. "Sind wir auch", sage ich lieb. "Habt noch einen schönen Abend ihr beiden", sagt die Dame noch zur Verabschiedung. Als wir in Sandras Wohnung sind, frage ich sie: "Oma Willi?" "Ja, sie heißt richtig Wilhelmine", sagt Sandra, "und ihr mittlerweile verstorbener Mann hieß Wilhelm." "Ach, ist ja lustig", bemerke ich. "Die beiden haben sich immer mit Willi und Willi vorgestellt", sagt Sandra weiter, "ihnen gehörte vorher das Haus. Sie hatten hier eine Steuerberaterkanzlei." "Ah ja, und wem gehört es jetzt", frage ich naiv. "Mir", antwortet Sandra lächelnd. Meine Augen werden groß. "Der ganze Schuppen?" frage ich erstaunt. Sandra lacht. "Wenn Du willst auch Schuppen", sagt sie lachend. "Sorry, ist mir so rausgerutscht", sage ich, "ich bin ja geplättet." Ich schaue sie weiter erstaunt an. "Boah, Mädel, ich weiß nicht wie lange ich schon davon geträumt habe, mal so am Fluss zu wohnen", sage ich, nachdem ich mich gefangen habe, "und dann treffe ich Dich und du sagst so locker "Meins"." Sandra amüsiert sich über mein Staunen. "Unglaublich", sage ich dann noch. Ihre beiden Katzen kommen ins Zimmer und schon schnurren sie um unsere Beine. Ich setze mich auf den Boden und streichele sie. Eine Weile bin ich abgelenkt. Dann frage ich Sandra: "Und die Wohnung hier unten ist dein Reich?" "Ja, wobei das ist nur die halbe Wahrheit ist", sagt sie geheimnisvoll lächelnd. "Wie jetzt? Was kommt denn nun noch?" frage ich zurückhaltend. "Na ja, hinter der doppelflügeligen Tür geht es noch weiter", sagt Sandra lächelnd und zeigt zu dieser Tür. Dann geht sie hin und öffnet den einen Flügel. Ich gehe hinein und schaue staunend in ein weiteres großes Zimmer. "Die ganze untere Etage war die Kanzlei der Beiden", sagt Sandra, "soweit bin ich dann mit dem Einrichten noch nicht gekommen und am liebsten würde ich die Wand hier weghaben." Ich schaue sie erstaunt an. "Das wär ja ein riesen Zimmer", bemerke ich, "boah, Mädel wer soll denn hier noch wohnen?" "Na Du!" sagt Sandra frech. "Ja gut meinetwegen, aber ich hätte Angst mich zu verlaufen", sage ich feixend. Sandra lacht. Ich komme zurück ins Wohnzimmer. Mit der Faust schlage ich vorsichtig an die Wand. "Was machst Du da?" fragt Sandra. "Ich versuche herauszufinden, ob das eine tragende Wand ist", antworte ich, "das merkt man am Klang, wenn man gegenschlägt." "Und ist das eine?" fragt Sandra. "Ja ich glaube schon", sage ich, "wenn du die weghaben willst, müssen wahrscheinlich Stützen eingebracht werden." "Na ja, muss aber nicht sofort sein", sagt Sandra. "Puh, ich dachte schon ich soll gleich anfangen", sage ich grinsend. "He, Stefanie", sagt Sandra gespielt entrüstet. Ich ziehe sie an mich ran. Das Zeichen versteht sie sofort und kommt mit ihrem Mund heran. Im nächsten Moment versinken wir in einem wunderschönen Kuss. Wenn ich Sandra im Arm habe und sie beim Küssen irgendwo streichele, dann wird sie schnell ekstatisch. Ihre Küsse werden heftiger und leise schnauft sie dabei.

"Lass uns ins Schlafzimmer gehen", sagt sie mit einer leisen hocherotischen Stimme. Wir lösen die Umarmung. Bevor sie meine Hand nehmen kann, nehme ich sie schnell auf den Arm. "Stefanie", sagt sie erstaunt und schaut mich mit strahlenden Augen an. Ich trage sie ins Schafzimmer und lege sie auf das Bett. Sie zieht mich sofort heran, um mich im nächsten Moment zu küssen. Während wir durch das Bett wühlen, ziehen wir uns langsam aus. Sandra dreht mich auf den Rücken und setzt sich vorsichtig auf meinen Unterleib. "Das ist mir aber noch nicht oft passiert, dass ich getragen werde", sagt sie genießerisch. "Magst Du das?" frage ich sie. "Ja", haucht sie, "und von Dir am liebsten." Ich ziehe sie wieder ran und küsse sie. Sandra löst den Kuss und schaut mich lieb an. Sie streichelt meine Brust und sagt leise: "Entspanne Dich." Im nächsten Moment küsst sie sich langsam über die Brüste, den Bauchnabel und meinem Venushügel nach unten. Zitternd vor Freude spreize ich meine Beine. Was sie dann mit ihren Lippen zwischen meinen Beinen macht lässt mich komplett den Verstand verlieren. Sie zaubert ein schönes Gefühl nach dem anderen aus mir heraus. Und wenn ich glaube, das war schon das tollste, wird das nächste noch schöner. Dann legt sie mal eine Pause ein, um im nächsten Moment wieder mit Lippen und Zunge noch schönere Gefühle aus mir rauszukitzeln. Ich versuche sie etwas zu bremsen. Sandra lächelt mich an und sagt mit samtiger Stimme: "Vertrau mir, Stefanie, da geht noch ein bisschen." Ich verliere im nächsten Moment völlig die Beherrschung. Ich weiß nicht genau, was sie da macht, aber das ist echt irre. Nacheinander schwappen Gefühlswogen durch meinen Körper, die ich vorher noch nicht kannte. Nach ein paar Minuten liege ich schnaufend und keuchend auf dem Bett. Sandra kommt zu mir hoch. Ihre Augen strahlen. Mir fehlen die Worte, dafür laufen mir ein paar Freudentränen über die Wangen. Ich nehme Sandra in die Arme und halte sie lange fest.
So langsam habe ich mich beruhigt. Ich dreh meinen Kopf zu Sandra. "Na du Süße", fragt sie, "wie fühlst Du Dich?" "Toll", antworte ich, "ich weiß gar nicht was ich sagen soll, ich bin total überwältigt." Sandra küsst mich und stützt sich dann neben mir auf. "Danke Sandra", sage ich dann. "Ich danke Dir", sagt Sandra, "Du bist ehrlich in deinen Gefühlen. Es ist so schön, Dich so zu erleben. Du hast so viele Facetten." Ich lächele sie an. Dann drücke ich sie wieder. Sandra zieht eine Decke über uns, dann nehmen wir uns wieder in die Arme. "Schlaf schön, meine Süße", sagt Sandra dann noch." "Du auch", sage ich. Wir schauen uns noch lange an, bis uns der Schlaf überwältigt.

Noch vor dem Weckerklingeln werde ich wach. Irgendwas liegt auf der Decke über meinen Füßen. Vorsichtig schaue ich hin und sehe beide Katzen dort liegen. Beide fangen sogleich an zu schnurren. Sandra wird auch grade wach. "Na Stefanie?" fragt sie. Ich deute vorsichtig zum Fußende. Sandra schaut hin. "Nanu? Das machen sie doch sonst nicht", sagt sie erstaunt. "Ich kenne das von einigen Katzen, die ich früher hatte", sage ich. Sandra lächelt. "Ich glaube, Du passt hier hinein", sagt Sandra erfreut, "wenn dir beiden dich schon so annehmen." Ich ziehe Sandra ran und gebe ihr einen dicken Kuss. Die beiden Katzen verlassen dann das Zimmer. "Wohlerzogen und anständig", sage ich grinsend. Dann drehe ich mich zu Sandra hin und küsse sie. Eine Hand lasse ich zwischen ihre Beine gleiten und streichele sie dort. Sandra nimmt es gerne an und lässt ihren Gefühlen freien Lauf. "Ach ist das schön", sagt sie dann, "vor der Arbeit schon Liebe gemacht." Ich schaue sie an. Ihre Augen haben wieder ein schönes Glänzen. Sie lächelt mich an. "Ich liebe Dich, Sandra", sage ich dann in dieses wunderschöne Gesicht. Sandras Lächeln wird stärker. Sie zieht mich wieder nah dran und drückt mich. "Danke Stefanie", sagt sie mit Freude und auch mit Erleichterung in der Stimme, "ich liebe Dich auch." Ein wunderschöner Kuss folgt darauf. Wir stehen auf und gehen ins Bad. Als ich mir die Augen schminke, sagt Sandra: "Darf ich mal?" "Gerne", antworte ich. Meistens habe ich einen einfarbigen Farbton auf den Lidern. Innerhalb von ein paar Minuten zaubert mir Sandra mit drei verschiedenen Farben ein tolles Augenmakeup. Das vervollständigt sie dann mit dezenten Linien von einem Eyeliner. Im Spiegel begutachte ich das Resultat. "Meine Güte, ist das eine schöne Frau", sage ich. "Du magst Dich selber gerne sehen?" fragt Sandra. "Ja, ich staune immer wieder, was da für ein schönes Mädel die ganzen Jahre geschlummert hat", antworte ich. Sandra lächelt mich verträumt an. "Und das schöne Mädchen ist meine Freundin", sagt sie dann mit einigem Stolz. Ich schaue sie an und sage leise : "Ja."

Beim Frühstück schauen wir uns die ganze Zeit verliebt an. "Bei uns hat es aber auch eingeschlagen", sagt Sandra. Ich stimme ihr durch nicken zu. Dann ist es Zeit zum Aufbruch. Ich füttere noch die Katzen, dann gehen wir zu Sandras Auto und fahren Richtung Arbeit. "Kannst Du mich am Straßenverkehrsamt rauswerfen?" frage ich Sandra, "ich möchte mal nachfrage, wegen Führerschein umschreiben." "Na klar", sag Sandra lieb. Das Straßenverkehrsamt ist gleich neben dem Werk. "Bis später dann, meine Stefanie", sagt Sandra, als ich am Amt aussteige. "Ich melde mich bei Dir", sage ich. Dann fährt Sandra los. Ich gehe in das Amt und trage mein Anliegen an der Auskunft vor. "Eigentlich müssten sie vorher einen Termin beantragen", sagt die Dame, "aber warten sie mal kurz. Sie nimmt den Telefonhörer, ruft jemanden an und schildert mein Anliegen. Dann wendet sie sich lächelnd mir wieder zu. Sie erklärt mir den Weg. "Warten sie dann vor dem Büro, Sie werden aufgerufen", sagt die Dame dann noch. "Danke, dass das so schnell ging", sage ich freundlich. Ich gehe dann zu dem genannten Büro und nehme im Wartebereich Platz. Nach kurzer Zeit werde ich hereingebeten. Ich reiche meine Unterlagen herüber. "Den Papierführerschein könnten wir sofort machen", sagt die Dame, "möchten Sie bei der Gelegenheit gleich den EU-Führerschein beantragen?" "Ja, gerne", sage ich. Sie gibt ein paar Unterlagen weiter, dann macht sie mit mir die Formulare für den EU-Führerschein. Eine andere Dame kommt hinein. "Es dauert noch etwa eine Viertelstunde", sagt sie. "Ist OK", sage ich lächelnd. Ich bezahle inzwischen die Gebühren und warte noch mal draußen, dann kommt die andere Dame und bittet mich in ihr Büro. "Ich brauche dann noch ihren alten Führerschein zum entwerten", sagt sie. Ich gebe ihn ihr. Sie schaut drauf. "Holla, sie haben sich aber verändert", sagt sie lächelnd, "das passiert aber auch nicht häufig, das wir so eine Umschreibung machen." "Danke", sage ich lächelnd. Sie entwertet den alten Schein. Den neuen darf ich dann noch unterschreiben. "Möchten sie den alten mitnehmen oder soll der entsorgt werden?" fragt die Dame mich dann noch. "Och, den nehme ich mal mit", sage ich, "ein bisschen sentimental bin ich ja dann doch." Die Dame lächelt und gibt mir den neuen Schein. Freundlich bedanke ich mich nochmal für den schnellen und freundlichen Service. Dann verabschiede ich mich ebenso freundlich. "Ich wünsche ihnen alles Gute, Frau Boe", sagt die Dame noch zur Verabschiedung. Ich verlasse das Amt und gehe Richtung Werk. Nach ein paar Metern kommt schon das Tor. Wenige Minuten später betrete ich dann das Büro und bleibe hinter der Tür stehen. Meine Kollegen sind auch fast alle da. "Mal herhören", sage ich, "ich habe nicht verschlafen, ich habe nur meinen Führerschein aktualisiert." Dann gehe ich weiter. "Also Frollein, so geht das nicht", sagt Ulrich grinsend, "Du wirst ja immer frecher." Ich lächele ihn frech an und sage knapp: "Ja! Und es macht auch noch Spaß." Ulrich schüttelt den Kopf. Der Arbeitstag verläuft recht ruhig. Zur Mittagspause treffe ich mich mit Sandra in der Kantine. Anschließend machen wir noch einen kleinen Spaziergang. Ich begleite Sandra noch zu dem Gebäude, in dem ihr Büro ist. "Dann telefonieren wir nachher nochmal?" fragt Sandra. "Auf alle Fälle", sage ich lächelnd. Auf dem Weg zu meinem Büro klingelt mein Handy. Meine Mutter ist dran. "Wir haben hier noch deine alte Gitarre beim Aufräumen gefunden", sagt sie, "die ist, soweit ich das sehe, noch OK." "Hört sich gut an", sage ich, "ich hole sie nachher einfach mal ab." "Super, meine Große, bis dann", sagt meine Mutter noch.

Re: Blutengel

Verfasst: Do 11. Mär 2021, 13:51
von Engelchen
Danke für den neuen Teil....

"Papierführerschein" - hmmm, spielt sich alles wohl um 2000 ab, lach

Liebe Grüße

Lisa

Re: Blutengel

Verfasst: Do 11. Mär 2021, 14:55
von Stephanie
Engelchen hat geschrieben: Do 11. Mär 2021, 13:51 Danke für den neuen Teil....

"Papierführerschein" - hmmm, spielt sich alles wohl um 2000 ab, lach

Liebe Grüße

Lisa
Hi Lisa,

gern geschehen. :)
Die Geschichte hat eigentlich keine zeitliche Eingrenzung. Da sind teilweise noch mehr zeitliche Unzulänglichkeiten drin (aber pst!) :mrgreen:


Liebe Grüße
Stephanie


(Hach, wäre ich doch wie meine Protagonistin Stefanie Boe)

Re: Blutengel

Verfasst: Do 11. Mär 2021, 20:52
von bella49
Papperlapapp............
ich habe auch noch den alten Lappen in modischem Grau (smili)
Allerdings kommt mir der Typ auf dem Bild mit zunehmenden Jahren immer unbekannter vor :lol:

Re: Blutengel

Verfasst: Fr 12. Mär 2021, 14:44
von Stephanie
Gitarre und noch was abholen

Gegen 16:00 Uhr mache ich Feierabend. Auf dem Weg zur Straßenbahn rufe ich Sandra an. Da geht nur die Mailbox ran, also spreche ich drauf. Ich teile ihr mit, dass ich die Gitarre abhole. Als ich an der Haltestelle ankomme ruft sie zurück. "Ich hatte grade einen Termin", sagt sie, "grüße deine Eltern mal schön mir." "Mache ich", sage ich, "ich rufe Dich dann nochmal an, wenn ich da dann wieder losfahre." "OK, meine Süße", flötet Sandra. Die Bahn kommt und ich steige ein. Zehn Minuten später bin ich auch schon zu Hause. Ich betrete das Haus und gehe zu meiner Wohnung hoch. "Ziehe ich mich noch um?" frage ich mich vorm Spiegel. Ich habe noch den rot-schwarz karierten Skater Rock und das schwarze Shirt von gestern an. Da es etwas Wärmer ist als heute Morgen, wechsele ich auf eine dünnere hautfarbene Strumpfhose. Ein Langarmshirt nehme ich auch noch mit. Dazu trage ich schlichte schwarze Ballerinas ohne Schleife Dann schnappe ich mir den Autoschlüssel und verlasse die Wohnung wieder. Auf dem Garagenhof treffe ich Willi und Herbert mit einem weiteren Herrn. Meine Garage liegt zwischen denen der anderen Beiden. "Hallo, guten Tag", wünsche ich den dreien. "Steffi, gut das Du kommst", sagt Willi und stellt mir den Herrn als Inhaber einer Firma vor, die elektrische Garagentorantriebe vertreibt. "Wir wollen uns sowas einbauen lassen", sagt Herbert, "hättest Du auch Interesse?" "Auf alle Fälle", sage ich begeistert. Der Herr Firma schaut sich die Garagen an. "Die sind alle baugleich?" fragt er. "Ja, sind sie", sagt Herbert. Dann misst der Herr ein paar Maße ab. "Soweit wäre es das, ich lasse ihnen ein Angebot zu kommen", sagt der Herr, "in den Nachbarhäusern gibt es auch noch Interessenten, das könnte dann sogar einen Preisnachlass geben." "Das ist ja schön", sage ich lächelnd. Als Kontaktperson meldet sich Herbert. Dann verabschiedet sich der Herr. "Eine gute Wahl, die Firma", sage ich, "die Preisleistung von denen ist echt gut. Ich liebäugele schon länger damit." Dann verabschiede ich mich von den beiden. Ich hole mein Auto aus der Garage und fahre zu meinen Eltern.

Recht schnell bin ich auch da und parke vor der Garage. Meine Mutter kommt von hinten aus dem Garten. "Habe ich doch richtig gehört", sagt sie erfreut und nimmt mich in den Arm. Dann schaut sie mich von oben bis unten und umgedreht an. "Du hast einen schönen Stil", sagt sie dann, "steht Dir gut." "Danke schön", sage ich lieb. "Und der Rock passt auch gut zu etwas, was wir noch gefunden haben", sagt sie dann noch. "Aha", sage ich erstaunt und folge ihr in den Garten. Von da gehen wir auf die Terrasse. Mein Vater arbeitet hinten im Garten am Zaun und versucht einen Strauch auszubuddeln. "Mach mal eine Pause, deine älteste Tochter ist da", sagt meine Mutter zu ihm. Natürlich haben das auch einige Nachbarn gehört und schauen neugierig herüber. "Was glaubst Du, was neulich dann für Fragen kamen, als Du mit Sandra hier warst", sagt meine Mutter leise mit einem Grinsen im Gesicht. "Kann ich mir vorstellen", sage ich ebenso leise. Mein Vater kommt auf die Terrasse. "Schlicht und schön, dein Outfit", sagt er. "Danke schön", sage ich. Mein Vater geht sich kurz die Hände waschen, dann kommt er wieder hinaus und hat den Gitarrenkoffer und eine größere Tasche dabei. "So, hier ist die Gitarre", sagt er, "und weißt Du noch, was hier drin ist?" Ich schüttele den Kopf. "Nee, keine Ahnung", sage ich. Ich nehme mir erstmal den Gitarrenkoffer und öffne ihn. Die Gitarre nehme ich heraus. "Die sieht ja wirklich noch gut aus", sage ich, "na ja, war ja auch nicht billig, das gute Stück." "Müsste wahrscheinlich gestimmt werden", sagt meine Mutter. "Uh, ja", sage ich, als ich die Saiten anspiele. Ich höre leise noch irgendwo eine andere Gitarre und versuche herauszukriegen, wo das herkommt. Meine Mutter sieht mir dabei zu und sagt dann: "Das ist der Nachbar hier direkt hinter uns." Ich grinse. "So rumgeklimpert hat er schon, als ich hier vor dreißig Jahren ausgezogen bin",, sage ich feixend. "Und er glaubt immer noch, er kann dass", flaxt mein Vater. Ein bisschen komisch und kauzig ist der Nachbar schon. Ich stimme dann die Saiten. Da ich keine Stimmgabel finde muss ich wieder ein "A" singen. "Was für eine schöne Stimme", freut sich meine Mutter. Ich zwinkere ihr zu. Der Nachbar schaut mittlerweile erstaunt zu uns rüber. Die Saiten sind gestimmt. "Mal schauen, ob die Stimmwirbel noch halten", sage ich und schlage die Saiten zu einem Blondie-Lied an. Dann singe ich dazu: "One way or another "¦ "¦" Meine Eltern freuen sich. "Ja, die ist noch in Ordnung, die Gitarre", bemerke ich. "Super toll", sagt meine Mutter, "Du traust Dich auf einmal ja richtig was." "Das kannst Du so sagen", antworte ich, "ich erschrecke mich manchmal selber." Die Gitarre lege ich wieder in den Koffer. Der Nachbar versucht vorsichtig auf sich aufmerksam zu machen, stellt sich aber etwas dusselig dabei an.

"Und was ist nun in der Tasche?" frage ich und öffne sie. Meine Augen werden groß und ein breites Lächeln huscht über mein Gesicht. "Nein, das Ding gibt es noch?" frage ich erstaunt und befördere einen originalen, schottischen Dudelsack aus der Tasche, "wie lange ist denn das schon her? Ob der noch funktioniert?" "Wir haben ihn schon untersucht und gesäubert", sagt mein Vater. Erinnerungen kommen bei mir hoch. Mein Vater hatte den mal von einer Dienstreise mitgebracht. "Das war noch zu Schülerbandzeiten", sage ich, "wir hatten damals von AC/DC "It"™s a long way to the top" geübt, und ich habe den Dudelsackpart gespielt. Meine Fresse, ist das lange her." Ich habe mir ewig einen abgebrochen, bis ich das Ding spielen konnte. Im Grunde genommen ist es ähnlich, wie Blockflöte spielen, und Blockflöte habe ich echt gehasst. In der Grundschule hat mir eine Musiklehrerin eine Blockflöte verpasst. Klar, ich bin schon musikalisch veranlagt, aber es gibt halt Instrumente, die mag man einfach nicht. Beim Dudelsack ist das Gottseidank anders. Mein Vater findet diese Musik ebenfalls toll. "Meinst Du, Du kannst das noch?" fragt mein Vater dann auch. "Ich versuchs mal", antworte ich und schnappe mir das Teil. In Gedanken gehe ich erstmal die Noten durch und schaue, wie ich die Tonlöcher abdecke. Dann blase ich den Balg auf. Die großen Bordunpfeifen fangen an Töne von sich zu geben, dann spiele ich die Melodie auf der Spielpfeife, zunächst etwas holperig. Ich höre kurz auf. "Hua, ist das geil", sage ich und habe Gänsehaut auf dem Rücken. Beim zweiten Versuch gelingt es besser. Die ganze Nachbarschaft schaut mittlerweile zu uns rüber. Meine Eltern können sich ein Grinsen nicht verkneifen. "Wartet mal, der Körper erinnert sich", sage ich, "ich konnte doch auch so ein paar klassische schottische Marches. Wie ging den der "Route March" nochmal?" Ich spiel das in Gedanken durch. "OK, ich glaube ich habe es", sage ich und stehe auf. Ich gehe zur Treppe die in den Garten runtergeht und bleibe da stehen. Dann rufe ich laut so etwas, das sich wie ein englisches Kommando anhört und spiele den "Route March". Meine Mutter kringelt sich vor Lachen. Mein Vater freut sich. Die Töne werden von den umliegenden Häusern zurückgeworfen und bringen ein schönes Echo. "I-hi, ist das heiß", sage ich begeistert zu meinen Eltern, als ich fertig bin. "Du bist vielleicht eine Marke", sagt mein Vater. "Das ist echt schön, dich so zu erleben", sagt meine Mutter noch lachend. Ich setze mich wieder an den Tisch. "Wenn Du magst, kannst Du den mitnehmen, hier lieg der eh nur rum" sagt mein Vater. "Gerne, der kriegt einen Ehrenplatz", sage ich dann. Ich bleibe noch etwas sitzen und unterhalte mich mit meinen Eltern. "So, ich möchte dann wieder los", sage ich nach einiger Zeit, "mal schauen, ob Sandra schon Feierabend gemacht hat." "Ihr seid so ein schönes Paar", sagt meine Mutter, "sie ist offen und so herzlich." "Und sie hat es faustdick hinter den Ohren", sage ich noch grinsend. "Also so wie Du", sagt mein Vater grinsend. Ich nicke lächelnd. "Du bist echt gut drauf, nach deinem "Befreiungsschlag"", sagt mein Vater dann noch. "I-hi", sage ich lächelnd. Ich verstaue die Instrumente und gehe dann zum Auto. Meine Eltern begleiten mich. Ich lade die Instrumente ins Auto. Der Nachbar von der Straßenseite gegenüber kommt an seine Zaun und fragt uns direkt: "Habt ihr mitbekommen, wer da vorhin Dudelsack gespielt hat?" "Ja, das war Stefanie McBoe vom Stamme der McBoes", antworte ich lächelnd. Irritiert schaut er mich an. Keck zucke ich mit den Schultern. Mein Vater kichert leise hinter mir. "Äääh ja", sagt der Nachbar, den ich eigentlich als recht schlagfertig kenne. Ich gehe hin und kläre ihn kurz auf, dass der Nachbarjunge Stefan, den er von früher kennt, eigentlich schon immer ein Mädchen war. Seltsamerweise gibt er sich damit zufrieden. Wieder am Auto, sagt meine Mutter: "Ist schon schön, wie viele Gestaltungsmöglichkeiten Du bei der Erklärung nutzt." "Ich tue, was ich kann", sage ich und lächele lieb. "Bleib wie Du bist", sagt meine Mutter, "und eines noch, wir müssen unbedingt mal zusammen shoppen gehen." "Au Ja", sage ich noch. Dann verabschiede ich mich endgültig und fahre nach Hause. Unterwegs rufe ich Sandra an. "Hallo Stefanie, ich stehe schon bei Dir vor dem Haus und unterhalte mich nett mit Deinen Nachbarn", sagt sie. "Super, ich bin spätestens in 10 Minuten da", sage ich.

Ich fahre auf den Garagenhof, stelle das Auto in der Garage ab und steige aus. Von da aus sehe ich Sandra mit Lisa, Anne und Ebi vor der Haustür stehen. Da ich ja schon den ganzen Nachmittag einen Schalk im Nacken habe, nehme ich den Dudelsack aus der Tasche. In der Garage blase ich schon mal den Balg auf. Das Gargentor lasse ich erstmal offen. Ich stelle mich vor der Garage auf und rufe wieder so etwas, das sich wie ein Kommando anhört. Im nächsten Moment fange ich an den Dudelsack zu spielen und gehe mit einem marschierenden Schritt Richtung Haus. Ich spiel dieses Mal, den Regimental March, den ich auch noch gut in Erinnerung habe. Sandra klappt vor Staunen der Unterkiefer herunter. Lisa und Anne sind ebenfalls völlig Baff. Nur Ebi grinst. Jetzt schauen auch noch Willi und Herbert erstaunt aus der Tür. Auch in den Nachbarhäusern stehen Leute auf dem Balkon oder machen die Fenster auf. Ich selber versuche mich nur aufs spielen zu konzentrieren. Ich komme vor der Haustür an und höre auf zu spielen, gleichzeitig stoppe ich abrupt das Gehen. Sandra hat sich mittlerweile gefangen und ihr bezauberndes Lächeln drauf. Von den Nachbarhäusern kommt anerkennender Beifall. Auch meine Nachbarn klatschen. Die beiden Krankenschwestern schauen oben aus dem Fenster. "Super toll", sagt die eine. Sandra nimmt mich in den Arm. "Du bist ja immer wieder für eine Überraschung gut", sagt sie lachend. "Toll, Stefanie", sagt Lisa, "ich bin echt sprachlos." Anne stimmt ihr zu. "Mit Dir wird es auch nicht langweilig", sagt Herbert. "Hier Leute, das ist eben noch eine Findungsphase", sage ich, weil mir nichts so richtiges einfällt, "ich werde bestimmt noch ruhiger." "Hoffentlich nicht", sagt Anne lächelnd. Wir bleiben alle noch lange im Eingangsbereich stehen. Sogar die beiden Krankenschwestern von oben haben sich dazu gesellt. Anne und Lisa haben ein paar Schnittchen gemacht und reichen die Teller durch. "Das ist ja nett hier bei euch", freut sich Sandra. Dann löst sich die Runde langsam auf. Ich schaue Sandra an und sage: "Ich hole mir schnell für morgen ein paar Sachen. Und dann fahren wir zu Dir?" "Können wir so machen", sagt Sandra und begleitet mich nach oben. Nachdem ich alles zusammen habe, verlassen wir die Wohnung wieder. "Ich würde dann auch mit dem Auto fahren", sage ich, "weil ich morgen noch das ein oder andere wegen des neuen Namens ändern lassen muss." "Na klar", sagt Sandra. Als wir den Weg zu den Garagen gehen, kommt uns Jochen mit einer Dame an der Hand entgegen. Ein bisschen peinlich berührt scheint er zu sein. Dann schaut er etwas erstaunt auf den Dudelsack, den ich noch trage. Dezent zurückhaltend grüßen wir. "Na , so wie es aussieht kommt er langsam zu alter Stärke zurück, "sage ich leise, "die Dame kenne ich noch nicht." Sandra grinst. Ich lege meine Sachen ins Auto. "Ich fahre mal hinter dir her", sagt Sandra. "OK, aber nicht einschlafen, ich habe nicht so einen flotten Fahrstil wie Du", sage ich. Sandra lacht. "Ist schon OK", sagt sie dann. Ich fahre wieder aus der Garage, schließe noch das Tor und dann fahren wir zu Sandra.

Re: Blutengel

Verfasst: Fr 12. Mär 2021, 21:58
von bella49
Sag mal, kannst Du Gedanken lesen? :lol:
Einen Dudelsack hatte ich Steffimäßig auch schon auf dem Wunschzettel.
Mir war bloß noch nicht klar, ob ein echt schottischer, oder einer aus der Mittelalterszene in Frage käme.

Die neue Fortsetzung ist wieder der Hammer!
Einfach Spitze! Danke!

liebe Grüße
Bella49

Re: Blutengel

Verfasst: Di 16. Mär 2021, 10:44
von Stephanie
"Aus Versehen" hochgezogen

Nach einer wunderschönen Liebesnacht wachen wir morgens zusammen auf. "Na süße Stefanie", sagt Sandra, nimmt mich in den Arm und küsst mich herzlich. Zusammen gehen wir ins Bad und machen uns für den Tag zurecht. Nachdem Frühstück und dem anschließendem Katzenfüttern verlassen wir die Wohnung und das Haus. Wir kommen an unseren Autos an und verabschieden uns mit einem wieder wunderschönen Kuss. Auf der Straße kommt ein Radfahrer vorbei und schaut zu uns herüber. Beinahe baut er noch einen Unfall mit einen entgegenkommenden Auto. "Ich glaube wir sollten in Zukunft etwas vorsichtiger sein", sage ich leise. "Ach, Stefanie, wo die Liebe hinfällt"¦", sagt Sandra leise. Wir steigen in unsere Autos und fahren los. Wieder fährt mir Sandra bis zum Parkplatz hinterher. Ich steige dann in ihr Auto um. "Eigentlich ist das ja ein riesen Umweg", sage ich grinsend. Vom Parkplatz bis in mein Büro sind es maximal 200 Meter. "Stimmt schon, aber so bin ich noch ein wenig länger bei Dir", sagt Sandra lächelnd. "Bist schon "˜ne Süße", sage ich lieb. Sandra lächelt. Sie fährt wieder bis vor den Eingang zur Halle und ich steige aus. "Bis heute Mittag", sage ich dann noch. "Ja bis dann", sagt Sandra lächelnd und legt einen absichtlich schmachtenden Blick auf. Der Vormittag verläuft ruhig. Zwischendrin rufe ich bei der Landesluftfahrtbehörde an und trage mein Anliegen vor. "Das klingt ja spannend", sagt der Herr am anderen Ende freundlich, "so etwas habe ich noch nicht erlebt." Ich bekomme einen Termin um 15:00 Uhr. Freundlich bedanke ich mich.

Mittags treffe ich mich mit Sandra. Während des Essens und dem anschließenden Spaziergangs ist sie die ganze Zeit am Reden. Eigentlich wollte ich ihr das mit der Fluglizenz erzählen, aber ich komme gar nicht dazu. Mache ich das halt nächstes Mal. Die Pause ist um, und wir verabschieden uns mit einem Küsschen auf die Wange. "Wir telefonieren dann später", sage ich noch. Ich mache dann zeitig Feierabend und fahre zur Behörde. Die liegt günstiger Weise auch am Flugplatz. An der Auskunft melde ich mich an und bekomme den Weg zu dem Büro erklärt. Ich komme auch gleich an und werde nett von dem Herrn begrüßt, mit dem ich vorhin telefonierte. Das schriftliche geht schnell und ich bekomme auch die auf den neuen Namen ausgestellte Lizenz. Bevor ich gehe, halten wir noch einen Smalltalk. Wenn ich schon mal hier bin, dann fahre ich natürlich auch noch zum Vereinsheim herüber. Drinnen treffe ich auf Daniela und Rainer. "Hallo Steffi", begrüßen sie mich. "Hallo, na ihr?", antworte ich. "Dir muss doch das Ohr geklingelt haben", sagt Rainer grinsend. "Wieso?" frage ich ahnungslos. "Ich wollte Dich anrufen und fragen, ob Du mal mit in die Spindel schauen willst", sagt Rainer, "die hat jetzt die ersten 100 Betriebsstunden rum." "Na klar, gerne", antworte ich. Zusammen gehen wir zu den Winden. Dort treffen wir auch Volker. Herzlich begrüßen wir uns. Volker schraubt dann auch gleich die Abdeckung ab. In der Zwischenzeit ist auch Dirk dazu gekommen. Gemeinsam schauen wir hinein. "Auf den ersten Blick sehe ich keine Auffälligkeiten", sage ich, "läuft sie ruhig?" "Ja, da gibt es auch keine Auffälligkeiten", sagt Volker. Kurz danach wird auf dieser Winde ein Flieger hochgezogen. "Sieht echt super aus", sage ich, "da haben wir ja mal richtig was gekonnt." Rainer, Dirk und Volker grinsen. Eine Weile schaue ich noch zu. Immer mal wieder wird ein Flieger hochgezogen. Mein Handy klingelt. Sandra ruft an. "Hallo Stefanie", sagt sie, nachdem ich mich gemeldet habe, "ich mache jetzt schon Feierabend. Wo bist Du grade. "Auf dem Segelflugplatz", antworte ich wahrheitsgemäß. Stille am anderen Ende. "Aha und was machst Du da?" fragt Sandra ahnungslos. "Ich schaue mit drei Freunden, wie die Winde läuft, die wir kürzlich repariert haben", antworte ich. "Das klingt ja alles spannend", sagt Sandra, "darf ich vorbei kommen?" Na klar, wer soll es Dir denn verbieten?" frage ich schelmisch. Sandra lacht. "Dann komme ich jetzt mal vorbei", sagt sie dann. "Melde Dich am besten im Vereinsheim", sage ich noch. "OK", sagt Sandra. Ich lege auf. "Wer war das?" fragt Rainer neugierig. Auch die anderen Beiden schauen gespannt. "Meine neue Lebensgefährtin", antworte ich. "Soso", sagt Rainer grinsend. "Na dann wissen wir jetzt, woran wir bei Dir sind", sagt Dirk lachend. "Dann passe mal auf deine Daniela auf", flaxt Volker. Ich grinse nur. Von den Winden aus sehe ich Sandras Auto auf den Platz fahren. Sie geht ins Vereinsheim. Kurz danach geht auch mein Handy, Danielas Nummer wird angezeigt. "Naaa, Daniela?", frage ich. "Daniela lacht. "Steffi, hier ist eine Dame, die dich besuchen möchte, bist Du noch an den Winden?" fragt Daniela. "Ja, bin ich", antworte ich. "Dann kommen wir mal hoch", sagt Daniela. Kurz danach kommen sie aus dem Vereinsheim und gehen in unsere Richtung. Ein paar Minuten sind sie unterwegs. Volker Rainer und Dirk schauen natürlich hin. "Steffi, du hast Geschmack, was für eine schöne Frau", sagt Volker leise zu mir. "Danke", sage ich genauso leise. Dann kommen sie bei uns an. Kurze Vorstellungsrunde und schon stellt Sandra eine Frage nach der anderen. "Meine Güte, hast Du heute Quasselwasser getrunken?" frage ich lächelnd, als ich kurz mal dazwischen komme. ""˜Schuldigung", sagt Sandra grinsend. Dann erkläre ich ihr kurz, was wir hier machen, und warum. Die Winde zieht den nächsten Flieger hoch. Sandra schaut begeistert zu. "Wollen wir mal zum Startpunkt hoch gehen?" fragt Daniela Sandra. "Ja gerne", sagt Sandra und schaut mich an. "Ich komme gleich mal hinterher", sage ich. Sandra und Daniela gehen los und unterhalten sich angeregt. "Meine Güte, so kenne ich sie noch gar nicht", sage ich grinsend. "Weiß sie, dass Du die Lizenz hast?" fragt Dirk. "Nöö, ich kam noch nicht dazu", antworte ich. "Na, das schreit ja förmlich nach "aus Versehen" hochgezogen", sagt Rainer flaxend. Ich schaue hinter den beiden hinterher. "Warum nicht?" sage ich dann grinsend, "ich gehe mal mit hoch." "Ich schreibe Daniela mal eine Nachricht dazu", sagt Dirk noch lächelnd.

Ich gehe zum Startplatz. Sandra und Daniela sind schon da. Kurz danach komme ich an. Daniela hat Dirks Nachricht schon gelesen. Ich schaue einem Flieger hinterher, der grade hochgezogen wird. "Bist Du schon mal mitgeflogen?" fragt mich Sandra. "Ja", antworte ich, "das macht schon Spaß", sage ich. Ein Zweisitzer steht ein paar Meter abseits. Es ist grade wenig Flugbetrieb, die eine Winde reicht zum Hochziehen aus. "Willst Du Dich mal reinsetzen?" fragt Daniela Sandra. Sandra zögert, dann sagt sie zu. "Wir können ja mal rumfragen, ob jemand Zeit hat mit Dir eine Runde zu drehen", sagt Daniela zu Sandra. Sandra schaut mich an. "Das würde ich mir nicht zweimal sagen lassen", sage ich zu Sandra. Daniela und ich schieben den Flieger etwas heran. Sandra setzt sich dann auf den vorderen Sitz. Das ich das Schleppseil einhänge bekommt sie nicht mit weil sie schon wieder angeregt mit Daniela spricht. Ich gehe zum Cockpit. Daniela erklärt die Instrumente. Was mich dabei wundert, dass Sandra eine gewisse Ahnung davon hat. Woher kennst Du das?" frage ich schließlich. "Einer meiner Onkel hat einen Motorflugschein, da bin ich oft mitgeflogen", sagt Sandra. "OK, aber einen Flugschein hast Du nicht?" frage ich. "Nee, leider nicht, hätte ich mal machen sollen", sagt Sandra. Jetzt müsste sie doch langsam mal fragen, ob ich so ein Flieger fliegen darf. Das war doch die Steilvorlage. Stattdessen fragt sie, ob ich nicht mal hinten einsteigen will. "Ja, wenn Du möchtest", sage ich und steige ein. "Das muss schon schön sein, mit dir in den Wolken kreisen", sagt Sandra. Ich mache die Haube zu. "Guck, noch mehr Feeling", sage ich und wundere mich, warum ihr das nicht komisch vorkommt. Ich zeige Daniela den Daumen hoch. "Startbereitschaft an Winde 1", hören wir Daniela über Funk sagen. "Verstanden", kommt von Gabi. Was Sandra immer noch nicht stutzig werden lässt. Ich zeige Daniela das zweite Mal den Daumen. "Winde , Start frei", sagt Daniela. Wieder kommt ein "Verstanden" von Gabi. Sandra schaut zum anderen Flieger rüber. Unser Seil strafft sich und es gibt einen Ruck. "Ach du scheiße", sagt Sandra, "sind wir an Winde 1?" Der Flieger bewegt sich langsam und wird immer schneller. "Stefanie, die sollen stoppen", ruft Sandra aufgeregt, "oh mein Gott." Ich bringe den Flieger zum Schweben. "Ah! Stefanie, was jetzt?" fragt Sandra aufgeregt. "Steigflug" sage ich trocken und ziehe den Steuerhebel ran. Der Flieger geht sofort steil nach oben. "Scheiße, scheiße, scheiße", höre ich von Sandra. "He Sandra, der Funk ist an", sage ich trocken. "UAH, wie kannst Du so locker dabei bleiben?" ruft sie erregt. Das Seil klinkt aus. "Oh man, wie kommen wir aus der Nummer raus?" fragt Sandra. "Willst Du schon wieder runter?" frage ich sie. "Stefanie! Hast Du keine Angst?" fragt sie und dreht sich zu mir um. Ich fliege eine Kurve nach links. "Erstmal aus der Startzone raus", sage ich. So langsam scheint es ihr zu dämmern. "Stefanie? Kannst Du etwa so ein Ding fliegen?" fragt sie erstaunt. "Sandra, glaubst Du etwa, die würden hier jemanden hochziehen, der keine Lizenz hat?" frage ich dagegen und lächele sie lieb an. "Du darfst "¦, du kannst"¦", stottert sie. Ich hole meine Lizenz aus der Handtasche, die neben meinem Sitz liegt und gebe sie ihr. Erstaunt schaut sie drauf. "Deswegen bin ich heute auch hier", sage ich, "die habe ich auch umschreiben müssen." Sie schaut mich erstaunt an. "Das hättest Du mir aber auch sagen können", sagt Sandra, "na ja, hm, mein Fehler, ich habe Dich ja nicht zu Wort kommen lassen." Sie bekommt feuchte Augen. "Sandra, war das jetzt zu heftig?" frage ich sie und bekomme ein schlechtes Gewissen. "Nein Stefanie, ist in Ordnung", sagt Sandra und schnieft leicht, "ich ärgere mich grade über mich selber." Ein wenig erleichtert frage ich sie: "Möchtest Du wieder runter oder magst Du mit mir eine Runde drehen?" Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht. "Ich möchte noch mit dir hier oben bleiben", sagt sie dann. "Dann genieße den Flug", sage ich, "herzlich willkommen an Bord." "Ach Stefanie", seufzt sie.

Ich hatte die ganze Zeit nebenbei nach Anzeichen für einen Aufwind gesucht und flieg auch prompt in einen rein. "Über Funk melde ich mich: "Hallo hier ist Thermiknatter Stefanie, starke Thermik in Nähe der Eisenbahnbrücke über den Kanal." "Danke", kommt mehrfach über Funk. "Thermiknatter?" fragt Sandra. Während wir in der Thermik nach oben kreiseln erzähle ich ihr meinen Werdegang hier im Verein. "So lange bist Du schon dabei?" fragt Sandra, "das ist echt toll." Als die Thermik zu Ende ist, nehme ich Kurs auf die Stadt. Sandra schaut herunter. "Da unten ist mein Schuppen", sagt sie grinsend, als sie ihr Haus gefunden hat. "Na Gottseidank hat sie ihren Humor wieder", flaxe ich. Sandra dreht sich um, schaut mich an und lächelt mich mit einem Funkeln in den Augen an. "Du bist so süß", sage ich. Wir fliegen mittlerweile über den südlichen Stadtgebieten. "Hier in der Nähe wohnen doch meine Eltern", sagt Sandra. Ich orientiere mich jetzt an dem See, der hier ist. Sandra schaut und sagt dann: "Da ist es, da vorne." "Ruf doch mal an", sage ich. Sandra nimmt ihr Handy, wählt die Nummer ihrer Eltern und stellt das Handy auf mithören. Wir sind über dem Grundstück ihrer Eltern angekommen und umkreisen es. "Hallo Sandra, mein Kind", hört man ihren Vater. "Hallo Papa", sagt Sandra, Ihr sitzt auf der Terrasse, wie ich sehe." "Äh, wie bitte, wo bist Du, das Du uns sehen kannst?" fragt ihr Vater. "Hier oben", sagt Sandra. In ihren Rückspiegeln am Cockpit kann ich sie grinsen sehen. "Wie? Was?" fragt ihr Vater. "In dem Segelflugzeug, was grade über euch kreist", sagt Sandra. "Das ist aber schön", hört man ihre Mutter, "wie kommst du dazu?" "Wartet kurz", sagt Sandra und macht ein Foto von uns beiden, "ich schicke ein Foto." Sie tippt am Handy herum. "So jetzt müsstet ihr ein Bild haben", sagt Sandra. "Ja", sagt ihr Vater, "ist das Stefanie hinter dir?" "Ja ist sie", sagt Sandra stolz. "Also folgendes", sagt Sandras Vater, "wenn ihr wieder gelandet seid, kommt ihr sofort hier vorbei. Wir möchten Stefanie aber nun endlich mal richtig kennenlernen." "Gerne", sage ich lachend. "Bis nachher dann", sagt Sandra noch. In einer Thermik lassen wir uns wieder hochtragen. Ich schaue zur Sonne. "Lass uns mal zum Flugplatz zurückkehren", sage ich, "das ist bald vorbei mit den Aufwinden." "Wenn Du das sagst, meine kleine Thermiknatter", flaxt Sandra. "He Du" sage ich gespielt entrüstet. "Ist das leicht zu fliegen?" fragt Sandra. "Versuchs doch einfach mal", sage ich. "Hilfst Du mir ein bisschen?" fragt Sandra. "Na klar", sage ich. Ich lasse Hände und Füße auf der Steuerung. Und unterstütze wenn es nötig ist. "Das ist toll", freut sich Sandra, "ich möchte das auch können." "Ich glaube, wegen Dir würde ich einen Trainerschein machen", sage ich. "Stefanie", das wäre ja toll", sagt Sandra freudig. Wir kommen wieder am Flugplatz an. Zum Landeanflug muss ich ihn halb umrunden. Dazu fliege ich eine langgestreckte Kurve in der ich gleichzeitig die Flughöhe reduziere. Wir werden beide leicht in die Sitze gedrückt. "Huh, Stefanie, das ist ja cool", freut sich Sandra. Die Landebahn liegt jetzt vor uns. "Ich bin wiedermal noch zu hoch", sage ich zu Sandra, "es gibt gleich noch mal ein "Huh-Effekt"." "OK", sagt Sandra erwartungsvoll. Ich drücke den Steuerknüppel leicht nach vorne. Der Flieger geht in den Sinkflug. "Huh, huh", sagt Sandra aufgeregt. Beim Abfangen des Sinkfluges werden wir wieder leicht in die Sitze gedrückt. "Ist das cool", freut sich Sandra, "Achterbahn ist nichts dagegen." Die Landung gelingt mir dann auch noch butterweich. Ich bremse den Flieger ab, langsam rollen wir aus. Mit dem letzten Schwung rolle ich nach rechts weg, um die Landepiste freizumachen.

Als wir stehen mache ich das Kabinendach auf. Sandra schnallt sich ab und schaut mich strahlend an. "Wunderschön, Stefanie, ich könnte noch stundenlang mit dir durch die Wolken toben", sagt sie überaus erfreut. "Das freut mich, dass es Dir gefallen hat", sage ich, "das können wir gerne wiederholen." Dann steige ich aus und reiche Sandra meine Hand. Die nimmt sie gerne an und steigt auch aus. Dann drückt sie mich erstmal richtig und gibt mir einen kleinen Kuss hinters Ohr. "Lass uns mal den Flieger in Richtung Startplatz schieben", sage ich. "Das geht ja leicht", wundert sich Sandra. Zwei jüngere Männer kommen uns entgegen. "Dürfen wir euch den Flieger abnehmen?" fragen sie. "Na klar", sage ich, "aber ihr müsst euch sputen, die Sonne verschwindet langsam." "Alles klar", sagen die beiden. Sie kommen auch gleich an die Winde. Wir schauen hinterher, wie der Flieger hochgezogen wird. "Von hier hinten sieht es am spektakulärsten aus", sage ich. "Stimmt", sagt Sandra und schaut fasziniert hinterher. Sandra stellt sich vor mich hin und legt ihre Arme um meine Schultern. "Steee-faaa-nie, das war sehr schön", sagt sie mit einer ganz lieben Stimme, "kommen da noch solche Überraschungen?" "Ich glaube, das war es dann so langsam", sage ich leise und küsse sie. Dann gehen wir Händchenhalten am Startplatz vorbei. Gudrun, eine ältere Dame, die ich schon von früher kenne, schaut uns lächelnd an. "Ihr seid so ein schönes Paar", sagt sie, "ihr strahlt so ein "Glücklich Sein" aus." "Sind wir auch", sage ich. Dann helfen wir noch, ihren Flieger nach vorne zu schieben. Rolf hängt das Seil ein. Kurz danach wird Gudrun hoch gezogen. Wir stehen dicht dahinter. "Das macht ja lustige Geräusche", sagt Sandra. "Ja, einmal das Rad beim Rollen auf dem Rasen", sage ich, "und dann der Luftzug am Flieger und am Seil." Wir schauen noch hinterher, bis oben das Seil ausklinkt. Dann gehen wir weiter zum Vereinsheim. "Mal schauen, ob Daniela noch einen Kaffee hat", sage ich. "Oh ja, ein Kaffee wäre toll", sagt Sandra. Wir gehen ins Vereinsheim. Daniela sitzt am Schreibtisch und lächelt uns an. "Na, Steffi, den obligatorischen Kaffee nach dem Fliegen", frag sie dann. "Na klar", sage ich erfreut. "Und Sandra, Du auch?" fragt Daniela. "Ja gerne", sagt Sandra lächelnd. Während wir unseren Kaffee schlürfen, fragt Daniela Sandra ein bisschen aus, wie es war. "Na ja, der Start war ja aufregend", sagt Sandra, "aber sonst supertoll." "Du hast auch eine der besten Fliegerinnen hier als Partnerin", sagt Daniela. Es schießt mir natürlich sofort die Röte ins Gesicht und Sandra dreht sich auch prompt zu mir hin. "Hihi, die ist so taff, die Stefanie, aber wenn sie gelobt wird, wird sie knallrot", sagt Sandra lächelnd. "Ach menno", sage ich. Daniela lächelt ebenfalls. "Ist doch nicht schlimm, Steffi", sagt Daniela dann noch. Dirk kommt dann auch noch dazu und erkundigt sich nach Sandras befinden. "Ihr habt wohl noch ein schlechtes Gewissen, wegen der Hochzieh-Aktion vorhin", sagt Sandra lachend. Dirk schaut sie erstaunt an. "Das ist doch in vielen Vereinen so, dass die "Neuen" erstmal gefoppt werden", sagt Sandra dann noch. Dirk schaut immer noch erstaunt. "War doch bei uns genauso", sage ich, "weißt Du noch, wie lange wir Thermikplane gesucht haben?" "Stimmt", sagt Dirk lachend, oh Mann, lang ist es her." "Dirk und ich haben damals zusammen die Ausbildung gemacht", erklär ich Sandra. "Aha", sagt Sandra anerkennend. "Hast Du nicht auch das "Auftriebwerk" erfunden?" fragt mich Daniela grinsend. "Unter anderem", lacht Dirk. "Ihr seid so locker und so nett", sagt Sandra, "ich könnte hier glatt anfangen." Das wäre schön", sagt Daniela, "es sind ja viele Paare hier." "Schlaf ruhig noch mal eine Nacht drüber", sage ich, "aber so nebeneinanderfliegen ist auch was Schönes." Sandra lächelt mich verträumt an. Wir trinken noch unsere Kaffees aus. Dann verabschieden wir uns. "Vielen Dank", sagt Sandra dann, "ihr seid wirklich ein netter Haufen." "Dankeschön", sagen Daniela und Dirk. Sandra und ich gehen zu unseren Autos. Wir drücken uns nochmal. "Ich danke Dir nochmal für den schönen Rundflug", sagt Sandra leise in mein Ohr, "und Engel ist jetzt erst recht ein schöner Name für Dich." Eine kleine Freudenträne läuft über meine Wange. "Danke Sandra", sage ich leise.

Re: Blutengel

Verfasst: Di 16. Mär 2021, 12:28
von ExuserIn-2021-04-19
Sehr schön, liebe Steffi. (he)

Re: Blutengel

Verfasst: Di 16. Mär 2021, 12:33
von Engelchen
Freu mich schon auf die Fortsetzung....

Liebe Grüße
Lisa

Re: Blutengel

Verfasst: Mo 22. Mär 2021, 14:02
von Stephanie
Bei Sandras Eltern

Ich fahre auf den Weg zu ihren Eltern hinter Sandra her. Zu meiner Überraschung fährt sie etwas gelassener als sonst. Dafür ruft sie mich jetzt auf meinem Handy an. "Ich wollte Dich schon mal etwas vorwarnen, bezüglich der Fragen, die mein Vater gerne stellt", sage Sandra. "OK, ich habe ihn ja schon kurz kennengelernt", sage ich. "Stimmt", sagt Sandra, "er ist halt sehr direkt. Einige meiner früheren Partnerinnen kamen da nicht mit klar." "Wie ist er denn sonst so drauf, so typischer Banker?" frage ich. "Nee gar nicht", antwortet Sandra, "er wäre am liebsten Fernsehtechniker geworden. Durfte er aus familiären Gründen aber nicht." "Na dann wird er mit Schlosser-Steffi doch kein Problem haben, oder?" frage ich. Sandra lacht. "Ich glaube das passt schon", sagt Sandra dann, "ach so eines noch, wenn wir da angekommen sind, bleib einfach sitzen. Mein Vater holt Dich am Auto ab. Macht er zu gerne." "OK", sage ich lachend. Kurze Zeit später fahren wir bei ihren Eltern auf den Hof. Im Gegensatz zum letzten Mal sind die Pflanzen grün und sie blühen. Das sieht richtig schön aus. Ich parke neben Sandra, schnalle mich ab und bleibe wie Sandra sagte sitzen. Sandras Eltern kommen die Treppe herunter. Sandra steigt aus und begrüßt ihre Eltern. Sandras Vater kommt zu meinem Auto, öffnet die Tür und reicht mir seine Hand an. Ich drehe mich elegant mit geschlossenen Beinen zur Seite (meine Güte, wie lange habe ich das geübt), nehme die Hand an und steige aus. "Herzlich willkommen, Stefanie, ich begrüße Sie auch im Namen meiner Frau sehr herzlich", sagt er dann. "Vielen Dank", sage ich lächelnd. Er schließt die Autotür und bittet mich vor ihm herzugehen. Sandra und ihre Mutter strahlen. "Stefanie, wie eine Prinzessin", sagt Sandra erfreut, als wir bei beiden ankommen. "Ich muss doch meinem Namen gerecht werden", antworte ich lächelnd. "Stefanie, die gekrönte", sagt Sandras Mutter dann auch. Ich lächele sie an. Dann bittet ihr Vater uns herein. Drinnen muss ich erstmal staunen. Rechts und links gehen geschwungenen Treppen nach oben und treffen auf eine Galerie. Schöne alte Bilder hängen oben auf der Galerie und an den Aufgängen. Ansonsten ist es eher schlicht gehalten, in hellen Farben. Ich schaue Sandras Eltern an. "Das ist ja schön", sage ich, da fühlt man sich gleich wohl." "Das freut mich, dass es Ihnen gefällt", sagt Sandras Mutter. "Mal so nebenbei", sagt Sandra, "ich darf Stefanies Eltern duzen." "Mädchen, nun lass doch Stefanie erstmal ankommen", sagt Sandras Mutter, "das können wir doch gleich noch klären." "Sie ist immer etwas ungeduldig", sagt Sandras Vater dann zu mir. In seiner Stimme klingt ein leichtes Feixen mit. Sandra wird rot im Gesicht, was ich natürlich gleich mit "wie süß" kommentiere. "Ach menno", sagt Sandra, "das mit dem Rot-werden-kommentieren ist ein Running Gag bei uns beiden."

Dann bittet uns ihr Vater in ein Zimmer mit knuffigen, gemütliche Ledersesseln und -sofa. "Der Salon?" frage ich. "Präzise beobachtet", sagt Sandras Vater wieder mit einem süffisanten Unterton. Ich lächele ihn an. "Ich glaube bei uns beiden stimmt die Chemie", sagt er. Ich lächele jetzt stärker und nicke. "Bitte nehmt Platz", sagt Sandras Mutter dann. Eine Dame kommt mit einem Tablett auf dem schlanke, hohe, gefüllte Gläser stehen und stellt es auf den Tisch. Sandras Mutter bedankt sich. Mein Staunen kann ich nicht verbergen, was zu leichter Erheiterung bei den anderen führt. Wir nehme dann jeder ein Glas. "Zum Wohl", sagt Sandras Vater, "schön, dass wir uns nun mal kennenlernen." "Zum Wohl", sage ich und trinke einen Schluck. Ich habe ja irgendwie (warum weiß ich auch nicht) Champagner erwartet. Ich bin zwar keine Expertin, aber das ist keiner. Aber sehr wohlschmeckend ist das. "Das ist ein Prosecco?" frage ich. Sandras Vater schaut mich erstaunt an. "Ja, das stimmt", sagt er noch erstaunt. "Der erinnert mich an einen, den ich vor etlichen Jahren von einem italienischen Bekannten bekommen hatte", sage ich, "und ich habe den nirgends wieder gefunden." Sandras Vater lächelt. "Da kann ich dann gerne helfen", sagt er dann.
"Sandra hat ja schon einiges erzählt", sagt ihre Mutter, "ich würde gerne noch einiges fragen, wenn ich darf." "Ja, gerne", antworte ich, "es kommen ja auch noch immer neue Erkenntnisse heraus." Dann stellt sie mir Fragen über meine Person, Familie, sie fragt in einer netten aber dezenten Art. Ich antworte offen und ehrlich. Nebenbei schaue ich zu Sandra, sie strahlt im ganzen Gesicht. "Danke, Stefanie, sie haben ein sehr schöne, ehrlich Art", sagt Sandras Mutter. "Ich hätte ja auch noch ein paar Fragen", sagt Sandras Vater locker, "ich würde aber gerne Du sagen, das ist mir angenehmer." Jetzt strahlt Sandra noch mehr. "Können wir gerne tun", sage ich. "Na gut", sagt Sandras Mutter, ich heiße Elvira." "Ich heiße offiziell Johannes Hermann", sagt Sandras Vater, "aber dreimal darfst Du raten, wie sie mich nennen." "Hm, das ist schwer", sage ich lächelnd und tue so als ob ich raten müsste, "vielleicht "¦ "¦ Hans?" "Richtig", sagt er grinsend, "ich höre aber auch auf die richtigen Namen." Auf das "Du" stoßen wir dann noch mal an. Dann fragt er mich über meinen Beruf und meine Hobbies. "Gelernt habe ich Maschinenschlosserin, gearbeitet als Werkzeugmacherin und jetzt bin ich Angestellte", sage ich und erläutere das noch genauer. Hans schaut mich erfreut an. "Auch wenn ich jetzt Schreibtischtäterin bin, das Arbeiten mit den Händen kann ich immer noch, und mache es auch gerne", sage ich dann lächelnd. Ich erzähle auch die Möglichkeiten, die ich durch die Verwaltung in der alten Spedition habe. Elvira und Hans kommen aus dem Staunen nicht hinaus, was Sandra sehr amüsiert. "Na ja, Hobbies habe ich auch einige", führe ich weiter aus, "eins habt ihr ja vorhin schon gesehen." "Kannst Du mich auch mal mitnehmen?" fragt mich Elvira dann auch ganz direkt, "ich bin noch nie in einem Segelflieger geflogen. "Ja, gerne", sage ich lächelnd. "Das ist schön, Mama", sagt Sandra, "mit Stefanie macht das richtig Spaß." Dann erklärt sie auch noch die "Thermiknatter". Ich zähle auch noch meine anderen Hobbies auf, unter anderem auch das Musikmachen in der Band. Das ich gerne auf dem Wasser bin, gerne wandere. "Eins hast Du noch vergessen", sagt Sandra und schaut grinsend zu ihrem Vater. "Welches?" frage ich. "Warte ich habe Fotos und Filmchen auf dem Handy" sagt Sandra. "Ach ja, wie konnte ich das vergessen", sage ich grinsend, "das typische Mädchenspielzeug." Sandras Eltern schauen auf das Handy. Hans macht große Augen. Dann schaut er mich an. "Spätestens jetzt hast Du mich rumgekriegt", sagt er grinsend, "aber das ist ja eine tolle Anlage." Auf den Bildern sind zum Teil meine Töchter zu sehen, was Elvira kommentiert: "Hübsche Kinder hast Du." "Danke" sage ich lieb. "Und sie schlagen ganz nach Frau Papi", sagt Sandra dann grinsend. "Das ist ja auch ein schöner Ausdruck", sagt Elvira dann noch. "Hast Du deine Eisenbahn noch?" fragt Sandra ihren Vater. "Ja, im Keller", antwortet er, "sie funktioniert, ist aber noch im Rohbau. Wir können gerne mal schauen gehen." "Das können wir gerne im Rahmen einer Hausbesichtigung machen", sagt Elvira. "Sehr gerne", sage ich , ich bin ja etwas neugierig." Elvira freut sich. "Das ist ja noch größer als ich mir es vorgestellt habe", sage ich nach einiger Zeit. "Na ja wir mussten ja auch vier Kinder unterbringen", sagt Hans. Sandra hat noch drei Geschwister. Einen älteren Bruder, sowie eine jüngere Schwester und einen jüngeren Bruder. Alle vier aber dicht hintereinander. In der Küche sind zwei Angestellte dabei, ein Abendbrot vorzubereiten. Auch hier sorgt mein Staunen für Erheiterung. Dann gehen wir in den Keller. Als ich die Eisenbahn sehe, staune ich erst richtig. "Meine Güte, ist die riesig", sage ich, "und das obwohl meine auch schon nicht klein ist." Zentimeter für Zentimeter taste ich mit den Augten die Anlage ab, währen Hans sie anschaltet. "Fährst Du analog oder digital?", frage ich. "Noch analog", antwortet Hans, "ich wollte schon länger auf digital umbauen, aber mir fehlt die Erfahrung." Ich schaue zu Sandra, dann sage ich zu Hans: "Ich könnte Dir helfen, ich habe meine auch selber auf digitalen Betrieb umgebaut", sage ich. "Auch die Decoder in die Loks gebaut?", fragt er. "Auch das kann ich", sage ich. "Stefanie, das wäre ja toll", sagt er lächelnd, "dann schließen wir uns den ganzen Winter hier ein." Ich lächele lieb. Eine Weile schauen wir noch zu, dann ruft eine der Angestellten Elvira. "Kommt ihr dann? Das Essen ist fertig", sagt Elvira dann. Hans schaltet wieder alles ab und wir gehen auch hoch. Bevor wir ins Esszimmer gehen, hält mich Sandra zurück. Freudestrahlend sagt sie leise: "Stefanie, so habe ich meine Eltern noch nie erlebt, wenn ich eine Freundin vorgestellt habe. Du hast dich richtig in ihre Herzen gespielt." "Ich bin doch wie immer", sage ich verlegen. "Genau das ist dein Geheimnis", sagt Sandra lächelnd.

Das Abendessen ist eine Art warm-kaltes Buffet, mit vielen Gemüsesorten nach Antipasti Art. "Ist das lecker", lobe ich, "das ist genau mein Geschmack." "Das Kompliment gebe ich gerne in die Küche", sagt Elvira lächelnd. Nach dem Essen fragt Sandra: "Wie steht es denn eigentlich um den Segeltörn, den wir in den Ferien machen wollten?" "Ganz gut soweit", sagt Hans, "das Schiff kommt rechtzeitig von der Überholung." Ich schaue erstaunt. Sandra klärt mich auf: "Wir wollen von Hamburg aus einmal um Dänemark herumfahren. Über die Elbe in die Nordsee, dann die Küste hoch bis zum Skagerrak, dann in die Ostsee bis Lübeck und dann über den Elbe-Lübeck-Kanal zurück." "OK, und wie lange dauert das?" frage ich. "Na, so vier bis fünf Wochen braucht man", sagt Hans, "war in der Vergangenheit so." Sandra lächelt mich an. "Kommst Du mit?" fragt sie dann. "Wenn ich darf", sage ich, "ich habe fünfeinhalb Wochen Urlaub, ab 2. Juli." "Das passt", sagt Hans, da wollen wir los. Du kannst aber gerne noch mal eine Nacht drüber schlafen." Dann erfahre ich noch, dass Hans"˜ Bruder mit Frau mit fährt, sowie Sandra älterer Bruder mit Frau. "Scheint ja ziemlich groß zu sein, das Schiff", sage ich noch erstaunt. "Ja, zwanzig Personen bekommen wir unter", sagt Hans. "Klingt spannend", sage ich dann noch. Nach dem Essen bleiben wir noch lange sitzen und unterhalten uns angeregt. Dann wir es Zeit für den Aufbruch. Sandras Eltern begleiten uns raus. Hans führt mich wieder gentlemanlike zu meinem Auto. Elvira und Sandra unterhalten sich noch kurz auf der Treppe und kommen dann auch herunter. "So ihr beiden, das war ein sehr schöner Abend", sagt Elvira lächelnd, "und auch schön ist es die Frau kennengelernt zu haben, die Sandra so glücklich macht." "Danke schön", sage ich leicht verlegen, "ich freue mich ebenfalls, auch dass ihr mich so nett aufgenommen habt." "Gerne, Stefanie", sagt Elvira. Wir steigen dann in unsere Autos und fahren zu Sandra. "Stefanie, das war toll, wie meine Eltern dich aufgenommen haben", sagt Sandra erfreut, als wir ausgestiegen sind, "meine Mutter hat sich richtig gefreut und gesagt, dass wir beide so gut zusammen passen. Und ich soll aufpassen, dass Du nicht verschwindest." Ich lache. "Das ist auch nicht meine Art, ich bin die treueste Person auf dem Planeten", sage ich zu ihr. Sandra umarmt mich und küsst mich innig. Wir gehen in ihre Wohnung. Ohne viel reden landen wir im Bett und lieben uns ausgelassen. Erschöpft, aber zufrieden schlafen wir dann ein.

Re: Blutengel

Verfasst: Do 25. Mär 2021, 12:16
von Stephanie
Die Verwalterin dreht ab

Ich wache auf, weil Sandra leise neben mir "something stupid" singt und dabei zuschaut, wie ich aufwache. "Oh, ist das schön, hast Du eine süße Stimme", sage ich dann zu ihr und küsse sie. Zusammen gehen wir wieder ins Badezimmer und machen uns für den Tag zurecht. Anschließend machen wir unser Frühstück. "Ihr habt heute wieder Übungsabend?" fragt Sandra. "Ja, haben wir", antworte ich und verteidige mein Toastbrot gegen eine etwas angriffslustige Katze. Sandra amüsiert sich, weil ich mich absichtlich etwas dusselig anstelle und es mit lustigen Sprüchen kommentiere. Zum Schluss ziehe ich das Brot aber weg und besteche die Katze mit einem Leckerli. Das findet sie dann auch OK. "Ich fahre aber etwas früher hin", sage ich, "weil ich für Kristin noch eine Achse für ihr Moped drehen will." "Kristin ist die Mini-Spezialisten?" fragt Sandra. "Genau", antworte ich, "kommst Du dann auch vorbei?" "Hm nee," druckst Sandra herum, "ich muss mal wieder nähen." "Oh, cool", sage ich, "kannst Du das gut?" "Na ja, meine Oma war Schneidermeistern in Hamburg", antwortet Sandra, "sie hat mir viel gezeigt." "Ist ja stark", sage ich. "Kannst Du auch nähen?" fragt Sandra. "Na ja, ein bisschen", antworte ich, "es beschränkt sich in erster Linie auf das enger nähen von Kleider, aufgrund meiner Körperform." "Super Stefanie", sagt Sandra, "ich bringe dir gerne Tipps und Tricks bei." "Au ja", sage ich begeistert. "Und am Samstag treffe ich mich mit ein paar Freundinnen zum Nähen", sagt Sandra dann vorsichtig, "das machen wir eigentlich regelmäßig. Ist das schlimm, wenn wir uns da nicht sehen?" "Ist völlig OK", antworte ich lächelnd, "es ist doch gut, wenn jede ihre Freiräume hat und die Kontakte zu Freundinnen müssen gepflegt werden." "Das stimmt, Stefanie", sagt Sandra erleichtert. "Macht ihr dann Sonntag weiter?" frage ich noch. "Ja meistens machen wir das mit Übernachtung, weil wir abends noch gesellig zusammen sitzen", sagt Sandra, "wir frühstücken dann noch zusammen am Sonntag und dann ist auch Feierabend. Du kannst aber gerne jederzeit vorbeikommen." "Mal schauen", sage ich, "ich bin am Samstag wieder auf dem Flugplatz. Dirk machte neulich noch eine Anmerkung, dass ein Flieger aus der Nähe Berlin zurückgeschleppt werden muss. Da ist neulich ein Mitglied von uns gestrandet." Sandra schaut mich mit funkelnden Augen an. "Wir können gerne am Sonntag dann noch eine Runde drehen, wenn ihr fertig mit Nähen seid", sage ich. "Gerne Stefanie", sagt Sandra begeistert. "Vielleicht kriege ich es hin, dass wir über das mutmaßliche Gewächshaus von Torben fliegen", sage ich weiter. "Das wäre doch auch was für Katja, das ist doch ihr Geheimprojekt", sagt Sandra grinsend. "Soso", sage ich und schaue Sandra geheimagentenmäßig an, "was Du alles weißt." "Hat sie mir auf der Party erzählt", sagt Sandra dann noch. "Mal schauen, ob Katja Zeit hat und ob der Segler ein Zweisitzer ist", sage ich, "muss ich noch klären." Sandra lächelt. "Ach, Stefanie, mit Dir wird es wohl nie langweilig", seufzt Sandra. An der Wohnungstür holt Sandra einen Schlüssel mit einem Herzanhänger auf dem ein großes "S" ist aus dem Schlüsselkasten. "Stefanie, der Schlüssel passt für Haus- und Wohnungstür", sagt Sandra und gibt ihn mir, "der ist für Dich." "Danke Sandra", sage ich erstaunt. Sie nimmt mich in den Arm und sagt: "Du bist hier immer willkommen." Dann küsst sie mich. "Meine Arbeitszeiten sind so unberechenbar", sagt sie dann noch zur Begründung, "so brauchst Du nicht auf mich zu warten." "Nochmal Danke, liebe Sandra", sage ich immer noch beeindruckt von dieser Geste. Wir machen uns auf den Weg zu unseren Autos, steigen ein und fahren los. Natürlich fährt mich Sandra auch heute wieder vor die Halle, nachdem sie mich auf dem Parkplatz abgeholt hat. Mittags treffen wir uns wieder zum Essen und drehen danach noch unsere Runde. "Schau mal Sandra, da steht ein Eiswagen vor dem Tor", sage ich, "darf ich dir ein Eis spendieren?" Oh, gerne Stefanie", sagt Sandra. An warmen Tagen steht da immer ein Eiswagen. Wir gehen hin. Ein paar Leute stehen noch vor uns Schlange. Dann sind wir auch schon dran und bestellen uns das Eis. Anschließend setzen wir uns auf ein flaches Mäuerchen in der Nähe und genießen unser Eis. "Das Schöne am Eis essen als Mädel ist, dass man eine gewisse Erotik beim Ablecken der Eiskugeln machen kann", sage ich grinsend und schaue unauffällig zu einer Gruppe Männer hin. "Stefanie, Du bist gemein", sagt Sandra lächelnd, "ob ich jetzt noch vernünftig arbeiten kann." "Oh, "˜tschuldigung", sage ich grinsend. Sandra schaut mich lieb von der Seite an. "Und die Kerle da können bestimmt auch nicht mehr geradeaus gehen", sagt Sandra leise. "I-hi", sage ich nur. Dann ist unsere Pause schon zu Ende. Wir verabschieden uns und gehen jeder zu seinem Arbeitsplatz.

Um halb Vier mache ich Feierabend und fahre zur Spedition. Recht bald bin ich auch da. Meine Gitarre hole ich schon mal aus dem Kofferraum, den Dudelsack lasse ich noch mal liegen. In der Werkstatt treffe ich Kristin. "Hallo Steffi", sagt sie erfreut. "Hallo Kristin", grüße ich zurück, "können wir loslegen?" "Ja, es liegt schon alles an der Maschine", sagt sie. "Ich zieh mir nur eben schnell mal eine Jeans an", sage ich, "im Rock wollte ich nun nicht an die Drehmaschine." Ich gehe hoch in den Übunsraum, lege die Gitarre ab und ziehe mich in einem Nebenraum um. Als ich mich umgezogen habe, gehe ich runter zur Drehmaschine. Jürgen ist auch da. "Na, du wohnst hier, was?" flaxe ich. Jürgen grinst. "Ich bin halt ein wenig neugierig", sagt er dann. Ein Stück Rundmaterial liegt auf der Drehmaschine. "Wisst ihr zufällig, was das für ein Stahl ist", frage ich. "Nicht so wirklich", antworten beide. "Ist halt nur so, dass ich gerne wüsste, was da auf mich zu kommt", sage ich grinsend. Ich nehme den Stahl, gehe zum Schleifbock und schalte ihn an. Dann halte ich den Stahl an vorsichtig an die Scheibe und beobachte die Funken. "Was machst Du da?" fragt Kirsten. "Ich schaue, wie die Funken aussehen", sage ich, "daran kann man ungefähr abschätzen, wieviel Kohlenstoff im Stahl ist und daraus ableiten kann, welche Festigkeit der Stahl hat, jedenfalls ungefähr." "Aha", staunt Kirsten. "Und daraus ergibt sich, wieviel ich mit einem Schnitt runterfetzen kann", sage ich grinsend. "Stark Steffi", sagt Jürgen. "Gelernt ist gelernt", sage ich lächelnd, "hätte nicht gedacht, dass ich das noch mal brauche." Anschließend schaue ich auf die Zeichnung und lege für mich fest, wie ich vorgehe und was ich für Drehmeißel brauche. Dann suche ich alles zusammen. Ich spanne den Stahl in die Maschine ein und mache mich mit der Maschine vertraut. Dann fange ich an. Erstmal kommen an beiden Seiten Zentrierbohrungen rein. Dann drehe ich einmal über die gesamte Länge mit Aufmaß über. Anschließend drehe ich die Zapfen für die späteren Gewinde. "Schön, dass auf der Zeichnung gleich die Zollmaße ins Metrische überführt sind", sage ich , "das erleichtert einiges." Zwischendrin messe ich immer wieder nach. Die Messwerkzeuge hat Jürgen mir hingelegt. "Die sind aber von feinsten", bemerke ich. "Danke", sagt Jürgen und freut sich. Nach einiger Zeit nehme ich das Teil aus der Maschine und schaue es genauer an. Tom und Micha kommen in die Werkstatt. "Was ist denn hier los?" fragt Tom grinsend. "Nichts Besonderes", antworte ich trocken, "ich drehe grade total ab." Jetzt schauen Tom und Micha mich erstaunt an, während sich Kristin und Jürgen amüsieren. "So dann gehe ich mal ins Finish", sage ich und spanne das Teil wieder ein. Ich drehe den Außendurchmesser auf Fertigmaß. Dann mache ich die Gewindefreistiche und die Fasen an den Gewindezapfen. Tom und Micha sind jetzt erst recht am Staunen. "Was macht ihr denn jetzt schon hier", frage ich die beiden. "Der Sänger von der anderen Band für das Hoffest ist heute kurzfristig zur Absprache hier", sagt Tom, während Micha schon wieder das Gesicht verzieht. "Samantha kommt auch gleich", sagt Micha dann noch, "vielleicht schaffst Du es ja auch rauszukommen." "Mal schauen, sind ja nur noch die Gewinde", sage ich und schaue in den Schrank mit dem Drehzubehör. Ich befördere einen Schneidapparat hervor und staune mit großen Augen. Jürgen schaut amüsiert. "Stand die Maschine schon immer hier," frage ich Kristin und Jürgen. "Ja, aber das Equipment ist teilweise neu", sagt Jürgen "Ja, sehe ich hier dran", sage ich und halte den Schneidapparat hoch, "noch völlig unbenutzt. Und die Maschine ist auch Bombe in Schuss." Während ich die Maschine umbaue, schaut Samantha rein. "Kommt ihr dann kurz raus?" fragt sie. Tom und Micha wollen grade los, da drängelt sich ein Mann an Samantha vorbei, schaut mich an und fragt mich: "Wer bist Du jetzt?" Ich sehe Micha an, dass er gleich platzt, dann sage ich zu dem Typen: "Du hast keine gute Kinderstube gehabt, was?" Alle anderen halten die Luft an. Bevor jemand was sagen kann, rede ich weiter: "Hast Du nicht gelernt, wie man sich vorstellt?" "Äh, ja"¦", stammelt er. "Pass auf, Du gehst noch mal raus, sammelst Dich kurz und kommst dann wieder rein und stellst Dich ordentlich vor", sage ich weiter. Tom platzt gleich, vor Lachen. Tatsächlich geht der Typ wieder raus, kommt aber nicht wieder rein. "Ich mache gleich weiter", sage ich zu Kristin und Jürgen, "ich geh mal kurz hin und schaue, was das wird." Kristin und Jürgen lächeln. "OK", sagt Kristin dann. Ich gehe in den Nebenraum. Die anderen stehen an dem großen Tisch, an dem wir neulich alle zusammen lecker gefuttert habe. Auch Harald und Jessi sind da. Ich gehe zu dem Tisch. "Guten Tag, ich bin die Stefanie", stelle ich mich dem Typen vor, "ich bin seit ein paar Wochen Bandmitglied bei den "5 rätselhaften Herren" und nebenbei helfe ich auch gerne hier in der Werkstatt. Wer bist Du?" Der Typ schaut mich völlig entgeistert an. Tom steht dahinter und amüsiert sich immer noch. Micha ist dann schon etwas gelöster, aber eine Anspannung merkt man ihm trotzdem an. Samantha macht keine Anstalten sich irgendwie zurückzuhalten. Sie grinst die ganze Zeit und zwinkert mir zu. "Ja, äh, ich bin Robert", sagt der Typ dann, "ich bin der Sänger und Manager der Band "to the Hills" und ich bin hier um festzulegen, wie das dann auf dem Hoffest laufen soll. Weil, ihr seid ja kurzfristig dazugekommen." "Moment, Du legst jetzt fest, wie das laufen soll?" frage ich schnippisch. "Ja klar, wir sind schon seit Jahren dabei", sagt Robert, "wir haben praktisch das Hausrecht." "I-hi", sage ich amüsiert, "wenn hier einer Hausrecht hat, dann ist das mein Onkel, dem das Gelände hier gehört." Robert schaut mich entgeistert an. "Aber egal, erzähl mal weiter", sage ich. Robert ist sichtlich irritiert, dann fasst er sich. "Wir spielen immer als letzter Act", sagt er dann, "ich habe allerdings ein Problem damit, wenn eine Schützenfesttruppe vor uns spielt." "Alter, hörst Du mal auf mit dem Scheiß", platzt es Micha heraus. "Du hast übrigens noch die Tanzschulen vergessen", sage ich grinsend zu Robert. "Genau, und damit haben wir im Schnitt mehr Auftritte im Jahr, als ihr", sagt Samantha mit einem süffisanten Unterton. Und ich setze noch einen drauf. "Hast Du etwa Angst wir laufen euch den Rang ab?" frage ich. Robert sagt nichts, ich sehe ihm aber an, das er innerlich kocht. "Also, klein Bruce (Anspielung auf den Sänger von Iron Maiden, Bruce Dickinson), für Dich zur Info, wir geben mit dem Auftritt unseren Einstand hier auf dem Hof, das haben wir mit den Betreibern der Werkstatt so vereinbart", sage ich. Harald und Jürgen nicken. "Wieso Einstand?" fragt Robert ungläubig. "Weil wir auf dem Gelände hier unseren Übungsraum haben", sagt Micha genervt. "Und es gehört zum guten Ton hier, dass man sich gegenseitig hilft", fügt Tom hinzu. Die Mädels und Jungs aus der Werkstatt nicken dazu. "Du kommst also gar nicht drum herum dich mit dieser Tanzschulen- und Schützenfesttruppe als Vorband abzugeben", sage ich grinsend.

Samantha nimmt den Faden wieder auf. "Wann habt ihr in den vergangenen Jahren immer gespielt", fragt sie Robert. Der ist immer noch von der Rolle. "Äh, wir spielen immer von 20.00 — 23.00 Uhr", sagt er dann. Weil ich grade auf Krawall gebürstet bin, frage ich schnippisch: "Immer noch die gleiche abgedroschene Show, die ihr seit Jahren auch auf dem Altstadtfest abzieht?" "Ey pass mal auf", mokiert sich Robert. "Was denn?" frage ich, "glaubst Du, Du bist hier der einzige der hier Leute durchbeleidigen darf?" Samantha und Tom können sich nicht mehr beherrschen und verlassen prustend den Tisch. Robert ist irritiert, dann fasst er sich. "Ihr spielt aber bitte schön kein Heavy Metal", sagt er fordernd. "Das musst Du schon uns überlassen, was wir spielen, ja?" sagt Micha genervt. "Genau, aber um dich etwas zu beruhigen, klein Bruce", sage ich zu Robert. "Sag nicht klein Bruce zu mir", sagt er genervt. "Na gut, aber um dich zu beruhigen, wir spielen dann doch lieber Boogie á la Status Quo und Rock"™n"™Roll á la Motörhead", sage ich grinsend. "Motörhead ist Heavy Metal", widerspricht mir Robert. "Ich weiß ja nicht aus welchem Universum du kommst", sage ich grinsend, "aber kennst Du die Ansage von Lemmy Kilmister? "We are Motörhead and we"™re playing Rock"™n"™Roll?" Kennst Du das?" Robert schaut mich völlig entgeistert an. "Also ihr spielt von 20.00 — 23.00 Uhr?" fragt Samantha noch mal nach, " das ist fix?" "Ja", antwortet Robert. "Dann stimmen wir uns mit den Organisatoren und den anderen Acts ab, wie wir dann abfahren", sagt Samantha. Robert kocht vor Wut. "Das geht mir hier gewaltig gegen den Strich", sagt er wütend. "Nun ja", sagt Harald, "aber die Zeiten ändern sich nun mal." "Geile Steilvorlage", denke ich mir und singe dann laut eine Textzeile von Bob Dylan: "And you better start swimmin', or you'll sink like a stone,
for the times they are a-changin'." "Wir hören noch voneinander", sagt Robert und verlässt wutentbrannt die Werkstatt. "Tse", sage ich beiläufig, "was ein A********." "Sage ich doch", sagt Micha, der jetzt etwas entspannter ist. "Ist wirklich nicht dein Freund?" frage ich. "Wegen einer ähnlichen Diskussion hätte ich ihn beinahe verprügelt", sagt Micha, "da hat er Cordula und Samantha grob beleidigt." "Also, ich bin durch Steffis Aktion eben gerächt", sagt Samantha immer noch erheitert, "großes Kino, Steffi." "Uns geht er auch schon länger auf die Nerven, mit seinen Allüren", sagt Harald, "jedes Jahr zwingt er sich hier aufs Neue auf." "Was sagen seine Bandkollegen eigentlich dazu", frage ich. "Keine Ahnung", sagt Harald, "die setzt er aber wohl auch unter Druck."

"In einer Viertelstunde geht es oben los", sagt Micha. "Das schaffe ich wohl nicht pünktlich", sage ich, "wenn "Klein Bruce" nicht gewesen wäre, dann hätte ich es schon geschafft." "Mach in Ruhe", sagt Tom grinsend. Ich gehe dann wieder mit Kristin und Jürgen in die Werkstatt. Die Gewinde sind recht schnell dran gedreht. Mit einer Messingbürste entferne ich den letzten Grat. Dann gebe ich das Teil Kristin. Sie dreht die Muttern zur Überprüfung drauf. "Passt super", sagt sie strahlend, "super lieben vielen Dank, Steffi." "Immer wieder gerne", sage ich. Kristin geht rüber in die Werkstatt um die neue Achse einzubauen. Ich mache derweil die Drehmaschine sauber. Jürgen hilft mir dabei. Die Jungs fangen oben schon mal an zu üben. "Das hört man aber laut hier", sage ich erstaunt. "Aber nur, wenn die Türen offen sind", sagt Jürgen. "Heute und nächste Woche üben wir noch für das Schützenfest", sage ich, "danach legen wir eine härtere Gangart auf." "Wenn Du singst, ist es eigentlich völlig egal, vom wem das Lied ist,", sagt Jürgen, "Du hast so eine geile Stimme, du kannst echt alles singen." Und zack! schießt mir wieder die Röte ins Gesicht. Jürgen grinst. "Danke!" sage ich lieb. Die Maschine ist soweit sauber und ich bedanke mich bei Jürgen für seine Hilfe. Dann gehen wir nach neben an. Kristin bastelt an ihrem Moped. "Die Achse passt auf Anhieb", sagt Kristin erfreut. "Schickes Motorrad", sage ich, " was ist das genau für eine?" "Das ist eine Triumph Bonneville Baujahr 75", sagt Kristin, "ist aber ein bisschen modifiziert." "Cooles Ding", sage ich erstaunt, passt gut zu Dir." Kristin strahlt mich an. "Danke, Steffi", sagt sie dann.

Re: Blutengel

Verfasst: Mo 29. Mär 2021, 13:01
von Stephanie
Übungsabend, schottisch angehaucht

Ich gehe zum Treppenhaus. Grade als ich hochgehen will, fällt mir ein, dass ich ja noch den Dudelsack im Auto habe. Also hole ich ihn und gehe zurück ins Treppenhaus. Dort warte ich, bis die Jungs oben mit dem üben fertig sind. Dann fange ich an zu spielen. Diesmal habe ich mich für "When the Battle is over" entschieden, passt ja zu dem Schlagabtausch mit Klein Bruce vorhin. Als ich die Treppe hochgehe, steht Kristin staunend und lächelnd in der Tür zu Werkstatt. Samantha und die Jungs schauen von oben herunter. Ich betrete dann den Übungsraum und spiele zu Ende. Samantha strahlt mich an. "Wie cool bist Du denn drauf?" sagt sie. Hinter mir taucht Kristin in der Tür auf. "Steffi!?!" sagt sie erstaunt. "Mädels, ist das eure Musik?" frage ich lächelnd. "Total", sagt Kristin, "ich bin ja nicht nur Fan von britischen Autos und Motorrädern, ich finde ja auch sonst vieles gut, was von der Insel kommt." Ich schaue dann zu Samantha. Sie strahlt immer noch. "Bei mir liegt das im Blut", sagt sie, "ich bin halbe Schottin." "Wie jetzt?" frage ich erstaunt. "Mein Vater war hier in Deutschland von der britischen Armee in Wolfenbüttel stationiert", sagt Samantha, "da hat er dann meine Mutter kennengelernt. Nachdem wir Kinder groß waren, sind sie nach Schottland zurück gegangen." "Ist ja cool", sage ich erstaunt. Samantha lächelt mich an und fragt mich dann über den Dudelsack aus. "Darf ich auch mal?" fragt sie dann. "Na klar", antworte ich und gebe ihn rüber. Dann legt Samantha los. Sie kann das richtig gut. "Wow", sage ich, "Du bringst mir bestimmt noch einige Tricks bei?" frage ich dann lieb. "Auf alle Fälle, Steffi", sagt Samantha begeistert, "ich habe ja selber auch einen." "Klasse", sage ich, und schaue zufällig zu Carlos. Der hat feuchte Augen. "Sorry, damit hat sie mich damals rumgekriegt", sagt Carlos leise. Samantha geht zu ihm hin und gibt ihm einen dicken Kuss.

"Ihr bringt mich grade auf eine Idee, wegen des Dudelsacks", sagt Kristin, "auf früheren Hoffesten hatten wir auch mal eine Gruppe mit Dudelsack und Trommeln, aber die haben sich vor ein paar Jahren aufgelöst." Samantha lächelt sie an. "Ich kenne noch einige Gruppen", sagt Sie, "ich könnte gerne Kontakte vermitteln." "Das wäre ja toll", sagt Kristin. Dann gehen beide raus, um das in Ruhe abzusprechen. Ich schaue erstaunt hinterher, dann sage ich zu den Jungs: "Was das ausgelöst hat, das wir uns bei Jens und Bernie getroffen haben." "Toll, nicht?", sagt Alex grinsend. "Unglaublich", sage ich darauf. "So Steffi, Adele und Amy Winehouse stehen auf dem Programm", sagt Frank lächelnd zu mir. "Gerne, ich habe da auch noch Ergänzungen", antworte ich. "OK, schieß los", sag Alex. "So für die Disco Fox- oder Einheitsschritt Tänzer", sage ich und zähle auf, "Sophia B. Hawkins; Right beside you, Eurythmics; Love is a stranger, Texas; Summer son, Desireless; Voyage, Voyage." Frank unterbricht mich staunend. "Du kannst französisch?" fragt er. "Ja klar", antworte ich, "und sprechen auch." "Ey Steffi mein Blutdruck", flaxt Micha und drückt die Beine zusammen. "I-hi", sage ich, "ach so, und Amanda Lear; Follow me nicht zu vergessen." "Mädel, Du weißt aber was, Du da für ein Schaden mit anrichten kannst?!" sagt Tom lachend. "Ansonsten hätte ich noch Natalie Imbruglia mit Torn im Angebot, oder Tasmin Archer mit Sleeping Satelite", sage ich. Die Jungs schauen mich erstaunt an. Nur Frank lächelt. "Die Noten und Tabs habe ich alle da", sagt er dann. "Meint ihr, das schafft ihr bis zum Fest?" frage ich selbstbewusst. "Auf alle Fälle", sagt Alex. "Was hast Du da eigentlich noch in dem Gitarrenkoffer", fragt mich Micha. "Da ist meine alte akustische Gitarre drin", sage ich und hole sie heraus, "schon ein bisschen besseres Modell. Aus meiner Zeit, wo ich klassische Gitarre gelernt habe." Ich nehme die Gitarre, setze mich auf einen Hocker und spiele die Anfangssequenz von Vaya con Dios; Nah Neh Nah. Weil mir das auf Anhieb gelingt fange ich dann auch an zu singen. Die Jungs schauen fasziniert. Kristin und Samantha kommen wieder rein und schauen auch begeistert. "Boah, Steffi, super geil", sagt Carlos, als ich fertig bin. "Klasse", sagt Samantha. "Ja, akustische Gitarre kann sie", sagt Tom lachend.

Nachdem sich alle beruhigt haben sagt Frank: "So ihr anderen, an die Instrumente, wir üben jetzt die Lieder, die Steffi genannt hat. Die Bildschirme mit den Noten sind für alle Instrumente an." "Jawohl, Professor", sagt Tom lächelnd. "Die ersten Lieder sind ja ziemlich Keyboardlastig", stellt Alex fest, "müssen wir mal schauen, ob wir die noch ein wenig um arrangiert kriegen." "Fahr doch erstmal die Keyboards ab", sage ich zu Frank, was er dann auch macht. Während ich singe, überlegen sich die Jungs, wo sie mit ihren Instrumenten einsetzen können. So nach und nach nehmen die Stücke Gestalt an. "Wenn wir das nächste Woche noch vertiefen, dann müsste es klappen", sagt Micha. "Ja, da bin ich zuversichtlich", sagt Carlos. Um kurz vor Zehn machen wir dann Schluss. "Puh, ich bin dann doch etwas kaputt", sage ich. "Na ja, war dein Tag, was?", flaxt Tom, "aber war cool, wie die "Klein Bruce" außer Gefecht gesetzt hast." "Musste sein", antworte ich grinsend, "ich kann solche Leute, die so arrogant rüber kommen, nicht ab." "Na ja mal abwarten, was da noch kommt", sagt Micha vorsichtig, "der hat eine andere Band schon mal mit einer Androhung über einen Anwalt stillgelegt." Ich grinse. "Das kann er hier ja gerne versuchen", sage ich, "das Hausrecht hat mein Onkel. Und mich hat er ja als Verwalterin eingesetzt." "Stimmt ja", sagt Micha und es huscht ihm ein Lächeln über das Gesicht. "Wenn der nicht spurt, fliegt er vom Hof", sage ich dann noch, "aber haltet ihm gegenüber das mit der Verwalterin erstmal zurück." "OK", sagt Alex grinsend, "meinste da kommt noch mal was?" "Bestimmt", sagt Micha. Wir schalten dann alles aus und schließen den Raum ab. In der Werkstatt verabschieden wir uns dann auch. "Tschüss dann bis nächsten Mittwoch", sagt Tom in die Runde. "Macht"™s gut", sage ich. Nacheinander verlassen wir dann den Hof. Auf dem Weg nach Hause denke ich noch mal über die ganze Zeit nach, die ich die Jungs jetzt kenne. Grundsätzlich sind sie um Längen besser auf den Instrumenten, als ich, also grade Micha und Alex als Gitarristen. Na klar, sie haben längere Übung. Das hat mich aber immer wieder zweifeln lassen. Was ich letzter Zeit aber mitbekommen habe, ist, das meine Stimme mein Instrument ist und die ergänzt sich richtig gut mit dem Können der Jungs. Und auch die akustische Gitarre ist mein Trumpf, da tun sich Micha und Alex doch schwer mit. Das räumt meine Zweifel dann doch aus. "Ich bin schon eine komische Nudel", denke ich mir, als ich zu Hause auf den Garagenhof fahre, "hohes Selbstbewusstsein und Zweifel liegen dicht beieinander."

Ich fahre das Auto in die Garage und gehe dann anschließend zum Haus. Ich schließe die Haustür auf. Im Keller brennt Licht, also gehe ich mal runter. Ebi sitzt mit Willi bei einem Glas Bier. "Guten Abend", wünsche ich. "Hallo Steffi", sagt Willi erfreut, "magst Du ein Bier?" "Oh ja gerne, ich habe eine ganz trockene Kehle", sage ich lächelnd. "Habt ihr wieder geübt?" fragt Ebi. "Ja, haben wir", antworte ich. Dann lasse ich mir das frisch gezapfte schmecken. Da die Türen zum Treppenhaus offen sind, höre ich nach einiger Zeit eine ekstatische Damenstimme. Und kurz danach ein: " Jaah! Ooooaah"¦" Ich schaue in Richtung Treppenhaus. "Tarzan kommt zu alter Stärke zurück", sage ich grinsend. "Hm, na ja, das ist eher Ablenkung", sagt Ebi etwas besorgt, "der kann dich einfach nicht aus seinen Gedanken streichen." "So schlimm?" frage ich, "er weiß doch mittlerweile auch Bescheid über mich, oder?" Ebi nickt. "Das tut ihm aber keinem Abbruch", sagt er dann, "außerdem kommt er wohl nicht damit klar, dass Du lesbisch bist." "Hm, da müsste er mal mit mir drüber reden, aber er flüchtet ja immer, wenn ich die Initiative ergreife", sage ich. "Ja, ist nicht einfach", sagt Ebi. Ich bleibe noch sitzen und trinke noch ein kleines Bier mit den Beiden. Ebi befragt mich dann auch noch ein bisschen vorsichtig zu Sandra. Um kurz nach Elf löst sich unsere Runde dann auf. Als ich vor meiner Wohnungstür stehe, geht oben bei Jochen die Tür auf. "Ich fahre dich noch nach Hause", sagt er zu seiner Liebschaft. Schnell schließe ich meine Tür auf und gehe in die Wohnung. Ist besser, er sieht mich nicht, sonst wirft es ihn vielleicht wieder aus der Bahn. Trotzdem schaut er beim Vorbeigehen zu meiner Tür. Ich mache mich Bettfertig und gehe ins Schlafzimmer. Auf dem Handy sehe ich, das Sandra noch Online ist, also rufe ich sie mal an. Wir reden noch eine Weile, dann verabreden wir uns für morgen.

Re: Blutengel

Verfasst: Mo 29. Mär 2021, 15:40
von Engelchen
Danke schön für die nächsten Kapitel.
Du schreibst das sehr schön und macht Freude darauf wie es weitergeht.

Liebe Grüße
Lisa