Kapitel 46: Nichts bleibt wie es ist, auch in der Liebe
Viele werden sich fragen: "Was ist eigentlich aus diesem Michael geworden?"
Der Michael, das war doch dieser gutaussehende, große und stattliche Mensch, dieser Stuttgarter Unternehmer da, der unter anderem in Auslandsimmobilien machte und der in der Stuttgarter Oper damals in dieser Nacht da (eines der ersten Kapitel dieser Story) seine Finger nicht immer bei sich halten konnte. Wie geht es dem eigentlich inzwischen? Sein sexueller Geschmack war ja bekanntlich nicht klein, was aber der Erica damals gar nicht einmal unrecht war, denn auch ihre Bedürfnisse in der betreffenden Sache waren ja nicht unbedeutend, und somit bewahrheitete sich auch im Fall der Beiden wieder die alte Volksweisheit: Jedes Töpfchen findet sein Deckelchen.
Erica und Michael waren dann fast zusammengezogen, bzw. er besaß zwar immer noch sein Haus in Halbhöhenlage (das ist in Stuttgart ein Synonym für eine Wohnlage, die gut und teuer ist) Er war inzwischen aber so oft bei Erica, dass man hätte meinen können, er wohnt jetzt ganz bei ihr. Das ging eine ganze Zeit lang gut. Da wir nun aber wissen, dass gerade in der Liebe der Teufel ein Eichhörnchen ist und oft nichts bleibt wie es ist, begannen sich auch bei Erica bald darauf ein paar Fragen einzuschleichen, und die betrafen vor allem Michaels sexuelle Vorlieben. Damit meinte sie nicht seine sexuelle Ausstattung (die groß war und stark) oder die Häufigkeit, mit der er sie begehrte (praktisch immer und überall), sondern (wir ahnen es) seinen Wunsch nach Oralsex, insbesondere diese deepthroat-Sache hatte es ihm offenbar sehr angetan. Deepthroat ist etwas, das er wohl mal in irgendwelchen amerikanischen Filmen (Linda Lovelace läßt grüßen) gesehen hatte und das ihn dann offenbar dermaßen angemacht hatte, dass er dann fast alle seine Freundinnen, und er hatte nicht wenige, auch neben Erica, damit löcherte. Hier kommt dann wieder das gemeine Volk zu Wort, und, so einfach es klingt, darin liegt viel Weisheit:
"Was dem een sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall."
Also der Erica war es keine Nachtigall, nein wirklich nie, es war ihr immer eklig gewesen, aber sie tat es trotzdem, bzw. sie ließ es gelegentlich zu, lies es über sich ergehen, des lieben Friedens willen.
Die drei Mädels saßen also einige Zeit später noch etwas länger in der Kantine, die sich schon geleert hatte und hatten noch einen Kaffee vor sich. Der Chef, Dr. Schmidt war nicht da und somit war zwar nicht sturmfreie Bude, aber die drei konnten es sich schon mal erlauben, die Pause mal ein wenig zu überziehen. Valerie und Alice waren gut drauf, aber Erica schien etwas auf dem Herzen zu haben, das sie unbedingt loswerden musste. Als sie eine Weile herumgedruckst hatte, kam es aber doch recht unvermittelt aus ihr:
"Ehhh, was ihr noch nicht wisst, mit Michael und mir, ich weiß nicht so recht, wie das in Zukunft noch weitergehen wird..."
Sie stoppte dann unvermittelt und wartete auf die Rückfrage der beiden Freundinnen, die auch sofort die Ohren gespitzt hatten. Dann war es Valerie, die ganz naiv fragte:
"Was ist denn los? Stimmt was nicht mit ihm?"
Aber sie hatte, als sie das sagte, wirklich überhaupt keine Ahnung über das was Erica so sehr bedrückte. Diese ließ es dann aber auch sofort und in voller Gänze raus, was ihr Problem mit Michael war, wie sehr sie sich bedrängt fühlte von seinen eigenartigen Wünschen oder Bedürfnissen, die doch wirklich sehr "exquisit" waren, wie sie es bei sich selbst nannte, wie sehr sie es zwar verstünde, aber wie sehr sie sich jedes mal dabei ekelte, wenn er versuchte, ihr die Spitze seines Schwanzes in den Hals zu schieben. Frauen reden über solche intimen Dinge, Frauen sind da anders als Männer, Frauen machen aus ihrem Herzen keine Mördergrube.
Valerie konnte die Freundin voll verstehen. Sie erinnerte sich noch sehr gut an Michaels Versuch, sie selbst zum Deepthroat zu überreden. Damals, als die drei, Erica, Michael und sie selbst nach dem Opernabend halb betrunken dort noch rumgemacht hatten in Ericas neuer Wohnung in Cannstatt und er gleich mit seinem Spezialwunsch auf sie zugekommen war. Wie sehr sie es ihm zuliebe versucht hatte, sein Glied im Hals aufzunehmen, was aber erfolglos blieb, weil sie diesen speziellen Trick nicht draufhatte, den es wohl dafür braucht. Und schließlich, wie blöde sie dann darauf seinen Anweisungen gefolgt war, es doch mit großen Chiquita-Bananen zu versuchen, um zu quasi zu trainieren für diese Sache. Valerie kam verstand sich selbst nicht mehr, eigentlich kann man auch sagen, sie schämte sich.
Die drei fanden so schnell keine Lösung, aber dann war es Alice, die Erica zuriet, sie solle den Michael in seine Schranken weisen, sie solle halt auch mal massiv werden, wenn er damit nicht aufhörte. Manchen Männern muss man auch mal sagen, wo es langgeht, so die Alice, sonst würden sie übermütig.
Wir lassen das Krisengespäch für heute mal so stehen. Wem die Geschichte gefällt, der darf gerne liken, so was baut die Autorin ungeheuer auf. Die nächsten Kapitel werden sich dann wieder mit mehr mit Valerie beschäftigen, und zwar damit wie ihre Arbeitswelt umgeht mit ihrer neuen Rolle als Frau.
Lieben Gruß und kommt gut in den November.
Eure Valerie
