Seite 2 von 2
Re: Das Weibliche - eine unbekannte Definition
Verfasst: Mo 9. Feb 2015, 13:58
von ExUserIn-2026-04-08
Hi Ulrike-Marisa,
"meine eigenen ureigensten Gefühle und Wünsche, bzw. auch Vorstellungen, von dem, was ich meine, was es ausmacht, weiblich zu sein."
Und was meinst Du damit konkret ? Was ist es, von dem Du denkst, es sei weiblich, was Dich lieber "Frau als Mann" sein lässt ? Und warum kannst Du das nicht als Mann leben ?
Ich denke auch, dass die vermeintlich einfachen Fragen sind schwer zu beantworten und das sie sehr persönlich in der Beantwortung sind. Aber seltsam, niemand konnte je eine wirklich befriedigende Antwort geben, was Männer und Frauen jenseits der Biologie wirklich unterscheidet und warum es Menschen gibt, die (zeitweise) in einem anderen Geschlecht leben wollen, obwohl sie im Prinzip alles was das "andere" Geschlecht lebt, sie auch in ihrem Geburtsgeschlecht tun könnten...
Fragen über Fragen
Vicky
Re: Das Weibliche - eine unbekannte Definition
Verfasst: Mo 9. Feb 2015, 14:17
von ChristinaF
@ Vicky
Naja. Fragen über Fragen stellen sich mir bei diesem thread nicht. Ich fühle mich so wie ich bin sehr gut und muss für mich nicht erst noch mein Geschlecht hinterfragen. Und warum sollte ich dazu noch in die Tiefe gehen und "moralphilosophische Wahrheiten" hinterfragen?
LG
Chrissie
Re: Das Weibliche - eine unbekannte Definition
Verfasst: Mo 9. Feb 2015, 14:40
von Ulrike-Marisa
Hallo Vicky,
weiblich sein heisst für mich u.a. alles das tun und sein zu können, was in meinem Geburtsgeschlecht eben nicht möglich ist und ich da auch nicht oder nie gefühlt habe.
Als Frau fühle ich mich glücklich, alles andere ist für mich mittlerweile gesellschaftlich erforderliche Maskerade und den Lebensumständen geschuldet, die eben so sind. dass mir der volle Weg so nicht offen steht.
LG, Ulrike-Marisa
Re: Das Weibliche - eine unbekannte Definition
Verfasst: Mo 9. Feb 2015, 16:25
von ab08
Hallo alle, hallo Cybill,
eine kurze Antwort habe ich da nicht. --> Es dauerte, bis ich innerlich den Platz fand, wo ich mich verwurzeln konnte.
Das Standardwerk "Das andere Geschlecht" (beide Bände! - I. Fakten und Mythen - II. Gelebte Erfahrung) von Simone de Beauvoir half mir sehr.
Heute betrachte ich mich als eine emanzipierte, transsexuelle Frau, die zu ihrem (weiblichen) Intellekt *) und genauso zu ihren Gefühlen steht.
Liebe Grüße
Andrea
*) Ich schreibe hier weiblich, weil ich Umwelt, Geschichte und Emanzipationsprozesse, die beim anderen Geschlecht eben anders als bei Männern waren, einbeziehe.
P.S. Natürlich gab es andere Quellen (zahlreiche Bücher, persönliche Begegnungen mit Frauen, die mich beeindruckten usw.)
Re: Das Weibliche - eine unbekannte Definition
Verfasst: Mo 9. Feb 2015, 16:39
von ExUserIn-2026-04-08
Hi Chrissie,
mir ist es wichtig, mich selber und die Welt zu verstehen. Ich sehe das auch nicht als "moralphilosophische Fragen", sondern einfach als Neugier. Ich habe festgestellt, dass ich mit meinem Denken und Fühlen meine Verhaltensweisen steuern kann. Je mehr ich es zulassen kann, dass ich anders bin, als meine Umwelt mich sehen will, um so besser geht es mir in dem, was ich tue. Interessanterweise nimmt gleichzeitig der Wunsch nach dem Transen ab. Ich fühle mich sehr viel mehr "in mir zuhause". Ich vermute, der Sinn meines Transen liegt nicht sehr im "Frau sein wollen", sondern ist ein Anzeiger, dass ich gegen mein Leben lebe. Konkret: ich meine "weicheren Anteile" vernachlässige. Damit kann ich mein Transen zu großen Teilen selber steuern. Seit Jahren habe ich nur ein oder zweimal im Jahr überhaupt ein Bedürfnis, das ich dann auch gerne lebe. Ich möchte nicht "Sklave" meiner Bedürfnisse sein, sondern meine Bedürfnisse als "Wegweiser" für ein Leben betrachten, das mir gerecht wird.
Deshalb ist es mir wichtig zu verstehen, warum ich in die weibliche Rolle schlüpfen möchte und was das für mich bedeutet. Aber warum transen ? Warum kann ich nicht als Mann das leben, was ich versuche en femme zu sein ? Ich kann Ulrike-Marisa auch nicht verstehen, wenn sie schreibt "alles das tun und sein zu können, was in meinem Geburtsgeschlecht eben nicht möglich ist". Was soll das denn sein ? Was ist an Rock, FSH und BH denn so anders ?
Natürlich ist das eine rhetorische Frage. Ich fühle ja auch die Faszination, wenn ich mich en femme im Spiegel sehe. Oder hat es damit zu tun, dass ich nicht so bin, wie mein Umfeld mich sehen wollte ? Also eine Art Trotz oder Rache ? Da könnte für mich etwas dran sein, denn ich habe, als ich vor kurzem den Haushalt meiner Eltern aufgelöst habe, sehr intensive Gefühle der Wut und des Trotzes gespürt (ich war alleine). Dabei habe ich mit einige noch gut tragbare Kleidungs- und Schmuckstücke meiner Mutter für mich abgezweigt. Das gab mir merkwürdigerweise Zufriedenheit.
Vielleicht kann ich das Weibliche für mich persönlich als ein Synonym für all das beschreiben, was mir als Kind fehlte oder vorenthalten wurde. Dass es meine Eltern nicht besser konnten, hilft mir natürlich wenig. Vielleicht schlüpfe ich gerne in weibliche Kleidung, weil ich damit genau diese Defizite auszugleichen versuche. Charlotte von Mahlsdorf nannte es einmal:"Ich bin meine eigene Frau". Vielleicht müsste ich es nennen: "Ich bin meine eigene Mutter", die sich liebevoll um mich kümmert.
Grüße
Vicky
Re: Das Weibliche - eine unbekannte Definition
Verfasst: Di 10. Feb 2015, 11:29
von ChristinaF
Danke für deine Interpretation. Ist halt bei vielen sehr verschieden. Bei den einen so, wie bei dir, bei anderen wieder anders; und bei mir gehts gar nicht mehr ums "Transen" sondern schlicht und einfach darum Frau zu sein.
LG
Chrissie
Re: Das Weibliche - eine unbekannte Definition
Verfasst: Di 10. Feb 2015, 12:52
von ExUserIn-2026-04-08
Wobei sich bei mir sofort die Ausgangsfrage wieder meldet: Was ist am Frau sein anders ?
Grüße
Vicky
Re: Das Weibliche - eine unbekannte Definition
Verfasst: Di 10. Feb 2015, 15:30
von ab08
z.B. die Interessenlage (Frauen sind meist(!) andere Dinge "wichtig" als Männern)
Mir ist z.B. wichtig, dass ich und die Menschen um mich herum, sich wohlfühlen. Wenn ich dazu beitragen kann, freue ich mich. Karriere, bewundert werden, etc. nehme ich weniger wichtig.
Sicher gibt es andere Frauen, die das anders sehen und Männer, die das, ähnlich wie ich, sehen. Aber diese Sichtweise begegnete mir eben häufiger bei Frauen.
- Die Art wie die Umwelt auf sie reagiert:
Aufgrund Erziehung und Geschichte werden Frauen anders wahrgenommen und behandelt.
Hübsche Lektüre in dem Zusammenhang: Julia Keay "Mehr Mut als Kleider um Gepäck" - Frauen reisen im 19.Jahrhundert um die Welt - erschienen bei Piper.
Ansonsten hat jede Person ihr ganz persönliches Geschlecht mit individueller Ausprägung. Es handelt sich um ein Kontinuum.
"Weiblich" und "männlich" sind ohnehin nur ganz grobe, etwas stärker ausgeprägte Pole in diesem Spektrum.
Liebe Grüße
Andrea
P.S. Bzgl "transen" - "en femme" etc. für mich alles im Grunde sehr fremd. Ich weiß, dass es das gibt, hör gern zu, kann es aber nicht richtig nachvollziehen/verstehen.
Ich verwende bei mir den Begriff "transsexuell" nur, um körperliche Defizite bzgl normalem Frauenbild auszudrücken.
Ansonsten bin ich weiblich, spielte halt lange - mehr oder weniger geschickt - die Rolle "Mann". 2008 beendete ich das Theater, mehr nicht.