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Re: Thomas„Evangelium Log 22
Verfasst: So 27. Jul 2014, 07:23
von Magdalena
Hallo,
ich bin zwar nicht gläubig im Sinne jeden Sonntag zum Gottesdienst zu gehen, und gehöre keiner Konfesion an. Trotzdem sind mir christliche Werte wichtig. Hat doch die Kirche, mit all ihren Fehlern, unsere Kultur geprägt. Ich habe Freunde, denen der Glaube Halt in schwiergen Zeiten gibt. Und maches Gepräch mit ihnen half auch mir mich so anzunehmen wie ich bin. Und gern besuche ich die Gotteshäuser, besonders im Alpenraum mit ihren prächtigen Gemälden sind sie Zeitzeugen aus dem Leben unserer Ahnen. Und Kirche wird von Menschen gelebt, und diese sind nicht unfehlbar. Glaube ist etwas persönliches. Es gehört gut zur Identität vieler hier im Forum und sollte respektiert werden.
LG Magdalena
Re: Thomas„Evangelium Log 22
Verfasst: So 27. Jul 2014, 07:37
von Anni
Hallo Mädels
Wird hier gerade der nächste Glaubens - bzw. Nichtglaubenskrieg vom Zaun gebrochen ????
... die Worte für eine " tolerantere Zukunft " hab ich schon oft vernommen - allein mir fehlt auch hier so langsam DER Glaube
LG von frecher Anni
Re: Thomas„Evangelium Log 22
Verfasst: So 27. Jul 2014, 10:19
von Franka
Danach erschafft Gott als letztes Geschöpf die Menschen und übergibt ihnen die Erde mit dem Auftrag "Macht sie euch untertan!
Damit fängt das Unheil doch schon an.
Es sind auch nicht Messer, Pistolen und Gewehre die töten, sondern die Menschen, die sie bedienen, trotzdem sind sich zumindest in Deutschland weitestgehendst verboten.
In meinen Augen ist auch die Religion in gewisser weise eine Waffe. Gut die Christen haben das schlimmste hinter sich und sich inzwischen zu einer fast gewaltfreien Religion weiterentwickelt. Ein paar Fanatisten gibts natürlich auch da noch. In anderen Religionen sieht es da leider noch nicht so gut aus. Die haben wohl gerade den Stand erreicht, den wir im Mittelalter hatten.
Braucht man wirklich Religion um armen zu Helfen, schwache zu stützen, verfolgte zu beschützen usw. Nein das geht auch einfach so, mit guter Erziehung, Zivilcourage und einem guten Herzen.
Re: Thomas„Evangelium Log 22
Verfasst: So 27. Jul 2014, 11:22
von Nicoletta
Lina hat geschrieben:MarieB hat geschrieben:Jesus sagte zu Ihnen:
Wenn ihr die zwei zu eins macht und wenn ihr das Innere wie das Äußere macht und wenn das Äußere wie das Innere und das Obere wie das Untere und wenn ihr das Männliche und das Weibliche zu einem Einzigen macht, damit das Männliche nicht männlich und das Weibliche nicht weiblich ist, wenn ihr Augen anstelle eines Auges macht und eine Hand anstelle einer Hand und einen Fuß anstelle eines Fußes, ein Bild anstelle eines Bildes, dann werdet ihr ins Reich eingehen.
Thomas-Evangelium, Log.22
LG
Marie
Das mit "männlich" und "weiblich" ist wohl versehentlih durch die Zensur gerutscht. Von traditionelle Schwulen und Frauen feindliche Römer wurden aus einer ganzen Menge Texte genau DIE ausgewählt und als "Neues Testament" veröffentlicht. Warum genau die weiß wahrscheinlich sowieso niemand von euch, weil kaum offen darüber gesprochen wird.
Nur zwei Sachen sind sicher: Jesus hat nie Das Neue Testament abgenommen und er hat nie eine Kirche gegründet.
Liebe Lina,
ich kann Dir da nicht so ganz folgen. Das Neue Testament ist doch keine römische Textauswahl, an der Ausbildung dessen, was wir heute als Christentum kennen, ist Ägypten doch viel mehr beteiligt als Rom. Dem Verfasser des Thomasevangeliums ging es aber doch auch offensichtlich gar nicht so sehr um Männlich und weiblich, schließlich steht daneben Innen und Außen, Oben und Unten. Es sind schlicht die verschiedenen Dimensionen unserer Existenz, die nun einmal, wie an an den anderen Begriffspaaren deutlicher als bei Weiblich und Männlich zu erkennen ist, dual strukturiert ist bzw. richtiger von uns nur dual wahrgenommen werden kann, weil unser Gehirn nun einmal so gestrickt ist. In allen Religionen, zumindest in den jeweiligen Mystiken, geht es immer um Überwindung der Dualität, um die Erkenntnis, dass Dualität eben nicht die Wirklichkeit ist, sondern Folge unseres Denkvermögens. In den kanonischen Texten sagt Jesus das zwar nicht, er hatte ja auch nicht die nötige philosophische Vorbildung, vor allem aber hätten die einfachen Menschen ihn auch gar nicht verstanden. Ausdruck der Einheit ist bei ihm eben das Reich Gottes, das nicht von dieser (nämlich dualen) Welt ist.
Selbstredend kann Jesus die Evangelien weder verfasst noch die kanonischen ausgewählt oder zensiert, und natürlich auch keine Kirche gegründet im Sinne einer Machtstruktur. Die Kirche in der Welt entsteht erst aus der Notwendigkeit, für Witwen und Waisen zu sorgen,die Mahlversammlungen der Gemeinde zu organisieren und für den Unterhalt der Wanderapostel zu sorgen, alles rein weltliche Aufgaben. Die Kirche freilich als nicht von dieser Welt, als Gemeinschaft der Heiligen, ist sehr wohl Jesu Gründung. Dass dort dann niemand ausgegrenzt wurde, zeigt sein Handeln in der Welt. Das ist doch das Neue bei ihm: er wendet sich nicht ausschließlich an gesetzestreue Juden, sondern provokativ gerade an Sünder und auch an Nichtjuden, und Frauen waren bei ihm nicht Menschen minderen Rechts. Aber das ist ein anderes Thema und hat mit dem Thomasevangelium nichts zu tun.
Schönen Sonntag,
Nicoletta
Re: Thomas„Evangelium Log 22
Verfasst: So 27. Jul 2014, 12:33
von conny
dahlia hat geschrieben:Danach erschafft Gott als letztes Geschöpf die Menschen und übergibt ihnen die Erde mit dem Auftrag "Macht sie euch untertan!
Damit fängt das Unheil doch schon an.
Es sind auch nicht Messer, Pistolen und Gewehre die töten, sondern die Menschen, die sie bedienen, trotzdem sind sich zumindest in Deutschland weitestgehendst verboten.
In meinen Augen ist auch die Religion in gewisser weise eine Waffe. Gut die Christen haben das schlimmste hinter sich und sich inzwischen zu einer fast gewaltfreien Religion weiterentwickelt. Ein paar Fanatisten gibts natürlich auch da noch. In anderen Religionen sieht es da leider noch nicht so gut aus. Die haben wohl gerade den Stand erreicht, den wir im Mittelalter hatten.
Braucht man wirklich Religion um armen zu Helfen, schwache zu stützen, verfolgte zu beschützen usw. Nein das geht auch einfach so, mit guter Erziehung, Zivilcourage und einem guten Herzen.
anscheinend hast du nicht begriffen, was mit "macht euch die erde untertan" gemeint ist, bzw. was christen darunter verstehen.
kritik an religionsfanatikern als kritik an der gesamten religion zu verstehen ist nicht gerade ausweis einer differenzierten betrachtungsweise diese themas. das hatten dir hier auch schon andere versucht zu erklären.
und helfen, stützen und beschützen anderer menschen ist nicht die grundlage einer religion sondern die folge = das vorleben christlicher werte.
du schreibst: "nur beim Glauben habe ich wohl einen gewissen Mangel". nein, du hast nur beim christlichen glauben einen mangel, denn ansonsten GLAUBST du ja, dass es gott nicht gibt.
allen anderen noch einen gesegneten sonntag!
Re: Thomas„Evangelium Log 22
Verfasst: So 27. Jul 2014, 13:11
von Franka
Ich würde das nicht als christliche Werte bezeichnen, sondern menschliche Werte.
Leider sind die meisten Menschen aber immer noch voll Neid und Habgier und nur wenige wirklich sozial eingestellt.
Sonst würde es in der Welt deutlich besser aussehen und es würden keine Waffen mehr in Krisengebiete exportiert. Aber jeder ist sich leider immer noch selbst der Nächste und nach mir die Sinflut.
Das wird dann noch als Erhalt der Arbeitsplätze verkauft, damit die Bürger die Klappe halten. Was mit den Waffen angefangen wird, interessiert niemanden mehr ist ja weit weg.
Außer es trifft, wie jetzt einen Touristenflieger. Die Welt ist so verlogen und habgierig und dabei halten wir uns für die Krone der Schöpfung, da habe ich mehr Respekt vor jedem Ameisenstaat oder Bienenvolk.
Würde der Vatikan mal sein Vermögen an die Armen verteilen, Krankenhäuser bauen oder Schulen in der 3. Welt wäre das für mich menschlich. Aber in der Kirche ist die Obrigkeit genauso korrupt, wie in der Politik.
Normalerweise kann man mit mir über alles reden und ich lasse mich auch gern eines besseren belehren, aber beim Thema Kirche und Religion bin ich wohl echt vernagelt und engstirnig.
Ich kann und will es aber auch nicht ändern, jeder hat halt so seine Macken.
Und damit sollte ich es wohl gut sein lassen, denn es bringt und ja nicht weiter.
Eine in diesem Fall unbelehrbare Dahlia
Re: Thomas„Evangelium Log 22
Verfasst: So 27. Jul 2014, 13:27
von conny
natürlich kann jeder so seine meinung haben, aber mit entsprechender tolleranz für andere, die so gewiss nicht aussieht:
dahlia hat geschrieben:
Ich habe es halt nicht so mit Gott und denke alle die immer noch an Gott, den Weihnachtsmann, den Osterhasen oder Gnome, Trolle oder was auch immer glauben sich mal gründlich untersuchen lassen sollten.
es wäre nett, wenn du das zurücknimmst

Re: Thomas„Evangelium Log 22
Verfasst: So 27. Jul 2014, 13:28
von Nicoletta
Liebe Conny,
ich fürchte, Dahlia hat das mit dem Untertanmachen der Erde noch sehr freundlich verstanden, das im Hebräischen gebrauchte Verb ist noch schlimmer, Grundbedeutung ist "niedertreten, zertrampeln", dann eben "unterwerfen". Aber man muss die Texte auch in ihrem historischen Kontext sehen, als Menschen sich durchaus noch als von der Natur bedroht und durch sie gefährdet sahen, aus dieser Urangst heraus dann dieser Drang, alles Bedrohliche zu vernichten. In altorientalischen Reliefs kann man ja auch den Gestus der Unterwerfung durchaus abgebildet sehen, wenn der siegreiche König seinen Fuß auf die Brust des unterworfenen Gegners setzt. Und es ist auch richtig, dass Religion eine Waffe ist, es ist immer darum gegangen in der Geschichte der Religionen, sich des stärkeren Gottes zu vergewissern. Konstantin der Große zieht in die Schlacht mit dem Zeichen des Kreuzes und siegt und bekehrt sich daraufhin zum Christentum. Erstaunlich fand ich immer die Bekehrung der Ungarn. Nach der Schlacht auf dem Lechfeld wurden die besiegten ungarischen Fürsten bei lebendigem Leibe wie Schweine an Fleischerhaken aufgehängt und verreckten da elend, wobei diese Fürsten wohlgemerkt getaufte orthodoxe Christen waren. Ich hätte ja danach Wut und Empörung bei den Ungarn erwartet, aber das Gegenteil geschah: Sie waren danach überzeugt, dass der katholische Gott stärker sei als der orthodoxe und bekehrten sich zum Katholizismus. Es ist auch richtig, dass man für soziale Fürsorge und menschliches Verhalten Religion nicht braucht und Religion als Machtinstrument gerade menschliches Verhalten oft verhindert, wie wenn im Mittelalter ein siegreicher Feldherr bei den besiegten Städtern nicht zwischen Katholiken und Häretikern unterscheiden konnte und daraufhin befahl, sie alle zu töten, Gott würde die Seinen schon herausfinden. Und ich selbst habe sogar auf dem Athos in einem freilich als fanatisch bekannten Kloster die Meinung gehört, dass es manchmal nötig sein könne, einen Menschen zu töten, um seine Seele zu retten. Das Mittelalter lebt also durchaus noch.
Das alles betrifft aber Religion als Machtinstrument, etwas, das wirklich endlich überwunden werden sollte. Das war aber nicht das Thema des Threads, Ausgangspunkt war doch der Spruch aus dem Thomasevangelium, und dafür bleibe ich bei meinem Verständnis, dass es sich hier also um mystische Aussage handelt, die sich so oder ähnlich in allen Religionen und außerhalb davon in der modernen Naturwissenschaft (ich habe Starkmuth erwähnt) wiederfindet.
LG Nicoletta
Re: Thomas„Evangelium Log 22
Verfasst: So 27. Jul 2014, 14:31
von Franka
conny hat geschrieben:natürlich kann jeder so seine meinung haben, aber mit entsprechender tolleranz für andere, die so gewiss nicht aussieht:
dahlia hat geschrieben:
Ich habe es halt nicht so mit Gott und denke alle die immer noch an Gott, den Weihnachtsmann, den Osterhasen oder Gnome, Trolle oder was auch immer glauben sich mal gründlich untersuchen lassen sollten.
es wäre nett, wenn du das zurücknimmst

Hallo conny,
wir leben im 21. Jahrhundert und nicht mehr in der Steinzeit. Im Grunde wünsche ich mir ein Leben wie es in Raumschiff Enterprise vorgelebt wird, dort arbeitet niemand für Geld oder Profit, sondern um neues zu erfahren und sich und die Menschheit weiter zu entwickeln. Soweit sind wir leider noch nicht.
Wenn du mir einen Beweis für die Existenz Gottes liefern kannst, nehme ich auch meinen Satz gerne zurück, aber solange bin ich als Biologe weiter der Meinung das Jesus und Gott nur ein viel älteres Märchen sind, als die der Gebrüder Grimm. Was mich nur wirklich wundert ist, dass es immer noch so viele Menschen gibt die glauben oder sogar streng gläubig sind. Trauen die sich nicht aus der Gemeinschaft herauszutreten oder ist es die Hoffnung, dass nach dem Tod nicht alles endet? Aber nur weil es viele sind, muss es nicht richtig sein.
Ich kann meinen Satz nicht einfach um des lieben Friedens Willen zurücknehmen, das es meine Meinung und meine Überzeugung ist. Aber vielleicht irre ich ja auch und ihr liegt alle richtig. Nur werde ich es wohl nie erfahren
Re: Thomas„Evangelium Log 22
Verfasst: So 27. Jul 2014, 15:48
von conny
[quote="dahlia]
Ich kann meinen Satz nicht einfach um des lieben Friedens Willen zurücknehmen, das es meine Meinung und meine Überzeugung ist. Aber vielleicht irre ich ja auch und ihr liegt alle richtig. Nur werde ich es wohl nie erfahren[/quote]
ja was denn nun, überzeugung oder GLAUBE der auch das irren einschließt?
wie auch immer, du findest es also in ordnung, gläubige menschen zu beleidigen. mit einer guten erziehung und einem guten herzen hat das leider ziemlich wenig zu tun, dafür braucht man anscheinend dann doch die religion.
Re: Thomas„Evangelium Log 22
Verfasst: So 27. Jul 2014, 16:16
von Franka
Vielleicht habe ich es in meinem Satz etwas überzogen. Ich sollte vielleicht sagen ich habe einfach kein Verständnis für Religion und religiös lebende.
Jemanden Beleidigen wollte ich nicht. Inzwischen haben wir ja festgestellt, dass die Erde keine Scheibe ist und das sie nicht der Mittelpunkt des Universums ist, um die sich die Sonne dreht.
Vielleicht wird ja auch irgendwann mal herausgefunden wie es sich mit Gott und Glauben verhält.
Aber nur weil wir hier alle ein gemeinsames Interesse haben, müssen wir ja nicht in allem konform gehen.
Der / die eine mag Klassik, der / die anderen Rock, wieder andere beides. Was der / die eine gerne isst, mag der / die andere noch lange nicht.
Wir wählen bestimmt auch nicht alle die gleiche Partei. Warum sollte es bei Religion anders sein.
Und wenn du ganz tief in dich hinein hörst, wirst bestimmt auch du ein oder ein paar Punkte finden, für die du kein oder kaum Verständnis hast.
Ich bin zwar der Meinung, das es uns ohne Religion besser gehen würde, aber ich verbiete doch niemandem seinen Glauben.
Und vielleicht gibt es ja auch mal eine Päpstin in nicht all zu ferner Zukunft
Ich kann nun mal mit dem ganzen Thema Kirche nichts anfangen. Natürlich gibt es auch dort Menschen, die sich ganz besonders engagieren und viel gutes tun, aber die gibt es zum Glück überall und sie könnten das auch in einer anderen Organisation genauso gut tun.
Re: Thomas„Evangelium Log 22
Verfasst: So 27. Jul 2014, 16:40
von Lina
Nicoletta hat geschrieben:Lina hat geschrieben:MarieB hat geschrieben:Jesus sagte zu Ihnen:
Wenn ihr die zwei zu eins macht und wenn ihr das Innere wie das Äußere macht und wenn das Äußere wie das Innere und das Obere wie das Untere und wenn ihr das Männliche und das Weibliche zu einem Einzigen macht, damit das Männliche nicht männlich und das Weibliche nicht weiblich ist, wenn ihr Augen anstelle eines Auges macht und eine Hand anstelle einer Hand und einen Fuß anstelle eines Fußes, ein Bild anstelle eines Bildes, dann werdet ihr ins Reich eingehen.
Thomas-Evangelium, Log.22
LG
Marie
...
ich kann Dir da nicht so ganz folgen. Das Neue Testament ist doch keine römische Textauswahl, an der Ausbildung dessen, was wir heute als Christentum kennen, ist Ägypten doch viel mehr beteiligt als Rom. Dem Verfasser des Thomasevangeliums ging es aber doch auch offensichtlich gar nicht so sehr um Männlich und weiblich, schließlich steht daneben Innen und Außen, Oben und Unten. Es sind schlicht die verschiedenen Dimensionen unserer Existenz, die nun einmal, wie an an den anderen Begriffspaaren deutlicher als bei Weiblich und Männlich zu erkennen ist, dual strukturiert ist bzw. richtiger von uns nur dual wahrgenommen werden kann, weil unser Gehirn nun einmal so gestrickt ist. In allen Religionen, zumindest in den jeweiligen Mystiken, geht es immer um Überwindung der Dualität, um die Erkenntnis, dass Dualität eben nicht die Wirklichkeit ist, sondern Folge unseres Denkvermögens. In den kanonischen Texten sagt Jesus das zwar nicht, er hatte ja auch nicht die nötige philosophische Vorbildung, vor allem aber hätten die einfachen Menschen ihn auch gar nicht verstanden. Ausdruck der Einheit ist bei ihm eben das Reich Gottes, das nicht von dieser (nämlich dualen) Welt ist.
Selbstredend kann Jesus die Evangelien weder verfasst noch die kanonischen ausgewählt oder zensiert, und natürlich auch keine Kirche gegründet im Sinne einer Machtstruktur. Die Kirche in der Welt entsteht erst aus der Notwendigkeit, für Witwen und Waisen zu sorgen,die Mahlversammlungen der Gemeinde zu organisieren und für den Unterhalt der Wanderapostel zu sorgen, alles rein weltliche Aufgaben. Die Kirche freilich als nicht von dieser Welt, als Gemeinschaft der Heiligen, ist sehr wohl Jesu Gründung. Dass dort dann niemand ausgegrenzt wurde, zeigt sein Handeln in der Welt. Das ist doch das Neue bei ihm: er wendet sich nicht ausschließlich an gesetzestreue Juden, sondern provokativ gerade an Sünder und auch an Nichtjuden, und Frauen waren bei ihm nicht Menschen minderen Rechts. Aber das ist ein anderes Thema und hat mit dem Thomasevangelium nichts zu tun.
Schönen Sonntag,
Nicoletta
Ja vielleicht hat man es durchgehen lassen,weil er es nicht so gemeint hat. Sehr wohl möglich. Aber dass das Ganze nicht ein römisches Projekt gewesen wäre ... hör, mal, es ist doch sogar höchst offiziell, dass ein römischer Kaiser die Gründung der Kirche, die auch noch heute "römisch" im Namen hat im Jahr 325 AD los getreten hat. Dabei sind doch auch die offiziellen Texte ausgewählt worden - laut des Forschers, Greg Braden, - aus einer Auswahl von 45 insgesamt. Was übrig blieb kennen wir als Das Neue Testament. Irgendwann muss ja auch die politisch korrektere Version der 10 Gebote entstanden sein - fast wie die heutige. Mit "politisch korrektere" meine ich: Das was mutmaßlich die ursprünglich(ere) Version aus der Ostmittelmeer Region, wollte nun niemand haben. Nicht mal die Römer. Es handelt sich also mindestens überwiegend um ein römisches Projekt - das wird nicht mal von offizieller Seite der Kirchen bestritten.
Und die Motivation des Handelns des Kaisers Alexander: Laut eigener überlieferter Aussage eine Vision in Form eines Traums. Seine Soldaten trugen in der Vision das Christensymbol (nicht das Kreuz - das Andere) und siegten deshalb überall. Ich glaube, das wird auch nicht mal von offizieller Seite bestritten. Nur nicht oft erwähnt.
So viel zum Thema, Jesus, Nächstenliebe, Römer und Gründung der organisierten Kirchen.
Dann sag du mir, was Jesus damit zu tun haben soll - und warum ich eigentlich glauben sollte, dass die Schriften nicht der politischen Linie entsprechend ausgewählt und verändert wurden?
Re: Thomas„Evangelium Log 22
Verfasst: So 27. Jul 2014, 17:55
von Franka
Claudia hat geschrieben:Moin!
Da komme ich nach sechs Wochen Pause zurück, denk nichts Böses und finde sowas:
dahlia hat geschrieben:Ich habe es halt nicht so mit Gott und denke alle die immer noch an Gott, den Weihnachtsmann, den Osterhasen oder Gnome, Trolle oder was auch immer glauben sich mal gründlich untersuchen lassen sollten.
Es ist anmaßend und über alle Maßen beleidigend alle die Leute, die an irgendwetwas glauben, als pauschal krank einzustufen. Ich glaub da auch nicht mehr, aber lass allen ihren Glauben und verletze sie nicht.
Aber manche sind in ihrem Einfühlungsvermögen doch eher beschränkt. Jetzt fühlst du dich beleidigt? Bingo, war volle Absicht.
LG
Claudia Alina
Ich fühle mich nicht beleidigt, vielleicht persönlich angegriffen, aber das ist bei einem so kontroversem Thema auch völlig ok.
Und wie du selbst schreibst geht es um Glauben, nicht Wissen. Und da gibt es eben keine Allgemeingültigkeit.
Ich will nicht behaupten, dass ich recht habe und gebe zu, bei diesem Thema total verbohrt zu sein, mein Fehler.
Aber dieser Fehler gehört eben zu mir. Andere haben vielleicht was gehen Migranten oder Schwule, glauben an Ufos oder den baldigen Weltuntergang.
Nobody is perfect
Re: Thomas„Evangelium Log 22
Verfasst: So 27. Jul 2014, 18:24
von conny
dahlia, du schreibst:
"Ich will nicht behaupten, dass ich recht habe und gebe zu, bei diesem Thema total verbohrt zu sein, mein Fehler."
natürlich bist du rechthaberisch, so wie du aus deinen argumenten schlussfolgerst. du kannst verbohrt sein wie du willst, aber das ist kein grund andersdenkende zu beleidigen, indem du schreibst, dass sie sich mal untersuchen lassen sollten.
aber das willst du anscheinend nicht kapieren.
Re: Thomas„Evangelium Log 22
Verfasst: So 27. Jul 2014, 18:35
von Nicoletta
Ja vielleicht hat man es durchgehen lassen,weil er es nicht so gemeint hat. Sehr wohl möglich. Aber dass das Ganze nicht ein römisches Projekt gewesen wäre ... hör, mal, es ist doch sogar höchst offiziell, dass ein römischer Kaiser die Gründung der Kirche, die auch noch heute "römisch" im Namen hat im Jahr 325 AD los getreten hat. Dabei sind doch auch die offiziellen Texte ausgewählt worden - laut des Forschers, Greg Braden, - aus einer Auswahl von 45 insgesamt. Was übrig blieb kennen wir als Das Neue Testament. Irgendwann muss ja auch die politisch korrektere Version der 10 Gebote entstanden sein - fast wie die heutige. Mit "politisch korrektere" meine ich: Das was mutmaßlich die ursprünglich(ere) Version aus der Ostmittelmeer Region, wollte nun niemand haben. Nicht mal die Römer. Es handelt sich also mindestens überwiegend um ein römisches Projekt - das wird nicht mal von offizieller Seite der Kirchen bestritten.
Und die Motivation des Handelns des Kaisers Alexander: Laut eigener überlieferter Aussage eine Vision in Form eines Traums. Seine Soldaten trugen in der Vision das Christensymbol (nicht das Kreuz - das Andere) und siegten deshalb überall. Ich glaube, das wird auch nicht mal von offizieller Seite bestritten. Nur nicht oft erwähnt.
So viel zum Thema, Jesus, Nächstenliebe, Römer und Gründung der organisierten Kirchen.
Dann sag du mir, was Jesus damit zu tun haben soll - und warum ich eigentlich glauben sollte, dass die Schriften nicht der politischen Linie entsprechend ausgewählt und verändert wurden?
Liebe Lina, das war vielleicht missverständlich, aber man hat es ja gar nicht durchgehen lassen, denn das Thomasevangelium gilt als apokryph.
Der Rest ist eine Frage der Perspektive. Für mich ist Kaiser Konstantin (nicht Alexander) der erste byzantinische Kaiser, obwohl ich zugeben muss, dass er Konstantinopel noch als Neues Rom verstanden hat, die Hellenisierung des Reiches ist dann ein längerer Prozess. Der neutestamentliche Kanon gilt als abgeschlossen mit dem Osterfestbrief 367 des alexandrinischen Bischofs Athanasios d. Gr., also Ägypten, nicht Rom. Und Kaiser Konstantin hat die Kirche nicht gegründet, sondern nur zugelassen und ist selbst ja bekanntermaßen auch erst auf dem Totenbett getauft worden. Die Bezeichnung "römisches Projekt" für das Christentum halte ich dann doch für verfehlt. Richtig ist wohl Deine Korrektur zum Christussymbol Monogramm, nicht Kreuz).
Was die Auswahl der als kanonisch geltenden Schriften anbetrifft, so müsste mir erst einmal jemand zeigen, dass für die Auswahl wirklich politische Motive eine Rolle gespielt haben. Die Auswahl ist nämlich gar nicht so schlecht. Ich kenne mich in Apokryphen einigermaßen aus, und da ist vieles einfach nur unglaubwürdig, banal und trivial (ich denke etwa an die Szene, in der die ungläubige Hebamme Salome handgreiflich die Jungfräulichkeit der Gottesmutter überprüft und sich dabei die Finger verbrennt, nachzulesen im Protevangelium des Jakobus 19, derselben Quelle, der wir auch das Fest der Einführung Mariens in den Tempel verdanken, im Westen Mariä Tempelgang genannt, obwohl es bei den Juden nie eine Institution der Tempeljungfrauen gegeben hat). Es sind schon die besten Evangelien, die Aufnahme gefunden haben. Bedenklich ist allerdings die Apokalypse des Johannes, die im Osten lange als apokryph betrachtet wurde und erst im 15. Jahrhundert dort bekannter geworden ist, aber bis heute in der orthodoxen Kirche aus gutem Grund nicht gelesen wird. Im Osten hielt man immer mehr von der Apokalypse des Paulus, eine Art Totenbuch, mit dem ich mich kürzlich ausführlich beschäftigt habe. Die ist natürlich auch apokryph, ist aber ein echter christlicher Bestseller geworden und hat im Osten wie im Westen die Vorstellungen vom Jenseits entscheidend geprägt.
Soviel nur zur Ergänzung. Viele Grüße,
Nicoletta