Re: Entwicklungen und die Frage der LÜGE
Verfasst: So 26. Jan 2014, 18:36
Hallo,
ich klink' mich hier mal ein.
Trotzdem habe ich da aber Einwände in zweierlei Hinsicht.
Bei einem Outing gegenüber der Ehe-/Partnerin wird wohl zwangsläufig die Frage nach der sexuellen Orientierung aufkommen. Allein schon deswegen, da sie für den Fortbestand der Beziehung von existenzieller Bedeutung ist, selbst wenn es sicher auch vereinzelt Ausnahmen gibt.
Ich kann mir schon vorstellen, was in einer vorher ahnungslosen Partnerin vorgeht, die von ihrem Mann offenbart bekommt, daß er sich in seinen Empfindungen zur Frau entwickelt fühlt und zukünftig als Frau weiterleben möchte.
"Hast Du denn nun auch homosexuelle Gefühle?"
Ich finde die Frage durchaus gerechtfertigt. Und wenn dann der Partner beteuert, eben nicht homosexuell zu sein, hat das mit Sicherheit nichts mit Homophobie zu tun.
Ähnlich ist es, wenn ich hier in meinem Profil schreibe, heterosexuell zu sein. Ich fühle mich durch diese Aussage mit Sicherheit nicht als wertigerer oder besserer CD. Dennoch finde ich es im Zusammenhang mit der Trans-Thematik als erwähnenswert, weil es das Bild von mir abrundet.
Und zum Thema Röcke tragen, als eine Art Moderichtung: Ok, ich geb' zu, daß ich manchmal auch an solchen Aussagen zweifle, aber trotzdem möchte ich deswegen niemandem das Recht absprechen, aus genau diesen Motiven heraus weibliche Kleidung zu tragen und das dann auch so zu kommunizieren.
Jetzt möchte ich aber auch noch etwas zum Topic sagen, der Frage der Lüge.
Ich habe mich meiner Frau gegenüber eigentlich zweimal geoutet.
Beim ersten Mal vor gut dreizehn Jahren - als 30-Minuten "Wohnzimmertranse" (ich mag das Wort eigentlich nicht, da ich mich nicht aus dem Wortschatz von tatsächlichen Trans- und Homophoben bedienen möchte) - habe ich durchaus die Wahrheit gesagt mit der Aussage, daß ich als Mann weibliche Kleidung tragen möchte. Es traf zu dieser Zeit auch so zu. Die diffusen, unterschwelligen weiblichen Empfindungen, die ich auch schon vorher hatte, habe ich mir zu diesem Zeitpunkt selbst nicht eingestanden. So gesehen habe ich mich höchstens selbst belogen.
Und dann erst kam die Entwicklung ins Spiel.
Ich trug fortan Strumpfhosen, Damenschuhe und hin und wieder auch mal einen Rock. Meine Frau hat sich daran gewöhnt und wir haben ehrlich gesagt kaum wieder darüber gesprochen. Und das war rückblickend gesehen, ein sehr schwerer Fehler.
Ich habe mich nähmlich in den nächsten Jahren von meinen innersten Empfindungen her, immer mehr zum weiblichen hin weiterentwickelt.
Äußerlich habe ich mir nichts anmerken lassen. Und das empfinde ich heute als die eigentliche Lüge meiner Frau gegenüber.
Das alles ging einher mit erneuten Heimlichkeiten. Heimliches dressen als Frau usw., bis erneut der Punkt erreicht war, an dem ich mich gezwungen sah, das ehrliche Gespräch zu suchen.
Und ja, ich mußte mir auch genau diese Fragen gefallen lassen: Warum hast Du das nicht alles gleich gesagt? Was kommt noch alles in Zukunft, wovon Du mir heute nichts sagst?
Von dem Zeitpunkt an habe ich mir geschworen, jede noch so kleinste Entwicklung mit meiner Frau zu besprechen. Überhaupt versuche ich seitdem, das Thema immer wieder lebendig zu halten, damit es zu solchen Lügen nicht mehr kommt. Also reden, reden, reden.
Dennoch kann ich nicht in die Zukunft blicken. So kam zum Beispiel in dem Zusammenhang seitens meiner Frau die Frage auf, ob ich mir z.B. auch eine GAOP wünsche (dabei hatte sie eine Träne im Auge).
Und ich habe ihr ehrlich gesagt, daß das momentan kein Thema sei (und auch heute noch nicht ist), aber ich es für die Zukunft auch nicht ausschließen könne. Am Ende haben wir beide geweint.
Liebe Grüße - Astrid
ich klink' mich hier mal ein.
Ich denke, ich verstehe wie Du es meinst.Lina hat geschrieben:Das Gelaber mit - ich bin ja ganz und gar Mann, aber Röcke sind sooo viel Bequemer, und ich bestimmt auch nicht Schwul und, und, und ... das kann ich einfach nicht mehr hören. Insbesondere auch nicht, wenn eine unteschwellige Trans- oder Homophobie auch noch rüber kommt. Und das ist oft so.
Trotzdem habe ich da aber Einwände in zweierlei Hinsicht.
Bei einem Outing gegenüber der Ehe-/Partnerin wird wohl zwangsläufig die Frage nach der sexuellen Orientierung aufkommen. Allein schon deswegen, da sie für den Fortbestand der Beziehung von existenzieller Bedeutung ist, selbst wenn es sicher auch vereinzelt Ausnahmen gibt.
Ich kann mir schon vorstellen, was in einer vorher ahnungslosen Partnerin vorgeht, die von ihrem Mann offenbart bekommt, daß er sich in seinen Empfindungen zur Frau entwickelt fühlt und zukünftig als Frau weiterleben möchte.
"Hast Du denn nun auch homosexuelle Gefühle?"
Ich finde die Frage durchaus gerechtfertigt. Und wenn dann der Partner beteuert, eben nicht homosexuell zu sein, hat das mit Sicherheit nichts mit Homophobie zu tun.
Ähnlich ist es, wenn ich hier in meinem Profil schreibe, heterosexuell zu sein. Ich fühle mich durch diese Aussage mit Sicherheit nicht als wertigerer oder besserer CD. Dennoch finde ich es im Zusammenhang mit der Trans-Thematik als erwähnenswert, weil es das Bild von mir abrundet.
Und zum Thema Röcke tragen, als eine Art Moderichtung: Ok, ich geb' zu, daß ich manchmal auch an solchen Aussagen zweifle, aber trotzdem möchte ich deswegen niemandem das Recht absprechen, aus genau diesen Motiven heraus weibliche Kleidung zu tragen und das dann auch so zu kommunizieren.
Jetzt möchte ich aber auch noch etwas zum Topic sagen, der Frage der Lüge.
Ich habe mich meiner Frau gegenüber eigentlich zweimal geoutet.
Beim ersten Mal vor gut dreizehn Jahren - als 30-Minuten "Wohnzimmertranse" (ich mag das Wort eigentlich nicht, da ich mich nicht aus dem Wortschatz von tatsächlichen Trans- und Homophoben bedienen möchte) - habe ich durchaus die Wahrheit gesagt mit der Aussage, daß ich als Mann weibliche Kleidung tragen möchte. Es traf zu dieser Zeit auch so zu. Die diffusen, unterschwelligen weiblichen Empfindungen, die ich auch schon vorher hatte, habe ich mir zu diesem Zeitpunkt selbst nicht eingestanden. So gesehen habe ich mich höchstens selbst belogen.
Und dann erst kam die Entwicklung ins Spiel.
Ich trug fortan Strumpfhosen, Damenschuhe und hin und wieder auch mal einen Rock. Meine Frau hat sich daran gewöhnt und wir haben ehrlich gesagt kaum wieder darüber gesprochen. Und das war rückblickend gesehen, ein sehr schwerer Fehler.
Ich habe mich nähmlich in den nächsten Jahren von meinen innersten Empfindungen her, immer mehr zum weiblichen hin weiterentwickelt.
Äußerlich habe ich mir nichts anmerken lassen. Und das empfinde ich heute als die eigentliche Lüge meiner Frau gegenüber.
Das alles ging einher mit erneuten Heimlichkeiten. Heimliches dressen als Frau usw., bis erneut der Punkt erreicht war, an dem ich mich gezwungen sah, das ehrliche Gespräch zu suchen.
Und ja, ich mußte mir auch genau diese Fragen gefallen lassen: Warum hast Du das nicht alles gleich gesagt? Was kommt noch alles in Zukunft, wovon Du mir heute nichts sagst?
Von dem Zeitpunkt an habe ich mir geschworen, jede noch so kleinste Entwicklung mit meiner Frau zu besprechen. Überhaupt versuche ich seitdem, das Thema immer wieder lebendig zu halten, damit es zu solchen Lügen nicht mehr kommt. Also reden, reden, reden.
Dennoch kann ich nicht in die Zukunft blicken. So kam zum Beispiel in dem Zusammenhang seitens meiner Frau die Frage auf, ob ich mir z.B. auch eine GAOP wünsche (dabei hatte sie eine Träne im Auge).
Und ich habe ihr ehrlich gesagt, daß das momentan kein Thema sei (und auch heute noch nicht ist), aber ich es für die Zukunft auch nicht ausschließen könne. Am Ende haben wir beide geweint.
Liebe Grüße - Astrid