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Re: "Gebärvater"
Verfasst: Mi 11. Sep 2013, 08:46
von Ulrike-Marisa
Moin,
MitgestalterIn/GestalterIn zu sein heisst auch, sich dazu zu bekennen und Rückrat zu zeigen aber auch in gewisser Weise Rücksicht zu nehmen auf die Gedanken und Gefühle derer, die noch nicht so weit sind und seien es auch unsere Liebsten. Da ist aber auch das Prinzip des Wortes Freiheit zu bedenken, die bekanntlicherweise nur so weit geht, wie ich einen andere nicht einschränke. Der Weg ist beschritten und jeder Schritt auch in der Gesellschaft bringt uns voran. Heute ist doch auch schon so vieles normal, was vor Jahren noch undenkbar war. Bestand im Wandel könnte man auch sagen mit der Vorgehensweise der Salamitaktik der 68-Jahre; hat damals auch geklappt. Als ich vor 23 Jahren anlässlich unseres ersten Kindes den Gedanken äußerte, dass ich im Prinzip auch gerne statt ihrer das Kind bekommen möchte, da hat meine Frau nur ungläubig gestaunt und das als Blödsinn abgetan. Heute weiss ich, warum ich das damals schon wollte...
Die Gedanken sind frei....
LG, Ulrike-Marisa
... wir sind die, vor denen uns unsere Eltern schon immer gewarnt haben....
Re: "Gebärvater"
Verfasst: Mi 11. Sep 2013, 09:39
von Sabrina Verena
Hallo!
Wer gestalten/ mitgestalten will, sollte aber auch einen Konsens finden.
Der Gebärvater ist genauso wie Monika Donner (BGH-Urteil zum Personenstand) oder Conchita Wurst (Frau mit Bart) innerhalb der Transgenderszene umstritten.
Für die einen sind es Vorbilder und für die anderen Personen die Schaden anrichten/ angerichtet haben.
Tatsache ist doch, dass wir uns darüber uneins sind.
Die einen wollen die "klassischen Geschlechter" abschaffen und die anderen arrangieren sich damit.
Zurück zum Gebärvater ist ein/e solche/r Frau/Mann glaubhaft transident?
LG Verena
Re: "Gebärvater"
Verfasst: Mi 11. Sep 2013, 10:13
von Anne-Mette
Moin,
Der Gebärvater ist..... innerhalb der Transgenderszene umstritten.
Das liegt sicherlich mit daran, dass viele "FrauSein" mit "kann Kinder gebären" gleichsetzen; ja, viele werden das als ersten Punkt nennen, wenn man sie fragt: welche Unterschiede gibt es zwischen Mann und Frau?"
"Transgernderszene" - mit diesem Bergriff habe ich meine Probleme. Gibt es
die Transgenderszene überhaupt?
Selbst wenn es die geben sollte; sicherlich hat er bei dem Wunsch, ein Kind auszutragen, nicht die Transgenderszene im Fokus gehabt und die Wirkung darauf. Es ist in allererster Linie seine persönliche Angelegenheit und Verantwortung für das Kind - und für sich - und nicht für die Szene.
Allerdings wird er das Seine dazugetan haben, es so öffentlich zu machen.
Dann muss er wohl auch damit rechnen, dass das Thema hohe Wellen "in der Transgenderszene" und überhaupt in der Öffentlichkeit uafwirft.
Gruß
Anne-Mette
Re: "Gebärvater"
Verfasst: Mi 11. Sep 2013, 10:50
von Ulrike-Marisa
Moin zusammen,
... ein gutes Schlusswort eigentlich von Claus-Pter. Da ist viel privates dabei, um das wir uns nicht wirklich kümmern und streiten müssen. Da hat jede/r einen anderen Zugang und eine andere differenzierte Meinung dazu. Eine Transgenderszene mag es geben aber damit ist eigentlich doch nicht das gemeint, was wir hier machen und uns austauschen; das ist etwas anderes und hat wohl mehr mit öffentlicher Zurschaustellung zu tun, meiner Meinung nach, und das ist etwas anderes, als wie wenn ich ganz entspannt als Frau/Mann einkaufen oder spazieren gehe oder sonst was privates mache.
Gruß, Ulrike-Marisa
Re: "Gebärvater"
Verfasst: Mi 11. Sep 2013, 13:00
von Anne-Mette
Moin,
es zieht natürlich inzwischen Kreise in einem gewaltigen Ausmaß...
Alles, was mit "Trans*" zu tun hat, scheint sich nur um diesen Vater zu drehen. Inzwischen hat wohl jedes Onlinemagazin und jedes Printmedium seinen Senf dazu gegeben.
Auf "Promoflash"(nach eigenen Angaben "deutschlands beliebtestes Starmagazin") heißt es gerade: "Jetzt zieht er vor Gericht.
Schwangerer Mann möchte keine "Mama" sein".
Nun denn - mal sehen, wie lange das Thema sich halten wird.
Gruß
Anne-Mette
Re: "Gebärvater"
Verfasst: Mi 11. Sep 2013, 13:21
von Ulrike-Marisa
Moin,
wie war das doch im Journalismus: nur eine schlechte(vielleicht auch schräge) Nachricht ist eine gute Nachricht. Wäre der Fall ganz unspektakulär normal und vielleicht nur selten, dann täte es kaum jemand registrieren und es wäre keine Zeile wert. Jeder Sturm auch im Wasserglas weht sich aus und dann glätten sich die Wogen wieder und Stille kehrt ein auch auf dem Wasser. Mir scheint, letztens geht es bei dem ersten solchen Fall schon nur noch um Rechte und Geld.... Ich glaube trotzdem, dass solche Fälle in zukunft öfter anzutreffen sein werden; das liegt in der allgemeinen Entwicklung und an den bunter werdenden Lebensansätzen und die sind eben nicht immer bipolar. Es scheint auch immer Wege dazwischen zu geben, die Mitte, der Kompromiss...
LG, Ulrike-Marisa

Re: "Gebärvater"
Verfasst: Mi 11. Sep 2013, 13:24
von Anne-Mette
Moin,
mit "Gleichmacherei" will ich das nicht beschreiben, sondern eher so:
Für mich deutet immer mehr darauf hin, dass beides in einem jedem von uns wohnt: Mann und Frau. Sicherlich sind die Gewichtungen nicht bei allen Menschen gleich verteilt — und manch einer mag überhaupt nichts davon ahnen, dass er als Mann auch etwas von einer Frau in sich hat.
Manche Menschen "wandern" zwischen den Polen, während andere sich scheinbar nur auf der einen oder aber der anderen Seite aufhalten. Manche wandern langsam, einige schnell. Einige wandern mit Schmerzen und drückenden Schuhen — anderen fällt es leicht.
"Warum hast Du mir früher nichts davon gesagt?" fragt manche Frau, wenn ihr Mann oder Partner erst spät zu wandern anfängt — und die Richtung nicht so eine ist, wie sie gesellschaftlich geliebt oder empfohlen wird.
Ja, warum hat er, der sich inzwischen mehr als SIE fühlt, nicht früher etwas gesagt?
Mag sein, dass familiäre oder gesellschaftliche Normen oder Zwänge eine frühere Wanderung verhindert haben. Mag aber auch sein, dass ihn Reize wie Sexualität in jungen Jahren von seiner Wanderung abgehalten haben. Die Befriedigung seiner Lüste setzt man nicht gerne auf"™s Spiel, wenn man nicht einmal ahnt, wo ein Aufbruch hingehen kann und wo und wie er endet.
Manche Bewegungen werden gesellschaftlich toleriert — manche sogar gefordert. Menschen, die aufbrechen, werden beobachtet und beurteilt. Passen sie weiterhin in das Bild, das ich mir von ihnen gemacht habe? Ist der Aufbruch gut und notwendig?
Ein persönlicher Aufbruch wird oft als Egoismus abgetan. Manchmal drängen allerdings gesellschaftliche Notwendigkeiten zu einem Aufbruch.
Geborene Frauen haben es in einigen Fällen leichter als geborene Männer, schon allein dadurch, dass fast eine "Massenwanderung" in eine Mitte zwischen den Geschlechtern eingetreten ist. Mindestens alltagsmäßig kleiden sich viele geborene Frauen geschlechtsneutral bis männlich. Sie haben aber selten mit negativen Reaktionen zu rechnen, während Männer, die auch nur ein wenig die Mitte überschreiten, oftmals Probleme bekommen und sich dem Vorwurf aussetzen müssen, sie wären pervers. Das wird in vielen Fällen dazu führen, dass diese geborenen Männer ihre Wanderung — und die eigentlich notwendige Ausrüstung verstecken, z.B. Feinstrumpfhosen unter "Tarnstrümpfen".
Das bedeutet ja nicht, dass man Dir, liebe Claudia und anderen, die sich eindeutig als Frau positionieren (können) etwas wegnehmen will; sondern das Gegenteil: es soll leichter werden, sich selbst so und da einzuordnen, wo und wie man das will.
"Gleichmacherei" würde ich dazu nicht sagen.
Wenn ich sage, das was im Moment für die Intersexuellen auf den Weg gebracht wurde, ist ein Ansatz, den ich mir auch für andere Gruppen wünsche, dann möchte ich weder den Intersexuellen noch anderen etwas wegnehmen, sondern die Veränderungen des Personenstandsgesetzes auch für "uns" nutzen.
Gruß
Anne-Mette
Re: "Gebärvater"
Verfasst: Mi 11. Sep 2013, 14:29
von Marielle
Hallo, Guten Tag zusammen,
ich halte es auf jeden Fall schon mal für gut, dass wir hier überhaupt diskutieren. Ob es dann zu einem Konsens reicht werden wir sehen; wünschen würde ich es mir.
Die abschliessende Frage in Verenas Beitrag beantworte ich so: Selbstverständlich (kann dieser Mensch transident sein). Genauso wie die anderen Genannten.
Es ist eine Frage der Definition von Transidentität, wie man zu den genannten Personen steht. Aber genau da liegt m.E. ein unauflösliches Problem, wenn man Kategorisieren will. Wie soll eine allgemeingültige Definition aussehen? Ein Kriterienkatalog? Mit welchen Grundlagen würde man da rangehen? Wären biologisch Merkmale die richtige Grundlage oder eher die Rezeption durch die Gesellschaft?
Ich bin davon überzeugt, dass eine Einteilung aufgrund biologischer Merkmale keine gute Idee ist. Die würde nämlich darauf hinauslaufen, dass es uns alle hier gar nicht gibt; jedenfalls nicht unserem Selbstverständnis entsprechend. Auch die umfassendst "angepasste" TS-Person, die zum Weiblichen will, wird auf absehbare Zeit nicht in der Lage sein, Kinder zu gebären, würde also, im streng biologischen Sinne, nie eine richtige Frau.
Die Einteilung anhand von äusseren Merkmalen, die auf der Rezeption als 'Mann' oder 'Frau' durch die 'Mehrheit der Gesellschaft' gründet, halte ich letztlich sogar für gefährlich. Aber selbst wenn eine solche Einteilung nicht für Ausgrenzungen verwendet würde: Wer macht die Kriterien? Wer gilt demnach als Transident? Müssen Menschen, die als "Frau" gelten wollen, Brüste haben? Reichen solche aus Silikon? Über der Haut oder darunter?
Der BGH hat, wie ich finde aus gutem Grund, die angleichende Operation als Bedingung für eine Änderung des Geschlechtseintrages für verfassungswidrig erklärt. Mithin ist die alte Fixierung auf Penis, Brüste und Vagina, eben auf körperliche Merkmale, aufgegeben worden. Statt dessen werden nun neue Rezeptionsmerkmale gesucht? Mal etwas provokativ gefragt: Demnächst werden dann u.U. nur Menschen mit langen Haaren, Stupsnäschen und Cup-D-Sillis als weiblich-transident angesehen, weil das dem männlichen Mehrheitsbild einer Frau entspricht? Und wenn jemand zum männlichen tendiert: Wird dann ein Brusttoupet vorgeschrieben?
Ich sehe es so: Wer die Menschen in Trans / Nicht-Trans einteilen will, muss auch sagen wie diese Einteilung aussehen soll UND dabei folgendes bedenken: Jedwede Forderung betreffend körperliche/äusserliche Merkmale hat letztlich das gleiche Problem wie die Zwangs-OP; man zwingt Menschen an sich herumzuändern, damit sie als das akzeptiert werden, was sie sind. Das ist nicht mein Verständnis einer liberalen Gesellschaft.
Zum Thema "Szene":
Wenn die in Rede stehende Person "innerhalb der Transgenderszene umstritten" ist, dann sollte man m.E. auch darüber nachdenken, ob das Problem bei der betreffenden Person liegt oder ob es nicht vielmehr in der "Szene" zu suchen ist. Mir ist es bis heute unklar, wieso es in unserer "Community" mindestens soviele Vorbehalte, Vorurteile, Abgrenzungen gibt, wie in einer Strassengang aus jugendlichen Testosteronfliegern. Natürlich suchen hier wie dort Menschen eine Orientierung, die ihnen irgendwie abhanden gekommen ist oder die sie nie hatten. Aber sich selbst über den Ausschluss anderer zu definieren? Bei den pubertären Strassenjungs nennen wird das gleiche Verhaltensmuster "asozial"*.
Gruss
Marielle
*) "asozial" im Wortsinn; also etwa "nicht der Gesellschaft dienlich"
Re: "Gebärvater"
Verfasst: Mi 11. Sep 2013, 16:26
von Inga
Hallo, miteinander,
Marielle hat geschrieben:
....
Ich sehe es so: Wer die Menschen in Trans / Nicht-Trans einteilen will, muss auch sagen wie diese Einteilung aussehen soll UND dabei folgendes bedenken: Jedwede Forderung betreffend körperliche/äusserliche Merkmale hat letztlich das gleiche Problem wie die Zwangs-OP; man zwingt Menschen an sich herumzuändern, damit sie als das akzeptiert werden, was sie sind. Das ist nicht mein Verständnis einer liberalen Gesellschaft. ...
Ich sehe das auch so. Und könnte es kaum so gut ausdrücken wie Marielle.
Vor anderthalb Wochen war ich auf der HITT-Tagung, der Hanse-Intersex-Trans*-Tagung in Hamburg. (Darüber habe ich hier im CrossDresserForum noch nicht berichtet.) Aber hier soviel: Es war ein überwältigendes Erlebnis für mich, nicht zuletzt auch in einen Teil der Trans*Szene einzusteigen, von dem ich vorhr wenig wusste. Beim HITT waren viele Leuten mit so vielen verschiendenen Schattierungen und Ausformungen von Trans*Idenditäten, es war kaum zu glauben. Sie alle hatten sehr genaue Vorstellungen von sich selber, wie sie sich, ihren Körper, ihre Merkmale, ihr persönliche Geschlecht, ihre Gefühlswelt empfinden. Es gab dabei so viele Schattierungenm eine so große Vielfalt der Individuen zwischen und jenseits der beiden Pole "männlich" und "weiblich", es war irre, das zu erleben und gleichzeitig zu erleben, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich ohne Vorbehalte auch über recht intime Fragen der Perönlichkeit auszutauschen.
Sorry, das Ringen um Akzeptanz und Respekt vor dieser Vielfalt ist in meinen Augen keine Gleichmacherei.
Liebe Grüße
Inga
Re: "Gebärvater"
Verfasst: Fr 13. Sep 2013, 12:20
von Marielle
Guten Tag zusammen, Hallo Inga,
vielen Dank für deine positive Meinung zu meinem Beitrag, Inga. Ich hatte ja gedacht, dass sich diese Diskussion noch eine Weile weiterentwickelt. Der angesprochene Konsens ist ja noch nicht erzielt, schade.
Grüsse von
Marielle
Re: "Gebärvater"
Verfasst: Fr 13. Sep 2013, 23:06
von Marielle
Nabend zusammen,
die Person wurde laut dem erwähnten Artikel im Spiegel (Print vom 09.09.13) als Vater eingetragen.
Zitat:
"Die Behörde hat ihn mittlerweile als Vater eingetragen und sich damit in ein rechtliches Niemandsland vorgewagt. Das durch Samenspende gezeugte Kind hat nun offiziell keine Mutter, was vor dem Gesetz problematisch ist. Es gäbe eine "Regelungslücke", teilt das Bundesjustizministerium mit"
(Zitat Ende).
Die Eintragung als Vater beruht laut diesem Artikel auf folgendem (was ich so hier auch schon gehört habe und was ja auch nicht falsch ist): "weil er ja eben nicht die Frau, die das Kind geboren hat, sei, sondern ein Mann" (Zitat aus dem Artikel, der die Hauspost des Standesamtes des Bezirks Berlin-Neukölln zitiert)
Die beschriebenen Annahmen zum Verhalten des Menschen gegenüber dem Kind und die Ursache für die mediale Aufmerksamkeit sind vermutlich Spekulationen?
Marielle
Re: "Gebärvater"
Verfasst: Sa 14. Sep 2013, 00:11
von Ulrike-Marisa
Moin,
..die haben Probleme; der Hauptmann von Köpenick lässt grüßen. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. was darf hier den sein?
Der eingetragene Vater ist ja nicht nur irgendwie sondern tatsächlich die biologische Mutter, die aber als Mann eingetragen ist, was wiederum herkömmlichem Verständnis zuwiderläuft. Da haben die Standesbeamten ein Problem über da sie nachdenken können oder nachdenken lasen können. Frau/Mann darf gespannt sein, was da an Verwaltungswahrheit herauskommt; die Welt wird auf jeden Fall bunter.
LG, Ulrike-Marisa
... das kann ich so nicht mehr begreifen, da sind meine Hände zu klein...
