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Re: Und danach?

Verfasst: Fr 5. Jul 2013, 00:21
von Hanna74
Hallo Anja,
Anja hat geschrieben:Wenn ich mich jemandem erklären soll, der sich mit dem Thema nicht auskennt, erkläre ich das so.
Ich habe einen männlichen Körper mit zwei Köpfen. Einem weiblichen Kopf und einem männlichen Kopf. Nur einer von beiden kann den Körper steuern. Beide gleichzeitig geht nicht. Der männliche Kopf ist zufrieden. Er ist meistens am "Ruder", er hat alles was Mann so braucht, eben einen gesunden männlichen Körper. Der weibliche Kopf ist ziemlich unzufrieden. Ist viel seltener am Ruder (1-2x im Monat) und hat einen völlig falschen Körper. So weit wie es geht versucht Anja den männlichen Körper entsprechend anzupassen, so dass sie für "ihre Zeit" mit ihm leben kann. Natürlich hätte sie gerne einen weiblichen Körper, klein und zierlich und mit den entsprechenden Attributen ausgestattet. So weit kommen die Leute dann mit und verstehen meine "Two-Spirits". Wenn man sich jetzt noch vorstellt, das die beiden Köpfe in nur einem Kopf zu Hause sind, dann verstehen sie (meistens) wie es mir geht.
Das ist bislang die beste Erklärung, die mir zu dem Thema begegnet ist! Beim Lesen gerade habe ich gedacht "ja, genau das ist es eigentlich, wofür ich immer nach passenden Worten gesucht habe". (smili)
Anja hat geschrieben:Die perfekte Lösung für mich wäre, jeden Morgen frei entscheiden zu können, wen ich den Tag ans Ruder lassen möchte, egal was auf dem Plan steht. Die Kirsche auf dem Sahnehäubchen wäre, wie Mona schon sagte, das man den Körper ebenso wechseln könnte wie den "Kopf".
Insbesondere das Letztere wird wohl immer ein unerfüllbarer Traum bleiben... leider. :|

Wenn ich die Möglichkeit hätte, einfach und ohne permanente Nebenwirkungen das biologische Geschlecht hin- und herzuwechseln, wäre es für mich gar keine Überlegung - ich würde es tun. Ohne die Option einer Rückkehr, dafür aber mit dem Versprechen, einen voll funktionsfähigen weiblichen Körper zu bekommen - ich muß gestehen, daß die Versuchung schon da wäre. Aber beides ist Science Fiction, und alle realistisch möglichen permanenten Veränderungen führen doch nur zu einem Kompromiß, den ich nicht will. Dann lieber das beste aus dem voll funktionsfähigen Körper machen, den ich nun mal habe. Mit den temporären Veränderungen, an die ich mich rantraue. ;)

Liebe Grüße aus Bad Cannstatt,

Johanna (flo)

Re: Und danach?

Verfasst: Fr 5. Jul 2013, 10:24
von Lampenschirm
Als Erstes mal ganz lieben Dank für eure vielen, vielfältigen und offenen Antworten.
Ist schon klar, eine Gebrauchsanweisung lag euch nicht bei und so frage ich mich durch, um mehr zu begreifen. :wink:
Ich sehe die Entwicklungen, die wir in den letzten Jahren genommen haben und bin gespannt, wo hin und wie weit die Reise geht. Inzwischen bin ich ganz sicher, dass es immer weiter geht.
Oder ist irgend eine unter euch, die sagen würde: So ist es prima. (Ich meine hier alle Teilzeitfrauen). Und dann ganz speziell diejenigen, die sich nicht durch Familie, Arbeit etc. eingeschränkt fühlen. Ist da eine, die sagen würde, es ist prima, hin und her zu wechseln, und ich tue es nicht nur, weil ich nicht will, dass mich die Nachbarn, oder wer auch immer, so sehen. Gibt es das?
Mein Gefühl verneint das.
Aber da weiche ich von meiner Ursprungsfrage ab.
LG und lieben Dank,
Lampe

Re: Und danach?

Verfasst: Fr 5. Jul 2013, 20:38
von Kerstin
Hallo Lampe
Lampenschirm hat geschrieben:.....
Ich sehe die Entwicklungen, die wir in den letzten Jahren genommen haben und bin gespannt, wo hin und wie weit die Reise geht. Inzwischen bin ich ganz sicher, dass es immer weiter geht.
Es ist nicht zwangsweise so, das die Reise immer weiter gehen muß. Es kann durch aus so sein, das die Entwicklung zum Stillstand kommt weil eben alles past und ein Platz gefunden wurde der allen gefällt und man sich wohl fühlt.

Natürlich kann es auch so kommen, das nach einiger Zeit die Entwicklung weiter geht und ein neuer Platz gesucht wird an dem man sich wohl fühlt.
Oder ist irgend eine unter euch, die sagen würde: So ist es prima. (Ich meine hier alle Teilzeitfrauen). Und dann ganz speziell diejenigen, die sich nicht durch Familie, Arbeit etc. eingeschränkt fühlen. Ist da eine, die sagen würde, es ist prima, hin und her zu wechseln, und ich tue es nicht nur, weil ich nicht will, dass mich die Nachbarn, oder wer auch immer, so sehen. Gibt es das?
Mein Gefühl verneint das.
Aber da weiche ich von meiner Ursprungsfrage ab.
LG und lieben Dank,
Lampe
Des Verständnisshalber zitiere ich mich mal selbst:
Kerstin hat geschrieben: Für mich ist der "Normalzustand" das beide gleichzeitig da sind, auch wenn Kerstin zwischen durch die Klappe hält.
Da ist sie aber trotzdem. "Normal" ist also ein relativer Zustand.

Froh im Sinne von zufrieden bin ich daher eigentlich dadurch, das Kerstin zu Ihrem Recht gekommen ist. Sie kann das durch aus mit nachdruck einfordern.
Es ist insofern prima hin und her wechseln zu können da ich auf diese Weise beide Persönlichkeiten in mir zufrieden stellen kann.
Eingeschränkt werde ich weder durch die Arbeit noch durch die Familie - wohn alleine. Und die Arbeit befriedigt ja auch die Interessen des Kerls.
Und die Nachbarn sind erst dann interessant wenn ich mich vor die Tür wag. Ich kann also frei meinen Bedürfnissen nach wählen.
Und trotzden oder gerade deswegen switche ich.


LG Kerstin

Re: Und danach?

Verfasst: Sa 6. Jul 2013, 16:15
von ExUserIn-2026-01-22
Lampenschirm hat geschrieben:Ich frage heute mal die Teilzeitfrauen:
Mein Schatz berichtet mir, dass er die Frauenphasen sehr genießt, sich wohlfühlt etc. Aber danach ist er immer wieder unglaublich froh "einfach nur Mann" zu sein.
Für mich als TZF ist dies natürlich die richtige Frage... (gitli) ---)))

Wenn ich einen richtig tollen "en femme" Outdoor-Ausflug hinter mir habe, fällt es mir schwer, die Sachen wieder ausziehen, bzw. das Make Up abzuwaschen. Ich kann dann eigentlich nicht behaupten froh darüber zu sein, endlich wieder ein Mann, bzw. ich selbst zu sein.

Jennifer

Re: Und danach?

Verfasst: So 7. Jul 2013, 00:51
von Vincent
Hallo Lampenschirm,
Lampenschirm hat geschrieben:.....
Ich sehe die Entwicklungen, die wir in den letzten Jahren genommen haben und bin gespannt, wo hin und wie weit die Reise geht. Inzwischen bin ich ganz sicher, dass es immer weiter geht.
...
Oder ist irgend eine unter euch, die sagen würde: So ist es prima. (Ich meine hier alle Teilzeitfrauen). Und dann ganz speziell diejenigen, die sich nicht durch Familie, Arbeit etc. eingeschränkt fühlen. Ist da eine, die sagen würde, es ist prima, hin und her zu wechseln, und ich tue es nicht nur, weil ich nicht will, dass mich die Nachbarn, oder wer auch immer, so sehen. Gibt es das?
Mein Gefühl verneint das.
Aber da weiche ich von meiner Ursprungsfrage ab.
Ja, das gibt es...
Jede(r) hat hier seinen eigenen Weg und eigene Bedürfnisse, und von daher ist wenig übertragbar:

Vielleicht nicht primär aus der von Dir genannten Motivation heraus, aber bei mir war es definitiv so, dass ich nicht mehr weiter wollte und eigentlich sogar einen großen Schritt zurück gemacht habe:
Ich habe auch irgendwie mit ein paar Kleidungsstücken in der Kindheit begonnen wie viele hier, und mich bis zum Studium weiterentwickelt zur Teilzeitfrau.
Irgendwann hab ich dann erkannt, dass das nicht wirklich mein Weg ist, und dass er auch schwer vermittelbar ist.
Ich habe nachgedacht um was es mir wirklich geht und bin so zu der Erkenntnis gelangt, dass ich dass er mir primär um die Kleidung geht und man auch Mann bleiben kann, wenn man sich anders als den Normen entsprechend kleidet.
Das kann ich ohne mich zu verstecken, es heimlich zu machen und ohne nennenswerte Widerstände, weder durch meine Frau noch durch andere Leute.
Als Frau bin ich wohl schon 20 Jahre nicht mehr anzutreffen gewesen, auch wenn ich zugeben muss dass es mich vielleicht schon mal wieder reizen könnte. Dafür aber nennenswerte Probleme riskieren :((a

Re: Und danach?

Verfasst: So 7. Jul 2013, 02:08
von sabrinabunny
Hallo zusammen,ich finde es auch immer spannend und entspannend zugleich.Es ist immer faszinierend was schöne Kleidung und etwas Schminke ausmachen können um sich als Frau zu fühlen.Trotzdem würde auch ich nicht verzichten wollen, als Mann mein Leben weiter zu erleben.Ich finde ,es ist eine schöne Bereicherung die ein Mann erleben kann.Ich würde es nur schwer wieder ablegen können,wenn ich es müsste.

Re: Und danach?

Verfasst: So 7. Jul 2013, 14:09
von Andrea66
Hallo Lampe,

wie schon weiter oben beschrieben ist Andrea "nur" ein Teil von mir. Ich liebe die Andrea-Zeit und brauche diese auch. Es ist für mich aber auch kein Problem einige Zeit auf Andrea zu verzichten. Gestern war der erste Andrea-Tag nach fast 3 Wochen und es war toll. Heute ist das Gefühl wieder befriedigt (keine sexuelle Befriedigung), denn Andrea hatte ihren Platz. Eigentlich war für heute auch ein Andrea-Tag geplant, aber mir ist es zu warm und so durfte Andrea heute ohne Schminke aber in neuem Rock nur 2 Stunden die Wäsche bügeln.
Sicherlich möchte ich zur Zeit noch nicht, dass meine Nachbarn und Kollegen Andrea kennen lernen, aber ich denke, dass dieses irgendwann passieren wird. Wenn ich es denn erklären soll, warum ich das mache, dann würde ich Andrea als eine Mischung aus Sucht und Hobby beschreiben. Etwas Ähnliches kenne ich vom Sport: Ich bin früher viel gelaufen und habe an Wettkämpfen teilgenommen. Ich musste, wenn möglich mindestens zweimal pro Woche laufen, besser war häufiger. Diese Art der Sucht ist sogar medizinisch erklärbar durch entsprechende Glückshormone, die ausgeworfen werden. Genauso sehe ich mein Leben mit Andrea.
Mein Leben als Mann finde ich aber auch toll und kein notwendiges Übel. Somit bin ich auch nicht traurig, wenn die Andrea-Zeit wieder vorbei ist.

In meinem Profil steht "Teilzeitfrau", dieses ist eher als Minijob zu verstehen, denn als Halbtagskraft.

LG

Re: Und danach?

Verfasst: So 7. Jul 2013, 16:04
von Lampenschirm
Hallo Andrea,
Sucht-Hobby-Mischung ist eine gut verständliche Erklärung für Außenstehende! Das kann man nachvollziehen.
Nun, wahrscheinlich denke ich immer wieder zu eingleisig und einseitig.
Ab und an bin ich frustriert, weil ich immer nur reagieren kann und nichts selbst in der Hand habe. - Nicht falsch verstehen, würde ich meinem Mann sagen, dass ich den Frauenteil nicht sehen will, würde ich ihn nicht zu Gesicht bekommen. Ich denke nur, dass sich dadurch nichts ändert und lerne diese Seite lieber kennen, statt sie zu verleugnen.
Soo, das war jetzt mal ganz weit vom eigentlichen Thema weg.
Ihr habt mir wieder einmal viele Einblicke und Sichtweisen gegeben, mit denen ich ein kleines bisschen mehr Verständnis aufbringe.
Dafür Dank, die Lampe

Re: Und danach?

Verfasst: So 7. Jul 2013, 17:21
von Lampenschirm
Hallo Jana,
dass CD kein Hobby ist, ist mir klar, aber einem Außenstehenden ist, denke ich, eine Mischung aus Sucht und Hobby eine nachempfindbare Erklärung.
Ich meine mit "einseitig und eingleisig" die Eingeschlechtlichkeit, in der ich lebe. Ich bin Frau und habe keine männliche Seite, die ich wechselweise auslebe. Da fehlt mir eindeutig etwas, im Gegensatz zu vielen von euch und meinem Mann. Deshalb kreisen halt viele meiner Gedanken und Fragen um diese Wechsel. Was löst sie aus, wie fühlt es sich an, was kommt danach usw.
Diese Antworten brauche ich, um den Menschen, den ich liebe, zu verstehen und zu akzeptieren. Dieser Mensch ist mal Frau und mal Mann an meiner Seite. Aber immer derselbe Mensch. Und das, obwohl er dabei sehr unterschiedlich sein kann.
Und oft hat er das Gefühl, keine Antworten mehr auf meine Fragen zu haben - dann löchere ich hier weiter....
Klar, hin und wieder sind Gespräche einfach festgefahren und emotional geladen, meistens gelingt es uns aber, miteinander im Fluss zu bleiben.
LG Lampe

Re: Und danach?

Verfasst: So 7. Jul 2013, 18:29
von Lampenschirm
Uuuuh, Geduld - gaaanz schlechtes Thema.
Aber immerhin inzwischen im 4. Jahr seit ich die Frau in ihm kennen lernen durfte...
Jana, mit allem, was du schreibst, hast du vollkommen recht.
Wir üben weiter.
LG

Re: Und danach?

Verfasst: So 7. Jul 2013, 22:58
von Lampenschirm
Na, dann bin ich ja wenigstens nicht allein.... :-)

Re: Und danach?

Verfasst: Di 9. Jul 2013, 12:14
von Lampenschirm
danke :()b

Re: Und danach?

Verfasst: Di 9. Jul 2013, 21:35
von Lina
Lampenschirm schrieb:
"Oder ist irgend eine unter euch, die sagen würde: So ist es prima. (Ich meine hier alle Teilzeitfrauen). Und dann ganz speziell diejenigen, die sich nicht durch Familie, Arbeit etc. eingeschränkt fühlen."


Ja, absolut. Ich sehe auch nicht den großen Unterschied zwischen meiner atypisch männlichen Identität und meiner weiblichen Identität. Ich kann im Männerlook rum laufen, manchmal mit ein paar weiblichen accessoires, nur um Leute ein wenig zu irritieren und wenn ich Zeit habe mich ordentlich anzuziehen, bevor ich irgendwo hin gehe, bin ich im weiblichen Look unterwegs. Manche mögen mich lieber so - das passt besser zu mir, sagen sie. Einigen ist beides OK. Ich mag mein Aussehen, mache das Beste aus mir und sehe keinen Grund meine Körper zu ändern. Und ich bin dankbar, dass ich so geschlechtsneutrale Körperproportionen habe.

Re: Und danach?

Verfasst: Fr 12. Jul 2013, 21:44
von Lampenschirm
Naja, 30 Jahre Liebe haut man ja nicht in die Tonne, nur weil man dahinter gekommen ist, dass man nicht nur nen Kerl hat.
Läuft schon ganz gut mit uns.
Ungeduldig bin ich halt, wenn ich nicht sofort Antworten bekomme, oder wir uns mal wieder in Gesprächen festgefahren haben.
Er kann verstehen, dass ich oft nicht nachempfinden kann, was da so vorgeht - da fehlt mir halt was, bin nur eingeschlechtlich.
Und ich verstehe, dass ihm da immer wieder die Worte fehlen.
Und manchmal fehlt auch das richtige Feeling für den gerade passenden Umgang miteinander. Wie im richtigen Leben....
))):s