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Re: "Frau sein ausleben" nur Einbildung?
Verfasst: Mi 27. Feb 2013, 10:35
von Ulrike-Marisa
Moin zusammen,
gute Frage, die Konstanze da gestellt hat und die viele von uns glaube ich mehr oder wenger intensiv beschäftigt. Genau das Wort benutzt meine Frau auch für meinen Wusch als Frau leben zu wollen, da es ihrer Meinung nach ja eindeutig biologisch bei mir anders geregelt sei vom Chromosomensatz und von der Ausstattung her gesehen. Aus dir wird nie eine Frau weil.... und dann kommt eine lange Liste von Tatsachen, die wie sie meint bei mir fehlen oder nicht an Verhalten und Ausdrucksformen hin bis zu sozialem Engagement vorhanden wären; typisch männlich also genauso wie meine Hobbies oberflächlich betrachtet, da es Schützenschwestern gibt und Seglerinnen und......sagt sie mit Bestimmtheit. Das ist eine Weise der Betrachtungsmöglichkeit. Es muss aber noch mehr geben. Sicher meine Mutter wollte eine Tochter, ich habe fast nur mit Mädchen gespielt, aber das kann auch nicht die alleinige Ursache dafür sein, dass ich als Kind schon immer den eigenen Wusch auch hatte Mädchen sein zu wollen und später dann auch Frau. Die gesellschaftlichen Verhältnisse vor 40 /50 Jahren, ich bin heute 59, waren nicht so, dass die Fragestellung ein Thema gewesen wäre, über das man mit irgend jemandem hätte reden können. Trotz aller männlicher Sozialisation hatte ich immer Schwierigkeiten, männlichen Normen zu genügen bzw. mich diesen Normen unterzuordnen. Ich habe auch eine Frau gefunden, die mich wegen meiner weiblichen Seiten anziehend fand und eine Familie mit Kindern gegründet. Trotzdem war immer mehr oder weniger im Hintergrund der andere Wunsch vorhanden und das eine oder andere feminine Kleidungsstück befand sich in meinem Zugriff. Das spielt dann immer der Kopf eine Rolle, wenn es um Gefühle und eben auch Einbildungen geht oder besser Vorstellungen von dem geht, was man gerne sein möchte, aber in der Realität nicht sein kann, zumindest nicht ohne weiteres. Da muss es irgend etwas geben, das diese Gefühle steuert und erst möglich macht, eine Triebfeder sozusagen für unser nicht angepasstes Verhalten. Und wie plötzlich und mit welcher Vehemenz das passieren kann, habe ich erlebt, als meine beiden Söhne dann von zu Hause fort waren und ich wieder Zeit hatte, etwas mehr über mich nachzudenken. Wie ein Schalter war das vor einem Jahr , der umgelegt wurde. Seitdem fühle ich mich irgendwie nicht mehr der männlichen Seite zugehörig, ohne dass ich das Ziel wohl jemals erreichen kann wegen der famliären Bildungenu und den sonstigen daraus erwachsenden Folgen privater und wirtschaftlicher Art. Nein als Einbildung kann ich das nicht mehr bezeichnen, wie sich Ulrike-Marisa in mein Leben eingefügt hat. Das muss mehr sein, was aber weiss ich nicht und kann wohl auch kaum auf Klärung hoffen. So lebe ich die Frau in mir in meinen Freiräumen aus und das ist auch gut so, denn meine Frau mag ich weiterhin und wir leben eigentlich glücklich zusammen. Jeder muss da seinen Weg finden, da gibt es kein Patentrezept.
Liebe Grüße, Ulrike-Marisa

Re: "Frau sein ausleben" nur Einbildung?
Verfasst: Mi 27. Feb 2013, 11:57
von reinhildb
Frau finden, Mann bleiben, für die Familie sorgen, Hausarbeiten, schöne Kleidung und zarte Wäsche, High Heels und Schürze, normal aussehen und schminken, .... Du siehst Volker, alles geht und nichts muss.
LG
Reinhild
Re: "Frau sein ausleben" nur Einbildung?
Verfasst: Mi 27. Feb 2013, 12:50
von Nora_7
Hier eine Hypothese:
Bis zur 8. Schwangerschaftswoche ist das Geschlecht undifferenziert. Männliche Geschlechtsorgane entwickeln sich dann durch die beginnende Testosteronausschüttung des Y-Chromosoms. Testosteronmangel führt bei Männern zur Verweiblichung, Östrogenmangel zeigt bei Frauen andere Symptome, aber bis auf Haarausfall keine Vermännlichung.
Es deutet einiges darauf hin, dass das "Urgeschlecht" weiblich ist, und Männer tragen es über das X-Chromosom in sich - sonst könnten Sie ja keine Mädchen zeugen.
Abhängig vom durch viele Dinge, einschließlich aktuellem Hormonhaushalt der Mutter, wird die Entwicklung des Kindes in den jeweiligen Stadien beeinflusst. Es erscheint möglich, dass die Entwicklung von Jungen infolge des Y-Chromosom/Testosteron-Einflusses anfälliger ist al die reine X-Welt. Jeder Junge/Mann trägt einen mehr oder minder ausgeprägten Anteil Weiblichkeit in sich. Da "klassische" Männlichkeit in den meisten Gesellschaften höher angesehen ist, bekämpfen meisten alles Weibliche - ist ja erst mal "schwul". Obwohl die wenigsten Schwulen weibliche Elemente zeigen.
Die individuellen Einflüsse des X-Chromosoms tragen m.E. dazu bei, dass ein im Vergleich zu Frauen wesentlich größerer Anteil der Männer Attribute des anderen Geschlechts auslebt. Und die Dunkelziffer wird hoch sein, ebenso die "Verdrängungsgruppe"! Man schau doch mal, wenn Männer mit dem Tragen von z.B. High Heels oder Röcken konfrontiert werden — sie zieren sich richtig peinlich, während die meisten Frauen problemlos ein Spiel mit männlichen Attributen mitmachen würden. Viel mehr Männer gehen zu Fasching als Frau als umgekehrt.
Soziale Kompetenz wird als wichtige weibliche Eigenschaft bewertet. Soziale Kompetenz wird aber inzwischen auch von Männern gefordert. Wird damit der "männliche Testosteronkrieger" zum "weiblichen Weichei"?
Fazit: Die Überlappungen männlich<->weiblich sind sehr groß, vor allem " was ist männlich" scheint mehr ein gesellschaftliches als ein biologisches Rollenspiel zu sein.
Ich jedenfalls lebe mein X-Chromosom aus!
Und auch das Y.
Nora_7
Re: "Frau sein ausleben" nur Einbildung?
Verfasst: Mi 27. Feb 2013, 14:02
von Exuser-2014-02-18
.
Hallo Nora
Ich kann mich dem ebenfalls anschliessen, obwohl ich die fachlichen/biologischen Aspekte nicht so verstehe, man muss ja auch nicht alles verstehen.^^
Aber das.....>"Und die Dunkelziffer wird hoch sein, ebenso die "Verdrängungsgruppe"
das glaube ich ganz sicher.
( Da fällt mir gleich wieder der Roboterplanet ein )
Liebe Grüße Tina

Re: "Frau sein ausleben" nur Einbildung?
Verfasst: Mi 27. Feb 2013, 16:04
von geraldine
Hallo Nora / !
Ich hab schnell mal geschaut aus welcher Berufsbranche Du kommst.
Ich dachte wirklich etwas Medizinisches.
D U H A S T das sehr gut erklärt !!!
Hut ab !
In der Tagespresse ist heute Testosteron auch ein Thema.
Das Verhältnis der Fingerlängen und das allgemeine Misstrauen.
L G Geraldine
Re: "Frau sein ausleben" nur Einbildung?
Verfasst: Mi 27. Feb 2013, 16:13
von Nora_7
....ich arbeite im Bereich Medizin-IT und Medizintechnik...
Nora_7
Re: "Frau sein ausleben" nur Einbildung?
Verfasst: Mi 27. Feb 2013, 16:36
von geraldine
Na, das freut mich ja sehr...
Liebe Nora-7 ,
ich hab mich echt gefrag "Prozessberatung und I T" das hört sich wie Wirtschaft an.
Danke für Deine sachliche Ausführung
Geraldine
Re: "Frau sein ausleben" nur Einbildung?
Verfasst: Mi 27. Feb 2013, 17:03
von Nora_7
...ja die Branche fehlte....
Re: "Frau sein ausleben" nur Einbildung?
Verfasst: Do 28. Feb 2013, 14:38
von Andrea aus Sachsen
.
LaraC hat geschrieben:Das ist in der Form furchtbar monokausal und für das Verständnis des ganzen Problemkomplexes überhaupt nicht hilfreich.
Kannst du es besser formulieren oder hast du eine andere Erklärung?
Re: "Frau sein ausleben" nur Einbildung?
Verfasst: Do 28. Feb 2013, 19:19
von Sabrina Verena
volker hat geschrieben:geraldine hat geschrieben:....
In der Tagespresse ist heute Testosteron auch ein Thema.
Das Verhältnis der Fingerlängen und das allgemeine Misstrauen.
Das habe ich auch gelesen, es ging um einen Mangel an Testosteron bei ungeborenen Babys, also sehr nah am Thema.
Dieser Mangel lässt sich im Verhältnis der Fingerlängen von Zeige- und Ringfinger ablesen.
Der "Kurztest" hier im Büro bei sechs Teilnehmern war eindeutig. Frauen haben längere Zeigefinger, Männer längere Ringfinger.
Wenn also an der Testosterontheorie etwas dran ist, dann müssten wenigstens einige hier längere Zeige- oder zumindest gleichlange Zeige- und Ringfinger haben. Ich bin gespannt!
volker
Hallo!
Was die Finger betrifft, ist bei mir der Ringfinger etwa 2 bis 3 mm länger als der Zeigefinger.
Also
http://www.youtube.com/watch?v=3WdvCCCsEtI
Und trotzdem bin ich TZF.
Liebe Grüße
Verena
Re: "Frau sein ausleben" nur Einbildung?
Verfasst: Do 28. Feb 2013, 20:03
von ab08
Sabrina Verena hat geschrieben:Was die Finger betrifft, ist bei mir der Ringfinger etwa 2 bis 3 mm länger als der Zeigefinger.
Also
http://www.youtube.com/watch?v=3WdvCCCsEtI
Und trotzdem bin ich TZF.
Liebe Grüße
Verena
Liebe Verena,
wenn es Dich tröstet: Bei meinen Fingern dürfte dieser Wert auch rauskommen. Trotzdem bin ich definitiv eine Frau, sogar die Schüler sprechen über mich genauso. Selbst, wenn sie mal über mich schimpfen, fallen inzwischen nur noch entsprechende Bezeichungen. Zumindest bei manchen Menschen sind die Genitalien eben nicht das wichtigste Körperteil...

Es gibt Menschen, da dienen Persönlichkeit, Verhalten usw. eher dazu, sie zu charakterisieren. Aber für wirkliches Verständnis sind halt monokausale Gedankengänge ungeeignet...
GLG
ab
P.S. Für tieferes Interesse bzw. Leser/Leserinnen, die einen genaueren Einblick gewinnen wollen:
Auf der Seite von ATME
http://atme-ev.de/ ist seit gestern eine aktualisierte Broschüre verfügbar:
Warum sind manche Menschen transsexuell?
Achtung:
- Patentantworten gibt es nicht und wird es auf absehbare Zeit nicht geben.
- Wie in der Teilchenphysik, trotz 'Nachweis' des Higgs-Teilchens (aktueller Nobelpreis) wurde der Begriff 'Masse' dadurch nicht vollständig geklärt, sondern es wurden neue Fragen aufgeworfen...
Re: "Frau sein ausleben" nur Einbildung?
Verfasst: Do 28. Feb 2013, 20:25
von Nora_7
Also, die Fingerlängendiskussion ist nicht wirklich weiterführend - gibt es schon lange, soll auch mit Penislänge korrelieren usw. Ich sehe da eher ein orientierendes statistisches Symptom. Zufällig passt es bei mir in etwa: beide Finger gleich lang = 50/50 m/w? Wissenschaftlich gibt es dazu m.W. keine wirklichen Erkenntnisse.
Interessant ist dieser Kommentar:
juliane59 hat geschrieben:Eigentlich habe ich mir darüber noch nie Gedanken gemacht, sondern es akzeptiert, dass meine weibliche Seite zu 50 % auch da sein will.

Das einzige, was problematisch ist, sind gesellschaftliche Zwänge, die nun leider auch mal real sind.
Die gesellschaftlichen Zwänge: zum Einstieg ins Thema - hat jemand schon mal nachgedacht, warum Schwule in fast allem Kulturen verfolgt wurden/werden? These: Weil jede Gesellschaft sich erhalten und vermehren will - und dafür Fortpflanzung notwendig ist. Was in dem Fall dann ja nicht funktioniert. Es wird daher auch alles getan zu verhindern, dass sich Gleichgeschlechtliche füreinander interessieren. Dazu haben die Kulturen strikte Regelwerke für Bekleidung entwickelt - und dass keiner die Kleidung des anderen Geschlechts tragen darf (s.a. Altes Testament, gilt besonders für Frauenkleidung). Denn dann könnte man sich gleichgeschlechtlich attraktiv finden, aber nicht fortpflanzen und somit zum Erhalt der Kultur beitragen. Denn Frauen müssen Männer auf sich so focussieren, dass sie möglichst wenig vom Auftrag zur Fortpflanzung abgelenkt werden. Daher dürfen Männer nicht wie Frauen aussehen.
Dies ist sicher eine sehr komprimierte Darstellung, und ich habe auch nicht recherchiert, sondern vorhandes Wissen von mir zusammengeführt. Aber ganz falsch wird es wohl nicht sein.
Nora_7
Re: "Frau sein ausleben" nur Einbildung?
Verfasst: Do 28. Feb 2013, 22:48
von Marielle
Guten Abend zusammen, Hallo Nora,
These: Weil jede Gesellschaft sich erhalten und vermehren will .....
Das mag als grundlegender Erklärungsansatz ganz gut passen und ich will und kann das auch gar nicht bestreiten. Aber wenn das so ist, wäre es m.E. nur noch ein weiteres, ziemlich übles Anzeichen dafür, dass die Aufklärung an nennenswerten Teilen der Gesellschaft quasi spurlos vorbeigegangen ist.
Allerdings passt die These auch nicht zu einer grade neuen Umfrage zur Gleichstellung der Homo-Ehe, die demnach von über 70% der Bevölkerung bejaht wird. Es wäre allerdings auch denkbar, dass die Befragten sich nur nicht getraut haben, ihre innere Gegnerschaft zu bekennen. Das wäre ja kein neues Phänomen.
Gruß
Marielle
Re: "Frau sein ausleben" nur Einbildung?
Verfasst: Do 28. Feb 2013, 23:43
von Nora_7
Marielle hat geschrieben:Guten Abend zusammen, Hallo Nora,
These: Weil jede Gesellschaft sich erhalten und vermehren will .....
Das mag als grundlegender Erklärungsansatz ganz gut passen und ich will und kann das auch gar nicht bestreiten. Aber wenn das so ist, wäre es m.E. nur noch ein weiteres, ziemlich übles Anzeichen dafür, dass die Aufklärung an nennenswerten Teilen der Gesellschaft quasi spurlos vorbeigegangen ist.
Allerdings passt die These auch nicht zu einer grade neuen Umfrage zur Gleichstellung der Homo-Ehe, die demnach von über 70% der Bevölkerung bejaht wird. Es wäre allerdings auch denkbar, dass die Befragten sich nur nicht getraut haben, ihre innere Gegnerschaft zu bekennen. Das wäre ja kein neues Phänomen.
Gleichstellung der Homo-Ehe: Ich hatte ja geschrieben "..warum Schwule in fast allem Kulturen verfolgt
wurden/
werden...". Sicher hat sich da in einigen Ländern ein Bewußtsein entwickelt, aber z.B. sicher nicht in Osteuropa oder arabischen Ländern uvm.
Derartige Veränderungen in der Gesellschaft passieren nicht durch Revolution, sondern nur durch stetige, konstruktive Arbeit/Aufklärung. Verteidiger einer Ordnung schüren traditionell immer Angst vor dem Unbekannten/Neuen. Die homosexuelle Welt hat es jedoch durch das Outing
vieler prominenter Schwule und Lesben geschafft (ach so, dass sind ja Menschen wie wir...Wowi war sicher ein Schlüsselereignis).
Allerdings ist die TG-Szene extrem heterogen. Solange Leitpersonen nicht beginnen, in nennenswerter Anzahl traditionelle Geschlechtergrenzen zu überschreiten, wird es nur langsam voran gehen. Aus vielen Gesprächen en femme vor allem mit Frauen fällt mir immer wieder auf, wie wenig sie über TV/CD und deren Motivationen wissen und die erstmal für schwul oder TS halten. Und die, die mich in beiden Rollen kennen, schätzen mich auch in beiden, wobei die meisten mich als Frau optisch attraktiver finden (Weiß ich ja auch, wirke dann 15-20a jünger). So bin ich als "Biomann" und "Teilzeitfrau" sehr in deren Gruppenleben integriert - wenn ich in der Frauenrolle bin.
Nora_7
Re: "Frau sein ausleben" nur Einbildung?
Verfasst: Fr 1. Mär 2013, 09:18
von ChristinaF
ab08 hat geschrieben:
P.S. Für tieferes Interesse bzw. Leser/Leserinnen, die einen genaueren Einblick gewinnen wollen:
Auf der Seite von ATME
http://atme-ev.de/ ist seit gestern eine aktualisierte Broschüre verfügbar:
Warum sind manche Menschen transsexuell?
Achtung:
- Patentantworten gibt es nicht und wird es auf absehbare Zeit nicht geben.
- Wie in der Teilchenphysik, trotz 'Nachweis' des Higgs-Teilchens (aktueller Nobelpreis) wurde der Begriff 'Masse' dadurch nicht vollständig geklärt, sondern es wurden neue Fragen aufgeworfen...
Danke für den tollen Link. Kannte ich bislang nicht. Umso interessanter die vielen Inhalte dort.
LG
Chrissie