Hallo Sabrina,
Guten Tag zusammen,
Die Macht der Verbraucher hängt davon ab, wieviel Geld der Verbraucher hat. Hartz4- Empfänger haben keine Macht als Verbraucher!
Das stimmt natürlich. Aber die Menschen, bei denen es nur für das allernötigste reicht, sind ja (noch) der kleinere Teil der Gesellschaft hier im Land.
Außerdem bestimmen nicht die Verbraucher das Angebot, sondern der Handel.
Da irrst du meiner Meinung nach. Der Handel kann das Angebot nur solange scheinbar bestimmen, wie der Kunde die entsprechenden Waren kauft. Was nicht gekauft wird, wird sehr bald aus dem Angebot verschwinden. Wenn ab Morgen niemand mehr Weissbrot kauft, wird es nächste Woche keines mehr geben.
Und es ist die Werbung, die empfänglichen Verbrauchern Bedürfnisse einredet.
Da liegt der Hase tatsächlich im Pfeffer. Der "empfängliche" Verbraucher bzw. der Verbraucher der ohne eigene Denkleistung werbliche Aussagen glaubt oder gar übernimmt, der unreflektiert "Rüssel an Schwanz" im Mainstream gleitet und Geiz geil findet; Von diesem Verbraucher geht kaum eigene Marktmacht aus. M.E. werden solche Aussagen (ohne das von dir eingefügte "empfänglich") meist als Pauschal-Entschuldigung für die Nicht-Inanspruchnahme des eigenen Kopfes verwendet.
Ich bitte also die Macht der Verbraucher nicht zu überschätzen.
Nein, das tue ich nicht. Ich sehe durchaus das der Konsum in erheblichem Maß von "empfänglichen Verbrauchern" betrieben wird, die ihre Marktmacht nicht nutzen (wollen). Ich bleibe allerdings dabei, dass der Verbraucher die absolute Marktmacht HAT, er müsste sie nur einsetzen (wollen).
Um die ganze Debatte ein wenig bodenständiger zu machen nehme ich mal uns, die Forenmitglieder, als Beispiel. Viele hier können durchaus noch selbst entscheiden, ob sie ihr Geld zum Klamotten-Discounter tragen oder es in Läden ausgeben, die mit mehr Personal pro Umsatz arbeiten oder mehr Geld für bessere Produktionsbedingungen aufwenden. Jedenfalls meine ich, das aus verschiedenen Threads herauszulesen.
Ich selbst versuche, meine Einkäufe in richtigen Ladengeschäften zu machen. Beispiel Schuhe: Wenn man mal schaut stellt man oft fest, dass das gleiche Paar sowohl im Internethandel als auch in einem Ladengeschäft zu bekommen ist. Der Preisunterschied ist meist nicht größer als 10%, oft sogar fast Null. Wenn ich dann die Mehrkosten für Personal, Lagerhaltung im Laden und wegen kleinerer Einkaufsmengen gegenüber einem reinen Internethändler zusammenrechne, bin ich absolut sicher, dass ein Paar Schuhe für 109€ im Ladengeschäft der insgesamt bessere Deal ist, als für 99€ im Internethandel.
Schön blöd? Ich kann nicht rechnen? Ich kann rechnen, ganz gut sogar. Die Person, die in dem Schuhladen arbeitet und dort ihr Geld verdient, gehört nämlich zu der Gruppe aus der meine Kundschaft kommt und die damit meine Rechnungen bezahlen soll; Die die Brötchen beim Bäcker um die Ecke bezahlen soll; Und die ihre Steuern für Strassen, Kindergärten und Polizei und Feuerwehr bezahlen soll. Deswegen sind die 10€ besser dort angelegt, als das sie zur Gewinnmaximierung eines Interhändlers mit Minimalkostenbetrieb beitragen, indem ich mir noch ein T-Shirt mehr bestelle als ich brauche.
Das dumme an der Sache ist nur, dass die "empfänglichen Verbraucher" diese simplen Zusammenhänge nicht verstehen wollen, weil es ihr Dasein als Konsumenten verkomplizieren würde. Die meisten leben halt lieber in der marketing-implizierten Plastikwelt eigener Verantwortungslosigkeit.
Gruß
Marielle