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Re: CROSSDRESSING „ interessante Aspekte...

Verfasst: Mo 17. Dez 2012, 15:13
von Carlos
Sabrina Verena hat geschrieben:Hallo!
Wie es aus dem Artikel aber auch einigen Kommentaren in den verschiedenen Threads dieses Forums herauszulesen ist, stehen sich die Männer bei iher Emanzipation selber im Weg. "Frauensachen" sind halt nicht dem gesetzten Männlichkeitsbild angemessen. Die Minikleider der römischen Legionstruppen waren jedenfalls kein Problem. Der Kilt gilt als männlich und die Griechische Paradeuniform beschränkt sich auf diesem Zweck.
(Würde ich freiwillig aber auch nicht anziehen). Es liegt an Männern, ob sie Mann genug sind, sich von ihrem Klischee zu verabschieden.
Liebe Grüße
Verena
Na ja ... das ist glaub ich auch ein wenig zu einfach gesehen. Wenn ich als Mann in meinem Job auf einmal mit Frauenkleidung rumlaufe, dann bin ich vermutlich
erledigt. Privat kann das ebenfalls passieren. Klar, wenn ich unabhängig bin oder ungebunden ... keine Verpflichtung für die Familie etc. habe, dann fällt diese
Entscheidung ein klein wenig leichter. Aber so ist mir das Risiko doch zu groß - zumal dann, wenn es sich um eine bloße Leidenschaft für die Kleidung des weiblichen
Geschlechts angeht. Ausserdem spielt die Generation in der man aufgewachsen ist auch noch eine wesentliche Rolle. Wenn ich mich z.B. bei meinen Söhnen umhöre,
dann gibt es dort jeweils einen, der sich von Frau zu Mann und einen der sich von Mann zu Frau umwandelt mit Hormonbehandlung und allem was dazugehört. Ich bin in den
70er Jahren aufgewachsen, eigentlich in großer sexueller Freizügigkeit, aber dies war da schon noch ein großes TABU. Sich nun davon zu lösen, erfordert schon noch mehr
als individueller Courage - auch meine ganzen eigenen Werte wollen ja erst mal "besiegt" werden. Einfach ist das nicht ... finde ich
LG Carlos

Re: CROSSDRESSING „ interessante Aspekte...

Verfasst: Di 18. Dez 2012, 22:02
von Marielle
Hallo, Guten Abend zusammen,

aus Reginas Posting:
Inga hat geschrieben:... gesellschaftliche Diktat der Unauffälligkeit ...

das ist ein interessanter Gedanke.
Das finde ich auch. Zumal Inga damit das aufgreift, worum es mir eigentlich mit meinen Postings in diesem Thread geht: Ich möchte gern wissen wo oder wie es zwischen mir/uns und den "anderen" klemmt. Wenn ich das in Gänze verstehen würde, könnte ich doch viel besser damit umgehen.

Carlos beschreibt das Dilemma, wie es sich für "eine(n) von uns" persönlich darstellt (sozusagen im Innenverhältnis zu sich selbst)*). Allerdings sind wir ja nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite sind "die draussen". Die Erfahrung lehrt mich, dass viele mir unsicher, irritiert oder so ähnlich begegnen. Das würde ich gern mindern, weil es mir und den anderen das Leben doch einfacher machen würde. Ich rede nicht von homophoben Schlicht-Weltbildlern; Denen kann und will ich nicht helfen, halte sie, zumindest in Mitteleuropa, auch für austherapiert. Ich meine die "normalen" Leute auf der Strasse. Die haben meist keine tief verwurzelte Homophobie (mehr), sind definitiv überwiegend nicht unfreundlich zu mir. An diesem Punkt möchte ich gern ansetzen, um mich für diese Menschen begreiflich zu machen. Deswegen hätte mich auch die Meinung von Frau Vinken interessiert, da sie ja Kenntnisse über Mode und die damit verbundene Darstellung der diese Mode tragenden Person hat.

Einen Aspekt hat Anne-Mette angesprochen; Es interessiert die Leute vielleicht einfach nicht, dass ich da bin. Ist ja auch OK, ich kann kaum verlangen das fremde Menschen sich plötzlich für mich interessieren. Allerdings stimmt das aus meiner Erfahrung nicht ganz: Sie gucken eben doch ;) In irgendeiner Weise sind sie doch interessiert. Und für diesen Moment suche ich Ansätze; Für Gespräche, für Verhaltensweisen.

Der Aspekt, dass ich gegen einen Einheits-Kodex der Unauffälligkeit "verstosse" war mir natürlich schon (unter-)bewusst, aber vielleicht habe ich ihn bisher nicht wichtig genug genommen. Sieht man sich auf öffentlichen Veranstaltungen wie Konzerten, in Gaststätten usw. um , sieht man auch bei den Frauen absolut überwiegend schwarze, braune oder graue Kleidungsstücke, mittelhohe oder gar keine Absätze.....eben unauffällige Kleidung. An der These von Inga könnte also gut was dran sein. Vielen Dank für diese Hervorhebung Inga; Ich werd mal darüber nachdenken, wie ich damit umgehen könnte bzw. was sich daraus machen lässt.

Gruß

Marielle

*) @ Carlos: Das ist keine Abminderung oder Kritik an deinen Aussagen; Ich kenne das Problem, sich selbst erstmal zu dekonstruieren um sich dann als Person wieder zusammensetzen zu müssen, aus eigener Anschauung.

EDIT:
@Nora und Isabel L:
Ich denke auch nicht, dass dem Mann etwas verloren geht wenn sich die Mode offener gestaltet und die Gesellschaft einen Mann im Rock, Kleid oder hohen Schuhen akzeptiert.
Das habe ich auch gar nicht geschrieben. Ich schrieb (sinngemäß): Es wäre für CDs schwieriger sich anders zu fühlen und/oder sich nach aussen als "anders" darzustellen, wenn die Kleidung nicht geschlechtsspezifisch zugeordnet würde.

Marielle

Re: CROSSDRESSING „ interessante Aspekte...

Verfasst: Di 18. Dez 2012, 22:38
von Nora_7
Ich glaube, dass 2 Stufen zu unterscheiden sind, und ich spreche aus meiner persönlichen Perspektive.

Zuhause trage ich sehr viel weibliche Kleidung, in der ich mich sehr wohl fühle. Etliches davon würde ich auch sehr gerne offiziell als Mann tragen - Oberbekleidung, Schmuck - ohne mich komplett zu verwandeln.

Dann gibt es aber noch das totale En Femme Gefühl, das aber auch in Richtung vollständiges Passing geht - Brüste, Hüfte, Make-up, Perücke, Bewegung...Selbst wenn die Welt es schaffen würde, traditionelle Kleiderordnungen bei Männern zu überwinden, dann gibt es immer noch die Übernahme einer anderen (weiblichen) Rolle, auch im Verhalten. Und da komme ich nicht an, wenn ich "bloß" weibliche Kleidung ohne weibliche Optik trage und dann die Rolle nicht ausleben kann.

Nora_7

Re: CROSSDRESSING „ interessante Aspekte...

Verfasst: Di 18. Dez 2012, 22:52
von Marielle
Guten Abend Nora,

kannst du bitte das folgende erläutern:
Und da komme ich nicht an, wenn ich "bloß" weibliche Kleidung ohne weibliche Optik trage und dann die Rolle nicht ausleben kann.
Ich bin nicht sicher, welche der Lesarten die mir adhoc einfallen, die von dir mit diesem Satz beabsichtigte ist.

Gruß

Marielle

Re: CROSSDRESSING „ interessante Aspekte...

Verfasst: Di 18. Dez 2012, 23:24
von Nora_7
...ein Kleidungsstück allein triggert nicht notwendigerweise die mentale Änderung in Richtung Frau sein. Dazu gehören weitere weibliche Elemente wie Haare, Körperbau.... D.h., eine modische Entwicklung, dass Männer Röcke, Kleider, Kostüme, Ohrhänger etc. tragen können, bedeutet nicht unbedingt, dass sich der Mann dann weiblich fühlt. Das eine ist Kleidung, das andere ist das weibliche Spiegelbild. Und dazu gehört mehr als Kleidung.

Nora_7

Re: CROSSDRESSING „ interessante Aspekte...

Verfasst: Di 18. Dez 2012, 23:53
von Marielle
nochmal Guten Abend zusammen,
Guten Abend Nora,

danke für die Erläuterung.

Ich meinte allerdings weder "das Mann sich weiblich fühlt" noch einen Änderungs-Trigger in Richtung Frau; Letzteres weder für mich, noch für meine Umgebung. Ich bin keine Frau, werde auch keine und versuche auch nicht eine Frau darzustellen. Ich bin ein Mann, der mittels Kleidung einen Teil seiner Persönlichkeit ausdrückt. Diese tendiert, was das soziale Geschlechtsempfinden angeht, deutlich Richtung "weiblich" *). Um diesen Umstand anderen nahezubringen suche ich Erklärungsansätze. Und zwar auf der Grundlage der Sichtweise Aussenstehender (soweit diese eben festzustellen ist). Insoweit hilft mir das leider nicht weiter.

Gruß

Marielle

*) jedenfalls in die Richtung die ich für "weiblich" halte; Emphatiefähigkeit, Deeskalationsfähigkeit, .........

Re: CROSSDRESSING „ interessante Aspekte...

Verfasst: Mi 19. Dez 2012, 08:43
von Nora_7
Mir geht es darum, dass doch etliche CDs an traditionellen Kleidungsklischees festhalten wollten, da sonst der Kick verloren geht. Das mag bei denen so sein. Ich unterscheide zwischen abendländischen Kleidungsstandards und -ritualen, die ich auch gerne verändert sähe, und dem Auftreten als Frau - mit allen sichtbaren weiblichen Attributen. Das erstere für ein kreativeres Auftreten als Mann, letzteres zum Ausleben meiner weiblichen Seite.

Nora_7

Re: CROSSDRESSING „ interessante Aspekte...

Verfasst: Fr 28. Dez 2012, 12:13
von Joe95
Sabrina Verena hat geschrieben:Es liegt an Männern, ob sie Mann genug sind, sich von ihrem Klischee zu verabschieden.

ich finde das trifft den kern sehr genau.

ich staune immer wieder darüber wie krass der unterschied ist zwischem dem, was viele befürchten und dem, was tatsächlich passiert wenn ein mann im rock umher läuft.
es ist nur angst.

das problem dabei:
selbst wenn jemand die eigene angst überwindet und im rock hinaus geht bleibt da immer noch die angst seiner geschlechtsgenossen, die homophobie, die dafür sorgt das der rockträger ausgegrenzt wird.

Re: CROSSDRESSING „ interessante Aspekte...

Verfasst: Sa 29. Dez 2012, 11:16
von exuserin-2014-05-17
Hallo,

also im Alexa finde ich eine Menge Röcke und auch eine Menge Frauen die Röcke tragen. Das hat sich in Deutschland in den letzten Jahren deutlich gebessert.

Ich bin froh, dass Männer keine feminine Kleidung. Dadurch kann ich mich durch das Tragen weiblicher Kleidung innerlich wie äußerlich leichter in eine Frau verwandeln. Weil eben das Gefühl des Tragens eines Rockes und von High Heels mich immer an die weibliche Rolle erinnert. Ich laufe und sitze dann beispielsweise automatisch anders.

LG

Lara

Re: CROSSDRESSING „ interessante Aspekte...

Verfasst: Sa 2. Feb 2013, 23:57
von exuser-12-02-2013-2
Salmacis hat geschrieben:Ich gieße mal Öl ins Feuer und behaupte, die Männer der letzten zwei Jahrhunderte haben uns das verbaut. Wenn man sich anschaut wie Adlige noch im 17. Jahrhundert rumsprangen, der weiß, dass da viel Androgynität herrschte.
Ich bezweifle, dass diese Mode damals als androgyn galt. Ich denke, dass sich die Bedeutung gewandelt hat. Ich glaube kaum, dass sich Ludwig der XIV. als "weiblich angehaucht" päsentieren wollte.