HeikeCD hat geschrieben: Do 25. Sep 2025, 11:08
Jaddy hat geschrieben: Do 25. Sep 2025, 10:07
Sind Milliarden für Autobahnen vernünftig in Abwägung mit Landstrassen, Fahrradwegen oder gerade für weniger betuchte bezahlbaren Öffis inkl Bahn?
Quere mal Schleswig-Holstein, von Westen nach z.B. Lübeck, hab ich jahrelang gemacht, da kommt Freude auf. Nichts gegen Fledermausschutz, aber wenn sie die ganze Pyrotechnik und das Geballer bei den Karl-May-Festspielen jährlich offensichtlich in den Kalkberghöhlen nicht stört wieso sollte dann der Weiterbau der A20 5 Kilometer entfernt ein Problem sein? Und die Bahn?...lassen wir das lieber.
Mir ging es nicht um Fledermäuse, sondern um die Frage, was verschiedene Menschen und Interessengruppen als "vernünftig" bezeichnen würden. Klassische Dilemmata im Kontext der künstlichen Verknappung sind nun mal zum Beispiel immer mehr Autobahnen vs ausgebaute, bezahlbare und funktionierende Bahnen vs Landstrassen zu/zwischen Dörfern vs sicherere Fuss/Radwege (in Stadt, Land, Dorf). Du ha(tte)st da vermutlich aus beruflichen Gründen eine andere Einschätzung, als Menschen die sich kein Auto leisten oder fahren können, die das Auto nur für's berufliche Pendeln bräuchten (was privat bezahlt überproportional teuer ist), als Menschen mit einem viel kleineren Lebensradius, usw. Bei der Gegenüberstellung sehr verschiedener, durchaus berechtigter Interessen, ist "Vernunft" eine relative und individuelle Kategorie.
Die neoliberale Erzählung baut auf dem Axiom auf, dass nicht genug für alle da sei. Wir könnten also entweder Autobahnen bauen oder Bahn-Infrastruktur. Entweder Krankenhäuser oder Schulen. Entweder Krankenversorgung bezahlen oder Renten. Und so weiter. Das wird erstaunlicherweise kaum infrage gestellt, obwohl die Zahlen eigentlich etwas anderes sagen: Das Geld ist eigentlich da. Es fliesst nur in die falsche Richtung und sammelt sich bei den falschen Leuten.
Wo wir durchaus übereinstimmen dürften ist, dass seit 40 Jahren versucht wird, mit einem "mehr desselben", das offensichtlich massive negative Nebeneffekte produziert, irgendwie andere Ergebnisse zu erreichen. Umfassende Privatisierung, "Entlastung" der Vermögenden und "Verschlankung des Staats" bewirken nunmal den Abbau aller Solidarsysteme. Wenn alles irgendwie Profit erzeugen soll, wird alles beendet, das zu wenig Ertrag bringt. Deshalb werden keine Wohnungen in abgehängten Gegenden gebaut oder saniert. Deshalb werden Bahnstrecken stillgelegt. Deshalb werden Krankenhäuser, Schwimmbäder und Bibliotheken geschlossen. Ein Staat, der sich nicht als soziales Korrektiv mit einer Verpflichtung zu ausreichender Grundversorgung versteht, also den Menschen nicht das Gefühl einer annehmbar stabilen Zukunft gibt, erzeugt logischerweise Frust und Abkehr bei denen, die vor allem mit Abbau und Defiziten konfrontiert werden.
Wie gesagt: Ich kann den Frust nachvollziehen. Was ich nicht nachvollziehen kann ist, warum dann bevorzugt Parteien gewählt werden, die diesen Kurs ins Extrem treiben wollen. Denn die Rechtsextremen haben eben kein soziales Programm. Keinen Wiederaufbau der verbrauchten Infrastruktur, keine günstigeren Wohnungen, keine günstigen Energien, keine bessere Mobilität, nicht mehr Kindergartenplätze, nicht bessere Bildung für alle. Sie wollen einfach das "mehr desselben" ins Extrem treiben und als Ablenkung auf Minderheiten einprügeln (und damit die Mehrheit sowohl befriedigen als auch gefügig machen).
Es scheint mir, dass hier eine sehr irrationale Lust am Untergang, an Kollaps und Endzeit am Werke ist, statt konstruktiv, solidarisch und zukunftsorientiert zu denken, zu handeln und zu wählen. Es sieht eher nach Selbstaufgabe aus.