MichiWell hat geschrieben: Mi 27. Aug 2025, 23:08
dass ich meine Worte nicht Anklage oder Angriff gegen dich sind.
Liebe Michi,
noch nie habe ich Deine Worte als persönlichen Angriff verstanden und so auch hier. Ich möchte hier nur auf wenige Punkte eingehen, den Rest können wir gerne bilateral klärenfalls notwendig.
und dich auf diese Weise lange selbst daran gehindert, dich zu akzeptieren und zu leben.
Stimmt. Ich war damal noch nicht so weit wie heute. Ich sehe das viel entspannter, aber das Nachdenken gehört zu meiner Natur ... Ich war einmal in den Märchenwäldern dabei und war überfordert. Deshalb bin nicht wieder hin gefahren. Ich steckte irgendwo zwischen en femme rausgehen (ich hatte meine ersten Schritte gemacht) und einem Leben en femme (das ich mir nicht vorstellen konnte, ohne mich als Freak zu sehen). Und die Begegnung mit Transfrauen war noch sehr ungewohnt für mich. Ich hatte echt viel zu verarbeiten. Das brauchte viel Zeit. Und quälen wir uns nicht alle, mit unserer Fähigkeit ...
Provokation ist eine Tathandlung, die die Absicht zu provozieren mit einschließt.
Wenn Du Provokation ausschließlich so verstehst, kann ich Deine Antwort verstehen. Ich verstehe es auch in dem Sinn:
Provoziert werden ebenfalls Regel- und Normverletzungen, aber auch zielungerichtete Verhaltensweisen.
Provoziert werden ebenfalls Regel- und ... ensweisen.
Ich denke es hier von der Seite des "Empfängers", der
möglicherweise unsere Erscheinung als Provokation
empfindet. Das bedeutet Ablehnung oder vielleicht auch (im besten Fall) einen Anlass die eigenen Empfindungen zu überprüfen.
Vielleicht wird dadurch meine Sichtweise verständlicher. Falls nicht, führe ich das gerne weiter aus.
dann ist diese Beschimpfung und die damit verbundene Aufforderung die eigentliche Provokation, die mich dazu bringen soll, mein Verhalten zu ändern und mich gemäß der Vorstellungen meines Gegenüber zu kleiden und zu verhalten.
Hier haben wir einen Unterschied. Ich lasse mir heute nicht mehr vorschreiben, wie meine Erscheinung aussehen soll. Ich
empfinde Ablehnung nicht mehr als Aufforderung, mich anzupassen.
Über das Thema JKR oder AS wollte ich nichts mehr schreiben, aber ich sehe doch die Notwendigkeit dafür. Ich bemühe mich, gelegentlich auch einmal die Perspektive zu wechseln. Kaum jemand ist so "gut" oder so "böse", dass man nicht auch andere Aspekte entdecken kann. Ich halte das für zwingend, wenn es um Ausgleich und Deeskalation gehen soll.
Bedenke bitte: Du unterstellst mir damit zugleich die Absicht, nicht verstehen zu wollen, und gibst mir die Schuld an der Ablehnung.
Das ist ein gravierender Aspekt. Versuche das für den Augenblick einmal anders zu lesen. Ich unterstelle Dir gar nichts, will ich auch nicht. Ich praktiziere immer wieder einen Perspektivwechsel und versuche mich in die Rolle des/r Anderen zu versetzen. Das ist eine Ich-Aussage. Wenn Du glaubst, ich würde Dir etwas unterstellen, ist das eine Aussage, die Du generierst. Meine Erfahrung, und die ist ganz persönlich, ist die, dass bei einer emotionaler Reaktion meinerseits immer ich selber verantwortlich bin. Es gibt in meinem Leben einige Schlüsselerlebnisse dafür. Eine davon ist, dass ich eine Ablehnung meiner Person im en femme Auftreten, emotional total gelassen bleiben kann. Es ist das Problem des Anderen, nicht meines. Das war früher anders. Ganz im Sinne der Beschreibung von Alice Miller, dass ein Kind für sein Verhalten geliebt werden will. DAvon habe ich mich weitgehend emanzipiert.
Und du glaubt, durch Übernehmen der ablehnenden Positionen Verständnis und eine Verbesserung unserer Lage zu erreichen. In beiden Fällen liegst du falsch.
Ob ich mit meiner Haltung, zu einer Problemlösung beitrage, hängt von der Diskussion ab. Es muss von beiden Seiten die Bereitschaft dazu signalisiert werden. Auch hier habe ich einige positive Schlüsselerlebnisse. Wir können Konflikte nicht vermeiden, aber wir können sie auf die Konfliktfelder eingrenzen und damit eine Eskalation vermeiden, wenn wir die Aspekte detektieren, in denen Gemeinsamheiten vorliegen. Das ist Deeskalation. Im gegenteiligen Fall werden Differenzen verallgemeinert und sogar auf Personen generalisiert. Das erschwert jede Diskussion und Ausgleich oder macht sie teilweise sogar unmöglich.
Das ist doch keine Strategie zur Problemlösung.
Es ist ein Einstieg in eine Problemlösung. Es geht darum, den Anderen nicht in seiner Person anzugreifen, sondern sein Recht auf seine Sichtweise zu akzeptieren. Ich muss ihr ja nicht folgen. Aber wenn alleine der Name AS oder JKR fällt, geht bei vielen bereits der Rolladen zu. Das macht eine Verständigung nur schwer möglich. Gesprächsbereitschaft zu zeigen hat auch den Vorteil, dass wir für unsere Positionen mehr Akzeptanz bei Dritten finden. Wenn wir immer wieder diskriminierend über andere sprechen, werden wir negativ wahrgenommen. Ist das besser ? Erreichen wir irgendetwas damit ? Ich halte das für eine sehr schlechte Stategie.
Darum können wir nur verlieren, wenn wir denen bereitwillig die Deutungshoheit über uns überlassen.
Das müssen wir gar nicht. Ich überlasse niemanden die Deutungshoheit, wenn ich versuche Aussagen von Anderen auch in einer anderen Perspektive zu sehen. Ich muss dazu keine andere Meinung übernehmen. Beispiel: Du und ich haben offensichlich andere Vorstellungen vom Begriff "Provokation". Aber durch die Erläuterung, was wir jeweils darunter verstehen, können wir uns annähern und einen dritten Weg finden. Würden wir beide auf unsere Meinung beharren, könnte die Diskussion eskalieren und persönlich werden. Wenn ich die verschiedenen Eskalationen hier im Forum sehe, liegt das mMn daran, dass man sich zu wenig mit der Position der Anderen zu beschäftigen und die eigene Position als die "richtige" zu sehen. Das wird ja auch immer wieder beklagt.
Dahin möchte Schwarzer zurück, bevor sie trans Personen als "echt" ansieht.
Ist das nicht spekulativ ?
Dahin möchte Schwarzer zurück, bevor sie trans Personen als "echt" ansieht.
Sie sieht Transpersonen als echt an. Sie schrieb in dem o.g. Artikel:
Die Existenz der Transsexualität beweist: Die Seele ist stärker als der Körper - sie bestimmt die Geschlechtsidentität. Der Körper ist nur Vorwand für diese Zuweisung.
Wir radikalen Feministinnen haben eben diesen Zustand als Einengung, als Verstümmelung erkannt. Unser Ziel ist, in aller Schlichtheit und Vermessenheit, die Menschwerdung von Frauen und Männern. Endlich männlich und weiblich in einer Person sein können und dürfen! Dafür kämpfe ich.... Lebensläufe von Transsexuellen sind Schicksale. Heimlichkeit, Demütigung, Verzweiflung. Seit 1981 ist es in der Bundesrepublik für eineN TranssexuelleN rechtlich möglich, die Identität zu ändern: aus Karl wird nun auch im Ausweis Carmen, aus Michaela Michael.
Dass den meisten Transsexuellen der neue Ausweis nicht genügt, sondern dass sie auch einen "neuen" Körper wollen, ja ihnen das Voraussetzung zum Weiterlebenkönnen scheint - das ist schwerwiegend. In einer vom Terror der Geschlechtsrollen befreiten Gesellschaft wäre Transsexualismus schlicht nicht denkbar. Transsexualismus scheint mir der dramatischste Konflikt überhaupt, in den ein Mensch auf dem Weg zum "Mannsein" oder "Frausein" in einer sexistischen Welt geraten kann.
Das sind doch massive Statements, die man nicht ohne weiteres vom Tisch fegen kann. Welcher Weg dahin der richtige ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber auf diese Aussagen kann man sie festnageln. Andererseits ist z.B. ihre Kritik am SBGG teilweise unterirdisch. Das Grundproblem ist mMn, dass weder sie noch wir eine echte Definition von Mann und Frau haben. Es gibt viele Dimensionen des Begriffs: anatomisch, genetisch, sozial, ... und dass diese Dimensionen immer wieder vermischt werden. Ich bin anatomisch keine Frau und keine Operation kann mich dazu machen. Aber trotzdem trage ich in mir den Wunsch eine Frau zu sein. Der Begriff Frau oder Mann ist einfach massiv überfrachtet. Und niemand bekommt das auf die Reihe. Wie sollte das auch gehen ?
Unsere Natur verlangt zwei Geschlechter zur Vermehrung. Das ist der Ursprung der Binarität. Ganz platt. Aber es gibt unendlich viele Erscheinungsformen von Menschen. Körperlich, geistig ... auch das ist Natur. Die Natur ist immer zu Variationen in allen Bereichen bestrebt, denn nur so entsteht Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Randbedingungen. Ob Mikrobe oder Mensch, in diesem Aspekt sehe ich keinen Unterschied. Als wahrscheinlich komplexestes Wesen, das jemals existiert hat, gibt es "unendlich" viele Kombinationen. Und dann kommen noch die sozialen und gesellschaftlichen Aspekte hinzu. Das ist alles trivial und wissen wir. Warum also versuchen wir immer wieder, diese Vielfalt in zwei Begriffe zu packen ? Da steckt für mich eine Basis der meisten Streits. Sich selber zu erklären (Ich-Botschaften) und dem Anderen zuhören zu
wollen, ist für mich Annäherung. Die Reduktion des Anderen auf eine Position ist viel zu wenig. Kritisieren wir Frau Schwarzer da, wo sie zu kritisieren ist, aber lassen wir die Kirche im Dorf. Sie ist definitiv nicht gegen Transsexualität oder die Akzeptanz von "Männern", die als Frauen leben.
Eine AS oder JKR halte ich nicht für harmlos, aber es macht mMn Sinn, sich zum eigenen Nutzen mit ihren Positionen offener zu beschäftigen. Darauf wollte ich nur hinweisen.