sbsr hat geschrieben: Do 9. Jan 2025, 15:32
Ich weiß nicht, ob wir - damit meine ich jetzt alle Sparten der LGBTIQ - mehr oder weniger Probleme hätten, wenn wir zwar sichtbar, aber weniger auffällig (aufdringlich?) wären. Zumindest bin ich überzeugt, Übergriffe gegen LGBTIQ Menschen werden nicht dadurch weniger, dass wir immer und überall präsent sind und man dem Thema kaum mehr entkommt.
Ich erlebe ja zwangsläufig viele Diskussionen dadurch, dass ich im Zweifel anspreche, dass dies oder jenes nicht für mich passt. Räume, Formulare, Anreden, Regularien. Die Gespräche haben sich in den letzten 5 Jahren verändert und bei mir eigentlich nur zum positiven. Sprich: Die meisten Menschen haben inzwischen mal was von "divers" gehört. Viel mehr auch nicht und sie können nicht viel damit verbinden, aber immerhin. Auch trans ist viel bekannter. Mehr Menschen kennen jetzt trans Personen in ihrem Umfeld oder haben irgendeinen Fernsehbericht gesehen. Das ist ein definitiver Unterschied zu den 30, 40 Jahren davor. Sie mögen ein paar seltsame Vorstellungen haben, aber in meinen Begegnungen nehme ich mehr Grundwissen wahr, an das ich dann auch anknüpfen kann. Das liegt einwandfrei an der Präsenz des Themas.
Und vergessen wir nicht, dass Homosexualität heute selbst in der Spitzenpolitik kein Thema mehr ist. Es ist sogar verpönt, es zu einem zu machen. Bei Spahn zum Beispiel oder sogar damals bei Westerwelle. In Hamburg ist Schill mit seinem Erpressungsversuch gegen Ole von Beust krachend gescheitert. Das kommt alles nicht von ungefähr, sondern durch sehr viel Aktivismus der Jahre zuvor, der das Thema immer und immer wieder sichtbar gemacht hat. Nur durch sehr viele CSDs und selbst so diskussionswürdige Aktionen wie die von Rosa von Praunheim wurden die "bürgerlichen" Schwulen, Lesben, Bi- und Pansexuellen, etc quasi salonfähig. Bei TIAN+ wird es noch etwas dauern. Wir hängen ca. 25 Jahre hinterher.
Tatsächlich sind "wir" LGBTQIA+ noch gar nicht so präsent wie es eigentlich sein müsste. In der Generation bis 25 sagen 20%, sie seien nicht ganz hetero und 4% nicht ganz cis. Das sind nicht plötzlich mehr geworden. Sie sind nur offener als ihre Vorgenerationen und glücklicherweise können sie das heute auch sein. Weil die Generationen vor ihnen das Thema immer und immer wieder aufgebracht haben. Trotzdem sehe ich keine 20% non-hetero Leute in Medien und Filmen. Nicht mal 5%. Und nicht mal 1% non-cis. Im Zweifel meist schlecht geschrieben und als Problemfall oder Mordopfer. Es gibt keine einzige offen trans Person im deutschen Nachrichtenwesen. Im Gegensatz zum Beispiel zu
UK,
USA, nochmal
USA,
Irland - und
Pakistan.
Ich sehe wirklich nicht, wo wir "zu aufdringlich" sein sollen. Immerhin geht es um gleiche Rechte und Teilhabe, die immer noch nicht angemessen berücksichtigt werden. Was so Menschen, die sich an Regenbögen stören, in der Regel eigentlich wollen ist unsere totale Unsichtbarkeit. Sie wollen keine LGBTQIA+ Menschen sehen, weder real noch in Medien. Sie würden sich auch am gleichgeschelchtlichen Händchenhalten oder Küssen stören; egal wie viel hetero Kram wir täglich zu sehen kriegen. Und sie würden sich auch an Menschen stören, die offenbar nicht cis genderkonform gekleidet sind.
Da zurückzuweichen würde gar nichts bringen, denn mit weniger Sichtbarkeit würden wir wieder so vereinzeln wie vor 30 Jahren.