Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?
Wie finde ich raus, ob ich trans* bin? - # 2

Lebensplanung, Standorte
Anne-Mette
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 16 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Franziska77 hat geschrieben: Do 14. Mär 2024, 10:03 Mein nächster Schritt wird sein, dass ich Kontakte zu anderen Menschen knüpfe, die trans* sind. Einfach mal, um zu schauen, wie das im realen Leben so ist. Ich werde mich allerdings davor hüten, mich vorschnell für die eine oder andere Richtung zu entscheiden.
Das ist sicherlich eine gute Idee.
Du hast alle Möglichkeiten, viel zu erfahren, dich immer wieder selbst auszuprobieren - und schließlich Entscheidungen zu treffen.
Deine Entscheidung kann durchaus sein, dass du keine medizinischen und/oder kosmetischen Eingriffe vornehmen lassen willst und dass es dir reicht, als Crossdresser das auszuleben, was du selbst als "Frausein" siehst und akzeptierst.

So weitreichende Entscheidungen wie chirurgische Anpassungen mit allen damit verbundenen Konsequenzen sollten sehr sehr gut überlegt und fachkundig abgesichert sein.

Herzliche Grüße
Anne-Mette
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 17 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Anne-Mette hat geschrieben: Do 14. Mär 2024, 10:15 So weitreichende Entscheidungen wie chirurgische Anpassungen mit allen damit verundenen Konsequenzen sollten sehr sehr gut überlegt un fachkundig abgesichert sein.
Das ist richtig, aber die Thematik fängt doch schon viel früher an. Wie willst Du Dich gegenüber Deinem Arbeitgeber verhalten ? Das ist schon ein schwerer Eingriff in Dein Leben, der gut überlegt werden will.

Ich habe mir selber auch schon oft die Frage gestellt und habe mich ausprobiert. In Urlauben und letztens 4 Wochen nonstop in einer Reha. Mein Fazit: Ein Leben als Frau wäre für mich möglich. Aber nach der Reha bin ich in ein Loch gefallen und professionelle Hilfe zu bekommen ist nicht ganz einfach, da die Praxen voll sind. Ich habe ein Gedicht gefunden, das ich in dieser Frage sehr hilfreich finde:
Die Türen offen halten

Man kann sich nicht ein Leben lang
die Türen offen halten,
um keine Chance zu verpassen.
Auch wer durch keine Tür geht
Und keinen Schritt nach vorne wagt,
dem fallen Jahr für Jahr eine Tür nach der
anderen zu.
Wer selber leben will, muss entscheiden
mit Ja und Nein, im Grossen wie im Kleinen.
Wer sich entscheidet, wertet, wählt,
und das bedeutet auch Verzicht.
Jede Tür, durch die er geht, verschliesst ihm
viele andere.
Man darf nicht mogeln und so tun,
als könne man errechnen und beweisen,
was hinter jeder Tür geschehen wird.
Ein jedes Ja — auch überdacht und geprüft —
ist doch ein Wagnis und verlangt ein Ziel.
Das ist die erste aller Fragen:
Wie heisst das Ziel,
an dem ich messe JA und NEIN
Und wofür will ich leben?
Paul Roth

Die Frage ist nicht, welche Tür die richtige ist, sondern, dass man eine Tür wählt und mit den Konsequenzen lebt. Die Entscheidung lässt sich nicht bis zum Sankt-Nimmerleinstag verschieben, ohne das die Möglichkeiten immer geringer werden. Mir ist mein Leben in Weiblichkeit sehr wichtig, aber ich habe immer wieder festgestellt, dass es mein Leben dominiert, wenn ich dieser Weiblichkeit folge und sie damit meinen übrigen Interessen und Bedürfnissen im Wege steht. Was ist mit meiner Fröhlichkeit ? Wo bleibt meine Zuversicht ? Was gibt mir Energie zum Leben ? Was passiert mit mir, wenn die Lust am Leben in meiner gefühlten Weiblichkeit abnimmt ? Bedeutet Weiblichkeit nur die Ablehnung von Männlichkeit (dann sollte ich über Männlichkeit nachdenken) oder ist es ein eigenständiges Merkmal von mir ? Warum soll ich nicht aus einer Entweder-oder-Frage eine Sowohl-als-auch-Antwort machen ?

Ich weiß nach Jahrzehnten des Haderns nur eines ganz sicher: Ein Hin und Her ist kraftraubend und hindert mich daran, mein Leben ganz zu leben und meine Potentiale ganz zu nutzen. Der "Schwebezustand" ist nicht hilfreich.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 18 im Thema

Beitrag von Franziska77 »

Oh je, schon wieder sind einige Monate ins Land gegangen...
Inzwischen bin ich mir sehr sicher, dass ich den Weg einer Transition gehen will. Einmal im Monat gehe ich zu einer Beratungsstelle für Menschen, die trans* sind, und bin zudem auch in einer Selbsthilfegruppe, die sich regelmäßig trifft.
Ein echtes Problem ist es jedoch, einen geeigneten Psychologen zu finden. So ziemlich alle, die in meiner Gegend schwerpunktmäßig etwas mit Transgeschlechtlichkeit machen, sind auf Ewigkeiten ausgebucht. In einer Praxis hieß es zum Beispiel: "Klar, ich kann sie auf die Warteliste setzen. Dann müssten sie sich im Dezember 2025 nochmal melden, und uns ein Update geben, ob sie noch Interesse an einer Therapie bei uns haben." Uff...
Weil ich nicht so recht weiter wusste, habe ich mir über die 116117 einen Termin vermitteln lassen. Dort hat man allerdings nicht so wirklich die Wahl, was für einen Psychologen man bekommt. Der, der mir zugeteilt wurde, erschien mir als absolut ungeeignet, und daher habe ich das dann nach einigen Sitzungen nicht mehr weiterverfolgt. Hm...
Zuletzt geändert von Franziska77 am Mi 3. Jul 2024, 19:24, insgesamt 1-mal geändert.
Anne-Mette
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 19 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Franziska77 hat geschrieben: Mi 3. Jul 2024, 14:50 Ein echtes Problem ist es jedoch, einen geeigneten Psychologen zu finden.
gibt es keine Empfehlungen aus der Selbsthilfegruppe?

Gruß
Anne-Mette
Momo58
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 20 im Thema

Beitrag von Momo58 »

Hej Franziska,

Transerfahrene Therapeuten haben leider sehr lange Wartezeiten. Manchmal hilft es, in der Selbsthilfegruppe nach einem geeigneten Therapeuten zu fragen. Bei uns in der SHG haben wir es dann so gemacht, dass eine transidente Frau bei ihrem ehemaligen Therapeuten vorab interveniert hat, damit newcomer schneller an einen Therapieplatz kommen. So hat sich meine Wartezeit halbiert.
Ich persönlich empfehle für Trans*Frauen eine weibliche Therapeutin, da typisch weibliche Eigenschaften dann authentischer bei dir ankommen, als bei einem männlichen Therapeuten, aber das liegt auch an meinen persönlichen Erfahrungen.

Liebe Grüße
Manuela
Wir alle sind nur ein unbedeutendes Staubkorn im Universum
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 21 im Thema

Beitrag von Franziska77 »

Oh ja, in der Selbsthilfegruppe gibt es eine Liste mit Therapeuten, die als transfreundlich gelten. Aber die Wartezeiten dort liegen bei einem Jahr oder sind zum Teil sogar noch deutlich länger. Das finde ich schon ganz schön arg. Und mein Versuch, es mal bei jemandem zu versuchen, der nicht auf dieser Liste steht, hat sich ja leider als echter Fehler erwiesen.
Ich werde natürlich weiterhin versuchen, jemanden zu finden, und bin mir sicher, dass ich damit über kurz oder lang auch Erfolg haben werde. Aber im Moment frustriert mich das ganze ein wenig.
Magdalena
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 22 im Thema

Beitrag von Magdalena »

Hallo,

einen guten Therapeuten zu finden ist leider nicht einfach.
Zwar konnte ich auf die Hilfe vom Stammtisch zurückgreifen. Doch war ich nicht die Einzige, welche einen Therapieplatz suchte. So suchte ich weiter. Dabei landete ich bei einem Psychologen, welcher sich mit Transgendern so wenig auskennt. Da unterschrieb ich nicht den Therapievertrag. Hartnäckig blieb ich bei den bekannten Therapeuten am Ball. Dann half der Zufall. Es muss wer abgesagt haben. So rutschte ich bei einem Therapeuten rein.
Mein Therapeut ist nicht mehr der Jüngste, wie die Meisten in meiner Nähe. Was die Suche verschärft, da sie sich bald in den Ruhestand verabschieden werden. Vielleicht entspannt sich die Situation mit der Einführung des Selbstbestimmungsgesetz. Da keine Gutachten mehr für eine Personenstandänderung notwendig sind. Da könnte Termine bei Therapeuten frei werden.

Viele liebe Grüße von Magdalena
Lebe jeden Tag.
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 23 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Franziska77 hat geschrieben: Mi 3. Jul 2024, 14:50 Inzwischen bin ich mir sehr sicher, dass ich den Weg einer Transition gehen will
Wenn das so ist, musst Du mit den Gegebenheiten leben. Das neue Selbstbestimmungsgesetz hilft Dir dabei, denn Du kannst offiziell und ohne Probleme Dein Leben als Frau einrichten. Ich würde das auch in Deiner Situation nutzen, da man nie weiß, ob das nicht wieder zurück gedreht wird. Was bleibt, ist die körperliche Transition. Da wirst Du mit Wartezeiten rechnen müssen. Auch die Abschaffung des TSG wird hierbei vermutlich eine nur untergeordnete Rolle spielen denn maßgebend für die Medizin sind die "einschlägigen medizinischen Regelungen und Leitlinien". Und die stützen ich nicht auf das TSG (https://md-bund.de/fileadmin/dokumente/ ... 201113.pdf).

Was schadet es, wenn Du Dich in eine (oder mehrere) Warteliste eintragen lässt und parallel dazu weitere Schritte (Selbstbestimmungsgesetz) zu gehen. Dies hilft sicher auch bei einer Begutachtung, wie sie nach oben genannter Leitlinie genannt wird. Einer Transfrau, die seit vielen Monaten oder Jahren den rechtlichen Weg beschritten hat und ihr ganzes Leben auf ein Leben als Frau ausgerichtet hat, wird man sicher nicht leicht ein negatives Gutachen bescheinigen können. Und noch ein Vorteil hast Du heute: Du bist auf keinen Gutachter angewiesen, der vom Gericht bestimmt wurde. Du hast es selber in der Hand.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 24 im Thema

Beitrag von Aria »

Vicky_Rose hat geschrieben: Do 4. Jul 2024, 12:20 Einer Transfrau, die seit vielen Monaten oder Jahren den rechtlichen Weg beschritten hat und ihr ganzes Leben auf ein Leben als Frau ausgerichtet hat, wird man sicher nicht leicht ein negatives Gutachen bescheinigen können.
Das sehe ich nicht so. Entscheidend ist der Leidensdruck, wie man ihn glaubhaft darstellt und das keine andere Option zur Verfügung steht, ihn zu lindern. Wenn jemand die VÄ/PÄ schon mehrere Jahre hinter sich hat, kann das dazu führen, dass daraus geschlossen wird, daß der Leidensdruck nicht so groß sein kann. Dann sollte die Indikation schon sehr gut geschrieben sein, dieses Vorurteil nicht entstehen zu lassen.
Vicky_Rose hat geschrieben: Do 4. Jul 2024, 12:20 Und noch ein Vorteil hast Du heute: Du bist auf keinen Gutachter angewiesen, der vom Gericht bestimmt wurde. Du hast es selber in der Hand.
Ja ja, das hört sich alles so toll aber eine Indikation für geschlechtsangleichende OPs benötigt man dennoch. Und die sollte von einem Psychiater gestellt worden sein, sonst kann es Probleme mit der Bewilligung der Kosten geben.

Auch wenn die VÄ/PÄ einfacher geworden ist, ist es in meinen Augen schwieriger geworden, wenn man den Weg ganz gehen möchte. Der MDK hat sehr oft die Gutachten als Entscheidungshilfe benutzt. Das fällt nun weg. Also muss anderweitig dargestellt werden, wie es um die jeweilige Person steht. Viele Indikationen die gestellt werden, sind nicht dahin gehend nicht ausreichend und es kommt zu Nachfragen bei der Beantragung. Man wird sehen, wie das alles noch weitergeht....
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 25 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Vielleicht hilft es Dir die Zeit zu verkürzen, wenn DU mit Deinem Hausarzt vorher sprichst und Dir eine Dringlichkeitsbescheinigung ausstellen lässt. Allerdings hat das bei mir nicht viel gebracht...
Viele Grüße
Vicky

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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 26 im Thema

Beitrag von SylviaMz »

Martina-NB hat geschrieben: Mo 11. Mär 2024, 15:41 Fühlst Du Dich als Frau? Das ist die entscheidende Frage, die natürlich auch nicht auf einmal und jetzt und gleich beantwortet werden kann. Denn das Gefühl kann sich im Laufe der Zeit ändern. Das macht aber nichts, sofern Du zu jeder Zeit versuchst, so zu leben und zu handeln, wie es Deinem Gefühl entspricht. (Im Rahmen der Möglichkeiten halt.)
Diese Frage stelle ich mir auch, allerdings habe ich bisher noch keine Antwort darauf gefunden. Manchmal "fühle" ich mich weiblich, manchmal nicht.
Was ich spüre, sind Gefühle, die anscheinend durch positive Erlebnisse ausgelöst werden. Diese Gefühle würde ich als "weiblich" deuten. Wenn ich konzentriert oder müde bin, dann scheinen diese Gefühle nicht aufzutreten.
Was vermutlich auch nicht zu unterschätzen ist, das sind die Charaktereigenschaften.
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 27 im Thema

Beitrag von SylviaMz »

Franziska77 hat geschrieben: Mo 11. Mär 2024, 22:02

Die Idee, Kontakt zu anderen zu suchen, ist gut! Als Crossdresser habe ich das eher vermieden, weil es dann immer recht schnell um Sex ging, und darauf kam es mir nicht so an. Aber was das Trans*-Thema angeht, ist das natürlich etwas ganz anderes!
Erstaunlicherweise ging es mir mit vielen Crossdressern schon immer so, weshalb ich nur zu sehr wenigen Kontakt hatte. Meine Philosophie war schon immer eine andere als die der meisten Crossdresser. Ich wollte nie in dieser Crossdresser-Blase leben, sondern sozusagen "raus in die Welt".
Über meine Stammtische lerne ich einige Transpersonen kennen. Die Unterhaltungen mit ihnen finde ich wesentlich interessanter.
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 28 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

SylviaMz hat geschrieben: Mi 4. Dez 2024, 08:10 Manchmal "fühle" ich mich weiblich, manchmal nicht.
SylviaMz hat geschrieben: Mi 4. Dez 2024, 08:10 Wenn ich konzentriert oder müde bin, dann scheinen diese Gefühle nicht aufzutreten.
Ich denke, das sind ganz normale Gefühlslagen. Mir geht es da nicht anders. Ich habe aufgehört, mir diese Frage zu stellen, denn die Gefühle, nicht die Begriffe sind meine Realität. Wenn ich mich beschreibe, bezeichne ich mich als Trans und Nichtbinär. Aber ganz davon abgesehen laufen sicher Cis-Frauen auch nicht ständig herum und sagen sich, dass sie eine Frau sind.

Ich denke, wenn Du an den Punkt kommst, an dem Du Weiblichkeit leben kannst, ohne über Weiblichkeit nachzudenken, ist der Punkt erreicht, den ich als "trans" bezeichne. Dabei ist für mich persönlich egal, ob dies zeitweise oder dauerhaft besteht. Ich weiß aber, dass Andere darunter nur die Dauerhaftigkeit gelten lassen. Aber das ist sekundär, denn wie gesagt, Deine Gefühle sind für Dich maßgebend. Wenn Du also der Frage nachgehen willst, kannst Du das mit ausprobieren tun. Lebe ein paar Tage/Wochen 24/7 en femme. Nach meiner Erfahrung erlebt man erst dann, was es bedeutet, die eigene Weiblichkeit zu leben. In ein paar Stunden zuhause kann man das nicht erfahren, weil der Fokus dann ganz auf Weiblichkeit und nicht auf Alltag gesetzt ist.

Ich habe nun schon ein paar Mal Versuche unternommen, um herauszufinden, ob ich den dauerhaften Weg gehen will. Dabei habe ich immer die Erfahrung gemacht, dass nach wenigen Tagen meine Weiblichkeit wichtig, aber nicht ständig im Fokus meiner Gedanken steht. Ich denke, ein Leben als Frau ist 24/7 für mich möglich, aber nicht zwingend. Es hängt von den Umständen ab. Z.B. lasse ich es im Beruf, weil mir der Aufwand für die letzten knapp drei Jahre zu viel ist.

Noch ein Satz zur Sexualität/Fetisch/Crossdressing: Meine Haltung dabei ist, dass es es völlig ok ist, die eigene Sexualität in Frauenkleidung zu leben. Das macht trans nicht aus. Auch Cisfrauen haben eine Sexualität und die wird manchmal mit entsprechender Kleidung gelebt. Für mich heißt das, dass Transsein unabhängig ist von der Art, wie man die eigene Sexualität lebt. Transsein ist eine Ausdrucksform des eigenen Lebensgefühls im gefühlten Geschlecht. Genau genommen ist es dabei nicht einmal wichtig, welche Kleidung Du dabei trägst ...
Viele Grüße
Vicky

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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 29 im Thema

Beitrag von SylviaMz »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 4. Dez 2024, 09:00 Wenn Du also der Frage nachgehen willst, kannst Du das mit ausprobieren tun. Lebe ein paar Tage/Wochen 24/7 en femme. Nach meiner Erfahrung erlebt man erst dann, was es bedeutet, die eigene Weiblichkeit zu leben. In ein paar Stunden zuhause kann man das nicht erfahren, weil der Fokus dann ganz auf Weiblichkeit und nicht auf Alltag gesetzt ist.
Das ist ein guter Vorschlag und ich glaube, ich kenne bereits das Ergebnis. Aber wie wäre es, wenn ich Urlaub hätte, eine Woche in einer Ferienwohnung in meiner Gegend wäre und dann unterwegs wäre? Ich glaube, dann wäre es anders. Vermutlich wäre ich dann ständig als Frau unterwegs. Und wenn ich mir dann noch vorstelle, dass ich genügend echte Haare auf dem Kopf hätte, würde das ebenfalls nochmal ganz anders aussehen.
Eines meiner Probleme wäre somit der häufige Aufwand vom unerkannten Verlassen meiner Wohnung bis zur "fertigen" von mir akzeptierten Frau.
Wenn ich diesen Aufwand einfach einmal ausblende, dann könnte die Sache anders aussehen.
Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 4. Dez 2024, 09:00 Noch ein Satz zur Sexualität/Fetisch/Crossdressing: Meine Haltung dabei ist, dass es es völlig ok ist, die eigene Sexualität in Frauenkleidung zu leben. Das macht trans nicht aus. Auch Cisfrauen haben eine Sexualität und die wird manchmal mit entsprechender Kleidung gelebt. Für mich heißt das, dass Transsein unabhängig ist von der Art, wie man die eigene Sexualität lebt. Transsein ist eine Ausdrucksform des eigenen Lebensgefühls im gefühlten Geschlecht. Genau genommen ist es dabei nicht einmal wichtig, welche Kleidung Du dabei trägst ...
Das sehe ich ganz genau so, weshalb ich mich seit einiger Zeit von der Bezeichnung "Crossdresser" distanziert habe.
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Re: Wie finde ich raus, ob ich trans* bin?

Post 30 im Thema

Beitrag von Alicia »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 4. Dez 2024, 09:00 Lebe ein paar Tage/Wochen 24/7 en femme.
Hallo Vicky,

deine Aussage kann ich bestätigen, denn ich habe es im Sommerurlaub über drei Wochen lang durchgezogen. Es hatte etwas Befreiendes. Um so niederschmetternder war die Vollbremsung am Ende des Urlaub mit der Rückkehr in den Alltag als Mann.
Also nutze ich nun jede sich bietende Gelegenheit, meine Weiblichkeit zu leben. Es ist Balsam auf die Seele.

Liebe Grüße, Alicia. (ki)
Eine Lebensweise zu erfinden ist nichts. Sie zu verinnerlichen, ein Anfang. Sie zu leben ist alles.
(Frei nach Otto Lilienthal)
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