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Re: Keine Angst ?

Verfasst: Do 29. Feb 2024, 16:59
von Sabrina Verena
Jaddy hat geschrieben: Do 29. Feb 2024, 16:11 Der Begriff heisst nicht "feminine", sondern "feministische" Aussenpolitik. Da sollte schon auffallen, wo der Unterschied ist. Und auf den Seiten des Auswärtigen Amts lässt sich nachlesen, was hinter dem Begriff stehen soll: https://www.auswaertiges-amt.de/de/auss ... senpolitik

Zitat:
Gesellschaften sind friedlicher und wohlhabender, wenn alle Menschen gleichermaßen am politischen, sozialen und wirtschaftlichen Leben teilhaben können. Deshalb hat sich der Auswärtige Dienst Leitlinien gegeben, die dazu beitragen, diese globalen Ziele zu erreichen. ...

Kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck

Strukturelle Benachteiligungen herrschen weltweit vielerorts noch immer vor. Feministische Außenpolitik tritt dem entgegen — und setzt dabei in den eigenen Reihen an. Die Leitlinien für feministische Außenpolitik geben dem Handeln aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Auswärtigen Dienstes einen Rahmen, ermutigen zu Reflektion und Eigeninitiative. Sie wurden gemeinsam mit internationalen Partnern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Auswärtigen Dienstes und im Dialog mit der Zivilgesellschaft formuliert. Deutschland folgt damit dem Beispiel anderer Länder, wie zum Beispiel Schweden, Kanada oder Mexiko.

Frauenrechte sind ein Gradmesser für den Zustand von Gesellschaften. Feministische Außenpolitik richtet sich jedoch keineswegs nur an Frauen. Vielmehr achtet eine feministische Außenpolitik stärker auf Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft, Religion, Geschlechtsidentität, Behinderung, sexuellen Identität oder aus anderen Gründen an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Der Blick über den Globus zeigt: Vielerorts ist der rechtliche Schutz von Frauen und marginalisierten Gruppen lückenhaft, ihre Teilhabe an Entscheidungsprozessen erschwert. Zugänge zu Bildung, Netzwerken und finanziellen Ressourcen sind noch immer ungleich verteilt. Um dies anzugehen, verbindet feministische Außenpolitik Prinzipien mit pragmatischem Vorgehen.
In "kurz & knapp" auch von der BPB erklärt: https://www.bpb.de/kurz-knapp/taegliche ... enpolitik/

Etwas (sehr viel) ausführlicher inkl historischer EInordnung in https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/a ... enpolitik/
Deutschland bzw Baerbock sind nämlich nicht die ersten. Das erste mal offiziell benutzt hat den Begriff die schwedische Aussenministerin 2014, aber die Konzepte sind schon älter - und sehr viel durchdachter als die Kommentare hier.

Also: Es geht um Gleichstellung, nicht nur der Geschlechter. Um Teilhabe, sozialen Frieden, Gerechtigkeit, aber auch um Sicherheit. Alles in allem das Gegenteil dessen, was Russland im In- und Ausland anrichtet. Und auch verschieden zu manchen Zielen deutscher Aussenpolitik vergangener Jahrzehnte, die häufig genug auf das Leben der Menschen in anderen Ländern keinen Wert gelegt hat. (Ja, das haben viele Länder nicht. Auch viele "westliche". Umso dringender, das jetzt zu verändern)

Natürlich funktioniert das nie perfekt. Immerhin sind bei weitem nicht alle Länder enstprechend eingestellt. Hallo Russland, hallo von religiösen und anderen Extremisten dominierte Staaten, hallo von den Fakten weitgehend entkoppelte US-Republikaner - (und bei uns auch die Führungsleute der C-Parteien). Deshalb sind aber die Landmarken und Ziele nicht falsch.

Was Russland und die Ukraine angeht: Ja, schlimme Katastrophe für alle, die da hineingezogen werden, also die gesamte ukrainische Bevölkerung und die für verbrecherische Ziele verpflichteten Soldatys und ihre Angehörigen aus Russland Belarus, Tschetschenien, Goergien, usw. Häufig ohne Ahnung, für was sie da missbraucht werden. Schlimm auch, dass wir uns mit solchen völlig überflüssigen Dingen herumschlagen, Zeit, Geld, Nerven und kluge Köpfe in Rüstung etc stecken müssen, um nicht wieder in den 1970ern/1980ern zu landen, statt gemeinsam ein lebenswertes 21stes Jahrhundert zu gestalten.

Dennoch gilt immer noch: "Wenn Russland mit dem Krieg aufhört, gibt es keinen Krieg mehr. Wenn die Ukraine mit dem Krieg aufhört, gibt es keine Ukraine mehr" - und das, was eine russische Vereinnahmung für die Menschen in der Ukraine bedeuten würde, wäre ebenfalls das Gegenteil einer gerechten, friedlichen Gesellschaft. Deshalb hat die ukrainische Gesellschaft nicht kapituliert und deshalb ist auch feministische Aussenpolitik nicht automatisch Appeasement.

Und einen noch: "Siegfrieden"? Ehrlich? Wikipedia leitet bei diesem Wort automatisch weiter zu "Diktatfrieden", denn genau so wird das Wort historisch benutzt.
Der Begriff Diktatfriede (auch Friedensdiktat, Friedenstraktat oder, aus Sicht des Gegners, ein Siegfrieden) beschreibt einen Friedensvertrag, dessen Bedingungen — im Gegensatz zu einem Verständigungsfrieden — von der Siegerseite einseitig festgelegt und von der Verliererseite ohne Mitgestaltungsmöglichkeiten hingenommen werden bzw. wurden.

So werden bzw. wurden meist Friedensverträge bezeichnet, bei der die Siegerseite im Verlauf der militärischen Auseinandersetzung militärisch und politisch erstarkt (ist) und die Verliererseite im Verhältnis dazu so unerheblich wird bzw. wurde, dass es zum einseitigen Diktat des Friedens und seiner Bedingungen kommen konnte bzw. kann.

Ein solcher Friede stellt zwar formal, nicht aber materiell eine bilaterale Vereinbarung unter Gleichen dar, sondern eine einseitige Bestimmung des Friedensschlusses wie der weiteren politischen Entwicklung durch die siegreiche Partei.
Will irgendwer behaupten, dass es bei der Verteidigung der Ukraine gegen den russischen Überfall auf eine vollständige Unetrwerfung Russlands hinausliefe oder laufen soll? Wie viel RT muss eins dafür unkritisch konsumiert haben? Ich weiss, welche Seite auf einen "Siegfrieden" hinaus will. Putin sagt das häufig genug ganz klar und seine Propaganda ebenso: Die Ukraine vereinnahmen in die Russki Mir.

Es wäre schön, wenn Begriffe und Konzepte zuerst verstanden und dann benutzt würden.
(Ja, ich bin sauer über so viel Stammtisch-Unfug hier)
Die markierten Aussagen sind hier etwas fehl am Platz.

Der Begriff "Siegfrieden" mag hier anders benutzt werden als wie Wikipedia ihn definiert.
Fakt ist, die Politik setzt darauf, das Russland besiegt werden muss, damit es zum Frieden kommt.
Das ist hochgradigt gefährlich . Zuweilen die Selben, die Waffen an die Ukraine liefern, kein Problem haben, das Embargo zu missachten.
Die USA und Frankreich importieren Uran aus Russland, Deutschland und andere Staaten beziehen immer noch Erdgas aus Russland.
Vermittlungsbemühungen um Friedensgespräche halten sich in Grenzen.

Zu RT, ich habe selber diesen Sender nie geschaut.

Stammtisch?
Ein Forum ist eine Art online- Stammtisch. Der Begriff "Stammtisch" wird gerne abwertend genutzt, weil insbesondere Kneipengänger eine eher zweifelhafte Meinung vertreten. Deshalb ist aber nicht jeder Meinungsaustausch zweifelhaft.

Gab es eigentlich in den Gebieten, wegen denen angeblich die Ukraine angegriffen wurde, irgendwann eine Volksbefragung, zu welchem Land die Menschen gehören wollen?
Bevor Russland die Ukraine angriff herrschte in den Gebieten ein Bürgerkrieg, an dem russische Söldner ebenso mitwirkten. Und was hatte die CIA dort verloren?
LG Verena

Re: Keine Angst ?

Verfasst: Do 29. Feb 2024, 17:35
von ExUserIn-2026-04-08
Valerie Bellegarde hat geschrieben: Mi 28. Feb 2024, 19:51 Frau Strack-Zimmermann, Frau von der Leyen und unsere unsägliche Außenministerin Baerbock sind gewiss keine Männer, heizen diesen Krieg aber durch immer mehr Geld und Waffenlieferungen noch an. Sie sollten ihre Intelligenz und Energie lieber dafür einsetzen, dass Waffenstilstands- und Friedensverhandlungen aufgenommen werden.
Hallo Valerie,

natürlich sind Verhandlungen der beste Weg, aber wie ich an andererr Stelle bereits sagte, dazu gehören mindestens zwei. Putin hat einen Krieg vom Zaun gebrochen. Was glaubst Du, wird mit ihm passieren, wenn er Friedensverhandlungen zustimmt, ohne entsprechende Gewinne vorweisen zu können ? Ich glaube nicht, dass er den folgenden Machtkampf im eigenen Land gewinnen kann. Er setzte alles, auch sein Leben, für diesen Krieg ein. Da sind keine Verhandlungen in Sicht.

Auf der anderen Seite, wenn man ihm diese Gewinne zugestehen würde, was bedeutet das für ihn ? Es ist ein Signal zum Weitermachen. Ich erinnere an dieser Stelle die Münchner Sicherheitskonferenz (!) von 1938. Hitler hatte sich die Tschechslowakei besetzt und die USA, Frankreich, England und Italien haben dem zugestimmt. Hinterher hat alles "Frieden" geschrien, doch wie die Geschichte weiter ging, ist bekannt. Etwas anderes würde ich heute im Falle Putin nicht erwarten. Paradoxerweise steigt die Chance auf Frieden, wenn der Krieg in der Ukraine andauert und Russland die Grenzen gezeigt bekommt. Das mag zynisch klingen, aber was ist denn die Alternative ? Ein Putin mit noch mehr Macht ? Und wenn die USA nach einem Wahlsieg Trumps auch noch aussteigen und Putin gewähren lassen, werden sich die Diktatoren die Welt unter sich aufteilen. Namentlich wären das Russland, China (man denke an den Taiwan Konflikt, bei dem dann noch nicht Schluss wäre), die USA (hätte ja das Lager gewechselt) und die Vasallenstaaten Iran und Nordkorea, die Putin nach Kräften unterstützen.

Was bedeutet das für Europa, das in vielen Ländern nach rechts rutscht ? Sicher nichts Gutes. Und für uns ? Die AfD hat es vielen ja bereits angedroht. Und uns wird das erst recht nicht helfen. Ich würde mich nicht wundern, wenn bereits heute an Lager auch für uns geplant wird.

Ist es wirklich das, was wir wollen ? Ja, das ist ein Angstszenario, aber aus meiner Sicht leider unvermeidlich. Ich sehe jedenfalls keine Chance auf dauerhaften Frieden, wenn wir Putin klein beigeben ...

Re: Keine Angst ?

Verfasst: Do 29. Feb 2024, 18:00
von Jaddy
Sabrina Verena hat geschrieben: Do 29. Feb 2024, 16:59 Die markierten Aussagen sind hier etwas fehl am Platz.
Der Begriff "Siegfrieden" mag hier anders benutzt werden als wie Wikipedia ihn definiert.
Worte haben aber nun mal häufig historische Bezüge und Bedeutungen. Gerade bei sensiblen Themen sollten nicht einfach irgendwelche benutzt werden, weil sie vielleicht nett klingen. Die Wahrscheinlichkeit ist zu groß, dass andere ihre Herkunft kennen und sie ganz und gar nicht harmlos verstehen.

Abgesehen davon ist die Idee eines "Siegfriedens" über Russland schon wörtlich genommen Unfug, weil es quasi eine Kapitulation und Unterwerfung impliziert. Oder was sollte ein "Siegfrieden" sonst sein?
Sabrina Verena hat geschrieben: Do 29. Feb 2024, 16:59 Fakt ist, die Politik setzt darauf, das Russland besiegt werden muss, damit es zum Frieden kommt.
Das ist, soweit ich das beurteilen kann, weder von den Aussagen noch der Realität her der Fall. Dieser ganze gebremste Schaum bei den Waffenhilfen läuft genau darauf hinaus, Russland nicht zu "besiegen", sondern zum aufhören und Rückzug zu bewegen. Wie sollte ein "Sieg" denn aussehen? Gewaltsamer Sturz des Putin-Regimes von aussen? Tatsächlich geht es gerade mal so weit, die Invasoren von weiterer Expansion abzuhalten. Es werden keine Langstreckenwaffen geliefert, mit denen die Ukraine ins russische Hinterland angreifen könnte. Deshalb zB die Taurus-Diskussion. Da wird sehr sorgfältig Eskalation vermieden. Höchstwahrscheinlich werden die Ukrainer auch bei allzu forschen Aktionen über die Grenzen hinaus zurückgepfiffen. Sonst wären einige grenznahe russische Nachschubstandorte schon längst massiv angegriffen worden.

Von den vielen Expertys, die ich so gehört habe, kam ziemlich übereinstimmend eine Weisheit: "Friedensgespräche können sinnvoll beginnen, wenn beide Seiten sich keine Vorteile mehr von Militäraktionen versprechen". Entweder weil sie nicht mehr können oder weil ihnen die Kosten (finanziell, politisch) zu hoch werden. Die Frage ist, wann dieser Punkt für Russland bzw Putin erreicht sein wird. Und es ist für mich nicht glaubhaft, dass die Ukraine irgendwelche "Geländegewinne" o.ä. über die Grenzen vor 2022 hinaus anstreben oder halten würde. Da wäre die Unterstützung nämlich ganz schnell weg. Selbst die Krim ist fraglich.
Sabrina Verena hat geschrieben: Do 29. Feb 2024, 16:59 Stammtisch?
Ein Forum ist eine Art online- Stammtisch. Der Begriff "Stammtisch" wird gerne abwertend genutzt, weil insbesondere Kneipengänger eine eher zweifelhafte Meinung vertreten. Deshalb ist aber nicht jeder Meinungsaustausch zweifelhaft.
Zweifelhaft und nicht ausreichend durchdacht finde ich Aussagen, irgendwer westlich der ukrainischen Grenze würde sich für eine militärische Eskalation, einen "Sieg" oder "Siegfrieden" über Russalnd einsetzen. Auch, mit Begriffen rumzuwerfen, offenbar ohne sich damit mal auseinandergesetzt zu haben. Mit den Konzepten, historischer Herkunft und Bedeutung. Das ist Stammtisch. Das ist unreflektiert und ggf gefährlich.
Sabrina Verena hat geschrieben: Do 29. Feb 2024, 16:59 Gab es eigentlich in den Gebieten, wegen denen angeblich die Ukraine angegriffen wurde, irgendwann eine Volksbefragung, zu welchem Land die Menschen gehören wollen?
Bevor Russland die Ukraine angriff herrschte in den Gebieten ein Bürgerkrieg, an dem russische Söldner ebenso mitwirkten.
Es gab Pseudo-Referenden. Nachdem die "grünen Männchen" da militärisch eingedrungen waren. Das weisst du sicher. Und du kennst vermutlich auch die vielfach bestätigten Berichte, wie die von Russland und den "grünen Männchen" manipuliert wurden. Und die Einflussnahme vor 2014, Stichwort "Maidan". Undsoweiter.

Alles keine legitimen Gründe, die Ukraine anzugreifen.

Übrigens: https://www.tagesschau.de/ausland/europ ... u-100.html "Schutz". Na klar. Aktuell und lange absehbar. Nur die NATO-Mitgliedschaft der baltischen Staaten hindert Russland, dass deren "unterdrückte russische Minderheit" auch um "Schutz" bittet...

Spielt irgendwer Go? Eine Strategie der normalerweise schwächeren, konfliktfreudigen Seite ist, viele kleine Konfliktstellungen aufzumachen, in der Hoffnung, dass die andere Seite die Übersicht verliert, in die Nachhand und Defensive gerät. Dabei geht es um kleinere Gewinne, aber auch um ein gewisses Glück/Risikospiel, vielleicht größere Stellungen der anderen Seite wegen deren Unaachtsamkeit aufzurollen. Eigene Kräfte sind billig und werden verheizt, solange nur die Verluste auf der anderen Seite mindestens gleichwertig sind.

Re: Keine Angst ?

Verfasst: Do 29. Feb 2024, 23:52
von Lana
Jaddy hat geschrieben: Do 29. Feb 2024, 18:00 Zweifelhaft und nicht ausreichend durchdacht finde ich Aussagen, irgendwer westlich der ukrainischen Grenze würde sich für eine militärische Eskalation, einen "Sieg" oder "Siegfrieden" über Russalnd einsetzen.

Kiesewetter:
Der Krieg muss nach Russland getragen werden.
https://www.dw.com/de/kiesewetter-den-k ... a-68215200

Strack-Zimmermann:
Russland hat diesen Krieg bereits verloren
https://www.welt.de/politik/ausland/vid ... loren.html
Macron:
Macron says Russian defeat in Ukraine vital for security in Europe
https://www.bbc.com/news/world-europe-68410219

Zu deinen weiteren "Experten" - Einschätzungen :
Meintest du etwa solche wie "Militärexperte" Keupp, der im April 2023 vom Sieg über Russland phantasierte:
Keupp geht von einer russischen Niederlage im Oktober aus.
https://www.zdf.de/nachrichten/politik/ ... d-100.html

Reicht das?

Falls nicht gibt es noch unzählige Stimmen aus dem Baltikum, Polen, GB, USA - alle wollen sie Russland in die Knie zwingen, es vernichten, schlagen...
Oder Baerbock, mit ihrem fast schon legendären Spruch, Russland ruinieren zu wollen.

Alles "westlich" der ukrainischen Grenze, zumindest geopolitisch.

LGL

Re: Keine Angst ? „ Keine Angst!

Verfasst: Fr 1. Mär 2024, 01:43
von Inga
Hallo,

Keine Angst ? - Ja, keine Angst habe ich, auch wenn ich von den Entwicklungen der letzten zwei bzw. zehn Jahre unendlich geschockt bin und ich mir vorstelle, es kann nnoch viel schlimmer kommen, wenn Putin mit dem Krieg nicht aufhört und sich mit seinen Armeen nach Russland in den Grenzen von vor 2014 zurück zieht.

Liebe Grüße
Inga

Re: Keine Angst ?

Verfasst: Fr 1. Mär 2024, 11:13
von Sabrina Verena
Jaddy hat geschrieben: Do 29. Feb 2024, 18:00
Sabrina Verena hat geschrieben: Do 29. Feb 2024, 16:59 Die markierten Aussagen sind hier etwas fehl am Platz.
Der Begriff "Siegfrieden" mag hier anders benutzt werden als wie Wikipedia ihn definiert.
Worte haben aber nun mal häufig historische Bezüge und Bedeutungen. Gerade bei sensiblen Themen sollten nicht einfach irgendwelche benutzt werden, weil sie vielleicht nett klingen. Die Wahrscheinlichkeit ist zu groß, dass andere ihre Herkunft kennen und sie ganz und gar nicht harmlos verstehen.

Abgesehen davon ist die Idee eines "Siegfriedens" über Russland schon wörtlich genommen Unfug, weil es quasi eine Kapitulation und Unterwerfung impliziert. Oder was sollte ein "Siegfrieden" sonst sein?
Sabrina Verena hat geschrieben: Do 29. Feb 2024, 16:59 Fakt ist, die Politik setzt darauf, das Russland besiegt werden muss, damit es zum Frieden kommt.
Das ist, soweit ich das beurteilen kann, weder von den Aussagen noch der Realität her der Fall. Dieser ganze gebremste Schaum bei den Waffenhilfen läuft genau darauf hinaus, Russland nicht zu "besiegen", sondern zum aufhören und Rückzug zu bewegen. Wie sollte ein "Sieg" denn aussehen? Gewaltsamer Sturz des Putin-Regimes von aussen? Tatsächlich geht es gerade mal so weit, die Invasoren von weiterer Expansion abzuhalten. Es werden keine Langstreckenwaffen geliefert, mit denen die Ukraine ins russische Hinterland angreifen könnte. Deshalb zB die Taurus-Diskussion. Da wird sehr sorgfältig Eskalation vermieden. Höchstwahrscheinlich werden die Ukrainer auch bei allzu forschen Aktionen über die Grenzen hinaus zurückgepfiffen. Sonst wären einige grenznahe russische Nachschubstandorte schon längst massiv angegriffen worden.

Von den vielen Expertys, die ich so gehört habe, kam ziemlich übereinstimmend eine Weisheit: "Friedensgespräche können sinnvoll beginnen, wenn beide Seiten sich keine Vorteile mehr von Militäraktionen versprechen". Entweder weil sie nicht mehr können oder weil ihnen die Kosten (finanziell, politisch) zu hoch werden. Die Frage ist, wann dieser Punkt für Russland bzw Putin erreicht sein wird. Und es ist für mich nicht glaubhaft, dass die Ukraine irgendwelche "Geländegewinne" o.ä. über die Grenzen vor 2022 hinaus anstreben oder halten würde. Da wäre die Unterstützung nämlich ganz schnell weg. Selbst die Krim ist fraglich.
Sabrina Verena hat geschrieben: Do 29. Feb 2024, 16:59 Stammtisch?
Ein Forum ist eine Art online- Stammtisch. Der Begriff "Stammtisch" wird gerne abwertend genutzt, weil insbesondere Kneipengänger eine eher zweifelhafte Meinung vertreten. Deshalb ist aber nicht jeder Meinungsaustausch zweifelhaft.
Zweifelhaft und nicht ausreichend durchdacht finde ich Aussagen, irgendwer westlich der ukrainischen Grenze würde sich für eine militärische Eskalation, einen "Sieg" oder "Siegfrieden" über Russalnd einsetzen. Auch, mit Begriffen rumzuwerfen, offenbar ohne sich damit mal auseinandergesetzt zu haben. Mit den Konzepten, historischer Herkunft und Bedeutung. Das ist Stammtisch. Das ist unreflektiert und ggf gefährlich.
Sabrina Verena hat geschrieben: Do 29. Feb 2024, 16:59 Gab es eigentlich in den Gebieten, wegen denen angeblich die Ukraine angegriffen wurde, irgendwann eine Volksbefragung, zu welchem Land die Menschen gehören wollen?
Bevor Russland die Ukraine angriff herrschte in den Gebieten ein Bürgerkrieg, an dem russische Söldner ebenso mitwirkten.
Es gab Pseudo-Referenden. Nachdem die "grünen Männchen" da militärisch eingedrungen waren. Das weisst du sicher. Und du kennst vermutlich auch die vielfach bestätigten Berichte, wie die von Russland und den "grünen Männchen" manipuliert wurden. Und die Einflussnahme vor 2014, Stichwort "Maidan". Undsoweiter.

Alles keine legitimen Gründe, die Ukraine anzugreifen.

Übrigens: https://www.tagesschau.de/ausland/europ ... u-100.html "Schutz". Na klar. Aktuell und lange absehbar. Nur die NATO-Mitgliedschaft der baltischen Staaten hindert Russland, dass deren "unterdrückte russische Minderheit" auch um "Schutz" bittet...

Spielt irgendwer Go? Eine Strategie der normalerweise schwächeren, konfliktfreudigen Seite ist, viele kleine Konfliktstellungen aufzumachen, in der Hoffnung, dass die andere Seite die Übersicht verliert, in die Nachhand und Defensive gerät. Dabei geht es um kleinere Gewinne, aber auch um ein gewisses Glück/Risikospiel, vielleicht größere Stellungen der anderen Seite wegen deren Unaachtsamkeit aufzurollen. Eigene Kräfte sind billig und werden verheizt, solange nur die Verluste auf der anderen Seite mindestens gleichwertig sind.
Sorry Jaddy, aber ich komme nicht umhin mal etwas persönlich zu werden.
Mir fällt auf, dass Du mit Deinen Antworten auf meine Äußerungen mich immer, nicht nur in diesem Thread, irgendwie mich in die Ecke von Transhoben, Rechten oder jetzt hier zum Putinfreund erklären möchtest. Und natürlich bin ich völlig ungebildet.
Unterlasse es künftig, bitte.
Ich sehe einiges anders als Du, damit müssen wir leben.

Ich habe den Angriff auf die Ukraine nie gut geheißen und ein Despot wie Putin ist sicher nicht mein Held.
Aber die Ukraine ist an ihrer Situation auch nicht ganz unschuldig, und auch manche NATO Staaten glänzen nicht gerade im besten Licht.
Genauso wie ich die alte UNO vermisse, die Aktuelle kann man getrost wegschmeißen, mal nebenbei bemerkt.
Die Entscheidung von Scholz (Frau Baerbock sieht es anders) keine Mittelstreckenwaffen an die Ukraine zu liefern ist richtig.
England und Frankreich sehen das anders und haben ihre "Ausbilder" in der Ukraine.
Ein sehr, sehr gefährliches Treiben.
LG Verena

Re: Keine Angst ?

Verfasst: Fr 1. Mär 2024, 15:14
von Jaddy
Sabrina Verena hat geschrieben: Fr 1. Mär 2024, 11:13 Sorry Jaddy, aber ich komme nicht umhin mal etwas persönlich zu werden.
Mir fällt auf, dass Du mit Deinen Antworten auf meine Äußerungen mich immer, nicht nur in diesem Thread, irgendwie mich in die Ecke von Transhoben, Rechten oder jetzt hier zum Putinfreund erklären möchtest. Und natürlich bin ich völlig ungebildet.
Unterlasse es künftig, bitte.
Ich sehe einiges anders als Du, damit müssen wir leben.
Danke, dass Du mich drauf aufmerksam machst. Persönliche Abwertung ist nicht meine Absicht.

Mit einigen Triggern habe ich immer noch hart zu kämpfen und reagiere häufig zu spät und dann zu heftig. Das betrifft insbesondere Situationen, die ich als ~hm~ "unbedachte Äusserungen" wahrnehme.

Zum Beispiel Formulierungen, die ich als talking points aus bestimmten Ecke kenne, die vielleicht nur aufgeschnappt und ohne diesen Hintergrund verwendet werden - was leider genau die Absicht der Urhebenden ist... Memes und Mythen, die für Menschen oder Gruppen oder ganz allgemein schädlich/gefährlich sind.

Viele Erlebnisse haben mich äusserst sensibel für Schlagworte, Parolen und Slogans gemacht. In der Regel sind die nämlich falsch oder mindestens bis zur Unsinnigkeit verkürzt und blockieren sowohl Erkenntnis, als auch gemeinsame, akzeptable Lösungen. Und ich bin sehr häufig mit sowas kollidiert, wenn Menschen sie entgegen jeder Faktenlage oder Legitimität einfach durchgesetzt haben, unzugänglich für jeglichen Tiefgang oder Betrachtung der Komplexität.

Etwas anders gesagt, ich habe Angst davor. Vor Verkürzungen, Vereinfachungen, Pauschalaussagen - oder eben "Stammtisch". Dinge raus hauen, ohne zu recherchieren, zu hinterfragen, zu belegen. Damit den Diskurs bestimmen, die Stimmung, das Fenster des sagbaren. Richtig Angst. Weil ich die Wirkungen kenne, wenn Gefühl zu Meinung wird, zu Worten, zu Taten.

Zum Teil liegt es daran, dass ich zwar vieles nachvollziehen kann, aber nicht, ohne Recherche und Hintergrundwissen eine Meinung zu haben. Ich habe immer erst mal Fragen. Und solange die nicht zufriedenstellend beantwortet sind, enthalte ich mich in der Regel einer Meinungsäusserung.

Was meine Reaktionen betrifft: Manchmal wird es zu viel. Häufig auch zu viel desselben, also zu viele Wiederholungen der gleichen, in meinen Augen nicht hinterfragten oder gar längst widerlegten Statements. Manchmal fällt es mir schwer, entweder sachlich zu bleiben, die (aus meiner Sicht) fehlenden Fragen zu stellen, oder mich gänzlich zu enthalten.

Also entschuldige bitte, wenn das so persönlich bei dir ankam. Vermutlich haben wir eine sehr ungünstige Dynamik, was einfache Statements angeht. Ich werde darauf achten, anders zu reagieren.