Das hat ja meinen Recherche-Kink aktiviert, deshalb habe ich nach Zahlen gesucht.
Nicht so einfach, weil viele ungewollte Abbrüche in den ersten Wochen gar nicht entdeckt werden.
Das dürften aber nicht die sein, die Geburtshelfende sehen.
Bei den gemeldeten zeigen die Zahlen des stat. Bundesamts dieses Bild:
Bildschirmfoto 2024-03-06 um 18.54.06.png
(
Q: ZDF
Aber! Siehe das Kleingedruckte:
Der Hauptgrund für einen relativ großen Sprung bei der Zahl der Totgeburten liegt zunächst in der geänderten Zählweise. Ab 2019 fielen mehr Kinder in die Statistik, weil die Definition geändert wurde, was eigentlich eine Totgeburt ist. Als Totgeburt gilt in Deutschland seither ein tot zur Welt gekommenes Kind, wenn es bei der Entbindung mindestens 500 Gramm wog oder die 24. Schwangerschaftswoche erreicht war.
Somit wurden ab 2019 auch totgeborene Kinder gezählt, die nach der 24. Woche auf die Welt kamen, aber keine 500 Gramm wogen - im Gegensatz zu vorher. Der Anteil pro 1.000 Geburten stieg prompt um 0,3 auf den Wert 4,1. Direkt miteinander vergleichbar sind also nur Zahlen ab 2019.
Insgesamt ist da aber kein wirklicher Sprung zu erkennen. Im Artikel werden auch die Behauptungen von Kuhbandner und Reitzner behandelt und mE gut widerlegt:
Dass Impfungen mit Totgeburten in Zusammenhang stehen, bezeichnet Ekkehard Schleußner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin, als "Unsinn". Seine Begründung: Die meisten Schwangeren seien damals ungeimpft gewesen. Bis Anfang Juni 2021 konnten sich Schwangere sowieso kaum impfen lassen. Die Dosen waren zunächst älteren Menschen, Risikopatienten und priorisierten Gruppen vorbehalten.
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Eine Umfrage des RKI im Juni 2021 habe ergeben, dass fast 90 Prozent der Schwangeren sich erst mal nicht impfen lassen wollten, so Schleußner, der auch die Geburtsmedizin am Uni-Klinikum Jena leitet. Eine offizielle Impfempfehlung des Robert-Koch-Instituts (RKI) für Schwangere kam erst im September. Am Ende hätten sich damals insgesamt höchstens ein Drittel der Schwangeren die Spritze gegen Corona geben lassen, erklärt Schleußner.
Eine plausiblere Erklärung für die Zunahme an Totgeburten ist Corona selbst: Eine Studie aus dem Jahr 2022 wies nach, dass bei Schwangeren mit einer Covid-Infektion die Rate von Totgeburten dreifach höher war - in 12 von 1.000 Fällen wurden Kinder tot geboren.
Schleußner: "Nach unseren Daten liegen die Anstiege für Totgeburten relativ passgenau auf den Höhepunkten der jeweiligen Infektionswellen der Jahre 2020 und 2021. Das ist hochsignifikant."
Neben dem Virus selbst haben vermutlich auch die coronabedingten Umstände dazu geführt, dass mehr Kinder tot geboren wurden: "Arztbesuche wurden verschoben. Und auch die medizinische Betreuung der Schwangeren war in der Corona-Krise schlechter", erklärt Schleußner.
Fazit: Die steigende Zahl der Totgeburten in Deutschland wird durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht. Corona-Schutzimpfungen dürften kaum eine Rolle spielen - die Daten zeigen, dass andere Faktoren den Trend viel plausibler erklären.
Die Passgenauigkeit findet sich, wenn die
Hospitalisierungen und die nur quartalsweisen Zahlen im
Paper von Kuhbandner und Reitzner auf S.24 übereinander gelegt werden. Allerdings gehen deren Zahlen nur bis Q3/22. 2023 wird interessant werden.
Sehr lustig auch, die RKI-Grafik über die Impfgrafik auf S.30 zu legen. Seltsam, passt viel besser
Viele Grafiken in dem Papier sind übrigens ziemlich verzerrt, indem übereinander liegende Bänder jeweils eigene Maßstäbe haben.