Vicky_Rose hat geschrieben: So 3. Dez 2023, 19:38
Gutes Zureden und Kuschen (Dresscode) reichen nicht mehr. Das haben die Frauenbewegungen der letzten 150 Jahre immer wieder gezeigt. Wenn wir die jetzige Situation nicht nutzen, laufen wir in Gefahr, für die nächsten Jahrzehnte in Stillstand und Rückschritt zu erfahren. Das gilt nicht nur für unsere Anliegen, das gilt für alle Themen, die derzeit in der Politik laufen. Wir haben eine reale Gefahr, vieles zu verlieren.
Das Problem kenne ich aus einem anderen Zusammenhang vor 30 Jahren. Damals ging es um Einschränkungen bei Natursportarten, heute heißt das "Outdoor Sports".
Die Verbände hatten damals die Aktiven zu Wohlverhalten und zum Befolgen offensichtlich unsinniger Regeln aufgefordert, "um das Gesprächsklima mit den zuständigen Behörden" nicht zu belasten. Man habe einen "guten Draht" und wolle die Gunst der Verantwortlichen nutzen. Dabei sei ein zu stark oppositionelles Verhalten der Sportler kontraproduktiv, unabhängig davon, ob dieses Verhalten der Natur tatsächlich schaden würde oder nicht.
Diese opportunistische Kuscherei hat am Ende nicht einen einzigen Vorteil gebracht. Die Behördenmitarbeiter entschieden von oben herab, was fürderhin noch möglich sein sollte. Dabei nutzten viele ihren Ermessensspielraum bis zur Grenze der Willkür. Ein klares, offensives Auftreten, auch provokante Aktionen, hätten das Ergebnis nicht verschlechtert. Aber immerhin hätte man noch ein paar Jahre seine Freiheit ausleben und den Sport genießen können. Vielleicht hätte es sogar Verbesserungen gebracht, weil Verbote, die nicht durchgesetzt werden können, offensichtlich keinen Sinn ergeben. Stichwort "ziviler Ungehorsam".
Zurück zu Frau G.
Deren Auftreten ist eine klare Ansage, die unmissverständlich klar macht, worum es geht:
Alle dürfen sie selbst sein.
Auch dann, wenn es von der Ästhetik her fragwürdig erscheinen mag.
Auch dann, wenn manche schreien, daß sei "unangemessen".
Ich bin, gelinde gesagt, überrascht von vielen Reaktionen hier, auch von Leuten, die sich selbst als liberal zu betrachten scheinen.
Beim Thema SBG herrscht hier der Konsens, dass Gatekeeping unbedingt abgeschafft werden muss. Niemand außer der betroffenen Person soll über ihr Gender entscheiden.
Bei Frau G. wird genau das Gegenteil praktiziert:
Man bewertet von außen, als unbeteiligte Zuschauer, ob ihr Outfit "angemessen" ist.
Wollt ihr da wirklich hin? Dass Trans-Sein schon OK ist, aber nur, solange es "angemessen" ausgelebt wird? Und wer entscheidet dann, was "angemessen" ist? Überlegt euch das nochmal, auch wenn ihr einen völlig anderen Kleidungsstil bevorzugt. Bei Cis-Menschen muss ich schließlich auch mit modischen Verwirrungen und Style-Katastrophen ertragen und kein Hahn projiziert dies auf die Arbeit oder Lebensweise dieser Leute.
Zum Schluss noch das:
Fällt irgend jemandem auf, dass die Berichterstattung immer mieser wird? Wichtige Dinge werden in Randnotizen versteckt, und geistloser Klatsch kommt auf die Titelseiten...
Als wenn die Bundespolitik gerade keine anderen Sorgen hätte als Kleidungsfragen...
LGL