EmmiMarie hat geschrieben: Mi 10. Mai 2023, 09:54
Warum können wir das nicht überwinden? Weil einige so doof sind und denen folgen die anderen mit Gewalt etwas aufzwingen wollen?
Wo ist da der Sinn drin? Ich kann und will das nicht verstehen.
Wenn ich ein Problem mit jemand hab kneif ich den Arsch zusammen und rede mit dem. Aber ich hau dem sprichwörtlich nicht in die Fresse.
Schon ein schwieriges Problem. Ich sehe eine Schulhof-Parallele. Da gibt's diesen Bully (kann ich rein männlich gendern, oder?), der viele Kinder drangsaliert, beraubt, verletzt, beleidigt, ängstigt. Die Warum-Frage ist erst mal sekundär. Fakt ist erst mal: Weil er's kann. Er kalkuliert Profit vs Risiko & Konsequenzen und sieht, dass er damit durchkommt.
Wir können ziemlich sicher davon ausgehen, dass Appelle an Empathie, Fairness und moralischen Kompass ziemlich fruchtlos sind. Die hat er einfach nicht - oder gut verdrängt. Also pure Einsicht, auf Gewalt zu verzichten, wird das Problem nicht lösen.
Kannst du seinen Profit schmälern? Kein Pausenbrot mitnehmen, kein Geld dabei haben, keine Klamotten anziehen, die er haben oder zerstören will? Vor allem will er seine Dominanz zeigen und selber fühlen. Er will sicher sein, dass er
on top ist und zumindest in dieser Umgebung das Sagen hat und nichts zu fürchten hat. In dieser Dimension kannst du nicht gewinnen. Selbst vollkommene Unterwerfung schützt dich nicht gegen Willkür.
Kannst du seine Kosten erhöhen durch unangenehme Konsequenzen? Durch Lehrkräfte oder eine eigene Gang, die ihn ab und zu in die Schranken weist? Kannst du andere zu solidarischem Handeln motivieren, indem sie ihn zum Beispiel sozial ausgrenzen? Beim Spiel nicht mehr dabei haben wollen, nicht in die Mannschaft wählen? Was würde eine solche konzertierte Sanktionsgruppe tun, wenn sich der Bully eine Person nach der anderen vornimmt und "überzeugt", ihn nicht mehr auszugrenzen?
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Dieser Vergleich ist nicht von ungefähr. Nächstgrößere, immer noch vergleichsweise private Dimension: In
diesem Artikel fragt eine Person, die viele Jahre mit Männern gearbeitet hat, die Gewalt gegen Frauen ausüben, nach den
benefits, also dem Profit der Gewalt.
One night I started the group by asking the men what they thought the benefits were of their violence. At first they all looked at each other (notably) and said, "There are no benefits." This did not surprise me, as men who batter routinely deny their actions"”as they deny their intents as well. So I said, "Well, there must be some benefits from the violence; otherwise why would you do it?" They looked at each other again and then one guy started admitting there were benefits, and then they all chimed in until the four-by-eight-foot blackboard I was writing their responses on was full.
Here is a list of the benefits they cited (until we ran out of space): [es folgt eine Liste mit 83(!) benefits]
The first time I did this exercise I looked at the blackboard and I thought, "Oh my God. Why would they give it up?" I then decided to ask the men: Why give it up? They then filled a two-by-two foot space on the blackboard with things like, "get arrested," "divorce," "get protection orders taken out against you," "adult kids don"™t invite you to their weddings," "have to go to groups like this." That was about it.
Die Person kommt zu dem Schluss, dass es ein verlässliches, gemeinschaftliches System braucht, das Gewalttätige konsequent zur Verantwortung zieht, also die absehbaren Kosten von Gewalt erhöht. Ich füge mal hinzu: Das gilt für jene, die sich durch Einsicht und Empathie-Training nicht überzeugen lassen.
This was the first time I fully comprehended the necessity of a consistent coordinated community response through the criminal, civil, and family court systems which can mete out safe and effective interventions that hold men who batter accountable while preserving the safety of the women, girls, and boys they abuse. It was on that day that I realized if I had to choose between providing batterer groups for men who batter or a consistently effective criminal and civil/family court response to domestic violence, I would choose the criminal and civil/family court response every time. There are just too many benefits gained from this behavior.
Ich denke, das gilt auch auf gesellschaftlicher und geopolitischer Ebene. Es gibt ein paar Bullies, die aus welchem Grund auch immer, mit Gewalt gegen andere vorgehen, sie berauben, usw. und die nur mit absehbaren, schnellen Konsequenzen für sie selbst daran gehindert werden können. Es gibt andere, die sich aus Angst bewaffnen und dadurch eine Eskalation an Angst und Aufrüstung auslösen.
Auch die anderen Schulhof-Fragen sind 1:1 übertragbar. Kann ich den Lehrkräften vertrauen? Sind sie fair? Nehmen sie mich ernst? Handeln sie massvoll? Erkennen sie tatsächliche Bedrohung, reagieren aber nicht über bei kleinen Kabbeleien? Was ist, wenn der Bully ausserhalb der Schule angreift?
Und ganz nah am Titel des Posts: Kann ich mich auf meine Freundys verlassen, dass sie mich schützen, verteidigen, den Bully bestrafen? Was muss ich dafür tun? Muss ich selbst mich aktiv am Schutz vor und ggf Bestrafung des Bullys beteiligen? Was kostet mich das?
Ich mag kein Militär. So richtig gar nicht. Ich kriege bei Uniformen in meiner Umgebung Angst, und wenn ich Bewaffnete sehe richtige Panik. Geht bei Polizei los und bei Menschen in Flecktarn etc. habe ich akuten Fluchtreflex. Statt zum Wehrdienst bin ich 8 Jahre zum Katastrophenschutz gegangen.
Aber ich weiss auch, dass es die Bullys gibt, und dass ich von denen im Zweifel mehr zu befürchten habe. Die kleinen Bullys auf der Strasse, die organisierten Gruppen/Parteien und solche, die ganze Länder und Armeen einsetzen können.
Mit dieser Ambivalenz versuche ich klarzukommen. Ich wäre im Militär mit oder ohne Waffe vollkommen falsch. Ich fürchte auch die Willkür, die Ungesetzlichkeiten, die unüberlegten Aktionen, die Rücksichtslosigkeit, die Menschen auch mit einer staatlichen Gewalterlaubnis ausüben können. Ich weiss nicht, ob ich im Ernstfall zu einem Dienst bereit und_oder fähig wäre. Und ich muss mich - wegen der Bullys - darauf verlassen, dass unsere Strukturen gegen Bullys fair, massvoll und beschützend handeln, und weder zu nachgiebig, noch zu eskalierend.
Ich bin wirklich sehr ambivalent bei der Dienstpflicht. Ich lehne Wehrdienst ab, weil durchaus viele Menschen ihn nicht gut überstehen. Ich möchte nur Menschen in Militär, Polizei etc, die sehr bewusst, beschützend und verantwortungsvoll handeln. Die die Endszene aus "Eine Frage der Ehre" wirklich verinnerlicht haben. Ich weiss auch, dass ich im Ernstfall - inzwischen, mit Bullys, die tatsächlich Kriege in Europa führen - darauf angewiesen wäre, dass Menschen mich beschützen und dass die Freiwilligen wohl nicht dafür reichen würden.
Ich fühle mich nicht in der Lage, die Frage nach Dienstpflicht ja/nein, Militär ja/nein usw wirklich eindeutig oder gar zufriedenstellend zu beantworten. Und ich bin sehr skeptisch gegenüber allen, die eine allgemeinverbindliche, eindeutige, zweifelsfreie Antwort in die eine oder andere Richtung geben.
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