Re: evangelisch.de | Abtreibung: Evangelische Kirche bekräftigt Wunsch nach Mitsprache
Verfasst: Di 8. Nov 2022, 23:02
Es geht nicht um glauben, sondern um Ethik.
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Ethik wie in Philosophie kann ihre Argumentation auf Grundwerte zurückführen, die diskutiert, abgewogen, bewertet und auch verworfen werden können. Nichts ist prinzipiell indiskutabel, alles muss hinreichend(*) rational begründet werden.
Der Punkt ist aber, dass alles, was wir zu wissen glauben, letztlich auf Annahmen beruhen. Rationalität ist etwas, was letztlich auch einem Ziel dient. Das Ziel bestimmt eine Perspektive und Rationalität ist der effiziente Weg zum Ziel.Jaddy hat geschrieben: Mi 9. Nov 2022, 00:42 Nichts ist prinzipiell indiskutabel, alles muss hinreichend(*) rational begründet werden.
Ich denke, ich habe meinen Ansicht ausreichend begründet und zwar nicht reflexhaft.Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 9. Nov 2022, 07:09 Die Ethik spielt hier eine zentrale Rolle, denn auf ihr gründen sich Wertvorstellungen, die uns manche Ziele erlauben und manche nicht. In der Abtreibungsfrage kommen zentrale Vorstellungen zusammen: Das Recht auf Leben und das Recht auf Selbstbestimmung. Welchen Menschen hat man hier im Fokus ? Das Ungeborene oder die Mutter ? Für diese zentrale Frage haben mMn die Kirchen durchaus Argumente beizutragen. Gott ist letztlich auch nur ein Synonym für eine "höhere" Perspektive. In der Ethik geht es ja auch darum, eine höhere Perspektive einzunehmen.
Es gibt reichlich Menschen, die sich wunderbar für andere einsetzen. Etliche davon haben auch eine religiöse Überzeugung, die sie vielleicht durch irgendeine Interpretation darin bestärkt. Aber was sie tun könnten sie letztlich auch aus rein humanistischen Gründen tun. Sprich: Ihre Religion ist vielleicht ursächlich, aber nicht notwendig.Anne-Mette hat geschrieben: Mi 9. Nov 2022, 09:20 Moin,
ich habe evangelische Frauen erlebt, die sich für "Reproduktive Grechtigkeit" und viele andere Themen einsetzen - und zwar nicht als theoretische "Expertys", sondern als Expertinnen mit Hintergrund.
Eine dieser Frauen treffe ich regelmäßig in bundesweiten Konferenzen. Sie ist aber kein Einzelfall; denn engagierte Frauen gibt es an vielen Stellen - Männer übrigens auch.
Und auch diese anzuhören ist, wie mancher Beitrag hier zeigt, unverzichtbar.Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 9. Nov 2022, 07:09 Das Recht auf Leben und das Recht auf Selbstbestimmung. Welchen Menschen hat man hier im Fokus ? Das Ungeborene oder die Mutter ? Für diese zentrale Frage haben mMn die Kirchen durchaus Argumente beizutragen.
Hi Jaddy, das sehe genau anders herum. Wenn es bereits Wertvorstellungen gibt, muss man keine Ethik drumherum basteln. Aber das ist mMn nicht das eigentliche Thema.Jaddy hat geschrieben: Mi 9. Nov 2022, 13:38 Ethik ist die Folge von Wertvorstellungen, nicht andersrum.
Kennst Du die "Philosophie des Als Ob" ? Hierbei geht es um das Phänomen, dass man trotz falscher Annahmen zu einem richtigen Ergebnis kommt. Hier findet sich bei Hans Vaihinger eine umfangreiche Beschreibung, die sich auch mit Religion befasst. Hier findest Du den Text: https://ia800406.us.archive.org/15/item ... sAlsOb.pdfJaddy hat geschrieben: Mi 9. Nov 2022, 13:38 Deshalb darf die Legitimität ethischer Ansätze auch aufgrund ihrer Wertvorstellungen bzw Grundannahmen in Frage gestellt werden. Zum Beispiel wenn diese Annahmen nicht evident sondern übernatürlich sind.
Kannte ich noch nicht. Vielleicht demnächst mal reinschauen. Das Problem ist jedoch genau was Du im letzten Satz benennst:Vicky_Rose hat geschrieben: Do 10. Nov 2022, 10:46Kennst Du die "Philosophie des Als Ob" ? Hierbei geht es um das Phänomen, dass man trotz falscher Annahmen zu einem richtigen Ergebnis kommt. Hier findet sich bei Hans Vaihinger eine umfangreiche Beschreibung, die sich auch mit Religion befasst. Hier findest Du den Text: https://ia800406.us.archive.org/15/item ... sAlsOb.pdf
Zu allen Zeiten sind Menschen auf die gleichen, guten Ideen gekommen. Zum Beispiel, dass es langfristig besser für alle ist, kooperativ zu arbeiten und anderen nicht ohne sehr guten Grund das Leben schwer zu machen, Ausgleich zu suchen, usw. Das findet sich unterschiedlich hergeleitet in sehr vielen religiösen, politischen und philosophischen Denkweisen.Vicky_Rose hat geschrieben: Do 10. Nov 2022, 10:46Ich bin auch kein religiöser Mensch, aber ich habe im Laufe der Zeit viel gestaunt, wie oft man moderne, psychologische Erkenntnisse in den alten Texten der Bibel wiederfindet. Klar sind viele der beschriebenen Dinge von zweifelhafter Herkunft, aber das Problematische sind z.T. die Folgerungen daraus.