"Bevölkerung und Medien sollen daran gewöhnt werden, dass die Kategorie Geschlecht in unserem Rechtssystem neu definiert werden soll: Wer Frau und wer Mann ist, soll nicht mehr auf objektiv feststellbaren, körperlich-biologischen Merkmalen beruhen, sondern auf einer "šGender-"š bzw. "šGeschlechtsidentität"˜, die auf einem subjektiven Gefühl beruht, das sich aus Stereotypen und Geschlechterklischees speist", vermutet die Initiative.
So heißt es in der EMMA zu Tessa Ganserer (
https://www.emma.de/artikel/markus-gans ... rau-339185). Und es beschreibt einen Kernkonflikt: Biologie vs. Empfinden. Die Empörung kann ich gut nachvollziehen: da kommt jemand daher und nimmt den Frauen einen Listenplatz weg, der aus biologischer Perspektive ein Mann ist. Da könnte ja jede
r kommen und die Früchte des hart erkämpften Erfolgs wegnehmen. Das ist die biologisch determinierte Perspektive. Und da man Erfahrung mit harten Bandagen hat, wird das weiter fortgesetzt. Vor dem Hintergrund, dass der heutige Feminismus ganz andere Formen hat als vor 30 oder 40 Jahren (ich habe das noch erlebt), bekommt der alte kämpferische Feminismus eine neue Chance.
Ich beklage das, denn nicht in der Konfrontation liegt die Zukunft, denn durch die Spaltung der Kräfte verlieren alle an Bedeutung. Wollen wir alle eine Entwicklung in der Gesellschaft, muss die Gesellschaft daran teilhaben und mitgenommen werden. Hier macht, ich nenne es einmal den "kämpferische" Feminismus", mMn einen strategischen Fehler, der ihn scheinbar in die Nähe der Rechten bringt. Die nehmen das gerne auf. Statt die Dynamik für die eigenen Ziele zu nutzen, zeigt sich der kämpferische Feminismus konservativ.
Aber auch wir müssen im Kopf beweglich bleiben, statt auf die althergebrachten (Schein-)Argumente herein zu fallen. Wenn wir progressiv Brücken anbieten, könnten wir alle uns dem eigentlichen Problem widmen. Und das ist mMn im ersten Satz des obigen Zitats beschrieben. Ich glaube die Diskussion ist in weiten Teilen angstgetrieben Angst vor Verlust des bisher Erreichten und Angst vor einem "Untergang". Wir sollten mMn anerkennen, dass es eine andere Perspektive gibt und Lösungen suchen, wie wir einen gemeinsamen Weg finden können.
Es ist nicht zweckdienlich, die Schuld am fehlenden Gespräch jemanden zuzuweisen. Es gilt, die eigene Verantwortung wahrzunehmen und sich dafür einzusetzen, dass wir weiter kommen. Die eigentliche Kraft ist nicht Kampf und Geschrei, sondern Geduld und Rücksicht.
EmmiMarie hat geschrieben: Mi 10. Aug 2022, 12:25
Und das lief über den Körper, ich empfinde mich mehr, ich bin mir näher, nicht mehr keine Einheit.
Da ist eine tatsächliche Beziehung, die früher so nicht da war.
Kein Rock, keine Bluse, oder sonstiges weiblich konotierte konnte das erreichen.
Keine Anrede als Frau oder Herr weil mein Sein different zur Körperempfindung war oder auch teils noch ist.
Ein tolles Statement, wie ich finde. Ich habe mich auch oft gefragt, wie es denn wäre, wenn ich, biologisch betrachtet, als Mädchen geboren worden wäre. Aus meiner heutigen Perspektive glaube ich, dass ich damit viel weniger Probleme hätte, im Vergleich zum männlichen Körper. Um die Wirkung auf mich auszuprobieren, habe ich Fotomontagen von mir auf einem nackten Frauenkörper erstellt, was mir ziemlich gut gelungen ist. Die Wirkung war sehr seltsam, denn es fühlte sich nicht besonders an. Es ist normal, dass ich einen Frauenkörper haben könnte. Das ist mit einem Bild von mir als nackten Mann ganz anders. Mit dem kann ich mich nicht identifizieren und ich lehne das ab. Sehr, sehr spannend.
Es zeigt mir aber auch, dass ich genau in dem Spannungsfeld zwischen biologischer und emotionaler Definition einer Frau stehe. Meine Emotion sagt mir, dass ich biologisch eine Frau sein könnte. Kleidung, Schminke, Sillies etc. ist nur Ausdruck davon, nicht Selbstzweck und nur Hilfsmittel, dass ich mich einigermaßen wohl fühlen kann. Anrede bedeutet für mich Akzeptanz oder Nichtakzeptanz von außen. Mir zeigt es, dass wir Biologie und Empfinden nicht trennen können und der Weg nur über Biologie oder nur über Empfinden ist nicht ausreichend.
Und damit bin ich wieder beim übergreifenden Thema: Wo ist der dritte Weg, der es kämpferischen Feministinnen und Transmenschen erlaubt, friedlich für eine gemeinsame Sache zu arbeiten ?