Die "liebe" Arbeit
Die "liebe" Arbeit - # 2

Lebensplanung, Standorte
Momo58
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 16 im Thema

Beitrag von Momo58 »

Hallo Lara Celine,

Über das Thema Outing und die Schwierigkeiten am Arbeitsplatz wurde hier schon vieles geschrieben. Ich versuche mal einen anderen Ansatz. Ausschlaggebend ist dein innerer Leidensdruck. Ist er so groß, dass du ohne Rücksicht auf Verluste dein Outing am Arbeitsplatz durchziehst, dann ist der richtige Zeitpunkt da. Dann ist der Zeitpunkt für erste Gespräche mit dem Betriebsrat, dem Gleichstellungsbeauftragten, mit der Personalabteilung. Alles was danach folgt, ist Kaffeesatz-Leserei, z.B. keine Vertragsverlängerung, oder doch ein unbefristeter Vertrag, oder eine innerbetriebliche Umsetzung, Gerede der Kollegen hinter vorgehaltener Hand oder direkte transfeindliche Aktionen und vieles mehr.

LG Manuela
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Lavendellöwin
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 17 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Sabrina Verena hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 16:32 Ich denke mal, dass Du Deine Transsexualität belegen kannst (Bescheinigung durch den Gutachter).
Dein Arbeitgeber wird sich wundern, dass er erst jetzt von Deiner Transexualität erfährt, aber immer noch besser als ihm gar nichts zu sagen und ihn vor vollendete Tatsachen zu stellen.
?

Magst du bitte mal sagen, was ein Gutachten oder ein Indikationsschreiben für eine HRT,
ist einfach nicht das Gleiche, bei einem Arbeit oder Projektgeber verloren hat?

Wenn du jetzt meinetwegen gesagt hättest vergiss nach der PÄ die neue
Sozialversicherungsnummer nicht oder eine Bescheinigung der Krankenkasse falls
sich da die Nummer ändern sollte, hätte ich gesagt ja, achte da drauf.
Aber ein Gutachten ist doch völlig falsch an der Stelle...
Sabrina Verena hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 16:32 Dein Arbeitgeber wird sich wundern, dass er erst jetzt von Deiner Transexualität erfährt, aber immer noch besser als ihm gar nichts zu sagen und ihn vor vollendete Tatsachen zu stellen.
Der Zeitpunkt mit der noch offenen Weiterbeschäftigung ist sicher ungünstig.
Naja, sie kommt jetzt damit raus, also ist jetzt auch der Zeitpunkt drüber zu reden.
Nicht vorher wenns noch nicht klar war und auch nicht erst in einer halben Ewigkeit.
Wenn was zu bereden ist, ist doch zeitnah schon immer das Beste gewesen...
Sabrina Verena hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 16:32 Mit einer PÄ bist Du als Frau zu behandeln, aber durch die Hintertür?
hmm..es spricht nichts dagegen, das ein Arbeitgeber das auch schon vor der VÄ/PÄ
tut. Das ist deren Entscheidung ob sie wollen-nur ein müssen gibt es ohne VÄ/PÄ nicht.
Das ist auch mit anderen Vertragspartnern so, der KV oder sonst was, wenn die mitmachen
ist alles schick..

Alles Liebe Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
Lara Celine
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 18 im Thema

Beitrag von Lara Celine »

Andrea aus Sachsen hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 17:52 Wie kommst du eigentlich zu der Auffassung, dass du in deiner Branche woanders keine Arbeit findest? Ich denke, die Chance dafür ist genau so gut oder schlecht wie nach dem Outing in deiner jetzigen Firma.
Und wie sieht es mit deiner Berufserfahrung aus? Mit Anfang 30 und nur einem reichlichen Jahr in der Firma, hast du da möglicherweise noch nicht viel ansammeln können. Wäre es unter diesen Bedingungen eventuell eine Option, noch einmal ganz neu anzufangen, in einer anderen, weniger männerdominierten Branche?
Liebe Andrea,

Tatsächlich hängt das mit Tarifverträgen und ein wenig mit der Art des Kraftwerks zusammen. In meinem jetzigen Unternehmen verdiene ich "mal eben" 1000€ netto mehr als vorher. Ich habe jetzt etwas über ein Jahr Betriebserfahrung und insgesamt beinahe 11 Jahre Berufserfahrung.
Umschulen auf einen anderen Beruf in einer anderen Branche kommt für mich aus mehreren Gründen nicht infrage. Erstens liebe ich meinen Beruf. Es ist der Beruf der mich wirklich ausfüllt. An dem ich irre viel Spaß und Freude habe. Das will ich nicht aufgeben.
Der zweite Grund ist das es kaum eine Branche gibt in der ich mein Gehaltsniveau bekommen könnte ohne Abitur oder ein Studium zu haben.
Um mein Gehaltsniveau zu halten müsste ich einen anderen öffentlichen Energieversorger finden. Das wird in meiner Umgebung schwierig bis unmöglich werden. In einem Industriekraftwerk könnte ich vielleicht was finden, aber da liege ich dann mal eben die 1000€ unter meinem jetzigen Gehalt und das kann und darf ich mir nicht leisten. Das hat auch einen bestimmten Grund, welchen ich aber nicht öffentlich preisgeben möchte.
Das hat in dem Falle nichts mit Offenheit zu tun, sondern mehr mit dem Internet.
Wen es dennoch interessiert, darf mich gern per Nachricht kontaktieren, dann kann ich es gern erklären.
Für den Moment ist es nur wichtig, dass es für mich von essentieller Bedeutung ist den Job zu behalten.
Dem gegenüber steht allerdings meine Psyche und damit meine Gesundheit, was mich in eine verflixt verzwickte Lage bringt.
Den Job zu verlieren würde am Ende auch auf meine Gesundheit gehen.
Leider gibt es in dem Falle keinen Plan B oder Plan C.
Als ich die Stelle angetreten bin, sagte man mir ich müsste schon den goldenen Löffel klauen, damit man mich rauswirft. Aber da hat man sicherlich nicht an Sogs wie Transidentität gedacht.
Meine Entfristung ist auch nur noch eine Sache der Formalität, aber genau die ist in Deutschland nun mal maßgebend.

Aber es geht ja eigentlich nicht um mein Gehalt. Zumindest nicht in erster Linie, aber es spielt leider Gottes eine große Rolle.

Mein jetziger Plan, durch euch angeregt, ist, mich mit unserem betrieblichen Gleichstellungsbeauftragten zu unterhalten.
Vielleicht kann er/sie mir bei den nächsten Schritten helfen. Zudem ist, glaube ich, ein Gespräch mit der betrieblichen Psychosozialtherapeutin nicht verkehrt. Insbesondere was das mögliche Verhalten und Denken von Arbeitskollegen auf psychologischer Ebene betrifft.
Bis dahin heißt es, leider Gottes, durchhalten und nicht durchdrehen.
Und dann muss ich sehen wie es weiter geht.
EmmiMarie hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 14:43 hast du schon mal bei deinem Meister und den Kollegen hingespürt, hast du sie schon mal
über Themen aus dem LGBTQIA+ Bereich reden hören? Und was hast du da wahrgenommen.
Es ist grade doch sehr wahrscheinlich das der Meister und die Kollegen jetzt und in einem halben
Jahr die Gleichen sind, deshalb wird es auch mit der Reaktion auf dich so sein.
Darauf möchte ich gern noch was sagen:
Nein, bisher habe ich diesbezüglich leider noch nichts mitbekommen. Es ist nicht unbedingt das alltägliche Thema.
Aber ich werde, anlässlich des CSD, mal vorfühlen um die ein oder andere Reaktion zu entlocken.
Gerade der CSD steht ja für Vielfalt, Akzeptanz und Toleranz.
Vielleicht kann ich den ein oder anderen dann besser einschätzen.
Danke für den Hinweis, liebe Marie :)

Herzlichst
Euere Lara Celine
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 19 im Thema

Beitrag von DanielaTV »

Hallo liebe Laura Celine,

ich kenne genau diese Situation in der du jetzt steckst, zwar war ich nach fast 10Jahren im Betrieb nicht mehr in der Probezeit, allerdings übe ich ebenfalls einen Job aus in dem Vorzugsweise Männer anzutreffen sind, wobei wir auch schon die ein oder andere cis-Frau als Lehrling hatten, oder als Praktikantin und auch als Gesellen, doch sind diese nun nicht mehr bei uns.
Kurz gesagt ich bin im Handwerk tätig, um genau zu sein als Elektikerin.

Ich habe auch diese Befürchtungen gehabt, was werden meine Vorgesetzten sagen, wie wird es unter den Kollegen aufgenommen und wie bei den Kunden?
Doch was das angeht, war die Resonanz bisher wirklich sehr positiv und der Satz von meinen Vorgesetzten beim Outing ist mir immer im Kopf geblieben: "Du verlierst dadurch ja nicht deine Qualifikationen".

Sicher weiß ich auch das nicht jeder Arbeitgeber so ist und ja ich kenne auch andere Storys, doch wollte ich auch das positive mal hier hervorheben.

Das Gefühl sich verstellen zu müssen kenne ich jedoch auch, da ich durch meine Arbeitskleidung halt sehr eingeschränkt bin was Weiblichkeit anbelangt, fühlt es sich manchmal sehr unerträglich für mich an. Zumal die HRT nun auch noch nicht so weit voran geschritten ist.
Ist aber manchmal wirklich niederschmetternd und eine Lösung dafür habe ich bisher nicht finden können.

Allerdings darf ich auf meine Stundenzettel und auch bei schreiben aus der Firma dann schon meinen weiblichen Namen nutzen/lesen. Und auch angesprochen werde ich mit dem weiblichen Namen.
Nur alles was eben offiziell mit Finanzen zu tun hat darf vor der NPÄ noch nicht angepasst werden.
Die ist aber auch schon beantragt, bzw. auf dem besten Wege.

Ich weiß meine Worte helfen eventuell nicht wirklich viel, aber vielleicht machen sie auch ein wenig Mut.

LG
Ela (888)
Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt!
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 20 im Thema

Beitrag von Helga »

Lara Celine hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 10:15 Seit heute ist mein Urlaub vorbei und ich musste heute morgen Lara "zuhause" lassen und als Kevin zu Arbeit gehen.
Hallo Lara,
dein Arbeitgeber hat zwar "Kevin" eingestellt und nicht "Lara", dies hat er aber nicht getan, weil er einen Mann einstellen wollte, sondern weil er einen Menschen brauchte, der mit ganz bestimmten Kompetenzen eine spezifische Tätigkeit ausüben kann. Arbeitgeber denken nicht in "Mann" oder "Frau", sondern in "Arbeitskraft". Zumindest sollten sie dies tun, wenn sie ihre Aufgabe ernst nehmen. So gesehen würde eigentlich nichts gegen ein Outing sprechen. Aber: Auch wenn dein Arbeitgeber nicht transphob eingestellt ist, muss er sich informieren und bei der Abwägung über eine Entfristung einige Punkte mit einbeziehen, die bei einem (unterstellten) cis- Menschen zunächst einmal keine Rolle spielen: HRT führt zum Rückgang der Körperkraft (spielt das in deinem Job eine Rolle?), die Psyche kann Einfluss auf die allgemeine Leistungsfähigkeit und die Konzentrationsfähigkeit haben, bei einer (möglichen) GOAP und vielleicht weiteren OPs fällst du wochen- oder monatelang aus. Wenn dein Kraftwerk von der öffentlichen Hand betrieben wird, hat er hierbei diverse Vorschriften zu beachten, die wieder zu deinen Gunsten sprechen könnten, wird es privatwirtschaftlich betrieben, geht es letztlich nur darum das "Wohl" des Betriebes im Auge zu behalten, was bei den dargestellten "Risiken" wohl eher gegen eine Entfristung spricht.
Letzten Endes frage ich mich allerdings: Wozu willst du dich outen? Als Kraftwerker trägst du mit Sicherheit eine vorgeschriebene, durch den Arbeitgeber gestellte Arbeitskleidung, einschließlich Schuhe und vermutlich Helm. Diese Arbeitskleidung sieht immer gleich aus, egal ob Kevin oder Lara darin steckt. Welchen Unterschied macht es es, ob du als "Kevin" oder "Lara" zur Arbeit gehst? Was du Zuhause, bzw. in deiner Freizeit machst, was du anziehst, mit wem du dich triffst, geht deinen Arbeitgeber nichts an. Er will es auch garnicht wissen. Die körperlichen Veränderungen einer HRT nicht nicht so gravierend und vor allem auch nicht so plötzlich, dass diese deinen Kollegen auffallen müssen.
Meine Empfehlung wäre weder als "Kevin" noch als "Lara" zur Arbeit zu gehen, sondern einfach nur als Arbeitskraft, und das "Geschlecht" zuhause zu lassen. Damit würdest du dich der Zwickmühle entziehen.
Liebe Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 21 im Thema

Beitrag von Blossom »

Lara Celine hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 17:00 Das ist ein guter Punkt und natürlich besteht die Gefahr. Andersrum ist die Stelle die ich besetze wichtig und man braucht mich faktisch. Einfach gegen jemand anderen ersetzen geht bei uns nicht so einfach, da die Anlernphase sehr lang ist. Aber du liegst mit deiner Ausführung natürlich richtig, wenn sie es drauf anlegen bekommen sie mich schon irgendwie quitt. Entweder durch Mobbing bis ich selbst kündige oder durch einen Vorwand.
Das ist genau der Punkt, der mir beim Lesen deines Eingangsposts direkt in den Kopf kam. Daher wird es den richtigen Zeitpunkt gar nicht geben ... egal wie du es anstellst, ob du wartest oder eben nicht ... das Risiko bleibt. Ich war lange Jahre Arbeitgeber und kann dir sagen, wenn ich jemand loswerden wollte, dann ist mir das immer gelungen.

Desweiteren: Immer dran denken, dass niemand unersetzlich ist.
Jeder hat in seinem Leben Menschen um sich, die schwul, lesbisch, transgender oder bisexuell sind.
Sie wollen es vielleicht nicht zugeben, aber ich garantiere, sie kennen jemanden.
Billie Jean King (*1943)
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 22 im Thema

Beitrag von Claudia-67 »

Hallo,
Ich würde den Betriebsrat oder die Gleichstellungsbeauftragte ansprechen und nicht den Schichtleiter. Die sollten das regeln und sie werden es regeln. Gerade in großen Unternehmen ist Trans kein echtes Problem.
Klar, wenn die Hormone kommen war es das mit der Leistungsfähigkeit. Das sehe ich gerade extrem an mir. Körperlich schaffe ich derzeit gar nichts. Bei meiner Arbeit stört das nicht so stark, aber ist teilweise wie bei der Dienstreise letztens schon anstrengend.
In meiner Branche bin ich als Transfrau auch eine Exotin. Aber mehr als 20 Jahre kennt man mich, den Kerl, und meine Qualitäten und daher alles entspannt.

Also Flucht nach vorne und oute dich. Für mich war es eine Befreiung. Aufgefressen hat mich keiner.

LG
Claudia
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 23 im Thema

Beitrag von Lara Celine »

Helga hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 22:30
Lara Celine hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 10:15 Seit heute ist mein Urlaub vorbei und ich musste heute morgen Lara "zuhause" lassen und als Kevin zu Arbeit gehen.
Hallo Lara,
dein Arbeitgeber hat zwar "Kevin" eingestellt und nicht "Lara", dies hat er aber nicht getan, weil er einen Mann einstellen wollte, sondern weil er einen Menschen brauchte, der mit ganz bestimmten Kompetenzen eine spezifische Tätigkeit ausüben kann. Arbeitgeber denken nicht in "Mann" oder "Frau", sondern in "Arbeitskraft". Zumindest sollten sie dies tun, wenn sie ihre Aufgabe ernst nehmen. So gesehen würde eigentlich nichts gegen ein Outing sprechen. Aber: Auch wenn dein Arbeitgeber nicht transphob eingestellt ist, muss er sich informieren und bei der Abwägung über eine Entfristung einige Punkte mit einbeziehen, die bei einem (unterstellten) cis- Menschen zunächst einmal keine Rolle spielen: HRT führt zum Rückgang der Körperkraft (spielt das in deinem Job eine Rolle?), die Psyche kann Einfluss auf die allgemeine Leistungsfähigkeit und die Konzentrationsfähigkeit haben, bei einer (möglichen) GOAP und vielleicht weiteren OPs fällst du wochen- oder monatelang aus. Wenn dein Kraftwerk von der öffentlichen Hand betrieben wird, hat er hierbei diverse Vorschriften zu beachten, die wieder zu deinen Gunsten sprechen könnten, wird es privatwirtschaftlich betrieben, geht es letztlich nur darum das "Wohl" des Betriebes im Auge zu behalten, was bei den dargestellten "Risiken" wohl eher gegen eine Entfristung spricht.
Liebe Helga,

Grundsätzlich ist die körperliche Kraft in meinem Job nachrangig. Die hauptsächliche Arbeit ist das technische Verständnis der Anlagen und was in Störungen zu tun ist. Natürlich darf man nicht die Kraft eines Babys haben, aber es ist nicht notwendig Hulk zu sein. Ich war noch nie der Mensch der mit viel körperlicher Kraft geboren wurde.
Depressionen habe ich schon, was mein Meister auch weiß.
Ich empfand es schon immer als wichtig ehrlich zu meinem Meister zu sein, da er wissen sollte wer seine Mitarbeiter sind. Auch im Hinblick auf die Beurteilung.
Helga hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 22:30 Letzten Endes frage ich mich allerdings: Wozu willst du dich outen? Als Kraftwerker trägst du mit Sicherheit eine vorgeschriebene, durch den Arbeitgeber gestellte Arbeitskleidung, einschließlich Schuhe und vermutlich Helm. Diese Arbeitskleidung sieht immer gleich aus, egal ob Kevin oder Lara darin steckt. Welchen Unterschied macht es es, ob du als "Kevin" oder "Lara" zur Arbeit gehst? Was du Zuhause, bzw. in deiner Freizeit machst, was du anziehst, mit wem du dich triffst, geht deinen Arbeitgeber nichts an. Er will es auch garnicht wissen. Die körperlichen Veränderungen einer HRT nicht nicht so gravierend und vor allem auch nicht so plötzlich, dass diese deinen Kollegen auffallen müssen.
Meine Empfehlung wäre weder als "Kevin" noch als "Lara" zur Arbeit zu gehen, sondern einfach nur als Arbeitskraft, und das "Geschlecht" zuhause zu lassen. Damit würdest du dich der Zwickmühle entziehen.
Liebe Grüße
Helga
Der Punkt ist das ich mich als Frau fühle und, wenn auch nicht körperlich, Frau BIN.
Mich selbst als Arbeitskraft zu betrachten und mich selbst zu depersonalisieren ist für mich keine Option. Wäre ich genderfluid, wäre es vielleicht eine Option, aber das bin ich nun mal nicht.
Ich bin Lara und möchte von meinem Umfeld auch als Lara wahr genommen werden. Stattdessen werde ich als Kevin wahr genommen.
Natürlich tragen wir alle Arbeitskleidung die bei jedem gleich aussieht, wodurch ein Einheitsbild entsteht. Aber dennoch steckt in der Kleidung nicht nur die Arbeitskraft, sondern auch ein Mensch.
Natürlich, mit viel psychischer Arbeit, könnte ich deinen Vorschlag eine Zeit lang umsetzen, aber auf Dauer würde das nicht gehen. Ich verbringe deutlich mehr Lebenszeit auf der Arbeit als ich sie zuhause verbringe. Und mich den Großteil meiner Zeit zu depersonalisieren wäre in dem Falle nicht förderlich.
Was die Auswirkungen der HRT betrifft kann ich dir nur teilweise Recht geben. Tatsächlich duschen wir nach der Arbeit und daher kennen wir uns alle auch nackig.
Zuhause duschen geht zwar auch, ist aber, je nach Arbeitstag und Wetter, eine ziemlich eklige Sache.
Blossom hat geschrieben: Sa 21. Mai 2022, 22:34 Das ist genau der Punkt, der mir beim Lesen deines Eingangsposts direkt in den Kopf kam. Daher wird es den richtigen Zeitpunkt gar nicht geben ... egal wie du es anstellst, ob du wartest oder eben nicht ... das Risiko bleibt. Ich war lange Jahre Arbeitgeber und kann dir sagen, wenn ich jemand loswerden wollte, dann ist mir das immer gelungen.

Desweiteren: Immer dran denken, dass niemand unersetzlich ist.

In dem Punkt muss ich dir natürlich voll und ganz Recht geben. Natürlich bin ich ersetzbar. Allerdings geht das nicht von heute auf morgen so einfach wie in anderen Branchen. Hängt auch damit zusammen, dass es in unserem Bereich auch einen Fachkräftemangel gibt und auch der demografische Wandel spielt dabei eine Rolle.
Aber ich gebe mich nicht der Illusion hin, dass ich unersetzlich wäre oder mein Job todsicher wäre.
Claudia-67 hat geschrieben: So 22. Mai 2022, 03:20 Hallo,
Ich würde den Betriebsrat oder die Gleichstellungsbeauftragte ansprechen und nicht den Schichtleiter. Die sollten das regeln und sie werden es regeln. Gerade in großen Unternehmen ist Trans kein echtes Problem.
Klar, wenn die Hormone kommen war es das mit der Leistungsfähigkeit. Das sehe ich gerade extrem an mir. Körperlich schaffe ich derzeit gar nichts. Bei meiner Arbeit stört das nicht so stark, aber ist teilweise wie bei der Dienstreise letztens schon anstrengend.
In meiner Branche bin ich als Transfrau auch eine Exotin. Aber mehr als 20 Jahre kennt man mich, den Kerl, und meine Qualitäten und daher alles entspannt.

Also Flucht nach vorne und oute dich. Für mich war es eine Befreiung. Aufgefressen hat mich keiner.

LG
Claudia
Es gibt, gerade in dauerhaft bestehenden, Schichten ein gewisses Maß an Vertrauen was man den anderen gegenüber gibt. Da man verdammt viel Zeit miteinander verbringt ist es äußerst wichtig, das man gut miteinander auskommt und sich gegenseitig vertrauen kann. So sehe ich das und so sieht mein Schichtleiter das auch. Ehrlichkeit ist uns beiden sehr wichtig.
Ihn zu übergehen wäre für dieses Vertrauensverhältnis einschneidend.
Das kann und werde ich nicht machen. Ich werde mit dem Gleichstellungsbeauftragten sprechen, aber es ist in letzter Instanz meine Aufgabe mich gegenüber meinem Schichtleiter und meiner Schicht zu outen.

Was die Leistungsfähigkeit betrifft kann ich das natürlich noch nicht beurteilen. Aber da mein Beruf geistige Leistungsfähigkeit der körperlichen übergestellt ist mache ich mir da weniger Sorgen.

Herzlichst
Eure Lara Celine
Zuletzt geändert von Lara Celine am So 22. Mai 2022, 09:16, insgesamt 3-mal geändert.
Sabrina Verena
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 24 im Thema

Beitrag von Sabrina Verena »

Hallo Celine, danke für Deine Antwort.
Du scheinst, anders als eine andere Nutzerin verstanden zu haben, worauf ich hinaus wollte.

An Emmi, Was soll der Quatsch?
Mein Hinweis, dass ein Gespräch mit dem Arbeitgeber unumgänglich ist, ist nicht zu beanstanden, und eine Bescheinigung hilft dabei.
Das ist Fakt!!
LG Verena
Solange Du in Dir selber nicht zuhause bist, bist Du nirgendwo zu Haus.

Die Natur ist Wakan Tanka. Leider haben das nur Wenige verstanden.

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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 25 im Thema

Beitrag von Lara Celine »

Liebe Verena,

Natürlich ist ein Gespräch über kurz oder lang unumgänglich.
Eine Bescheinigung werde ich wohl nicht brauchen. Ob sie hilfreich wäre, weiß ich nicht.
Die Frage die ich mir dabei stelle ist: Warum sollte jemand der nicht transident ist zu seinem Arbeitgeber gehen und sowas behaupten. Ich denke das wird wohl so gut wie niemals vorkommen. Deswegen glaube ich das eine Bescheinigung nicht nötig sein wird.

Herzlichst
Eure Lara Celine
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 26 im Thema

Beitrag von Malvine »

Hallo Lara Celine,

ich habe da noch ein paar Gedanken zu deiner Situation...
Was macht für dich das Frau-sein während der Arbeitszeit aus? Geht es dir um deine Selbstwahrnehmung und die Akzeptanz der Kollegen?
Wie stellst du dir dann das Frau-sein im betrieblichen Alltag vor? Trägst du dann Brüste und schminkst dich? Wie auffällig wird dein Makeup sein?
Ich gehe mal davon aus, das du dann nicht mehr mit den Kollegen duschen wirst? Du wirst dich also aus der "intimen Gesellschaft" der Kollegen ausklinken?

Du kannst durch dein Auftreten bei den Kollegen natürlich auch die Akzeptanz beeinflussen - Wenn sich nur dein Geschlecht ändert, der Typ aber noch der selbe ist, wird es wohl leichter werden. Wenn von heute auf Morgen eine Dragqueen bei den Kollegen auftaucht, wird es wohl schwerer in der Männerwelt.

Ich wünsche dir auf deinem Weg viel Erfolg bei den Gesprächen mit deinen Kollegen und den unterschiedlichen Stellen des AG.

Grüße von Malvine
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 27 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

.
Hallo Lara Celine,
eine Bescheinigung ist sicher nicht notwendig, aber ich halte es bei fast jedem Outing für vorteilhaft, wenn du ein Foto vorlegen kannst, wie du künftig aussehen wirst. Gesprächspartner, die beim Thema Trans* zuerst an so ein schrilles CSD-Outfit denken oder überhaupt noch keine Vorstellung davon haben, kommen so vielleicht zu der Erkenntnis: Das sieht ja gar nicht mal schlecht aus!
Damit hättest du zunächst einen wichtigen Pluspunkt gewonnen.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 28 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Sabrina Verena hat geschrieben: So 22. Mai 2022, 12:24 An Emmi, Was soll der Quatsch?
Mein Hinweis, dass ein Gespräch mit dem Arbeitgeber unumgänglich ist, ist nicht zu beanstanden, und eine Bescheinigung hilft dabei.
Das ist Fakt!!
Hi Sabrina,

ich schrieb ja auch das Lara im Betrieb mit den Menschen reden sollte..völlig klar.
Eine Bescheinigung mag auch helfen, da gebe ich dir schon Recht.
Aber nötig ist ein Schreiben halt nicht und so hatte ich deinen Post aufgefasst,
also alles gut, oder?

Sie könnte sich auch den dgti-Ausweis mit einem schönen Foto drauf machen
lassen..wobei, ich finde, das sie en persona, wie sie ist, die beste Ausdrucksform ist.
Wie viele wissen, bin ich keine Freundin von 180 Grad Wenden, das Ganze
ist einfach ein Prozess mit so einer komplexer Entwicklung in vielen Bereichen, das ein Bild
gar nicht darstellen kann, was zum Beispiel in 5 Jahren da für eine Person
stehen wird..

Alles Liebe Marie (flo)
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 29 im Thema

Beitrag von Susi T »

Hallo Lara Celine,
ich habe den Eindruck das du das schon alles für dich richtig im Blick hast. Letztendlich weißt nur du was dir gut tut und was nicht. Ich kann gut nachvollziehen, das der Gedanke noch ewig verstecken spielen zu müssen belastet, meiner Meinung auch einer HRT nicht zuträglich ist. Hormone müssen frei fließen und wenn Frau sich wohlfühlt, läuft alles besser meiner Meinung nach. Mach dir möglichst wenig Stress, arbeite eins nach dem anderen in Ruhe ab, dann ist es auch einfacher andere mitzunehmen und zerstreut ihre Sorgen viel leichter.
Ob es Bilder (oder gar Bescheinigungen) braucht, bezweifel ich zwar, aber das ist mehr die Frage ob du meinst sowas zu brauchen um überzeugen zu können und Sorgen zu zerstreuen.
Ich lasse lieber meine Vorstellungen in Nebensätzen mit einfließen um klar zu machen das ich auch weiterhin ich bin und aus einem netten Mann keine schrille Frau wird.
Für die Arbeit ändert sich nämlich dann sehr wenig, außer solche Dinge wie gemeinsames Duschen. Sowas alleine heimlich zu regeln bringt mehr Stress, egal ob du auf einmal ungeduscht nach Hause fährst, oder sogar versuchst trotz körperlicher Veränderung weiter die Männerdusche zu benutzen(was für mich der Horror wäre).
Das wärend der Umstellung auch Krankheitstage anfallen können, hängt aber auch damit zusammen wie weit Frau geht und das kommt nicht schon Morgen. In der Regel findet sich aber auch dafür eine Regelung, so wichtig wie es unsereins dann ist, spielt doch selbst ein halber Jahresurlaub keine Rolle und im Normalfall reicht schon solche ein Angebot um die Sorgen eines Arbeitgebers völlig zu zerstreuen und am Ende muss von sowas gar nicht Gebrauch gemacht werden.
Viel Erfolg wünscht Dir Tira (flo)
Das beste Make-up einer Frau ist Glücklich sein
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Re: Die Die "liebe" Arbeit

Post 30 im Thema

Beitrag von Lara Celine »

Liebe Tira,

Ich möchte anmerken das ein gemeinsames duschen mich, gefühlt, nicht stören würde.
Wie das dann mit Hormonen aussieht kann ich nicht sagen.
Grundsätzlich bin ich ein sehr offener und hedonistischer Mensch :)

Ich möchte mich bei allen die bisher geantwortet haben vielmals bedanken. Ihr helft mir mit euren Antworten sehr weiter. Danke dafür :)

Herzlichst
Eure Lara Celine
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