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Re: Wie kann ich mit meinen zwiespältigen Gefühlen umgehen?

Verfasst: Mi 4. Mai 2022, 13:28
von Sunflower_68
Liebe Lori,
du hast glaube ich mit folgender Aussage Recht:
Wenn bei dir, durch den Seheindruck von Xier im Spitzenslip plötzlich etwas ausgelöst wird, dann kann es auch sein dass dein inneres den Eindruck nicht einordnen kann.

Die Psychologie kennt den Effekt als Genderconfusion.
Wenn Karina (die weibliche Seite meines Mannes) in vollem "Ornat" vor mir steht, dann ist das für mich stimmig. Ich habe überhaupt kein Problem mit Perücken, Make-up und Kleidung.
Wenn er jedoch sonst von der äußerene Erscheinung männlich ist und dieses feminine Detail des Spitzenslips vorhanden ist, dann kann mein Gehirn wahrscheinlich nicht mehr die Zuordnung machen.

Ich weiß schon, dass er beides ist. Ich weiß auch, dass sich niemand das auswählt, ob er CD, TS oder was auch immer ist. Und wenn ich auf Michaelas Beitrag antworte, dann kann ich es nicht nur tolerieren, sondern auch verstehen.
Die Welt ist bunt, die Menschen sind bunt und das ist in Ordnung so.

Vielleicht kann ich meine eigene Verunsicherung versuchen zu erklären.

Stellt euch vor, ihr lernt jemanden kennen, in dem Fall eine Frau, die sehr viel Wert auf Mode legt, auf schöne Kleidung, Haare, Nägel, Schmuck, Make-up, etc. und sie hat zudem einen tollen Charakter und ihr fühlt euch total wohl mit ihr, es passt einfach. Ihr werdet ein Paar.
Dann, aus welchen Gründen auch immer, verändert diese Frau erst mal ihr Aussehen. Wird bei der Kleidung lieblos und nachlässig, trägt von mir aus nur noch graue Kittelschürzen und Birkenstockschlappen, kein Make-up mehr, etc. Wohl gemerkt, sie ist hygienisch tadellos, das ist kein Problem. Hier sind wir wieder bei dem Thema, das ist doch nur Kleidung und der Mensch bleibt der gleiche.
Ich bin mir jedoch relativ sicher, dass es den einen oder die andere verunsichern würde. Man hatte die Person anders kennengelernt und man hatte sich in das Gesamtpaket verliebt.
Ich sage auch nicht, dass man sich nicht an die Kittelschürzen und Schlappen gewöhnen kann und dass man/frau deshalb schreiend davonläuft. Aber, am Anfang ist bei fast allen Verunsicherung vorhanden.
Man könnte dieses Beispiel natürlich selbstredend umkehren. Die Kittelschürzendame entwickelt sich zum Modevamp bzw. mutiert zur Barbiepuppe. Das würde genauso Konfusion erschaffen.

Was ich damit ausdrücken will, ist, dass Unbekanntes manchmal verunsichert. Soll jedoch nicht heißen, dass man es unbedingt schlecht findet. Das Gehirn kann es aber wohl noch nicht eindeutig in die Kategorie "gefährlich" oder "ungefährlich" einordnen.

Ich für mich habe die "Konfrontationstherapie" gewählt, ich schau jetzt immer genau hin, wenn mein Mann sich abends auszieht. Und siehe da, die Spitzenslips werden zunehmend harmloser (he)

Liebe Grüße
Sunflower

Re: Wie kann ich mit meinen zwiespältigen Gefühlen umgehen?

Verfasst: Mi 4. Mai 2022, 16:12
von Sunflower_68
Hallo miteinander,
ich danke euch alle für eure Worte.
Was lerne ich daraus? Jeder empfindet anders und manches ist bei allen gleich😁

Ich will auch niemanden einschränken, will ich auch nicht für mich. Trotz allem muss es bei mir in einer Partnerschaft Absprachen geben und nicht jeder kann seinen Egotrip fahren. Finde ich zumindest.

Zu den Aussagen mit Toleranz und jeder ist wie er ist und keiner hat sich das ausgesucht: ja, stimmt, und zwar beide Teile einer Partnerschaft.
Auch die Partner*innen haben sich nicht ausgesucht wie sie empfinden und fühlen. Ich fordere auch hierfür Toleranz.

Ich wünsche allen noch einen schönen Tag 🌞

Liebe Grüße
Sunflower

Re: Wie kann ich mit meinen zwiespältigen Gefühlen umgehen?

Verfasst: Mi 4. Mai 2022, 17:06
von Lorelai74
Hi Sunflower,

der Teil deines Gehirns der Sortiert Gefahr oder Sicherheit kann langsam lernen was es für dich ist. Lernen braucht Übung. Durch das achtsam Hinschauen und wahrnehmen wie es sich anfühlt und dann innerlich Worte finden die es eingruppieren kann helfen. Und die Weisheit deines Lebens hat dich das ganz alleine herausfinden lassen.

Ja ich denke auch dass es Toleranz für Die Partner*Innen braucht, dass es auch für sie eine Transformation ist. Aus einer Partnerschaft zu zweit wird jetzt mit "2 1/2" 😉.
Und dass hast sich keine Partner*In ausgesucht.

Aber sie kann wählen ob sie sich darauf einlässt, was aber viele persönliche Arbeit als auch Partnerschaftsarbeit erfordert.

Die Gefühle die kommen wollen erst gefühlt werden, und dann die Erfahrung, auch die oft vorkommenden Enttäuschungen und Verletzungen durchgearbeitet und integriert sein.
Der Lohn der Mühe: Wachstum für dich und für euch, neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

Jede von uns sollte grossen Respekt für eine Partner*in haben die in diesen Prozess einsteigt und sich auf diese Reise begibt.

Ich habe diesen Respekt für dich.
Alles gute auf euren Weg.
VLG
Lori

Re: Wie kann ich mit meinen zwiespältigen Gefühlen umgehen?

Verfasst: Mo 20. Jun 2022, 15:25
von sago
Sunflower_68 hat geschrieben: Mo 2. Mai 2022, 21:07 Hallo zusammen,
ich bin ganz neu hier, ich habe mich heute erst angemeldet.
Ich bin Mitte 50 und seit 10 Jahren mit meinem zweiten Mann zusammen.
Wir haben uns gesucht und gefunden, ergänzen uns und können uns gegenseitig aushalten.
Alles ist perfekt.
Hallöchen
Ich verstehe dich gut. Ich bin ebenfalls Partnerin eines crossdressers. Melde dich einfach bei mir und wir können gerne Erfahrungen austauschen und eventuell auch neue Sichtweisen dazu gewinnen.
Liebe Grüße

Re: Wie kann ich mit meinen zwiespältigen Gefühlen umgehen?

Verfasst: Mo 20. Jun 2022, 16:25
von ExUserIn-2026-04-08
Ich finde, Toleranz ist ein total überstrapazierter Begriff. Was bedeutet Toleranz ?

Nach Wikipedia:
Toleranz, auch Duldsamkeit[1], ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen anderer oder fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten.
Muss man bei Menschen, die körperlich weiblich/männlich geboren wurden und sich nach den entsprechenden Regeln verhalten, Toleranz üben ? Ich denke, das ist keine echte Frage, da selbstverständlich.

Aber warum wird immer wieder Toleranz gefordert, wenn sich Menschen in welcher Form auch immer im Gegengeschlecht verorten ? Wieso sind die Gefühle "zwiespältig" (nicht zuletzt bei den Betroffenen selber) ? Sind diese Menschen schlechtere Menschen ?

Ich glaube, als erstes steht die Frage im Raum, warum man selber (ich meine Betroffene genau so wie Partner/innen) diese Gefühle hat. Je genauer man sie beschreiben kann, um so besser. Fühlt man sich weniger wert ? Hat man Angst vor Konsequenzen ? Macht man als Partner/in evtl. den Anderen für seine Zwiespältigkeit verantwortlich ? Ist es etwas anderes ? Man muss dahin schauen, wo es wirklich weh tut (wenn es weh tut) oder man lässt es ganz. Es geht um die Eigenverantwortung, die man nicht auf die/den Partner/in abschieben kann.

Ich persönlich bin es leid, wenn andere Menschen glauben, mich "erdulden" zu müssen. Ich will nicht toleriert werden. Ich will akzeptiert werden und das auf Augenhöhe. Ich bin betroffen und mir fällt es schwer genug, mich selber zu akzeptieren, wie ich bin. Wenn ich "geduldet" werde, gibt es mir das Gefühl, dass ich nicht ok bin. Bin ich wirklich nicht ok, wie ich bin ?

Ich verstehe auch, wenn Partner/innen Probleme haben. Es ist ein Prozess, die eigene Sichtweise kritisch in den Blick zu nehmen. Geschlechtlichkeit dürfte zun den am tiefsten verankerten Aspekten in uns gehören. Man braucht Geduld und Zeit dafür, die eigene Perspektive zu hinterfragen.

Aber genau darum geht es mMn. Eine Partnerschaft ist nicht dafür da, den Anderen glücklich zu machen. Ihre erste Aufgabe besteht darin, uns den Spiegel vorzuhalten und uns selber zu erkennen. Sich darauf einzulassen, belohnt uns mit der eigenen Weiterentwicklung. Die Verantwortung beim Anderen abzuladen, belastet den Anderen und die Beziehung und führt zwangsläufig zum eigenen Stillstand.

Jede Krise in der Partnerschaft ist eine Gefahr, aber auch eine Chance. Das kann man in vielen einschlägigen Büchern nachlesen und ist nicht meine Erfindung. Love it, change it or leave it. Du kannst nicht Deine/n Partner/in ändern, sondern nur Dich selber. Mach' was draus.

Re: Wie kann ich mit meinen zwiespältigen Gefühlen umgehen?

Verfasst: Do 18. Dez 2025, 18:09
von elfe
Sunflower_68 hat geschrieben: Mo 2. Mai 2022, 21:07 Hallo zusammen,
ich bin ganz neu hier, ich habe mich heute erst angemeldet.
Ich bin Mitte 50 und seit 10 Jahren mit meinem zweiten Mann zusammen.
Wir haben uns gesucht und gefunden, ergänzen uns und können uns gegenseitig aushalten.
Alles ist perfekt.
Als wir uns kennenlernten, haben wir uns von vergangenen sexuellen Erlebnissen erzählt.
Er hatte mir da unter anderem erzählt, dass er eine Phase hatte, in der er in Frauenkleider schlüpfte. Dass er sich ausprobiert hatte, dies aber seit Jahren kein Thema mehr sei.
Ich fand das sehr spannend und er zeigte mir auch Bilder von sich.
Ich hatte in der Vergangenheit selbst viel ausprobiert und war einiges gewohnt, ich fand es spannend.
Vor einem Jahr nun hat mich mein Mann an einem Wochenende in einem Frauenoutfit überrascht, eingebunden in unsere Sexualität.
Ich fand das sehr spannend und erregend.

Nachdem er sich erst einmal geoutet hatte und ich nicht ablehnend reagiert hatte, kam er immer mehr damit raus.
Hat sich Silikonbrüste gekauft und seine Outfits und Make-up perfektioniert.
Rausgehen wollte er nicht mehr als Frau, es sollte unser prickelndes Spiel sein.
Auch wenn ich es prinzipiell völlig okay finde, wenn jeder seine Neigungen nach Lust und Laune auslebt und ich weiß, dass mein Mann immer noch der gleiche liebenswerte, oder gerade deshalb so liebenswert ist, geht es mir nicht immer gut damit.
Am Anfang machte es mir gehörig Angst, dass mein Mann nur noch in der Frauenrolle leben will, dass ich sozusagen den "Mann" verliere.
Wobei rein objektiv gesehen diese Ängste unbegründet sind und waren. Mein Kopf weiß das auch, mein Bauch hat aber manchmal einen Kloß im Magen.
Seit seines Outings hat mein Mann grundsätzlich seine Fußnägel lackiert, im Winter hatte er oft Strumpfhosen unter den langen Hosen getragen (wegen der Kälte) und er trägt zwischenzeitlich fast nur noch Damenslips.
Ich höre schon die Kommentare, die mir sagen, dass das doch keinerlei Problem ist. Stimmt, sehe ich auch so.
Aber, was soll ich sagen, es stört mich, es nervt mich 😔

Ich versuche mir das nicht anmerken zu lassen. An manchen Tagen macht es mir auch nichts aus. An anderen Tagen jedoch um so mehr.

Es nervt mich, dass ich so empfinde und möchte, dass diese unguten Gefühle weggehen.
Gibt es hier jemand dem es genau so geht? Kann mir jemand Tipps geben wie ich mit diesen negativen Gefühlen umgehen kann?

Sunflower
Hallo sunflower,
Ich kann dich sehr gut verstehen. Habe vor 5 Jahren, nach 20 Jahren Ehe zufällig entdeckt dass mein Mann crossdresser ist. War ein ziemlicher Schock. Haben dann auch drüber geredet und dann war das thema für meinen Mann erledigt. Er wollte nicht mehr drüber reden und hat sein ding alleine durchgezogen. Er läuft zwar zu Hause in frauenkleider rum aber alles andere macht er geheim. Leider hab ich das Gefühl dass er meint dass es mich nichts angeht.Wollte einen gemeinsamen Weg suchen aber ich denke dass es ihm vieleicht peinlich ist und er blockt total.
Mich ekelt einfach seine langen Fingernägel die immer wieder lackiert sind. Möchte mich damit nicht von ihm anfassen lassen. Sexuell läuft seit mindestens einem halben Jahr nichts mehr. Ich finde es richtig schade denn ich habe nur einen Bruder / schwester u keinen Ehemann mehr. Wenn ich seine Nägel u andere Dinge ansprechen ist er beleidigt und redet nicht mit mir. Nun wird das crossdresser Thema nich mehr angesprochen u nur akzeptiert.
Allerdings vermisse ich seine Nähe u Zärtlichkeiten aber möchte es nicht mehr ansprechen denn es führt zu keinem Ergebnis. Leider kann ich dir auch keinen Tipp geben denn auch unsere Männer müssten sich uns gegenüber öffnen. Zumindest ist es bei mir so.
Ich weiss nicht ob man sich an etwas gewöhnen kann vor dem man sich Ekelt.
Glg elfe