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Re: Als Transfrau in der Sackgasse des Lebens

Verfasst: Mo 7. Mär 2022, 16:07
von Claudia60
Hallo,
vielen lieben Dank für die zum Teil gutgemeinten Ratschläge.
Letztendlich ist es doch aber so, dass jede individuell ihre eigene Lebensgeschichte, Lebenssituation in bzw. mit sich trägt.
Nur wenn man diese Person und diese Situation kennt, kann man sich nur annähernd vorstellen was einen bewegt.
Auch wenn ich heute weiß wer und wie ich bin, so ist der Weg zum vollkommenen Glück eher Wunschdenken.
Sackgasse mag vielleicht das ganze nicht richtig beschreiben,aber der Weg ist steil,steinig und eine Patentlösung gibt es für mich persönlich nicht.
Das Leben entwickelt sich einfach so wie es sich schon nach meinem Outing entwickelt hat.
Wie die Zukunft aussieht,ich weiß es nicht.
Eines weiß ich aber ganz genau,ich bin eine Frau und werde nie so leben können wie ich es gerne möchte. Dazu tragen viele Umstände bei!

Liebe Grüße, Claudia60

Re: Als Transfrau in der Sackgasse des Lebens

Verfasst: Mo 7. Mär 2022, 17:16
von ExUserIn-2026-04-08
Hallo Claudia,
Claudia60 hat geschrieben: Mo 7. Mär 2022, 16:07 Eines weiß ich aber ganz genau,ich bin eine Frau und werde nie so leben können wie ich es gerne möchte. Dazu tragen viele Umstände bei!
wenn Du das denkst, ist es Deine Wahrheit. Dann wirst Du auch nie erfahren, ob es auch eine andere Möglichkeit gäbe. Mein Tip: Schau Dir die Leseprobe an: https://www.penguinrandomhouse.de/Tasc ... 305603.rhd

Die Idee der Autorin: Was wäre, wenn Dein Gedanke falsch wäre und das Gegenteil wäre richtig ? Wer etwas ändern will, muss seine Gedanken umkehren. Das Problem sind nicht die Umstände, sondern das eigene Denken ist die Stolperfalle. Oder anders gesagt, wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe. Also hör' auf, Gründe zu suchen, weshalb etwas nicht geht.

Einen Preis musst Du immer zahlen, egal was Du tust. Dann doch lieber für ein Leben, das man will...

Re: Als Transfrau in der Sackgasse des Lebens

Verfasst: Mo 7. Mär 2022, 18:10
von Blossom
Claudia60 hat geschrieben: Mo 7. Mär 2022, 16:07 Eines weiß ich aber ganz genau,ich bin eine Frau und werde nie so leben können wie ich es gerne möchte. Dazu tragen viele Umstände bei!
Nun, Vicky hat es gut beantwortet ... Als ich deinen Beitrag am Nachmittag gelesen habe, wollte ich eigentlich antworteten, es mir aber verkniffen:

Dann ändere die Umstände! Habe ich auch - und alles, was mir nicht gut tut aus meinem Leben verbannt. Das bedeutet durchaus Verlust, aber am Ende zählt der Gewinn. Und allein dafür hat es sich gelohnt.

Re: Als Transfrau in der Sackgasse des Lebens

Verfasst: Mo 7. Mär 2022, 18:14
von Engelchen
Ich bin mit 62 in die Transition gegangen und habe sie vollständig durchgezogen.
Eine Kehrtwendung um 180-° und habe es nicht bereut.
Dein Weg - Dein Tempo - Deine Kreuzungen - Deine Entscheidungen - Dein Tempo - immer Ergebnisoffen

Liebe Grüße

Lisa

Re: Als Transfrau in der Sackgasse des Lebens

Verfasst: Mo 7. Mär 2022, 21:19
von Severine
Ja, es gibt diese Momente die bedauern das ich nicht gleich als biologisches Mädchen auf die Welt gekommen bin,
all die vielen Jahre der Maskerade, des innerlichen Leidens ... Ich bin zwar "erst" 46 und 44 Jahre davon lernte ich
eine Rolle nach außen zu spielen (notgedrungen) ...

... in den letzten zwei Jahren habe ich viele schöne, wie auch unschöne Lektionen erleben und lernen dürfen. Immer
das Ziel vor Augen, vergisst man auch schnell nach links und rechts zu sehen. Dabei stößt man manchmal wen vor den
Kopf, vergrätzt jemanden der es eigentlich gut mit einem meinte. Will sagen, es gibt wie Engelchen schon sagte, immer
wieder Kreuzungen... Steine... Schau ob du diesen schwierigen Momenten vielleicht doch etwas abgewinnen kannst
und ob sich daraus neue Möglichkeiten ergeben. Der Weg ist das Ziel ...

LG Alexandra (888)

Re: Als Transfrau in der Sackgasse des Lebens

Verfasst: Mo 7. Mär 2022, 22:35
von Helga
Hallo Claudia,
im Sinne von: "am Ende steht sowieso immer der Tod" ist sicherlich jedes Leben eine Sackgasse. Die Straße ist aber sehr breit und hat reichlich Platz um Kurven zu fahren, Pirouetten zu drehen und sich den Weg so angenehm wie möglich zu machen.
Claudia60 hat geschrieben: Mo 7. Mär 2022, 16:07 Eines weiß ich aber ganz genau,ich bin eine Frau und werde nie so leben können wie ich es gerne möchte.
wie lebt denn eine Frau? Als Kinder der 1960er und 70er tragen wir Unmengen von klischeebeladenem Ballast mit uns herum, der uns weis machen will, was eine Frau zu tun und ein Mann zu lassen hat. Mit der heutigen Realität haben die Geschlechtsrollenbilder unserer Kindheit herzlich wenig zu tun. Versuche dir bewusst zu machen, was anders wäre, wenn du ab sofort offen als Frau leben könntest: Vielleicht die Frisur, möglicherweise die Kleidung. Sonst eigentlich garnichts.
Claudia60 hat geschrieben: Sa 5. Mär 2022, 13:25 Ich weiß ich bin von der Seele schon immer eine Frau gewesen und trage ein Korsett, dass sich nicht lockern lässt.
Das Korsett gibt es nur in deinem Kopf. Niemand erwartet, dass du ständig den harten Kerl markierst, einen coolen Spruch drauf hast, dich ständig durchsetzt... . Dieser Typus existiert nur noch in schlechten Filmen und vielleicht im Fitnesstudio. Leg das Korsett einfach ab und schau was passiert.
Claudia60 hat geschrieben: Sa 5. Mär 2022, 13:25 Ich würde gerne auch jetzt mit 61 Jahren noch die Hormontherapie beginnen
befürchtest aber, dann deine Frau zu verlieren. - Du brauchst keine Hormontherapie um eine Frau zu sein. Bespiele dafür finden sich reichlich im Forum. Auf der anderen Seite ist eine Hormontherapie keineswegs Garant dafür, dass "Er" dann wirklich weg ist, und erst recht kein Garant dafür, dass du dich "angekommen" und "eins mit dir selbst" fühlst. Medizinische Maßnahmen können dies vielleicht unterstützen, der eigentlich Prozess findet aber im Kopf statt.

Liebe Grüße
Helga

Re: Als Transfrau in der Sackgasse des Lebens

Verfasst: Di 8. Mär 2022, 02:14
von Claudia-67
Hallo allerseits,
Blossom hat geschrieben: Sa 5. Mär 2022, 20:50 Von wegen Sackgasse ... gefühlt bin ich gerade auf der Überholspur einer Autobahn.
so sehe ich das auch. Outing mit 53, seit zwei Wochen HET, nun auch offiziell Frau und das Leben lief nie so gut, wie jetzt. Dazu ein neuer Job, wo mehrere Leute zwar den Mann seit 20 Jahren kennen, aber in der neu gegründeten Firma bin ich Claudia.

Wie sagte jemand:" man ist nie zu alt dafür."

LG
Claudia