Wally hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 18:49es ist aber schon ein beruhigendes Gefühl, jetzt den Ausweis als Frau zu haben, der mich immerhin auch juristisch
berechtigt, die Damentoilette zu benützen. Eine TERF kann mich dann natürlich immer noch spontan angiften, mir aber wenigstens keinen weiter reichenden Ärger verursachen. Und in manchen öffentlichen Toiletten sitzt ja auch irgend so ein Zerberus am Eingang, der kassiert und Männlein/Weiblein ihren Weg weist. Bei so einem habe ich mit dem weiblichen Perso im Zweifelsfall auch klar die besseren Karten.
In deinem Perso steht gar kein Geschlecht. Und glaubst du im Ernst, dass in der realen Situation vor Ort mit einer hypothetisch deinetwegen aufgebrachten Person dein Perso irgendeinen Unterschied macht? Du kannst vielleicht später irgendwas einklagen, aber bis dahin ist das erst mal eskaliert, wurde mit Rauswurf und Hausrecht gedroht, vielleicht die Polizei geholt und wenn du Glück hast, darfst du dann dort pinkeln gehen, während die Polizei vor der Tür steht. Bestimmt ein toller Gewinn.
Wally hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 18:49Bei Flugreisen (und mittlerweile auch bei vielerlei anderen Gelegenheiten) gibt's oft geschlechtlich getrennte Sicherheitskontrollen; auch da entscheidet im Zweifelsfall der Ausweis darüber, wo ich mich einzuordnen habe (und fallweise dann sogar darüber, wie z.B. das Röntgenecho meines BHs interpretiert wird...).
Auch da wirst du einiges zu erklären haben. Zum Beispiel weil die Terahertz Körperscanner genau zwei Einstellungen kennen, wo sie was an Körpermasse erwarten. Da wirst du also immer auffallen und mit männlichen Genitalien und Implantaten aber sowas von. Es gab nämlich schon Schmuggelversuche in Brustimplantaten. Ey, viel Spass dabei.
Funktionieren dürfte es bei staatlicher Gendersegregation, also streng genommen eigentlich nur bei Poilzeikontrollen und im Knast. Unter Umständen würde da aber auch, wie in einigen Kliniken etc ein extra Aufwand getrieben, dass du nicht mit anderen Frauen zusammentriffst bzw -liegst.
Wally hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 18:49Auch im privateren Rahmen (Gruppenfreizeiten und -Reisen, Seminare, Sportveranstaltungen etc.) gibt's immer wieder das Problem, dass einem z.B. für Männer und Frauen getrennte Schlafräume zugewiesen werden.
Auch da hab ich den Eindruck, dass du einem Zettel eine Macht über die Akzeptanz bei anderen Menschen zuschreibst, die er einfach nicht hat. Entweder die Leute akzeptieren dich auch ohne Zettel, dann ist auch der Schlafplatz kein Problem, oder es gibt Vorbehalte, dann wird das insgesamt keine angenehme Veranstaltung.
Wally hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 18:49
Jaddy hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 11:26
2. Die amtliche Registeränderung im Standesamt ist im realen Alltag völlig irrelevant.
Rhetorische Gegenfrage: Warum ist es denn dann so wichtig, dass man sie ohne Gutachten kriegt - wenn's doch so "völlig irrelevant" ist, ob man sie überhaupt kriegt?
Relevant ist sie für amtliche Vorgänge und dort wo der amtliche Name benutzt werden muss. Finanzen, Verträge, Banken, Krankenkassen, Rentenversicherung, Polizei, Knast. Bonus: Die Anrede dort, wo wegen irgendwelcher Vorschriften der Registereintrag massgeblich ist.
Der Punkt ist: Alles zwischenmenschliche ist letztlich reine Kulanz.
Wally hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 18:49
Jaddy hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 11:26
Aber da fehlen noch zwei Erkennnis-Schritte: Erstens legalisiert der Zettel nichts, keinen Zugang, keinen Anspruch. Hausrecht gilt. Es hat sich auch noch nie ein Gewalttäter von einem fehlenden amtlichen Zettel abhalten lassen, egal ob mit oder ohne Kleid.
Der "Zettel"
legalisiert sehr wohl - und bei einer Vielzahl konkreter Gelegenheiten im Alltag! - den Zugang zu frauenspezifischen Räumen. Das Problem ist nur, dass einem die bloße Legalität eines Zugangs als Frau (worum sonst sollte es denn bei der amtlichen Bestätigung des Geschlechts überhaupt gehen?) manchmal nur wenig nützt
Satz eins ist falsch. Du hast kein Recht auf irgendeinen Raum, wo irgendwer anders Hausrecht hat. Wenn diese Person oder ihre Beauftragten nicht wollen, kommst du nicht rein oder fliegst umgehend raus. Einfach so. Und wenn du Stunk machst, kriegst du Hausverbot.
Satz zwei: Du hast es erkannt, aber nur teilweise. Die amtliche Bestätigung ist nur eine Bestätigung für Ämter. Sonst nix. D.h. du darfst in dem Zuge auch deinen Namen ändern. Das ist eine optionale Amtshandlung. Aber privatrechtlich hast du damit keine anderen Rechte als vorher, sondern bist darauf angewiesen, dass andere dich nach Augenschein akzeptieren.
Wally hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 18:49
Jaddy hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 11:26
Zweitens ist auch die "Prüfung", die TSG Gutachten, völliger Kappes. Weil sie eben nichts beweisen kann. Schon gar nicht, ob ein Mensch für andere ungefährlich ist.
Klar können Gutachter das
emotionaleGeschlecht einer Person - um das es hier letztlich geht - beim heutigen Wissenstand nicht endgültig und zweifelsfrei beweisen. Sie können (und müssen!) es aber z. B. psychiatrisch von Geisteskrankheiten unterscheiden, die ja auch "transsexuelle" Symptome zeitigen können.
Das ist nicht Ziel der Gutachten und das können sie in den Sitzungen auch gar nicht leisten. Die Gutachten drehen sich ausschliesslich um die Frage "mehr als drei Jahre" und "voraussichtlich nicht mehr ändern". Weder das eine nich das andere ist irgendwie durch solch eine Befragung zu klären.
Der wichtige Satz ist: Sie können es nicht beweisen. Und schlimmer noch: Sie wissen es und sagen es dir auch, dass sie letztlich nur die Aussage glauben können oder nicht. Bauchgefühl und "hm, kann ich mir als Mann/Frau vorstellen". Vollkommen unzureichend für eine amtliche Objektivität. Jedes Baugutachten lacht sich da kaputt.
Wally hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 18:49
Für die transsexuelle Chirurgie braucht man die psychiatrisch/psychologischen Gutachten sowieso auch weiterhin, schon aus forensischen Gründen: ein Chirurg darf solche Operationen keinesfalls ohne bestmöglich gesicherte Diagnose durchführen, die er aber als Spezialist fürs Skalpell weder zeitlich noch fachlich leisten kann;
Nope. Solange alles fach- und sachgerecht vonstatten geht, dürfen die alles mögliche machen. Wollen viele nicht, insbesondere in Kliniken angestellte; dürfen sie aber. In den Indikationen für medizinische Behandlungen - die ja mal was ganz anderes sind als die TSG Gutachten - steht nur drin, dass die Person höchstwahrscheinlich keine Komorbiditäten aufweist, die die Entscheidung beeinflussen.
Da ich meine Genital-OP selbst bezahlt habe, schon weil ich mir einen jahrelangen Rechtstreit mit der Kasse ersparen wollte, steht genau das drin und nicht mehr: Jupp, scheint bei klarem Verstand und hat die Konsequenzen vermutlich verstanden. Letztlich dienen diese Indikationen nämlich nur der Absicherung der Chirurgys bzw Endos. D.h. wenn irgendwer post-OP irgendwen wegen "warum hast du mich nicht davon abgehalten" verklagen will, dann Therapeuty wegen der Indikation.
Mein Endo behandelt mich übrigens seit 2018 ohne Indikation auf Karte. Seine Verantwortung.
Das heisst aber erstens noch lange nicht, dass diese Indikationen und die Sitzungen dafür irgendwie objektiv oder zweifelsfrei wären. Sind sie nämlich nicht. Bie mir war eh noch mal special, aber im Regelfall kommen die Indikationen von Begleittherapeuty. Siehe Zwangstherapie gemäss BGA des MDK. Und da werden die üblichen Fragebögen zu den gängigsten psychischen Problemen abgefragt. Deren Vorhandensein ist aber auch kein Ausschlussgrund, denn die können mühelos ohne Zusammenhang mit einer F64.0 existieren, oder sogar dadurch ausgelöst worden sein wie zB dysphoriebedingte Depressionen, Angststörungen, usw. Alles kein Ausschlussgrund und es ist bekannt, dass die Fragebögen weder objektiv noch verlässlich sind.
Ausschlaggebend ist letztlich - siehe oben - das Bauchgefühl des Therapeuty - und dass x nachweisen kann, nach aktuellem Stand der Leitlinien gehandelt zu haben. Motto: Bei Fehler kann mir nichts vorgeworfen werden, weil ich nach Liste gearbeitet hab. Das ist alles sowas von unscharf, dass jeder technisch-naturwissenschaftlichen Person der Rechenschieber explodiert.
Aber es geht ja auch gar nicht um medizinische Behandlungen und nicht alle trans Personen wollen sie.
Für den Registereintrag jedenfalls ist solch ein Gender-TÜV absolut überflüssig, weil damit weder besondere Rechte verbunden sind, noch irgendetwas irreversibles passiert.
Wally hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 18:49
Im Übrigen finde ich es sehr daneben, dass Du die Gutachter hier immer wieder so abfällig als bloßes, willkürliches Hindernis auf dem transsexuellen Weg darstellst: sie sind in vielen Fällen wichtig für eine solide fundierte Entscheidungsfindung der Transsexuellen selber
Da verwechselst du die Anfangs- oder Begleittherapie mit den gerichtlichen Gutachten. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Sowohl vom Ziel, wie auch dem Ablauf und auch personell. Meines Wissens wird kein Begleittherapeuty ein TSG Gutachten für eigene Patientys schreiben.
Ich habe absolut nichts gegen Therapieangebote. Auch Begleittherapie bei Transition würde ich immer empfehlen. Schon um mit den Reaktionen der Umwelt klarzukommen.
Aber für die Registeränderung sind diese Gutachten völlig witzlos. Erstens basieren sie nicht auf der Begleittherapie oder irgendwelchen Indikationen. Ich kann TSG machen ohne alles andere. Auch ohne Therapie davor oder danach. Zweitens bringen sie keine echten Erkenntnisse über die antragstellende Person über die Fähigkeit hinaus, ein bisschen Biografie und Gender-Stereotype nach dem Maßstab des Gutachtenden vorzutanzen. Sie sind teuer und nutzlos.
Wally hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 18:49
Jaddy hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 11:26
Die Idee eines "objektiv beweisbaren Geschlechts" (im Sinne von sozialem Geschlecht, also Gender) ist schlicht und einfach Unfug.
Spätestens da wird's ideologisch: wer schon die bloße
Idee der Beweisbarkeit eines nicht ausschließlich körperlichen Geschlechts für "Unfug" hält, der negiert damit in letzter Konsequenz die Existenz eines solchen, nicht unmittelbar körperlichen Geschlechts.
Das ist keineswegs ideologisch, sondern Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis: Es gibt keine objektiven Tests dafür, wie sich ein Mensch zu den für ihn aktuell angebotenen Rollen zugehörig fühlt oder nicht. Kein fMRT, kein Bluttest, keine irgendwie verlässlichen psychologischen Tests.
Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn letztlich bestehen die Genderrollen aus relativ willkürlichen, zeitlich und kulturell veränderlichen Set von Stereotypen. Kleidung und Verhaltensweisen werden je nach Zeitalter, Lebensraum und sozialen Schichten mal so oder so Männchen und Weibchen unserer Gattung zugeschrieben. 1000 oder 5000km weiter kann das schon ganz anders aussehen. Oder 5, bei anderem sozialen Kontext.
Da ist nichts objektives dran. Getestet werden kann maximal die Kompatibilität mit den Stereotypen-Katalogen zu genau dem Zeitpunkt. Und das läuft letztlich auf die Selbsterklärung hinaus, dass Mensch sich eher dieser als jener Gruppe zugehörig fühlt - oder keiner von beiden oder beiden oder irgendetwas anderem.
Wally hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 18:49
Ich frage mich dann allerdings schon, warum Du Dich überhaupt mit dieser Frage beschäftigst, warum Du Dich selber auf den transsexuellen Weg begeben hast und warum Du die Politik eines transsexeuellen Bundestagsabgeordnten für so wichtig hältst und sie so vehement unterstützt. Denn wenn es ein psychisches, seelisches (oder wie auch immer) Geschlecht als unabänderliches, wesentliches, persönliches Merkmal gar nicht gibt, dann kann es das loogischerweise erst recht nicht abweichend vom körperlichen Geschlecht geben. Transsexualität und Crossdressing würden sich damit auf bloße, inhaltsleere Kleidungsfragen reduzieren - und das rechtfertigt doch in keiner Weise den ganzen Zores, den wir alle hier und anderswo um diese Thematik machen. Oder?
Ich für mich finde diese binären Gendersets völlig überflüssig, in der Tat. Und ich finde den Aufwand, die Konflikte, das Seelenleid und die Diskussionen, die darüber gestartet werden tatsächlich völlig übertrieben.
Es wäre viel einfacher und schöner, wenn Menschen ohne Angst vor Ausgrenzung und Sanktionen aus einem vielfältigen Strauss von Lebensweisen die finden und leben könnten, mit der sie am besten gedeihen. Oder sich eine eigene bauen, ohne von anderen wegen irgendwelcher körperlicher Merkmale dafür kritisiert zu werden. Vielleicht würde es dieses Forum trotzdem geben und es würde nur aus Tipps und Austausch für Klamotten und Hobbies bestehen. Wäre doch toll.
Aber ich muss in dieser binär gegenderten Welt existieren, die immer noch einem beklagenswerten simplifizierten biologistischen Modell folgt, das eigentlich lämgst widerlegt ist. D.h. überall da, wo es anderen Menschen wichtig ist, muss ich einen Umgang finden, der mich nicht mittel- und langfristig beschädigt. Dass das nicht die Anpassung auf eine Rolle ist, weder auf die mir bei Geburt zugeschriebene, noch auf "die andere", hab ich 50 Jahre lang ausprobiert und festgestellt. Inzwischen gibt es aber immerhin minimale Möglichkeiten und die nutze ich dann eben auch. Amtliche Freiheiten und medizinische auch. Genau wie du.
Es ist deshalb völlig unerheblich, woher Geschlechtsempfinden kommt. Klar ist nur, dass die meisten Menschen eines entwickeln. Wie viel davon durch Umwelt geprägt und wie viel biologisch ist völlig offen. Vielleicht startet die Biologie nur einen Suchmechanismus nach Zugehörigkeit und gibt ihm eine Vorzugsrichtung. Keine Ahnung. Viel mehr kann es nicht sein, es sei denn es werden irgendwann Fussballgene gefunden oder vor 150 Jahren gab es eine Mutation, nach der nicht mehr Rot, sondern Blau die Vorzugsfarbe für Männchen wurde.
Es ist sogar offen, ob dieses Zugehörigkeitsgefühl lebenslang konstant ist. Auch das ist für die Fragestellung unerheblich.
Das eigentlich Problem ist, dass manche Menschen an der mangelnden Auswahl (binär) und der Zuschreibung durch andere leiden. Für keinen wirklich wichtigen Zweck. Wir könnten mühelos genauso gut leben, wenn alle Menschen sich jederzeit nach Belieben neu im Genderverse orientieren dürften. Sogar wenn sie sich nach *informed consent* körperlich verändern könnten. Einfach so. Ohne Gewissensprüfung. Da hängt kein System von ab. Alles gesamtgesellschaftliche Marginalien - aber für die einzelne Person u.U. von entscheidender Bedeutung.
Und deshalb habe ich getan, was ich getan habe, du was du getan hast und deshalb unterstütze ich andere darin, sich so frei und ungehindert zu entwickeln, wie irgend möglich. Und deshalb versuche ich so gut wie möglich auf die freiheitliche Welt hinzuarbeiten, die ich oben beschrieben habe. Da können sich dann gerne ganz viele Menschen "Frauen" zugehörig fühlen oder "Männern" oder was auch immer und ihr Genderspiel spielen, so wie andere ihr Religionsspiel spielen. Und ich mach meine und wir alle respektieren und mit all unseren Marotten und Spielen und lassen uns gegenseitig in Ruhe leben.
Den "Zores" verantworten nicht "wir" - egal ob du dich mit gemeint fühlst oder nicht - sondern diejenigen, die gegen alle Logik und Erkenntnis auf feste Zuordnungen, zwei Schubladen für alle beharren und die Tests ohne Sinn und Nutzen wollen für jene, die nicht in ihr enges Schema passen.