Sabrina Verena hat geschrieben: So 27. Feb 2022, 13:49
Hallo Jaddy!
Das mit dem Trollen und dem Rassist tut hier wirklich nicht nötig.
Ich sehe echt nicht, wie sich eine Non- binäre Person durch Wörter wie Mama, Vater oder Gott beleidigt und herabgestzt sehen kann.
Es schmerzt, wenn Mensch im Körper eines Mannes geboren wird, aber wie eine Frau empfindet und auch gern schwanger werden möchte.
Aber Begriffe wie Mutter und Vater deshalb ersetzen zu wollen? Mal ehrlich, was soll das bringen?
Diese Diskussion ist wirklich nicht zielführend, und sieht ändert auch nicht die Einstellung Derer, die gewollt verletzen wollen.
Jede Person kann sich zurecht dann verletzt fühlen, wenn sie mit für sie unzutreffenden Begriffen benannt wird. Also real zB
"¢ Trans Personen, die auch nach der Transition mit alten Elternbegriffen bezeichnet werden
und das nicht möchten
"¢ Nicht-Binäre Personen, die mit binär-geschlechtlichen Wörtern bezeichnet werden
und das nicht möchten
Das betrifft immer nur diese konkrete Person, wobei bei nicht-cis oder nicht-binären Personen generell rechtzeitig nachgefragt werden sollte, wie denn die gewünschte Bezeichnung lautet.
D.h. ganz generell kann und darf von Müttern, Vätern und Göttern geredet werden, solange es eben nicht exklusiv gedacht, gemeint und gesagt wird.
Ersetzt werden soll, so die Leitlinie ("guidance") der fraglichen vier Grundschulen in Brighton, die allgemeine Sprache des Lehrpersonals:
Teachers have been encouraged to replace the words "˜mum and dad"™ with "˜grown-ups"™ to avoid discriminating against "˜non-traditional families"™.
Headteachers at four schools in Brighton have issued the guidance, including Elm Grove and Carlton Hill Primary Schools.
Their equalities policies say: "˜We try to talk about our "grown-ups" rather than our "mums and dads" to acknowledge the different family groupings our pupils live in."™
Meanwhile St Luke"™s Primary said its policy had been introduced so "˜children who live with one parent, two mums, two dads, foster parents or extended family don"™t feel their own family make-up is not included."™
And Saltdean Primary School explained: "˜This allows children to see different family dynamics than their own"™ and "˜recognise that it is relationships that make a family."™
(
Quelle)
Und hier ist das Original, auf das sie sich beziehen. Die Seite mit der Diversity Policy der St Luke's Primary School, Brighton:
https://www.stlukes.brighton-hove.sch.u ... diversity/
Praktisch heisst das, dass ein"¢e Lehrer"¢in statt "dann sagt ihr eurer Mutter..." besser "dann sagt ihr euren Eltern" benutzt. Das fängt auch den Unfug ab, dass zB bei Familien, in denen ein Vater bzw männliches Elter hauptsächlich die Kinder betreut, konsequent die Mütter / weibliche Eltern angerufen werden, wenn was ist. Und sie wollen fördern, dass auch Kinder nicht bei anderen automatisch eine vollständige bin-cis-het-mono Famile annehmen.
Um mehr geht es nicht. Wie die Kinder selbst ihre eigenen Eltern bezeichnen und welche Bezeichnungen die Eltern für sich verwenden, ist davon völlig unbenommen.
Aber in dem Artikel von "Laura Wolfert", der gleichlautend in Dutzende Regionalblätter kopiert wurde, wird schon in der Überschrift etwas völlig anderes suggeriert. Ob das nun versehentlich passiert ist, weil solche Artikel wegen mieser Bezahlung meist schnell zusammengeschustert werden, oder ob gewolltes click-bait durch Kurzschluss-Empörung weiss ich nicht. Auf jeden Fall zeugen sämtliche Kommentare a'la "Gendergaga" von unzureichender Medienkompetenz. Wer hier nämlich tatsächlich Unfug schreibt ist Laura Wolfert in der Überschrift.
So, zweiter Artikel, Australien, betreffend Bezeichnungen im akademischen Bereich. Spätestens dort darf präzise Sprache schon erwartet werden, denke ich. Also auch, dass nicht alle Personen, die Babys mit menschlicher Milch stillen, automatisch Mütter sind. Weder im Sinne der Person, die das Baby geboren hat, noch gemäss des Personenstandseintrags oder der sozialen Rolle.
Warum ist das wichtig? Damit die alten Unschärfen auffallen, mit denen alle zu kämpfen haben, die nicht ins Standardschema passen. Gerade im akademischen Bereich ist es wichtig, genau und differenziert zu gucken. Siehe etliche Unzulänglichkeiten in der Medizin, wo immer noch zu häufig nach dem Schema "Mensch = Mann" alles über einen Kamm geschoren wird.
Fazit: Wieder mal ein Sturm im Wasserglas. Keine Bedrohung für irgendwen. Keine Sprachverbote, keine Abschaffung, nur mehr oder weniger gewollter oder wenigstens nicht achtsam moderierter Aufruhr in ein paar Blättern, um Klicks und Kohle zu generieren. Und deshalb natürlich die üblichen Kniesehnenreflexe derjenigen, die sich von allem attackiert fühlen, was nicht ins 1960er Jahre Weltbild von Mutter-Vater-Kind passt.
Bitte fallt nicht auf diesen Unfug rein. Guckt mal genau nach, woher ein Artikel kommt, worauf er beruht, ob er den Vorgang richtig wiedergibt, sachlich, richtig, angemessen ausgewogen und wo ggf Stellung bezogen wird, warum und gegen wen. Und wenn das nicht klar ist: Entweder diese Fragen stellen, ruhig auch öffentlich, oder die Tasten einfach mal still halten. Kein Mensch muss zu allem eine Meinung haben oder gar äussern. Weil sich auch kein Mensch mit allem ausreichend auskennen kann.
Medienkompetenz ist inzwischen Notwendigkeit, sonst fahren wir unser Zusammenleben mit der BILD vor der Brille gegen die Wand.