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Re: Fußball Szene und Crossdressing minimal und die Reaktionen

Verfasst: Mi 29. Dez 2021, 12:14
von manchmal_melissa
Hallo ihr Lieben,

ich kann euren Unmut gegenüber dem Fußball gut verstehen, aber wie bei uns ist auch da nicht alles schwarz-weiß. Wo soll ich anfangen?
Zunächst mal lässt sich die englische Fankultur nicht mit der deutschen vergleichen. Vielleicht ist es naiv, aber ich kann mir derartige rassistische Ausfälle gegen Nationalspieler in der Breite bei uns nicht vorstellen.
Wenn wir nach Deutschland schauen, hat sich die Fanlandschaft in den letzten 20 Jahren durch die Ultra-Bewegung stark gewandelt. Auch da gibt es schwarze Schafe, aber die meisten Ultras (eigentlich alle, die sich ernsthaft mit den italienischen Ursprüngen der Subkultur beschäftigen) sind links-liberal eingestellt, setzen sich für Geflüchtete ein, sprechen gesellschaftliche Missstände an, sind ausdrücklich queerfreundlich etc"¦ Ich gehöre keiner dieser Gruppierungen an, bin mir aber sicher, dass ein Spieler, der wie auch immer von der cis-herero Norm abweicht, von vielen Fans massive Unterstützung erfahren würde. Ich will nicht alles schönreden, eine gesunde Rivalität und daraus entstehende Pöbeleien gehören einfach dazu, aber leider wird auch hier noch zu oft die Grenze zur Gewalt überschritten. Trotzdem ist das Problem der gewaltsuchenden, oft rechtsradikalen Hooligans aus den meisten Stadien mittlerweile verschwunden.
Auf dem Rest der Tribüne sieht es natürlich anders aus. Da sitzt eher ein Querschnitt der Gesellschaft, und die ist nun mal eher nicht so tolerant. Trotzdem waren die Vorkommnisse in Duisburg ein Schritt in die richtige Richtung und es wurde deutlich, wie Vereine und aktive Fans mit rassistischen Personen umgehen sollten.
Was ich sagen will ist eigentlich nur: Das Bild des dummen, testosterongesteuerten Fußballfans ist nicht mehr ganz zeitgemäß. Ich freue mich auf den ersten aktiven, geouteten Profi und hoffe, dass er viel Untertützung erhalten wird.

Liebe Grüße,
Melissa

Re: Fußball Szene und Crossdressing minimal und die Reaktionen

Verfasst: Do 30. Dez 2021, 13:09
von Eva
Die Situation in der Fanszene hat sich sicherlich deutlich verbessert, wie in so ziemlich allen Bereichen der Gesellschaft. Man ist nicht am Ziel, aber besser als 1980 ist es bestimmt. Trotzdem muss noch eine Menge passieren, ehe ich mich als Fußball-Fan bezeichnen könnte, ohne mich innerlich zu schämen oder das Bedürfnis zu haben, das gleich zu relativieren.
Ich glaube aber, dass diese Linderung nicht dadurch einkehrt, dass all die Brüllaffen eine Erleuchtung hatten, sondern dadurch, dass alles für eine breite Masse zugänglicher wird. Wenn sich früher von 15.000 Stadionbesuchern 1.000 Idioten zusammengerottet haben, um durch die Straßen zu randalieren, wirkt das viel. Wenn heute 1.000 von 75.000 Leuten losziehen, wirkt das im Verhältnis super - aber genau die 1.000 Problem-Fans sind noch immer da und haben jedes Wochenende einen Anlass, sich zusammenzurotten.

Aber, um zum Ursprungsthema zurückzukehren, finde ich auch faszinierend, dass der Sport noch viel altertümlicher behandelt wird. Wäre das ein exzentrischer Musiker oder Schauspieler oder Influencer, würde sich kaum jemand wundern, wenn er ein Kleid trägt. Aber im Sport werden noch die Mistgabeln rausgeholt.