Lina hat geschrieben:
es wäre aber schön wenn Leute nicht nur wie Roboter nachlabern würden, sondern erstens nachdenken, ob alles wirklich der Grundidée entspricht, und zweistens sich eigene Gedanken darüber machen würden, wer das ganze zusammengeschrieben hat und aus welchen, manchmal politischen, Motiven. Und auch wenn man daran glaubt, dass die Autoren wirklich eine Art göttliche Eingebung hatten, die nur die haben konnten, und dann geschrieben - was stand dann noch in den massen von Texten, die man im 4. Jahrhundert während der Gründung der Kirche, von denen die heutigen Kirchen "abstammen", unter den Tisch fallen ließ? Gab es etwa eine art göttlich authorisierte Redakteure, die das Recht hatten die meisten von den Texten zu streichen, die vor ihnen aus genauso göttlicher Eingebung geschrieben wurden?
Völlig richtig, und gegen das Nachplappern habe ich weiter oben schon geschrieben.
Lina hat geschrieben: Ich meine, hier sollte doch jeder wahrhaft nächstenliebender Christ hellhörig werden. Es ist doch ein dokumentiertes Faktum, dass die Kirchen, wie wir heute kennen, ihren Ursprung aus der Zeit haben, wo der Kaiser Alexander in Jahr 325 entschied zum Christentum rüber zu gehen. Und warum tat er das?
Wer es nicht weiß, hier ist es: Er hatte einen Traum in dem seine Soldaten alle das Christ-Symbol (nein nicht das Kreuz - das Andere) auf den Schildern hatten und überall, wo die vordrungen, siegten sie. Daraufhin haben die Gremien ("Redaktions-Teams") die unter seiner Kontrolle standen entschieden, was die Nachzeit als Evangelien und als Bibel zu betrachten hatten.
Da kann doch wohl niemand im Ernst sein Leben bestimmen lassen von Schriften, die ausgewählt und umeditiert wurden, von Leuten die "Christen" wurden mit dem Zweck, Kriege zu geweinnen, oder?
Die Darstellung ist zwar etwas verkürzt, aber im Prinzip hast Du recht. Schon unter den Aposteln wurde die Lehre Jesu missverstanden. Schon bald ging man dazu über, Jesus zu verehren und anzubeten, was er nie gewollt hat, statt ihm nachzufolgen, also nach seinem Beispiel zu leben. Schon vor Konstantin gab es Kirchen, also Machtapparate, die eifersüchtig über ihre jeweilige Deutung der Lehre wachten und sich befehdeten. Die Alte Kirche war vielfältiger als man heute oft weiß, da gab es auch andere Frauenbilder (Prophetinnen kamen vor), da gab es den Glauben an Wiedergeburt, und Jesus galt auch nicht unbedingt als Gott. Nachdem das Christentum sich trotz der Verfolgungen immer weiter ausbreitete, erkannte Konstantin seinen Wert als Machtmittel, um das Reich zu stabilisieren. Das mit der Kreuzesvision ist eine hübsche Legende, aber das war sicher für einen Politiker nicht das ausschlaggebende Motiv, das Christentum zuzulassen (wohlgemerkt nur zuzulassen, er selber wurde erst auf dem Totenbett Christ, was meist damit erklärt wird, dass er als Politiker nicht christlich im Sinne Jesu leben konnte und wollte, Politiker "müssen" nun einmal, wenn sie Macht behalten wollen, gegen die meisten Gebote verstoßen, und die Möglichkeit, sich nach dem Sündenfall durch Beichte wieder reinzuwaschen, war noch nicht erfunden). Ich glaube nicht, dass das "Redaktions-Team", Du meinst ja wohl das 1. Ökumenische Konzil, seiner Kontrolle unterstand; er hatte zum Konzil eingeladen und übte den Vorsitz aus (der Kaiser galt als Stellvertreter Christi, einen Papst, wie wir ihn heute kennen, gab es noch nicht), und seine einzige Vorgabe war wohl, dass die Herren Bischöfe sich bitte einigen mögen, was denn nun Glaube sein solle, schließlich sollte das Christentum das Römerreich einen, und Meinungsvielfalt konnte er nicht brauchen. Durchgesetzt hat sich vor allem ein mir ziemlich unsympathischer Fanatiker namens Athanasios, der an seinen theologisch anders denkenden Kollegen kein gutes Haar ließ und ziemlich allgemein unbeliebt war, der aber heute als Athanasios der Große bezeichnet wird. Er ist es, der Jesus zu Gott erklärt hat.
Und was das Crossdressen anbetrifft, auch wenn Jesus mit dieser Frage nicht konfrontiert wurde, auf dem Hintergrund seiner übrigen Aussagen, die wahrscheinlich überwiegend authentisch sind (anders als die märchenhaften Motive, die die Evangelisten drumherum gestrickt haben), hätte er darin kein Problem gesehen.
LG Nicoletta