Von meiner SHG, meiner Selbsthilfegruppe in Hamburg hatte ich bereits kurz geschrieben. Dorthin ging ich die ersten Male
noch als Mann gekleidet, mit ziemlich gemischten Gefühlen.
Es war beim ersten Mal, im Frühjahr 2000, eine merkwürdige Atmosphäre seinerzeit. Da saßen fünf Männer im Stuhlkreis,
schauten versonnen auf ihre Schuhspitzen und murmelten leise, sie würden gelegentlich Frauenkleidung anziehen. Erst nach
einigen Treffen erschient dort eine, wie wir anfangs annahmen ältere, gut gekleidete Dame. Doch es war in Wirklichkeit ein
ransvestit, ein Crossdresser.
Das wurde aber erst klar als diese "Dame" zu sprechen begann. Die tiefe Stimme passte nicht so ganz zu der zierlichen Statur,
der sehr gepflegten und femininen Erscheinung. Im cremefarbenem, gutsitzenden Kostüm, mit perfektem Makeup, einer
kunstvollen Frisur mit kleinem Hut, schlanken bestrumpften Beinen und hochhackigen, zum Kostüm passenden hellen Pumps
eine echte Dame! Uns allen ist da schlagartig klar geworden, wie ein Crossdresser auch aussehen kann.
Leider ist sie niemals wieder bei uns aufgetaucht. Aber für mich war das so etwas wie die Initialzündung! So gekleidet wollte
ch auch unterwegs sein, auch wenn da allein körperlich Welten dazwischen lagen. Doch die Richtung stand fest und ich habe
mich in den folgenden Wochen und Monaten daran gemacht meine Garderobe in dieser Richtung zu vervollständigen.
Irgendwann, ein paar Monate später, bin ich dann, komplett aufgerüscht, mit erstmals wirklich gutem Makeup, meiner neuen
Perücke, in Rock, Bluse, Pumps und Damenjacke total aufgeregt zur Gruppe gefahren. Leider hatte ich den falschen Tag
erwischt.
Die Hamburger Gruppe trifft sich immer am 4. Samstag im Monat. Und nachdem ich eine gute Viertelstunde draußen vor
der Tür gewartet hatte, dämmerte mir ganz langsam, dass an diesem Tage der letzte Samstag war. Und ein schneller Blick
auf den Kalender bestätigte, dass es der 5. Samstag war. Solche Monate sind selten, kommen aber vor.
Was nun tun? Unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren? Oder irgendwo noch die Zeit nutzen und zumindest ein wenig
spazieren gehen? Ich entschied mich für den Botanischen Garten, dem späteren Loki Schmidt Garten in Flottbek. Dort ist es
nicht so voll. Man trifft zwar Leute, aber nicht so dicht und beinahe schon hautnah wie in der Innenstadt. Einzig der Weg
vom Parkplatz hin zum Eingang erwies sich fast schon als Spießrutenlauf, so viele Leute kamen mir entgegen. Im Park dann,
genoss ich es, knapp zwei Stunden als Frau gekleidet unbehelligt unterwegs zu sein.
Einen großen Schritt in meiner Entwicklung gab es dann, als meine Frau vorschlug Juliane in den Urlaub, nach Dänemark
mitzunehmen.
Eine Auswahl an Outfits, Schuhe und Wäsche füllte schnell einen eigenen Koffer. Dazu dann meine Perücke, ein wenig Schmuck
und Accessoires. Und ich habe mich dann am zweiten Nachmittag fertig gemacht und bin in der Dämmerung, als Frau gekleidet
auch zur Telefonzelle gegangen. Zwei Abende später waren wir an der Steilküste am Leuchtturm um den Sonnenuntergang zu
fotografieren. Dort entstand dann das folgende Foto.
Julie am Auto Trans DK.jpg
Mutiger und sicherer geworden, haben wir in der zweiten Woche sogar eine Kunstausstellung besucht. Dort sind wir zwei Ladys
unter den zahlreichen teilweise ziemlich aufgetakelten Damen wenig aufgefallen. Aber auch eine Töpferei, Kunstgewerbeläden
und ein kleines Cafe haben wir besucht.
Die Erkenntnis? Auch als Dame kann man(n) fast überall hingehen und das habe ich dann auch immer öfter auch hier in Hamburg
ausprobiert und gemacht.
Liebe Grüße, Juliane