Für die einen ist der Bartschatten nur ein Detail, für die anderen ist es weitaus mehr. Ich habe mir schon einige Mal anhören müssen dass ich nicht richtig trans sei, denn ich weiss nicht ob ich unbedingt eine Geschlechtsangleichende OP benötige. Denn das was in meiner Hose ist, sehe ich nur relativ selten, mein Gesicht sehe ich jedoch auf jedem Foto, in jeder Spiegelung und damit wesentlich öfter als das was in meiner Hose ist. Ebenso sehe ich meine durchaus maskulinen Gesichtszüge, meinen maskulinen Körperbau, mein nicht sehr weibliches Bewegungsmuster, meine Stimme, meine schreckliche Körperbehaarung

. DAS sind Sachen die bei mir Leidensdruck erzeugen und zwar wesentlich mehr als das womit ich pinkeln gehe...
Wenn mir jemand die Wahl geben würde welche OP ich nehmen möchte eine FFS oder GAOP würde ich ohne großes Zögern die FFS nehmen, denn mein Gesicht ist das was die Menschen um mich herum als eines der ersten Merkmale wahrnehmen. Ich will nicht als Mann gelesen werden und begafft werden. Ich will mich nicht erklären müssen warum mein Bartschatten immer noch so kräftig aussieht.
Manche von uns mögen mit einem recht schwachem Bartwuchs auf die Welt gekommen sein, das ist bei mir jedoch nicht der Fall. Ich habe bereits 50! Stunden Nadelepilation hinter mir und nach knapp 3 Monaten Pause (REHA-bedingt) sieht man absolut gar nichts mehr von den 50 Stunden. Der Bartwuchs ist fast vollsändig da. Nur wenn man ganz genau weiss was gemacht wurde, kann ein kleiner Unterschied erkannt werden. Naja ich habe nun mal das Glück, dass ich vin Männern um meinen Bartwuchs beneidet wurde. Das Kosmetikstudio das die Nadelepilation durchführt hat den Aufwand auf mindestens 300 Stunden geschätzt...
Irgendwann ist der Bart vielleicht weg, aber der Rest der Körperbehaarung wird vermutlich bleiben. und auch da hat die Natur nicht gespart bei mir. Ich habe mich bereits damit abgefunden, dass ich vermutlich nie wieder schwimmen gehen werde oder mich in einem Bikini zeigen werde, denn es ist leichter zu beantworten wo ich keine Haare habe als zu schreiben wo ich überall Haare habe.
Der Vergleich des Bartschattens mit erektiler Dysfunktion hinkt in meinen Augen massivst und deutet ein mangelndes Verständnis an. Erektile Dysfunktion ist behandelbar medikamentös und durch eine Änderung der Lebensweise zum gesunden hin. Diese Möglichkeit habe ich nicht. Ich muss damit leben. Der dadurch erzeugte Leidensdruck ist, zumindest für mich, enorm groß.
Und ja, es kostet viel Geld, das ist mir völlig bewußt, aber das kosten andere Sachen auch. Egal ob selbstverursacht oder nicht. Es sollte bei so etwas nicht darum gehen was eine Behandlung kostet, sondern eher darum was es dem Patienten bringt.
LG
Patricia