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Re: Die Grenze zwischen CD und TS?
Verfasst: Di 6. Apr 2021, 19:13
von Tanja Stöckel
Wieso muss man sich immer in eine Schublade stecken (lassen) oder irgendwo verorten? Ich glaube, wenn Crossdressing der Identifikation mit dem geistigen ich dient, ist Crossdressing gleichzusetzen mit Transgender sein, da es ein Mittel ist, ein Gefühl zu transporteieren. Crossdressing beim Transvestiten (sei es zur Show oder weil mal eine Rolle spielt), ist für mich dann mehr ein Spiel mit Rollen und Klischees bzw. dient zur Stimulation beim GV. Also kann Crossdressing beides sein, denn es beschreibt lediglich das Tragen der Kleidung, die die Gesellschaft einer Gruppe zugewiesen hat. Aus welchem Grund du dich so kleidest, macht den großen Unterschied.
So gesehen, um auf die Eingangsfrage zurückzukommen, sind beide Bezeichnungen nicht als Unterscheidungsmerkmal zu sehen, sondern als mögliche Ergänzung. Um Trans zu sein oder zu fühlen, muss ich nicht zwangsläufig crossdressen, kann ich aber, da Trans zu sein und zu fühlen, eine reine Kopfsache ist.
Re: Die Grenze zwischen CD und TS?
Verfasst: Di 6. Apr 2021, 19:46
von Dunja
Hallo Carry,
diese Frage habe ich mir auch oft gestellt.
In der Jugend habe ich mich über die "falschen" Geschlechtsteile geärgert, ich wollte immer eine Frau sein.
Mein Körper hat mir aber vorgegeben, was ich sein sollte und diese Rolle habe ich versucht zu spielen. Alles andere war doch nicht normal. So meine Erziehung.
Irgendwann nach der Heirat und den Kindern wurde das "Unwohlbefinden" immer größer, gleichzeitig habe ich erkannt, ein Outing zerstört die Ehe und somit die Familie.
So habe ich mich weiter versteckt, um die "heile Welt" nicht zu gefährden. Bei Nachfragen meiner Frau (sie hatte eine Ahnung) bin ich deswegen immer ausgewichen.
Bei meinem Outing habe ich spontan, obwohl was anderes geplant war, nämlich eine ordentliche Aussprache, nur gesagt :
"was kann ich dafür keine Frau geworden zu sein".
Das war so spontan, und doch die ehrlichste Aussage, die ich machen konnte.
Damals habe ich ich mich als CD definiert, mehr wollte ich mir nicht zugestehen.
Die regelmäßigen "Ausflüge" in die weibliche Rolle nach der Trennung, haben mir immer gut getan und war mit großer Wehmut nach dem Ende des Ausfluges verbunden.
Die Wende kam, als ich letztes Jahr wegen psychischer Probleme mich in Behandlung begab. Die Ursache hatte ich allerdings an anderer Stelle vermutet.
Die Psychologin hat beim "wühlen" in meiner Vergangenheit die TS - Seite ausgegraben und mir geraten zu einer Trans* erfahrenen Therapeutin zu wechseln.
Letzten Herbst habe ich mich entschlossen zu mir zu stehen, im Januar die Hormon Therapie begonnen, im Job geoutet und verbringe mittlerweile den Alltag in der weiblichen Rolle.
LG Dunja
Re: Die Grenze zwischen CD und TS?
Verfasst: Mi 7. Apr 2021, 05:29
von Bea Magdalena
Hallo Carry,
Warum ist es für Dich wichtig, zu wissen, ob Du Crossdresser oder Transgender bist?
Für mich persönlich ist das überhaupt nicht wichtig. Ich bin einfach ich.
Mich in "Schubladen" einsortieren, das nehmen andere für mich / über mich vor, aus diversen Motiven, sehr häufig machen sie das sogar unbewusst.
Wichtig ist eine Klassifizierung nur, um zB. eine medizinische Behandlung zu rechtfertigen und natürlich auch, um dem Menschen zu helfen, sich selbst zu sehen und damit die für ihn notwendigen Schritte zu erkennen und nicht zuletzt, sich selbst vor Schaden zu bewahren.
Wenn schon notwendig, würde ich versuchen, die Unterscheidung zwischen Crossdresser und Transgender folgendermaßen zu definieren:
Alle, bei denen es NUR um das Tragen der Kleidung des anderen Geschlechts geht, sehe ich als Crossdresser.
Alle anderen, bei denen die Motivation tiefere Hintergründe hat, bei denen Gefühle, Wünsche, Sehnsüchte, jegliche Abstufungen von Leidensdruck, usw., usw. ursächlich sind, sehe ich irgendwo in der sehr großen Bandbreite der Transgender.
Liebe Grüße
Bea
Re: Die Grenze zwischen CD und TS?
Verfasst: Mi 7. Apr 2021, 07:54
von Helga
Bea Magdalena hat geschrieben: Mi 7. Apr 2021, 05:29
Alle, bei denen es NUR um das Tragen der Kleidung des anderen Geschlechts geht, sehe ich als Crossdresser.
Alle anderen, bei denen die Motivation tiefere Hintergründe hat, bei denen Gefühle, Wünsche, Sehnsüchte, jegliche Abstufungen von Leidensdruck, usw., usw. ursächlich sind, sehe ich irgendwo in der sehr großen Bandbreite der Transgender.
Liebe Bea,
hier möchte ich einhaken und um Klarstellung der Begrifflichkeiten bitten. Ist Transgender gleichzusetzen mit Transsexualität, wie im Eingangspost formuliert? Wenn ja, muss ich dir aufs deutlichste widersprechen, gerade jegliche Form von Leidensdruck ist keineswegs ein exklusives Kennzeichen von Transsexualität. Auch Crossdresser kennen viele Facetten von Leidensdruck aus eigener Erfahrung.
Meistens wird Transgender als Oberbegriff für alles vewandt, was irgendwie transX ist. Dann gehören die Crossdresser aber definitiv auch dazu.
Die oben stehende Definition "NUR um das Tragen der Kleidung.." ist sehr kurz gesprungen. Demnach würde es kaum Crossdresser geben. Was ist mit dem Körpergefühl, das durch Silikonbrüste entsteht, was ist mit dem sinnlichen Erleben des eigenen, weiblichen Spiegelbildes?
Soweit es tatsächliche eine definier- und diagnostizierbare Abgrenzung gibt, ist diese irgendwo im Bereich der Disphorien (starken Ablehnung) anzusiedeln, wie Lorelai es weiter vorne beschrieben hat.
Liebe Grüße
Helga
Re: Die Grenze zwischen CD und TS?
Verfasst: Mi 7. Apr 2021, 08:08
von Bea Magdalena
Liebe Helga,
Wenn Du bitte genau liest, ich hab keine Begrifflichkeiten genannt, sondern nur aus meiner Sicht beides zu beschreiben versucht. Als mögliche Antwort auf Carry's Frage im Eingangspost nach der Abgrenzung der beiden Begriffe.
Liebe Grüße zurück
Bea
Re: Die Grenze zwischen CD und TS?
Verfasst: Mi 7. Apr 2021, 09:15
von Silke61
Ich bin schon seit Wochen innerlich dabei, genau einen solchen Thread aufzumachen. Auch ich habe diese Frage nach der eigenen Verortung.
Es geht mir dabei nicht um Worte, (sprachliche) Definintionen, Korrektheit und nein, ganz und gar nicht um Schubladen, es geht mir darum zu erkennen, welchen Weg ich weiter gehen will.
Nicht, um irgendeiner Definition zu genügen, sondern um mich selbst zu finden.
Ich leide unter meinem männlichen Körper, aber weniger an den primären Geschlechtsmerkmalen (obwohl die mich auch oft stören, aber eben auch Freude machen), sondern an scheinbar sekundären Merkmalen: Fett im Bauch statt auf der Hüfte, Haarausfall auf dem Kopf und Behaarung überall sonst, meine tiefe Stimme, solche "Nebensächlichkeiten".
Wenn die beschriebene Fee tatsächlich käme: natürlich würde ich ohne zu zögern annehmen, zumindest hier. Würde ich es auch in einer Kultur, in der Frauen noch stärker unterdrückt werden?
Letztlich geht es um die Frage, welchen Preis ich bereit bin/wäre, zu zahlen.
Immer wieder stelle ich mir die Frage: bin ich wirklich eine Frau oder wäre ich nur gern eine?
Welche Schritte möchte ich wirklich gehen? Reichen Haarentfernung, Stimmtherapie, Perücke usw.? Oder doch Hormone? OP?
Laufe ich nur einem Wunsch hinterher, der sich eh nie erüllen kann, da ich nunmal als Mann geboren bin und die Fee nicht kommt?
Natürlich ist es schwer, auf solche Fragen Antworten zu geben, aber ich wäre so dankbar für Hilfen zur Selbsterkenntnis.
LG
Silke
Re: Die Grenze zwischen CD und TS?
Verfasst: Mi 7. Apr 2021, 09:37
von sbsr
Silke61 hat geschrieben: Mi 7. Apr 2021, 09:15
Es geht mir dabei nicht um Worte, (sprachliche) Definintionen, Korrektheit und nein, ganz und gar nicht um Schubladen, es geht mir darum zu erkennen, welchen Weg ich weiter gehen will.
Nicht, um irgendeiner Definition zu genügen, sondern um mich selbst zu finden.
Danke Silke, Du nimmst mir die Worte aus dem Mund bzw. von den Tasten.
Sobald es darum geht, dass jemand versucht seine Position zu finden, wird immer gleich ablehnend mit Schubladen argumentiert. Auch wenn keiner der üblichen Begriffe 100%ig passt, finde ich es doch wichtig sich selbst irgendwo im x-dimensionalen Raum einordnen zu können. Dafür muss man sich gedanklich manchmal auch von bestimmten Feldern abgrenzen.
Re: Die Grenze zwischen CD und TS?
Verfasst: Mi 7. Apr 2021, 10:16
von Carrie_C
Liebe alle,
endlich habe ich mal einen Moment Zeit, um mich mal wieder hier in die Diskussion einzuklinken, die ich selbst losgetreten habe.
Silke, du hast den Nagel gewissermaßen auf den Kopf getroffen, denn meine ursprüngliche Idee ist genau das, was du formuliert hast:
Silke61 hat geschrieben: Mi 7. Apr 2021, 09:15
Es geht mir dabei nicht um Worte, (sprachliche) Definintionen, Korrektheit und nein, ganz und gar nicht um Schubladen, es geht mir darum zu erkennen, welchen Weg ich weiter gehen will.
Nicht, um irgendeiner Definition zu genügen, sondern um mich selbst zu finden.
Ich lehne Schubladendenken selbst ab (auch wenn es bisweilen extrem schwierig ist, weil unser gesamtes Denken und Reden so sehr darauf aufbaut, die Welt um uns herum zu kategorisieren — nichts anderes tut Sprache, oder?) und ich bin in dem Sinne auch nicht auf der Suche nach "meiner" Schublade, sondern nach meiner richtigen Verortung.
Ich suche deshalb für mich nach der Grenze zwischen CD und TS um herauszufinden: Welchen Stellenwert hat die weibliche Seite, welche Funktion das Tragen der weiblichen Kleidung? Ist die weibliche Seite mein eigentliches Ich und die weibliche Kleidung damit nur eine logische Konsequenz oder ist es dieses Weibliche nur eine Facette und die weibliche Kleidung eine "Momentaufnahme" meiner persönlichen Vielfalt?
Letztlich ist es auch ein Stückweit das Henne-Ei-Problem: Möchte ich Frauenkleidung tragen, da mein eigentliches Ich eine Frau ist, oder macht mir das Tragen von Frauenkleidung einfach ein so gutes Gefühl, dass ich den Rückschluss ziehe: Ich habe wohl eine ausgeprägte weibliche Seite?
Und dann ist da noch die "Bank" — danke Helga für dieses Bild — die mehr erlaubt als ein "zwischen den Stühlen sitzen", das Nicht-Binäre. Gedanklich sehe ich mich schon irgendwie nicht binär, da ich meine bio-männliches Ich nicht komplett ablehne und zugleich eben diese starke weibliche Seite habe. Ich sehe mich auch gerade erst in eine Richtung gehen, die Grenzen zwischen beidem verschwimmen zu lassen — und hier hat mich Jeninas Post sehr abgeholt:
Jenina hat geschrieben: Di 6. Apr 2021, 16:30
Denn ich weiß jetzt, dass ich Mann und Frau sein in einem vereinen kann. Die Ausflüge in die Weibliche Welt sind begrenzt und von ganz unterschiedlicher Art. Von fast Drag bis zu androgyn. Und die männliche Seite ist nicht mehr toxisch, seit ich mir darüber keine Gedanken mehr mache die angeblichen Anforderungen an diese Rolle zu erfüllen.
Ja, es setzt mich zum Teil enorm unter Druck, die "angeblichen Anforderungen" an die männliche Rolle zu erfüllen. Das geht so weit, dass ich Gefühle unterdrücke und es mir selbst nicht gestatte, mich von meiner Frau in den Arm nehmen zu lassen, weil: Das ist Schwäche, das gehört sich nicht als Mann. Und damit geht es mir nicht gut; es führt dazu, dass ich meinen emotionalen Teil abkapsele, einschließe — das ist der Teil von mir, den ich als meine weibliche Seite empfinde. Meine Frau erwartet das gar nicht von mir, sie findet es eher schrecklich, das ich so empfinde — also von der Seite bekomme ich keinen Druck.
Ich probiere gerade aus, diesen Teil auch unabhängig von Kleidung mehr zuzulassen. Es ist befreiend. Und gleichzeitig merke ich: Das zuzulassen ist, als würde ich laut JA! zu dieser Frau in mir sagen. Ja, komm heraus, ja, zeig, ja sei da, ja, lebe!
"¦ und ich weiß, weil ich dieses Spiel schon vor Jaaaahren gespielt habe (siehe meine Wieder-Vorstellung von letzter Woche), dass bald schon der Wunsch, auch äußerlich die Frau zuzulassen, wieder stärker werden wird. Weil Innen und Außen zusammen passen wollen.
Und damit komme ich jetzt auch mal zum Ende.
Viele von euch haben mich gefragt: Warum ist dir diese Frage so wichtig?
Weil ich endlich ankommen möchte. Seit ungefähr 20 Jahren begleitet mich dieses Thema, mal mehr, mal weniger, gerade wieder ganz viel. Immer stellt man sich dieselben Fragen, dreht sich gedanklich im Kreis und wünscht sich irgendwann einfach Klarheit für sich selbst. Ich möchte wissen, wo ich stehe, und für mich gibt es die gefühlte Grenze zwischen CD und TS insofern, als die weibliche Kleidung im einen Fall Ausdruck einer persönlichen Facette ist und im anderen Fall die logische Konsequenz eines eigentlichen Ichs (so zumindest mein persönlicher Blick auf CD und TS, möge sich bitte bitte niemand davon ausgegrenzt oder angegriffen fühlen, ich bin noch nicht lang in der Szene unterwegs"¦).
Und je nachdem, wo man sich verortet, macht das doch einen gewaltigen Unterschied für die Lebensperspektive, oder?
Re: Die Grenze zwischen CD und TS?
Verfasst: Mi 7. Apr 2021, 10:27
von Lorelai74
Hi ihr,
Gender hat in der aktuellen Forschung
4 Bereiche
biologisches Geschlecht: Mann, Frau, Inter, Trans*
gefühltes Geschlecht: das kann Konkruent sein oder dysphorisch
Gezeigtes Geschlecht: was zeige ich nach außen?
Hier gibt es auch Kulturelle und familiäre Unterschiede.
sowie sexueller Orientierung:
Hetero, Homo, Pan, Asexuell... Um nur mal ein paar zu nennen
Es gibt also nicht nur 1 Grenze... sondern es sind eher Felder die sich überlagern.
Das macht dann die Verortung aber unscharf,
Denn sie findet in mehreren Dimensionen statt.
Nur mal so zum nachdenken
Vg
Lori
Re: Die Grenze zwischen CD und TS?
Verfasst: Mi 7. Apr 2021, 10:29
von Céline
Eine gute Frage....
Zuerst mal ein Kompliment an alle die geschrieben haben. Ich lese sehr viele gute Antworten, Erfahrungen und Erklärungen.
Aber gibt es die Grenze überhaupt? Ich denke nicht weil so vieles fließend übergeht.
Ich sehe es wie eine Waage in der die Anteile an Männlichen und weiblichen gegenüber steht und auch variieren können.
Mein ganzes Leben lang war alles im Grunde ein "Wechsel". Als kleines Kind wusste ich im Grunde das etwas nicht stimmt und begann schon im Kindesalter mein Versteckspiel. Später wurde daraus bis 2015 Crossdressing weil auch bei mir die Schamm und dieses schmutzige Gefühl ständig präsent waren. Also führte ich nahezu 40 Jahre lang ein Versteckspiel und Theater auf.
Und ich war eigentlich richtig gut im Mann spielen. Aber was ich tat...ich verdrängte meine wahre Identität durch zuschütten mit Arbeit und täglicher Beschäftigung bis zum umfallen.
Ich war eine sehr in sich gezogene Person die oft darauf angesprochen wurde warum ich immer so traurig oder grimmig schaue. Mir war das nie bewusst und doch merkten viele Menschen das da etwas nicht stimmte aber ich nicht. Ich war in meiner eigenen Welt aus Nachdenken und Hobbys gefangen. Und doch glücklich mit meiner Ehe und allem anderen.
Crossdressing beschränkte sich immer auf ein kleines Zeitfenster am Wochenende wenn meine Frau schlafen ging weil sie es nicht sehen wollte. Das waren die kleinen Momente in denen ich aus mir herauskam und glücklich vor dem Spiegel stand. Aber durch private Umstände geschah dann in mir etwas was immer mehr wurde. Jedes Mal wenn ich vor dem Spiegel stand wurde die Rückkehr zu "ihm" schwerer und schwerer. Ich musste immer mehr weinen und Traurigkeit und Verzweiflung nahmen in mir überhand. Das Bewusstsein das da noch mehr ist wurde immer mehr und schließlich war ein Video über eine Transfrau und das finden dieses Forums der Anfang meines Weges und....
Ein Abend an dem ich mich richtig schön gestylt habe und eine neue Perücke getragen habe und vor dem Spiegel weinend zusammen gebrochen bin weil ich mich da zum ersten Mal unglaublich glücklich und als ich gesehen habe. Da wusste ich dann was mein Weg ist obwohl das Erkennen von mir selbst als Frau noch lange gedauert hat. Die Grenze also war bei mir irgendwie da aber verschwand dann ganz langsam bis ich da angelangt bin wo ich heute bin.
Céline
Was ich noch ergänzen muss: Wie fühlt ein Mann oder Frau??? Ich weiß es ganz einfach nicht. Ich weiß nur wie ich fühle und empfinde und kann das noch nicht einmal an irgendwelchen körperlichen Eigenschaften festmachen. Selbst mein männliches Geschlechtsteil war zum Schluss nicht mehr das schlimmste weil ich selbst damit Aktzeptanz erreicht habe und damit Leben konnte weil Sexualtät keinen Stellenwert mehr für mich hatte.
Re: Die Grenze zwischen CD und TS?
Verfasst: Mi 7. Apr 2021, 10:33
von Eisfee
sbsr hat geschrieben: Di 6. Apr 2021, 13:06
Irgendwo wurde behauptet, wenn die gute Fee einen weiblichen Körper anbietet und man diesen ohne zu Zögern annehmen würde, ist man TS. In der Realität stellt sich dann die Frage, wie weit man gehen will und wie viel man auf sich nimmt, um der Wunschvorstellung möglichst nahe zu kommen.
Dieses Gedankenkonstrukt war möglicherweise von mir.
Dabei ging es darum die ewige Selbsthinterfragungsblockade zu durchbrechen durch eine zügige Herzensentscheidung mit entsprechend ausladender Tragweite für den Rest des Lebens.
Ich hatte es also noch um entsprechende Aspekte erweitert:
Eine Fee taucht auf und gibt Dir nur einen Tag Bedenkzeit!
Entscheidest Du Dich dann für einen rundum weiblichen Körper, wirst Du ihn sofort und für immer erhalten ohne jegliche Rückkehrmöglichkeit.
Entscheidest Du Dich aber dagegen, dann wird sie niemals wieder zu Dir kommen die gute Fee.
Möglicherweise ist das dann die Grenze zwischen CD und TS.
Aber möglicherweise auch nicht.
Re: Die Grenze zwischen CD und TS?
Verfasst: Mi 7. Apr 2021, 11:04
von Melanie72
Hallo liebe Silke,
Silke61 hat geschrieben: Mi 7. Apr 2021, 09:15
Immer wieder stelle ich mir die Frage: bin ich wirklich eine Frau oder wäre ich nur gern eine?
Welche Schritte möchte ich wirklich gehen? Reichen Haarentfernung, Stimmtherapie, Perücke usw.? Oder doch Hormone? OP?
Laufe ich nur einem Wunsch hinterher, der sich eh nie erüllen kann, da ich nunmal als Mann geboren bin und die Fee nicht kommt?
Ich befürchte darauf kann niemand außer Dir eine Antwort geben

Da jeder Mensch anders tickt. Klar kann Dir jeder hier über seine Erfahrungen berichten. Aber ob es das für dich der richtige Weg ist, bleibt trotzdem offen. Am besten vielleicht professionelle Hilfe suchen und dann zusammen einen Weg finden. Aber die Antwort hier im Forum zu geben, ohne das man Dich genau kennt, wird sehr schwierig, oder gar unmöglich sein.
Liebe Grüße
Melanie
Re: Die Grenze zwischen CD und TS?
Verfasst: Mi 7. Apr 2021, 11:07
von ExUserIn-2026-04-08
Carrie_C hat geschrieben: Mi 7. Apr 2021, 10:16
ich bin in dem Sinne auch nicht auf der Suche nach "meiner" Schublade, sondern nach meiner richtigen Verortung.
Hi Carrie,
das ist verständlich, mir geht es ebenso. Aber die Benutzung von Bezeichnungen hat immer mit Vereinfachungen zu tun. Ich denke, es geht eher um den Geist, der hinter den Bezeichnungen steht. Das kann man mMn differenzierter durch Beschreibungen erreichen als durch Bezeichnungen. Ich versuche es einmal so: TS ist ein Synonym für den Wunsch/das Begehren/die innere Notwendigkeit eine Frau zu sein (vom biologischen Mann aus betrachtet). CD ist "nur" der Wunsch Frauenkleider zu tragen. Die Motivation hierzu ist nicht der Geschlechtswechsel sondern etwas anderes. das kann man dann noch weiter ausführen. damit komme ich wesentlich weiter.
Aber warum kann man nicht beides sein, TS und CD ? Ich trage gerne Frauenkleider um der Kleider willen. Ich mag das Spiel damit. Ich glaube auch so manche Frau macht das nicht anders. Das Styling ist Ausdruck von Stimmungen, Spaß an der Selbstpräsentation, was sonst auch immer. Aber ich bin auch innerlich Frau, die gerne einmal mit ganz normalen Jeans und nicht "gestylt" einfach nur Frau sein will. Das ist sogar sehr häufig der Fall. Und nun ? Wenn ich versuche, mich mit einer Bezeichnung zu beschreiben, kann das nur ins Leere laufen. Ich bin eine Frau, habe eine Sexualität als Frau, bin ganz normal Frau. Das gleiche gibt es auch als Mann. Es gibt auch die Freude am Dressen und am Styling. Die Möglichkeiten, die ich dabei als Frau habe, sind unerschöpflich. Das liebe ich ebenso, wie mein Dasein als Frau. Mit einer Bezeichnung werde ich mir nicht gerecht.
Ich habe angefangen, mir eine Website zu erstellen, in der ich meine Gedanken notiere. Sie ist nicht öffentlich, aber sie bietet mir die Gelegenheit, anders als beim Tagebuch, nicht nur chronologisch, sondern auch thematisch zu gliedern. Das ist sehr spannend. Ich habe Rubriken wie "Wer bin ich?", "Was will ich", "Wohin führt mein Weg ?", "Erfahrungen in der Öffentlichkeit", "Anmerkungen aus verschiedenen Diskussionen", "Ansichten" oder "Bilder". Das ist ein Riesenschatz geworden und ich kann je nach Stimmung, die Rubriken mit neuen Texten ergänzen. Die sind manchmal sehr intim, manchmal banal, manchmal tiefschürfend. Ich lösche und verändere niemals einen Text, der abgeschlossen ist, da er meine realen Gedanken zu dieser Zeit trägt. Deshalb hat jeder Text einen Zeitstempel. Es geht mir um die momentane, persönliche Wahrheit. Und die verändert sich mit der Zeit.
Auch die Frage nach TS oder CD stelle ich mir dort. So schrieb ich im Juli 2015: "Diese Frage habe ich bis vor kurzem ganz klar beantworten können. Ich bin nicht transsexuell. Basta." Und heute ? Im dezember 2020 schrieb ich: "Dabei fällt mir auf, dass Männerkörper mir ausnahmslos fremd vorkommen und Frauenkörper für mich eine Alternative sein könnten. Dabei ist es gar nicht wichtig, ob diese in irgendweiner Weise hübsch oder jung sind. Eine etwas verstörende Erkenntnis. Sagt das etwas aus oder ist es nur Wunschdenken. Aber ich habe mir schon immer gewünscht zu wissen, wie es sich in einem Frauenkörper anfühlt. Auch wenn ich mir meine Bilder anschaue, fühlt es sch richtig an. Vielleicht hätte es schon immer so sein sollen ..."
Die grundsätzliche Frage, wie weit ich wirklich Frau bin, bleibt bestehen. Sie verschiebt sich sogar in Richtung Frausein. Ich glaube, es ist wichtig, sich diese Veränderungen zu erlauben. Was blockiert mein Denken und Handeln ? Mit Hilfe meiner Texte und diesem Forum habe ich viele Anstöße, Anregungen und Auseinandersetzungen erlebt. Die Kernfrage ist für mich immer, was mein Gefühl sagt. Dort genau hinzuschauen, ist mindestens die halbe Miete. Und diese Gefühle hören bei mir nicht auf Begriffe wie TS oder CD. Sie sind differenziert, manchmal grob, manchmal ganz fein. Aber meine Gefühle gehören mir und ich darf sie mir erlauben. Begriffe stören mich dabei nur.
Re: Die Grenze zwischen CD und TS?
Verfasst: Mi 7. Apr 2021, 11:14
von MiriamR
Hallo Carrie.
Eine Grenze im klassischen Sinn kann ich nicht erkennen. Ich denke es kommt auf`s empfinden an, welches ja bekanntlich bei jedem/jeder anders ausfällt.
Für mich war es wichtig zu erkennen in welcher "Rolle" ich mich wohler fühle. Wo ich eine gewisse Leichtigkeit verspüre und mir die täglichen Aufgaben irgendwie leichter von der Hand gehen. Also der Punkt an dem ich sagen kann: "Hier bin ich "Richtig"."
Bei mir kamen dann noch Fragen dazu wie: "Warum habe ich keinen Busen?" oder wie es sich wohl anfühlt diese oder jene Wäsche zu tragen. Ich wurde auch früher oft als Schwul gelesen, mittlerweile verstehe ich warum.
Meine Frau sagte mal zu mir, das ich eine wundervoll weibliche Seele habe.
Und nun sitz ich hier, als Frau gekleidet, als Frau lebend und schreibe diese Zeilen.
Und, es geht mir besser als zuvor.
weibliche Grüße
Miriam
Re: Die Grenze zwischen CD und TS?
Verfasst: Mi 7. Apr 2021, 11:35
von Melanie72
Hallo liebe Carrie,
Carrie_C hat geschrieben: Mi 7. Apr 2021, 10:16
es setzt mich zum Teil enorm unter Druck, die "angeblichen Anforderungen" an die männliche Rolle zu erfüllen. Das geht so weit, dass ich Gefühle unterdrücke und es mir selbst nicht gestatte, mich von meiner Frau in den Arm nehmen zu lassen, weil: Das ist Schwäche, das gehört sich nicht als Mann. Und damit geht es mir nicht gut; es führt dazu, dass ich meinen emotionalen Teil abkapsele, einschließe — das ist der Teil von mir, den ich als meine weibliche Seite empfinde.
Ich hoffe es kommt nicht so hart rüber und ich hoffe Du weißt wie ich es meine. Für mich klingt das so: Du "möchtest" eine Rolle erfüllen und nimmst Dich nicht selbst so an wie Du bist. Deshalb bist Du auf der Suche nach Deiner Verortung und willst wissen wohin es von da aus geht. Warum? Um wieder eine Rolle zu erfüllen? Und wenn Du dort angekommen bist, geht es dann noch weiter? Und wohin? Genieße den Augenblick. Genieße das was Du im Moment hast. Schau dich in Ruhe um und es ergibt sich daraus DEIN Weg. Ich weiß, das klingt jetzt alles so neunmalklug, und ich bin selber auch noch lange nicht so weit. Aber das ist mein "Plan" für die Zukunft. Die Zeit als Melanie genießen und abwarten wo es mich hinführt. Wie ich schon geschrieben habe: Meine bisherige Denke hat mich auf einen falschen Weg geführt. Nur um einer (für mich) festgefahrenen Definition zu folgen, bzw. nicht zu folgen.
Wie gesagt ich hoffe es kommt nicht so böse rüber. So habe ich das nicht gemeint.
Ganz liebe Grüße
Melanie