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Re: Passanten und ihre belanglosen Blicke
Verfasst: Mo 18. Jan 2021, 07:10
von ExuseIn-2021-01-31
Irgendwie fühle ich mich da etwas angesprochen...
Ich bin schon immer unabhängig gewesen und bin schon immer nicht nach dem Mainstream gegangen, als Mann nicht, als Frau nicht...
Jedoch... wenn ich schreibe dass ich mich kleide wie eine CIS-Frau dann bedeutet es noch lange nicht dass ich mich hier dem Mainstraim unterwerfe oder nach dem gehe was Männer gerne sehen wollen...
und Männer haben hier schon schon lange nicht mehr das Sagen und in der Mode schon zehnmal nichts mehr... im Dorf vielleicht aber nicht in einer Großstadt...
Der Grund ist einfach: ich will nicht als TS oder CD gesehen werden (sorry) sondern als CIS und zufälligerweise fühle ich mich darin sehr wohl.
Das ist eine Entscheidung die ich selbst treffe und völlig unabhängig ist vom Mainstraim, Untersicherheiten, Ängsten...usw
Ansonsten getraue ich mir einiges mehr als manche es je wagen würden aber... egal. Hier gibt es nichts zu verteidigen, sondern ist nur eine Meinung von vielen hier und jede hat auf ihre Weise ihre persönliche Berechtigung
Alles gut, aber das musste ich jetzt doch mal los werden entgegen meiner Natur!^
LG Kathy
Re: Passanten und ihre belanglosen Blicke
Verfasst: Mo 18. Jan 2021, 07:56
von Dolores59
Gucken die Leute? Echt jetzt?
Das nehme ich schon lange nicht mehr wahr. Weil 95% der Passanten anderweitig beschäftigt sind (ich sage nur: Schmachtfon) und die restlichen 5% sind meist nur neugierig. Wenn mich tatsächlich jemand anschaut, dann schaue ich freundlich zurück. Gelegentlich werde ich von wildfremden Menschen gegrüsst. Was ich natürlich erwidere. Will ja nicht unhöflich sein. Und Komplimente nehme ich gerne entgegen.
Was ich sagen will: Ich schaue nicht mehr auf die Reaktion der Passanten, weil ich die notwendige Routine bekommen habe. Und wenn ich nicht besonders auffällig gekleidet bin "übersehen" mich die Menschen und ordnen mich überwiegend als Frau ein.
LG
Dolores
Re: Passanten und ihre belanglosen Blicke
Verfasst: Mo 18. Jan 2021, 10:10
von Ulrike-Marisa
Moin,
...auf Blicke von Passanten gebe ich eigentlich nichts, denn ich schaue ja auch mal andere Menschen an, wie sie aussehen und wie sie gekleidet sind oder sich bewegen. Das dürfen andere Menschen dann bei mir auch. Sicher vor vielen Jahren, die ersten male en femme in der Stadt nach dem SHG-Gruppentreffen, das war ungewohnt und aufregend; aber heute, heute gehe ich so, wie ich bin und nix anderes. Die Gedanken sind frei...
Grüße, Ulrike-Marisa
...ich bin das, was ich bin und nicht das, was andere in mir zu sehen glauben...
Re: Passanten und ihre belanglosen Blicke
Verfasst: Mo 18. Jan 2021, 11:48
von Lavendellöwin
kathy hat geschrieben: Mo 18. Jan 2021, 07:10
Der Grund ist einfach: ich will nicht als TS oder CD gesehen werden (sorry) sondern als CIS und zufälligerweise fühle ich mich darin sehr wohl.
Das ist eine Entscheidung die ich selbst treffe und völlig unabhängig ist vom Mainstraim, Untersicherheiten, Ängsten...usw
Hi...
du ordnest dich ein und andere ordnen dich ein-das Ergebnis der Einordnung ist aber doch nicht das Gleiche oder Selbe.
Deswegen-mache erst einmal was dir gut tut und dein Herz nährt.
Ich finde es toll, in die Gruppe von Menschen eingeordnet zu werden von denen man sagt "sie ist eine Liebe und deshalb
mag ich sie" ob da jetzt wer CIS oder trans ans Frau anhängt ist mir persönlich völlig egal. Ich weiss wer ich bin und
kaum eine CIS-Frau macht sich Gedanken ob sie eine CIS-Frau ist...
spannend finde ich auch so Fragen wie...wenn jetzt ein Mann auf dich steht und du auf ihn ist der dann schwul oder hetero?
Ganz ehrlich ist mir egal wenn er mich wirklich mag und ich ihn, da hilft mir doch seine Einordnung nicht weiter.
Oder ist das abhängig von gewissen körperlichen Ausprägungen? Ähm neee irgendwie nicht wenn man trans ist..
deswegen habe ich heute für mÃch die nicht-Schublade borderless-fluid eingeführt und mach einfach was mir passt, wie früher auch schon
mal, bevor mich jemand mit seltsamen Gedanken verwirrt hat...
da keimt so ein kleiner Gedanken an Freiheit...und ich freu mich an meinem GEGUT.
Alles Liebe Marie

Re: Passanten und ihre belanglosen Blicke
Verfasst: Mo 18. Jan 2021, 12:16
von ExuseIn-2021-01-31
Ich machts etwas weniger kompliziert: Ja, ich bin eine TS aber betrachte mich als CIS.
Das Auseinanderpflücken ... ist nicht meine Denkweise.
Ja, ich ordne mich ein und das ist hoffentlich gestattet. Und ja, ich bin lesbisch und stehe auf CIS-Frauen. Destotrotz sehe ich auch die zweite Hälfte, das ist der Charakter als Mensch, egal ob TS, CD, Fluid oder CIS.
Und ja, CIS fragen sich auch nicht ob sie eine CIS sind und ich auch nicht ob ich jetzt genau eine TS bin oder mich auch als eine CIS zugehörig fühlen darf.
Für viele die meine Vergangenheit nicht kennen sehen in mir keine TS sondern eine CIS.
LG Kathy
Re: Passanten und ihre belanglosen Blicke
Verfasst: Mo 18. Jan 2021, 13:07
von VanessaB
kathy hat geschrieben: Mo 18. Jan 2021, 07:10
Irgendwie fühle ich mich da etwas angesprochen...
Nun, wenn dem so ist, dann ist das so.
Ich zumindest habe Dich nicht angesprochen, sondern wollte nur über mich in dem genannten Kontext schreiben. Namasté
Jeder Mensch hat seinen eigenen Weg und ich musste erst loslassen um (be)greifen zu können. Das galt nicht nur für die männliche, sondern auch für die weibliche Rolle. Insofern bin ich nah bei Marie.
Alles Liebe
Vanessa
Re: Passanten und ihre belanglosen Blicke
Verfasst: Mo 18. Jan 2021, 13:54
von Lana
Ich kann mich kaum mehr erinnern, wie das zu Beginn war, wenn ich im Rock rausging. GIch trug damals immer einen ganz schlichten schwarzen Lederrock bis übers Knie, schwarze flache Stiefeletten und rote blickdichte Strümpfe, weil mich die Beinhaare unschön fand und sie damals nicht entfernte. Obenrum ein rotes T-Shirt mit weitem Ausschnitt, oder Pulli in ähnlicher Ausführung. Ich hatte befürchtet, wie ein lila Elefant begafft zu werden, es aber nicht geschafft, mir einen Plan zurecht zu legen, wie ich darauf reagieren sollte. Und ich hatte natürlich keine Ahnung, was die Situation mit mir machen würde. Ich war es ja bis dahin gewohnt, in neutraler Kleidung nahezu unsichtbar durch die Stadt laufen zu können, weil ich mit meiner unauffälligen Art zwischen anderen Menschen einfach unterging. Dadurch war ich immer schön ungestört und hatte meine Ruhe wenn ich draußen als Mann unterwegs war.
Nun aber, als Mann im Rock, war das natürlich anders. Ich fiel aus dem Raster, und trotzdem erregte ich kaum Aufmerksamkeit bei Passanten?! Wenn überhaupt, blieben deren Blicke meist an meinen Beinen mit den roten Strümpfen hängen. Mein männliches Gesicht fiel ihnen vielleicht deswegen weniger auf. Oder ich habs nicht bemerkt. In den ersten paar Minuten raus aus dem Hauptbahnhof wollte ich es vielleicht auch gar nicht bemerken und schaute einfach nur zu Boden. Dann hob sich mein Kopf langsam, und wenn mich jemand anschaute, schaute ich möglichst unverkrampft und freundlich zurück. Damit war ich so beschäftigt, dass ich mir keine Gedanken über die Gedanken der anderen Leute machen konnte. Sowieso kannte mich hier niemand und es konnte mir doch egal sein, was die Leute denken. Das war eigentlich schon immer meine Einstellung, und sie verschafft einem viele Freiräume im Leben, in allen möglichen Bereichen. Ich war mir aber nicht sicher, ob das auch in dieser Situation funktionieren würde.
Im Laufe der Zeit gewöhnte ich mich dran, und die unsicheren Minuten direkt nach dem Rausgehen schrumpften immer mehr zusammen, und auch die Angst, jemanden zu treffen, der mich erkennen könnte, wurde weniger. Dennoch kostete es mich jedesmal einiges an Überwindung, mit weiblicher Kleidung rauszugehen. Ich bin also doch nicht so losgelöst von dem, wie andere mich wahrnehmen könnten, wie ich mir das manchmal vielleicht einrede. Das ist wohl ganz gut so, weil ich mir deswegen Gedanken machen muss, wie ich rausgehe, ohne aus allzu sehr dem Rahmen zu fallen.
Die belanglosen Blicke sind also das Feedback für mich, ob ich mich mit meinem Auftreten noch im gesellschaftlich akzeptierten Rahmen bewege oder bereits jenseits davon. Wenn die Blicke mal nicht mehr belangslos sind, stimmt was nicht. Mein Auftreten passt dann nicht mehr zur aktuellen Umgebung und ich fühle mich nicht mehr wohl in meinen Kleidern.
Kleine Geschichte dazu:
Vorletzten Sommer fuhr ich mit dem Zug ins Tessin. Kleidung ähnlich wie oben beschrieben. Bis zum Umsteigen in Zürich war alles sehr entspannt, ich fühlte mich wohl und freute mich, dass ich so unterwegs sein konnte. Bereits im Anschlusszug nach Bellinzona nahmen die Blicke der Mitreisenden zu, es wurde auch getuschelt um mich herum. Ich vertiefte mich in mein Buch und versuchte es zu ignorieren. Um die Leute anzusprechen, fehlte mir der Mut, zumal ich noch keine Routine hatte, so in der Öffentlichkeit aufzutreten und mir über meine Rolle selbst nicht im Klaren war. In Bellinzona wurde ich von einem Freund abgeholt, der Bescheid wusste. Leider war er verspätet, so dass ich dort eine gefühlte Ewigkeit wie auf dem Präsentierteller vor dem Bahnhof stand und mich von Minute zu Minute unwohler fühlte. Die Umgebung passte nicht mehr zu mir, oder ich war noch nicht routiniert genug, die Konfrontation der Blicke und Musterungen einfach wegzustecken. Als er dann endlich kam, verschwand ich blitzschnell im Auto und zog mich auch kurz drauf um.
DIese Situation hat mich noch lange beschäftigt und mir die nächsten Versuche nicht gerade erleichtert. Sie zeigt jedoch, dass die Blicke manchmal doch nicht so belangslos sind, wie wir sie gerne hätten...
Liebe Grüße
Lana
Re: Passanten und ihre belanglosen Blicke
Verfasst: Mo 18. Jan 2021, 14:03
von ChristinaF
Belanglose Blicke machen mir überhaupt nichts mehr aus. Es hängt u.a. auch davon ab, wieoft du dich als Frau in der Öffentlichkeit zeigst. Wenn dich viele Leutchen schon als Transgender kennen und wahrgenommen haben, passiert eigentlich gar nichts mehr. Und zumindest für mich gilt immer die Devise. Nie aufdringlich und super sexy gekleidet.
LG Christina
Re: Passanten und ihre belanglosen Blicke
Verfasst: Mo 18. Jan 2021, 15:04
von YvonneTV
Alyssa hat geschrieben: So 17. Jan 2021, 19:22
Mich würde mal interessieren wie ihr Blicke von Passanten auf der Strasse interpretiert. Angenommen ihr geht im Crossdressing light also zb mit Damenmantel durch die Strassen und Passanten kommen euch entgegen und schauen einfach so. Denkt dann darüber nach was die denken oder gibt es gar keine Verschwendung eines Gedanken? Ist das bei euch Gewöhnung oder interpretiert ihr das zu irgendwas. Mich irritiert das manchmal. Wahrscheinlich fehlt die Gewöhnung. Wie ist das wenn ihr im komplett Modus unterwegs seit? Was denkt und interpretiert ihr wenn man euch anschaut?
Hallo Alyssa
Ok, dann unterscheide ich mal:
1. "Crossdressing Light":
Ist bei mir eher selten und liegt dann entweder an zu wenig Zeit oder ich bin im "light" Modus, wenn ich mich Schminken lasse und dann schon im Outfit hinfahre. (freilich ist das schon viele Monate her

) Da gibt es schon Blicke wegen dem Nagellack, wenn unter der Skinny Jeans an den Fußfesseln die Netzstrumpfhose zu sehen ist, weil ich als Mann ne Handtasche dabei habe, oben rum etwas mehr Oberweite. recht hohe Stiefeletten trage (so 10-12 cm) usw.

Doch da gibt es meist nur ein paar Blicke und dann meine ich eine Reaktion der Art "ist schon schräg, aber egal, wenn ER es halt so trägt !"
2. Wenn ich als Yvi unterwegs bin:
Da gibt es a) keine Reaktion b) prüfende Blicke die dann c) in einem zustimmenden Lächeln oder in einem verwirrten Kopfschütteln enden. Letzteres ist jedoch selten
Als Ausnahme kommen dann d) ein paar blöde Sprüche, die ich freudig ignoriere

oder - viel häufiger - ergeben sich interessierte Gespräche

Werde gefragt wo ich denn die tolle Strumpfhose gekauft habe oder wie man nur in so hohen Highheels laufen kann. Dass der Look cool ist. Manchmal gehen diese Gespräche dann auch in die Tiefe
Dazu kommt, dass Menschen oft "komisch" schauen: Weil sie genervt sind von etwas, gerade jemandem am Phone haben der anstrengend ist, Teenager die Rumblödeln usw.
Ich hatte ein paar mal einen Selbstversuch gemacht: Ich habe mit VORGESTELLT, ich wäre als Yvi unterwegs ! War tatsächlich aber komplett im Männermodus unterwegs. Es gab die gerade geschriebenen Reaktionen, die ich als Yvi wohl auf mich bezogen hätte. Nur waren die Menschen einfach MIT SICH beschäftigt. Vielleicht magst Du das ja auch mal testen "¦
Ja, Übung hilft immens !!! Am Anfang ging mein Puls sicher weit über 200

Im Laufe der Zeit, kann ich mich immer freier und selbstbewusster bewegen
Und wie Christina schreibt, so sehe ich das auch: Wer mich häufiger gesehen hat (vor allem die Nachbarn), die gehen damit völlig entspannt um und das ist nichts Besonderes mehr

Re: Passanten und ihre belanglosen Blicke
Verfasst: Mo 18. Jan 2021, 17:05
von ExuserIn-2022-05-22
YvonneTV hat geschrieben: Mo 18. Jan 2021, 15:04
Alyssa hat geschrieben: So 17. Jan 2021, 19:22
Mich würde mal interessieren wie ihr Blicke von Passanten auf der Strasse interpretiert. Angenommen ihr geht im Crossdressing light also zb mit Damenmantel durch die Strassen und Passanten kommen euch entgegen und schauen einfach so. Denkt dann darüber nach was die denken oder gibt es gar keine Verschwendung eines Gedanken? Ist das bei euch Gewöhnung oder interpretiert ihr das zu irgendwas. Mich irritiert das manchmal. Wahrscheinlich fehlt die Gewöhnung. Wie ist das wenn ihr im komplett Modus unterwegs seit? Was denkt und interpretiert ihr wenn man euch anschaut?
Hallo Alyssa
Ok, dann unterscheide ich mal:
1. "Crossdressing Light":
Ist bei mir eher selten und liegt dann entweder an zu wenig Zeit oder ich bin im "light" Modus, wenn ich mich Schminken lasse und dann schon im Outfit hinfahre. (freilich ist das schon viele Monate her

) Da gibt es schon Blicke wegen dem Nagellack, wenn unter der Skinny Jeans an den Fußfesseln die Netzstrumpfhose zu sehen ist, weil ich als Mann ne Handtasche dabei habe, oben rum etwas mehr Oberweite. recht hohe Stiefeletten trage (so 10-12 cm) usw.

Doch da gibt es meist nur ein paar Blicke und dann meine ich eine Reaktion der Art "ist schon schräg, aber egal, wenn ER es halt so trägt !"
2. Wenn ich als Yvi unterwegs bin:
Da gibt es a) keine Reaktion b) prüfende Blicke die dann c) in einem zustimmenden Lächeln oder in einem verwirrten Kopfschütteln enden. Letzteres ist jedoch selten
Als Ausnahme kommen dann d) ein paar blöde Sprüche, die ich freudig ignoriere

oder - viel häufiger - ergeben sich interessierte Gespräche

Werde gefragt wo ich denn die tolle Strumpfhose gekauft habe oder wie man nur in so hohen Highheels laufen kann. Dass der Look cool ist. Manchmal gehen diese Gespräche dann auch in die Tiefe
Dazu kommt, dass Menschen oft "komisch" schauen: Weil sie genervt sind von etwas, gerade jemandem am Phone haben der anstrengend ist, Teenager die Rumblödeln usw.
Ich hatte ein paar mal einen Selbstversuch gemacht: Ich habe mit VORGESTELLT, ich wäre als Yvi unterwegs ! War tatsächlich aber komplett im Männermodus unterwegs. Es gab die gerade geschriebenen Reaktionen, die ich als Yvi wohl auf mich bezogen hätte. Nur waren die Menschen einfach MIT SICH beschäftigt. Vielleicht magst Du das ja auch mal testen "¦
Ja, Übung hilft immens !!! Am Anfang ging mein Puls sicher weit über 200

Im Laufe der Zeit, kann ich mich immer freier und selbstbewusster bewegen
Und wie Christina schreibt, so sehe ich das auch: Wer mich häufiger gesehen hat (vor allem die Nachbarn), die gehen damit völlig entspannt um und das ist nichts Besonderes mehr
Meistens bin ich im Light Modus unterwegs. Wahrscheinlich interpretiere ich da zu viel oder beachte das zu viel. Das erzeugt natürlich Unsicherheiten. Ein paar mal war ich Abends komplett unterwegs. Aber da war auch nichts draußen los. Nun bin ich auch nicht der Typ der sich ins Rampenlicht drängt. Aber mal sehen wie sich Gewöhnung einstellt. Aber interessant zu lesen wie die verschiedenen Empfindungen hier so sind.
Re: Passanten und ihre belanglosen Blicke
Verfasst: Mo 18. Jan 2021, 18:13
von NanaVistor
Ganz oft, oder sogar meistens, schauen die Leute zwar, aber irgendwohin, auf irgendwas.
Da man selber im Hochsensibel-Scan-Modus ist, bildet man sich ein, man wäre so interessant, das alles auf einen sieht. Oder auch nur einzelne.
Letztes Jahr kam ein Mann auf mich zu, und lobte mich wegen meines leuchtend blaues Kleides. Es erfreute ihn, weil ich nicht so langweilig unbunt unterwegs war, wie all die anderen Frauen.
Man kann ruhig auffallen, es schadet nicht

Re: Passanten und ihre belanglosen Blicke
Verfasst: Mo 18. Jan 2021, 18:43
von Aria
Hmm, als TS beschäftigt mich das Thema in anderer Form als noch zur CD Zeit. Heute sind diese (fragenden) Blicke sowieso erstmal viel seltener und wenn dann hauptsächlich von Cis-Frauen. Ich muss also ein wenig differenzieren. Bei Cis-Männer bin ich mir nie so ganz im klaren, ob die meine Herkunft erkennen oder ob andere Absichten dahinter stecken. Eine (Cis-) Freundin sagte mir aber mal, dass das eindeutige Absichten sind und nicht weil die meine männliche Herkunft erkennen. Trotzdem erlebe ich diese Unsicherheit jedes mal aufs neue. Ob das irgendwann weg geht, weiss ich nicht. Ich glaube irgendwie nicht, denn ich weiss ja woher ich komme und werde das jedes mal auf mich rückbeziehen. Ein ganz blöder Umstand, der einen immer leicht in Richtung Dysphorie lenken kann. Denn auch ich wünsche mir nichts sehnlicher als als Cis wahrgenommen zu werden.
Zu CD-Zeiten war es mir eigentlich immer klar, dass die Leute, wenn die denn geschaut haben, festgestellt haben, dass ich ein Mann bin. Das war mir aber auch vorher klar, denn ich habe mich nie so als Frau geben können. Klar, ich habe das versucht bestmöglich hin zu bekommen aber das ist immer noch ein meilenweiter Unterschied zu jetzt. Es ist einfach was anderes, wenn es einfach aus einem raus kommt oder man versucht nachzustellen. Und sogar jetzt noch, nach über 1,5 Jahren HET gibt es Unterschiede zu Cis. Und das ist dann genau der Punkt, wo eine Cis-Frau das auf 100 Meter erkennt. Zusammen gefasst kann ich sagen, dass mir Blicke, früher weniger ausgemacht haben, weil ich um deren Ursache wusste. Heute trifft mich das vielmehr, weil sie mir zeigen - gerade von Cis - dass ich nie dazu gehören werde.
Re: Passanten und ihre belanglosen Blicke
Verfasst: Mo 18. Jan 2021, 20:47
von Wally
Blicke von Passanten? Das hat sich im Lauf der Jahrzehnte extrem geändert. In den 80er und frühen 90er Jahren brauchte man noch zwingend ein wirklich perfektes Passing, um nicht wie ein Weltwunder angeglotzt (und wirklich häufig dann auch dumm angemacht) zu werden. Für Leute wie mich, die nie ein wirklich perfektes Passing als "ganz normale Frau" hingekriegt haben, war das damals extrem unangenehm und - je nach Tageszeit und Umgebung - manchmal sogar lebensgefährlich; da wurde immer mal wieder eine/r krankenhausreif geschlagen, bloß weil er/sie zur falschen Zeit am falschen Ort als "Transe" erkennbar war. Sowas galt damals gesellschaftsweit als sexuelle Perversion, die Leute fühlten sich schon von unserem bloßen Anblick sexuell belästigt. Halbwegs bedenkenlos en femme gehen konnte ich damals nur in geschlossenen TS-Gesellschaften; aber selbst da war man nicht sicher vor verbalen Anfeindungen, wenn man sich nicht wirklich eindeutig und so perfekt wie nur irgend möglich EINEM Geschlecht zuordnete. Sowas wie "Enbies" gab's damals offiziell noch gar nicht...
Heute kann ich mich in der Öffentlichkeit ziemlich bedenkenlos geschlechtlich "widersprüchlich" zeigen, mit unübersehbaren Brüsten unter einer Damenbluse, deren ganze Machart unmissverständlich deutlich macht, dass das schon seine Ordnung hat mit den Rundungen darunter - und gleichzeitig mit meinem nun mal unverkennbar männlichen Kopf und Männerhose/Männerschuhen (auf die's dann auch nicht mehr ankommt...). Ja doch, es gibt schon immer noch gelegentlich irritierte Blicke, so ganz als "normal" wird das auch heute noch nicht gesehen - was ich im Übrigen auch schade fände: ich will ja merklich und spürbar als das gesehen werden, was ich bin (genauso, wie jeder normale Mann und jede normale Frau täglich viele Male sein/ihr Geschlecht schon in der Anrede bestätigt kriegt). Während aber früher ein solches, geschlechtlich widersprüchliches, bloßes Aussehen schon als Affront gegen die "normale" Mehrheit und als Belästigung meinerseits aufgefaßt und mit unverhohlen aggressivem Anstarren bestraft wurde, sind heute die allermeisten Leute sichtlich besorgt, mich ihrerseits nicht durch indezente Blicke zu belästigen: die riskieren allenfalls mal ganz verstohlen einen neugierigen Blick auf meine Brüste und schauen sofort weg, wenn sie merken, dass ich das mitgekriegt habe.
Aktiv darauf angesprochen wurde ich schon viele Jahre nicht mehr, dumm oder aggressiv angemacht noch viel länger nicht mehr. Im letzten Sommer haben meine Frau und ich eine einwöchige, geführte Paddeltour auf der Loire mitgemacht, mit über 20 wildfremden TeilnehmerInnen aller Altersklassen. Natürlich gab's da anfangs ein paar verstohlene Blicke auf mein unübersehbar ausgewölbtes Damen-T-Shirt - und erst recht natürlich, als ich dann vor aller Augen im Damenbadeanzug oder Bikini in den Fluss gehüpft bin. Aber niemand hat sich getraut, mich darauf anzusprechen - bis ich es am zweiten Abend am Lagerfeuer selber mal angesprochen und kurz mit ein paar wenigen Sätzen erklärt habe. Da wollten sie dann noch von mir wissen, ob ich lieber als "der" oder "die" Wally angesprochen werden möchte - und gut war's. Ab diesem Moment war der Umgang mit der Gruppe merklich unbefangener.
Das Problem ist heute nicht mehr fehlende Toleranz, eher das Gegenteil! Die Leute sind uns gegenüber erst mal verunsichert, weil sie Angst haben, dass sie uns gegenüber was falsch machen könnten: dass sie uns ungewollt durch ein "falsches" Wort verletzen oder beleidigen könnten, oder dass wir Fragen zu dem Thema womöglich als "aufdringlich" oder übergriffig empfinden. Ganze Transen-Generationen haben da mit ihrer Mimosenhaftigkeit bezüglich der "richtigen" Anrede ihre eigene Unsicherheit auf die Allgemeinheit übertragen. Es ist jetzt an uns selbst, durch unbefangenen, offenen Umgang und robustes Selbstbewußtsein der Gesellschaft klarzumachen, dass unsere Besonderheit kein "Problem" ist, sondern einfach nur eine individuelle, geschlechtliche Konstellation, mit der wir genauso selbstverständlich gesehen und bestätigt werden wollen wie andere Männer und Frauen auch. Schüchternheit oder gar Wehleidigkeit ist da völlig fehl am Platz und schadet uns in dieser Lage mehr als alles andere.
Herzliche Grüße
Wally
Re: Passanten und ihre belanglosen Blicke
Verfasst: Di 19. Jan 2021, 11:51
von spacecy
Hi Ihr Lieben,
zum wiederholten Mal, weil bereits in einigen anderen Thema geschrieben, möchte ich auch hier meine Erfahrungen dazugeben.
Ich gehe immer im "Männer-Modus" (1,92 m lang), jedoch mit Brüsten (100 C), weiblicher Oberbekleidung, kein Rock aber in Stiefeletten oder Stöckelschuhe einkaufen sowie nach draußen. In reinen Damenmodegeschäften gehe ich ebenso einkaufen und immer mit probieren. Die Beratung der Verkäuferinnen war stets super und ohne jegliche negative Reaktion. so manches Mal wollten die Damen meine Silikonbrüste sehen, womit ich auch kein Problem habe. Ist schon toll und macht riesig Spaß, wenn Mann und Verkäuferinnen so offen damit umgehen.
Erfahrung aus mehreren Jahren so unterwegs zu sein: habe bisher keinerlei negative Reaktionen erhalten. Es gibt zwar mitunter erstaunte Blicke, wenn ich z. B. alleine in einem Damengeschäft auch zum ersten Mal auftauche, aber das ändert sich ganz schnell und es gibt wie immer eine sehr schöne unterstützende Beratung.
Ich bin eindeutig der Meinung, je offener wir mit unserer Art umgehen, desto problemloser und größer ist die Akzeptanz. Wem es dann wirklich nicht gefällt die/der soll gefälligst weggucken.
Weiblicher Modus geht bei mir wg. Vollbart eben nicht und weil meine Frau es überhaupt (noch) nicht wag, wenn ich im Rock in der freien Wildbahn bin.
Liebe Grüße
Spacecy
Re: Passanten und ihre belanglosen Blicke
Verfasst: Di 19. Jan 2021, 14:30
von Wally
Hallo Spacecy,
Das führt jetzt vielleicht ein wenig vom Thema dieses Threads weg - aber Dein Vollbart erinnert mich an ganz frühe Zeiten, frühe 80er, noch vor meiner Psychotherapie. Ich trug damals auch Vollbart: aus Unsicherheit als Mann, weil ich meine innere Weiblichkeit damals - nach einer äusserst mühsam, holprig und unvollständig verlaufenen, männlichen Sozialisation als Jugendlicher - selber noch als "sexuelle Perversion" verkannte, mich schrecklich dessen schämte und Angst hatte, dass mir das Jeder gleich ansieht, wenn ich's nicht hinter dem Gesichtswald verstecke. Diesen Vollbart trug ich dann zwangsläufig auch noch bei meinen ersten, scheuen Crossdressing-Versuchen in der Öffentlichkeit; das klingt jetzt schizophren, ergab sich aber nun mal unausweichlich aus meiner Gesamtsituation. Eine von zwei jungen Frauen, die mich damals so gesehen und völlig verdattert angegafft hatten, sagte dann hinter mir zu der anderen: "Wenn ich so aussehen würde, würde ich mich umbringen!" Aber Gottseidank war das ja nicht ihr Problem
Den Bart habe ich dann erst etliche Jahre später abzurasieren gewagt, im Verlauf meiner Therapie, als ich lernte, mich zu meiner weiblichen Seite zu bekennen. Und ich war ziemlich enttäuscht darüber, dass das glatte Kinn ÜBERHAUPT NICHTS änderte: ich wurde ohne Bart exakt genauso stabil und penetrant als Mann (v)erkannt wie vorher. Deshalb möchte ich Dir hier ausdrücklich Mut machen, den Bart trotz Crossdressing zu behalten, solange er
dir selber (und vielleicht auch Deiner Frau) gefällt. Bezüglich Akzeptanz in der Öffentlichkeit - auch im Rock oder Sommerkleidchen!- ändert das vermutlich kaum was. Als geschlechtlich widersprüchlich wird unsereins so oder so gesehen, und wenn Du Dich so offensichtlich zu dieser "Widersprüchlichkeit" als Persönlichkeitsmerkmal bekennst, dann wird Dir das in der heutigen Atmosphäre unterm Strich eher noch positiv angerechnet, als "Mut".
Herzliche Grüße
Wally