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Re: Alibi„Freundin

Verfasst: So 13. Dez 2020, 01:59
von Michi
Fuchs18 hat geschrieben: Fr 11. Dez 2020, 08:22 "Das einzige, was ich aber schon immer geglaubt habe und auch heute noch glaube ist, dass ich eigentlich nicht die bin, die ihm all das geben kann, was er braucht. Ich war seine erste und einzige Freundin. Er hat nie jemand anderen in seinem Leben gehabt. Jetzt erst wird mir klar wieso. Er hat es mir in dem Atemzug (als er mir erklärte er wär gern weiblicher) gleich mit erklärt.
Ich habe ihn auch gefragt ob ich eigentlich seine Alibi-Freundin war. Er sollte ehrlich antworten. Die Antwort war ein "Njein". Vielleicht ja - aber unser Beziehung habe sich dann ja vertieft und entwickelt bis zu dem Punkt heute, an dem ich nun seine so engste Vertraute bin, dass er mir dieses, sein größtes Geheimnis anvertraut. Ich denke damit kann ich irgendwie leben. Ob ich aber auch in Zukunft die bin, die er wirklich will und braucht, das ist dann wohl eine andere Frage... "

Kennt ihr das? Gibt es das öfter. Wenn jemand seine weibliche Stimme versucht zu unterdrücken und sich dann erstmal eine Freundin respektive Ehefrau zulegt, um wenigstens nach außen dem Wunsch-Standart gerecht zu werden?

Mich würden eure Erfahrungen und Meinungen dazu ehrlich interessieren.

LG Katja
Liebe Katja,

wenn ich deine Worte lese, dann scheint es mir so, dass dein Partner dir sehr ehrlich geantwortet hat, und sogar eine Unsicherheit einräumt, die er möglicherweise erst im kritischen Rückblick eures Gesprächs so sieht, die aber grundsätzlich auch nicht völlig unnormal ist. Selbstverständlich kann man aus der Retrospektive Punkte erkennen, die man damals in der Phase des großen Verliebt-Seins völlig ausgeblendet hat.

Woher soll man denn in seiner Jugend so genau wissen, dass der Mensch, in den man sich verliebt, genau der Richtige ist? Klar, man hofft es vielleicht. Aber man hat doch noch keinerlei Erfahrung, gegen die man da abgleichen kann. Und da macht es auch keinen großen Unterschied, ob man nun gleich mit der ersten Freundin auf Dauer zusammenlebt, oder ob man davor mehrere kurze Liebschaften hatte. Ich war, wie wohl viele von uns, nie der Aufreißer, nicht mal ein kleiner. Ich habe es in meiner Jugend immer wieder erfolglos probiert. Meine Freundinnen habe ich stattdessen über schriftliche Kontakte gefunden, oder sie haben mich angebaggert.

Was auch ein Punkt ist, den viele kennen: Wenn ich eine neue Freundin hatte, traten meine weiblichen Anteile und mein Interesse an weiblicher Kleidung in den Hintergrund. Bei der Frau, die ich dann auch geheiratet hatte, waren es zwei Jahre, in denen ich kein Interesse mehr verspürte. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass es weg gegangen wäre. Um so heftiger kam es zwei Tage nach der Hochzeit zurück, als meine Frau Montag Morgen schon zur Arbeit gefahren war, und das (geliehene) Brautkleid am Schrank hing, welches sie am Nachmittag wegbringen wollte.

Erst Jahre später, durch den Austausch im Internet und die Beschäftigung mit dem Thema wurde mir nach der Scheidung (aus gänzlich anderen Gründen) endgültig klar, dass das niemals weggehen wird. Und ich habe angefangen, damit zu leben, und vor 10 Jahren habe ich angefangen, gegenüber meinen Freundinnen von Anfang an mit offenen Karten zu spielen.

Dein Partner und du, ihr habt das große Glück, dass ihr euch gleich auf Anhieb gefunden habt. Und nun hat er dir etwas anvertraut, was er die ganzen Jahre aus Scham und Angst, dich zu verlieren, vor dir verschwiegen hat.

Du solltest ihm also aus seiner Ehrlichkeit und selbstkritischen Betrachtung keinen Strick drehen.

Du solltest auch nicht krampfhaft nach Fehlern oder Makeln bei dir suchen, sondern darauf vertrauen, dass er sich dich aus ehrlicher Zuneigung gesucht hat, und dich immer noch liebt.

Verwechsle das bitte nicht mit schwulen Männern, wo das vermutlich noch bis in die 1990er Jahre gang und gäbe war, weil gesellschaftlich noch nicht toleriert, und auch noch strafbewehrt. Aber dein Partner steht doch nicht automatisch auf Männer, nur weil er sich weiblich fühlt. Das ist ein wohl immer noch weit verbreiteter Irrglaube.


Liebe Grüße
Michi

Re: Alibi„Freundin

Verfasst: So 13. Dez 2020, 10:13
von Stina
Guten Morgen!
Das, was ich jetzt schreibe, wird vermutlich einen massiven shit Storm herauf beschwören. Egal, ich schreib es trotzdem. Es wird hier immer von Toleranz geschrieben. Davon, doch dankbar zu sein, für das Vertrauen, das uns entgegengebracht worden ist. Davon, dass sich der mansch ja nicht ändert, dass wir Partnerinnen unseren Mann nicht auf das eine reduzieren sollen. Davon, dass wir zu verstehen haben, dass das ein Grund Bedürfnis ist, dass wir uns nur ein wenig damit auseinander zu setzen brauchen, dann würeden wir schon verstehen...... Ich möchte sehr gerne wissen, wie viele Cross dresser es hier gibt, die nicht doof aus der Wäsche gucken würden, wenn wir es genauso machen würden. Das ganze Programm, mit falschem Bart, angebundener Brust und Penis Protese. Das würde nix mit euch machen? Ihr hättet damit keine Probleme? Für euch wären wir immer noch der selbe Mensch? Ihr würdet uns dann genau so im Mann sein unterstützen, wie wir euch im Frau sein zur Seite stehen? Das würde in euch keine Angst auslösen, einen geliebten Menschen zu verlieren? Würdet ihr euch gegenseitig dazu ermuntern über schwulen sex nachzudenken, obwohl ihr auf Frauen steht? Ich kann es mir kaum vorstellen. Aber wir sollen das alles tun. Wir haben ein Anrecht auf unsere Angst, auf unsere Wut, auf unsere Gefühle. Aber fair bleiben dabei ist nicht immer ganz so einfach. Ich habe Heidi all diese Fragen gestellt. Sie war so ehrlich zu sagen, damit hätte ich ein Problem! Bitte tut nicht so, als wären wir intolerant. Wir wären nicht hier, wenn wir es wären. Ich kann mittlerweile Heidis äußere Erscheinung von meinem Mann trennen. Wenn ich ihn haben möchte, gehört Heidi dazu. Aber einfach ist das nicht! Ich lecke immer noch meine Wunden und da bricht es halt auch mal aus mir heraus.
So, jetzt ist es raus! Ich stelle mich jetzt schon mal emotional auf Gegenwind ein.
LG, Stina

Re: Alibi„Freundin

Verfasst: So 13. Dez 2020, 10:30
von ChristinaF
Liebe Stina,
von mir erhältst du garantiert keine negativen Zeilen. Im Gegenteil, ich kann dich sehr gut verstehen. Denn das was du ansprichst ist eigentlich "die Kardinalsfrage" schlechthin. Und darauf gibts m.M. nach keine Erklärungsversuche, sondern nur die Antworten "ja" oder "nein". Und bei beiden Antworten steht am Ende als Conclusio oder Fazit eine Trennung. So hart es klingt, jedoch ists nunmal so.
Liebe Grüße
Christina

Re: Alibi„Freundin

Verfasst: So 13. Dez 2020, 11:00
von Engelchen
Liebe Stina,

wow, was für ein Text - so emotional aus dem Herzen. (he)
Nein, das sehe ich null Intoleranz, sondern nur einen Menschen der liebt.
Nein, kein Gegenwind - sondern nur pures Verständnis.

Wünsche euch beiden wunderschöne und friedliche Weihnachten.

Liebe Grüße

Lisa

Re: Alibi„Freundin

Verfasst: So 13. Dez 2020, 12:18
von SylviaM
Hallo Stina,

ich hoffe, dass deine Befürchtungen nicht eintreten und dieses Forum die Toleranz zeigt, die es selber gerne einfordert.

Toleranz ist ein etwas dehnbarer Begriff und im Kontext von Partnerschaften nicht immer vorbehaltlos einsetzbar.

Wir sind als Menschen eher emotional gesteuert, unsere Verstand stoppt uns so manches Mal. Und an unserem Verstand müssen wir uns hinsichtlich Werte und Verhalten messen lassen. Toleranz sehe ich auf der Verstandsebene.

In der Gesellschaft fordere ich Toleranz für uns auf, wir sollten fair, ohne Vorurteile und ohne Nachteile behandelt werden. Wenn ich etwas tolerieren, heißer das nicht, dass ich es auch mag

Auch wenn ich Blutwurst nicht mag, boykottiere ich nicht die Metzgereien, dennoch kaufe ich sie nicht oder habe sie in meinem Kühlschrank

Was heißt das für eine Partnerschaft?
Vorab, wenn wir uns outen, dann verändern wir den Status Quo. Die Partnerin wird vor eine Tatsache gestellt, von der sie nie vorher zu träumen wagte. Für mich ist wichtig zu verstehen, dass es kein Hobby oder keine freie Entscheidung unsererseits ist, dass der Leidensdruck so hoch ist, dass wir die Konsequenzen lieber in Kauf nehmen als so weiterzuleben . Ist das fair, wahrscheinlich nicht. Und hätten wir vorher geahnt, wo es endet, wären wir die Beziehungen so nicht eingegangen. Nachher wissen wir es besser.

Toleranz wäre hier insofern angebracht, dass man dies erstmal so hinnimmt (grenzwertig, ich weiss, jedoch ignorieren hilft hier gar nix). Muss eine Partnerin das gut finden oder damit leben, nein. Wenn die Partnerin das zum " Kotzen" findet (Achtung Emotional), dann ist das so, und wenn sie damit nicht leben kann, ja dann ist das halt auch so. Die Frage ist dann, ob man noch einen gemeinsamen Weg findet, fair auseinander zu gehen oder es in einem Rosenkrieg mit ewigen Vorwürfen enden zu lassen
Toleranz in der Partnerschaft sehe ich so, dass man bestimmte Verhaltensweisen des Partners noch akzeptiert, zulässt ( die berühmten Grenzen), so dass die Partnerschaft noch mehr bringt als sie einen nimmt. In einem Wohlfühlmodus ist man hier definitiv nicht). Das gilt meines Erachtens generell. Wo diese liegen, dass muss jeder Partnerschaft für sich selber rausfinden, da hilft es nichts wenn es das ein oder andere Paar einen anderen Weg gefunden hat.

In diesem Forum können wir vielleicht helfen die ein oder andere Verhaltensweise von uns besser zu verstehen, vielleicht ( nicht notwendigerweise) die ein oder andere Angst zu nehmen oder auch Mal festzustellen, das manche Verhaltensweisen nun gar nichts mit CD, TV , TS zu tun haben müssen (rumtindern oder so)

Indem du, liebe Stina, versuchst, deinen Partner über sie Sachebene zu verstehen und nicht deinen reinen Emotionen freien Lauf gelassen hast, statt schreiend aus dem Haus zu laufen, ist meines Erachtens das max. an Toleranz, das wir uns wünschen dürfen. Und auch nicht mehr.

Du hast gefragt, wie es uns gehen würde, wenn uns unsere Partnerinnen ähnlich konfrontieren würden. Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht. Ich hoffe nur, dass ich meinen Verstand genug im Griff habe um meine Emotionen nicht einfacher losfeuern zu lassen. Das ist mit das ein oder andere Mal passiert und bereue ich sehr, weil ich im Nachhinein andere Werte für mich als wichtiger empfunden habe, als ursprünglich empfunden.

Stina, ich schätze deine Beiträge sehr und ich bin froh dich im Forum zu sehen
Liebe Grüße
Syl

Re: Alibi„Freundin

Verfasst: So 13. Dez 2020, 13:11
von Michi
Ich frage mich gerade ernsthaft, was an meinen Worten schon wieder so falsch gewesen sein soll, dass man sich darauf hin genötigt sieht, einen Shitstorm heraufbeschwören zu wollen?!

Mir geht es doch in keinster Weise darum, Katja dazu überreden zu wollen, weiterhin mit ihrem Partner zusammenzuleben, wenn sie für sich feststellt, dass sie damit nicht klar kommt. Damit wäre gar nichts erreicht!

Warum aber soll ich als außenstehene Person einem Menschen die Zukunft auch noch in den dunkelsten Farben ausmalen, wenn ich spüre, dass sie sich mit Vorwürfen gegen ihren Partner und sich selbst herum quält?! Muss man da extra noch Salz in die Wunde reiben, ihr das schlimmst mögliche Szenario des Schreckens androhen, wenn noch nicht mal klar ist, welche Ziele und Vorstellungen er hat?

Katjas Partner leidet an keiner lebensbedrohlichen Krankheit, deren Grausamkeit man ihr vielleicht verdeutlichen müsste.

Ich nehme es so wahr, dass Katja erst einmal verstehen möchte, was überhaupt mit ihrem Partner los ist, wie es dazu kommen konnte. Und das finde ich überaus gut. Aber sie sind jetzt in dieser Situation, wo sie sich fragt, was er oder sie falsch gemacht haben.

Und genau daran sollte man anknüpfen, ihr die Sorgen, Schuldgefühle und Vorwürfe nehmen, damit beide die Chance haben, so unbeschadet wie möglich durch diese Veränderung hindurch zu kommen.

Und wenn die Erkenntnis reift, dass es keine gemeinsame Zukunft gibt, weil sich bei ihm Dinge entwickeln, die sie nicht mittragen kann, dann wünsche ich den beiden von ganzem Herzen, dass das eine gemeinsame Entscheidung wird, und sie sich deswegen in Zukunft nicht hassen, sondern sich dann immer noch freundlich und ohne Groll begegnen und in die Augen sehen können.



Liebe Katja, ich wünsche euch beiden alles Gute, ganz egal, ob es eine gemeinsame oder getrennte Zukunft wird.


Liebe Grüße
Michi

Re: Alibi„Freundin

Verfasst: So 13. Dez 2020, 13:14
von SylviaM
Hallo Michi

bei allem Respekt, wo siehst du einen Shitstorm gegen dich ?

Liebe Grüße
Syl

Re: Alibi„Freundin

Verfasst: So 13. Dez 2020, 13:24
von Michi
SylviaM hat geschrieben: So 13. Dez 2020, 13:14 bei allem Respekt, wo siehst du einen Shitstorm gegen dich ?
Liebe Sylvia,

nicht nur gegen mich, aber auch gegen mich.

Die Reaktion kam direkt nach meinem Beitrag, und ich bin selbstkritisch genug, mich in so einem Moment zu fragen, was ich wohl hätte besser machen können, wenn da nicht mal eine winzige positive Reaktion in meiner Richtung kam, obwohl ich gewisse Passagen aus gestrigen Antworten in diesem Thread versucht habe, abzumildern und verständlicher zu machen, ohne jemanden dabei angreifen zu wollen.


Liebe Grüße
Michi

Re: Alibi„Freundin

Verfasst: So 13. Dez 2020, 13:47
von Stina
@Michi,
Der Kommentar bezog sich auf meinen Beitrag, nicht auf deinen. Ich habe damit gerechnet, dass ICH einen shitstorm ab bekomme!
Gruß, Stina

Re: Alibi„Freundin

Verfasst: So 13. Dez 2020, 14:06
von Michi
Stina hat geschrieben: So 13. Dez 2020, 13:47 @Michi,
Der Kommentar bezog sich auf meinen Beitrag, nicht auf deinen. Ich habe damit gerechnet, dass ICH einen shitstorm ab bekomme!
Gruß, Stina
SylviaM hat geschrieben: So 13. Dez 2020, 13:14 bei allem Respekt, wo siehst du einen Shitstorm gegen dich ?
Hallo ihr zwei,

mir ist gerade aufgefallen, dass ich mich durch die Frage von Sylvia in die Irre leiten ließ.

Mein Fehler. Ich war bei der Beantwortung unaufmerksam, weil wir hier in der Familie zusammensitzen, und uns nebenbei noch über andere Themen unterhalten haben.

Also zur Richtigstellung:

Ich habe keinen Shitstorm gegen mich gesehen, sondern mich gewundert, dass Stina nach meinem Beitrag so eine wütende Reaktion geschrieben hat, und über meine Worte nachgedacht.

Ansonsten ist die Aussage in meiner Antwort an Sylvia jedoch zutreffend.


Liebe Grüße
Michi

Re: Alibi„Freundin

Verfasst: So 13. Dez 2020, 14:13
von VanessaB
Stina hat geschrieben: So 13. Dez 2020, 10:13 So, jetzt ist es raus! Ich stelle mich jetzt schon mal emotional auf Gegenwind ein.
LG, Stina
Hallo Stina,

ich musste lächeln, als ich Deinen Beitrag dazu gelesen habe. Ich glaube hier werden Dinge emotional falsch aufgenommen.
Natürlich würden die meisten hier es nicht gut finden, wenn sich der Partner "verändert". Das ist aber auch gar nicht das Thema.
Das Thema ist: das man das was da kommt/kam nicht ändern kann. Da kann man sich noch so wütend auf den Boden werfen und mit den Fäusten darauf herumhauen. Das habe ich das erste mal mit dem Tod meiner Mutter (da war ich 22 Jahre) verstanden. Es wird sich nicht ändern und es lässt sich nicht zurückdrehen. Sicherlich ist das ein Ventil, um Dampf aus dem Kessel zu lassen ... aber ändern tut es nichts, außer, dass es einem selbst vielleicht etwas besser geht.

Das Thema ist der Prozess und der Umgang mit dem "Ereignis". Hier gibt es kein "Richtig" und kein "Falsch" und es hat auch gar nichts mehr mit meinem Partner zu tun, sondern mit mir selbst. Was will ich, wie gehe ich mit der Situation um. Keiner der vielen geschrieben Sätze hier beinhaltet einen Angriff gegen die Partnerinnen, die sich hier angemeldet haben und diese Fragen stellen. Die meisten hier sind in dem Prozess nämlich viel weiter und wollen nur aus ihrem Erfahrungsschatz hinweise und Ratschlage geben. Das ist gut gemeint und ja auch Grundlage eines solchen Forums. Was wir alle vergessen ist dass, jeder für sich selbst diesen Prozess durchlaufen muss. Jede Transperson und jede Person im System dieser Person.

Ich kann Deinen Ansatz sehr gut verstehen, da es ja immer wieder vorkommt, dass man dieses Beispiel hört. Aber frage Dich doch mal nicht provokativ, sondern fühle Dich tatsächlich mal in die Rolle der Frau ein, die sich als Mann fühlt und dies Ihrem Partner sagen muss/will. Was macht das mit Dir? Welche Ängste hättest Du?
Dann spürst Du vielleicht etwas anderes als das, was Du jetzt hier reflektierst.
Keine Angst das soll Dich nicht in Deiner Meinung umstimmen, sondern Dir nur einen anderen Blick geben. Vielleicht wird Toleranz dann klarer.

Meine Worte sollen kein Shit-Storm sein, sondern eine konkrete Auseinandersetzung mit dem Thema. Keiner von uns kann einem anderen sagen, was er tun oder lassen soll. Alle Hinweise und Ratschlage, auch wenn sie mal wirklich schmerzen, weil sie vielleicht die Wahrheit ankratzen, sind nur Möglichkeiten sich selbst zu reflektieren und in sich zu spüren, was man selbst eigentlich braucht und will. Veränderung bedeutet Schmerz und Loslassen, egal ob Glaubenssätze oder Menschen. Wir können das Leben nicht aufhalten, aber durchaus bestimmen wie wir uns positionieren. Namasté.

Ich umarme Euch alle herzlich und wünsche Euch einen schönen 3. Advent

Vanessa

Re: Alibi„Freundin

Verfasst: So 13. Dez 2020, 14:35
von ExUserIn-2026-04-08
Stina hat geschrieben: So 13. Dez 2020, 10:13 Es wird hier immer von Toleranz geschrieben. Davon, doch dankbar zu sein, für das Vertrauen, das uns entgegengebracht worden ist. Davon, dass sich der mansch ja nicht ändert, dass wir Partnerinnen unseren Mann nicht auf das eine reduzieren sollen. Davon, dass wir zu verstehen haben, dass das ein Grund Bedürfnis ist, dass wir uns nur ein wenig damit auseinander zu setzen brauchen,

Hi Stina,

sehe ich auch so. Man darf aus meiner Sicht vom Partner etwas erwarten und jede/r hat das Recht für sich selber zu entscheiden, was gut für ihn ist oder nicht. Wenn ich aber emotional heftig involviert bin, dann frage ich mich, was das jetzt mit mir zu tun hat. Wenn meine Frau auf Mann machen würde, wäre das in erster Linie ihre Sache. Wenn ich enttäuscht bin, frage ich mich, wurde ich enttäuscht oder geht es um meine eigenen Erwartungen ? Sind meine Erwartungen gerechtfertigt ? Woher nehme ich das Recht meinen Partner meine Erwartungen unter zu schieben ?

MMn geht es nicht darum, dem Anderen die Verantwortung für mich und meine Gefühle zuzuschieben, sondern die Verantwortung selber zu übernehmen. Als meine erste Frau mich betrog und mit ihrem Chef "durchbrannte, war ich enttäuscht und verletzt. Mir ging es aber in dem Augenblick besser, als ich meine Verantwortung daran übernommen habe. Damit konnte ich umgehen und meine Lehren für mein zukünftiges Verhalten ziehen. Das hieß nicht, misstrauischer sein, sondern aufmerksamer. Meine Gefühle haben mir etwas zu sagen. Der Andere ist der Speigel für mich. So lässt sich aus meiner Sicht eine tiefere Partnerschaft aufbauen.

Re: Alibi„Freundin

Verfasst: So 13. Dez 2020, 14:40
von Stina
Liebe Michi!
Mein Beitrag kam zufällig direkt nach deinem. Ich wollte deine Worte damit bestimmt nicht herabsetzen. Es war nicht meine Absicht, einen Wut entbrannten Beitrag zu schreiben, sondern aufzuzeigen, was übrig bleibt, wenn die rosa rote Brille abgenommen wird. Ich habe einige PN bekommen, wo genau diese Problematik angesprochen wurde. Du solltest das nicht persönlich nehmen! Ich lese deine Beiträge sehr gerne und bin, genauso wie du, in der Lage zu reflektieren.

Liebe Vanessa!
Natürlich habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie sich mein Partner fühlt. Sonst könnte ich wohl kaum auf diese Schlussfolgerungen kommen! Ich vermisse, und damit bin ich nicht allein, das Verständnis für unsere Hilflosigkeit. Mit jeder Faser meines Körpers kann ich die Verzweiflung nachempfinden, auch wenn mir das nicht unbedingt geglaubt wird. Aber unsere Verzweiflung ist genauso real wie eure. Wiegt genauso schwer. Das wollte ich heraus stellen. Nicht mehr aber auch nicht weniger!
LG, Stina

Re: Alibi„Freundin

Verfasst: So 13. Dez 2020, 14:57
von kaliya
Liebe Stina
ich finde es sehr schön, dass Du im Forum aktiv teilnimmst, um die bio-feminine Sichtweise zu beschreiben - das hilft sehr, um Standpunkte anders auszuleuchten

wegen: Bio-Frau möchte mal die Seite wechseln und konfrontiert damit ihren Partner
Ich bin gefühlsmäßig absolut bei Dir - wäre ein Schock für mich

ganz liebe Grüße
Kaliya

Re: Alibi„Freundin

Verfasst: So 13. Dez 2020, 17:13
von Frieda
Stina hat geschrieben: So 13. Dez 2020, 14:40 ... was übrig bleibt, wenn die rosa rote Brille abgenommen wird....
Hallo Stina❣️

Hier möchte ich ganz deutlich als eine Partnerin, und gerade auch noch Michi's Partnerin dagegen halten!
Das ist in meiner Wahrnehmung definitiv eine Frage der eigenen Bewusstseinsentwicklung und nicht eine Frage der rosaroten Brille. Denn mein Umgang mit diesem Thema war a) unabhängig von meiner Liebsten im Vorfeld schon so und b) ist es auch jetzt so, wo wir uns nicht nur durch eine rosarote Brille sehen.

In meiner Wahrnehmung ist es ein Stolperstein seinen Partner in den alten, eingestaubten Rollenklischees zu sehen. Hilfreich ist es in meiner Wahrnehmung schlicht und einfach einen Menschen zu sehen mit allem was man an ihm liebt, und mitfühlend sich in ihn hineinzuversetzen welches Leid über Jahre hinweg auf seiner Tagesordnung stand.

Ganz ehrlich, ich kenne dich nicht Stina. Ich kenne nicht dein Sein. Aber irgendeine Facette trägst du ganz sicher in dir, die dich glücklich macht, die dich strahlen lässt. Und jetzt stelle dir vor, dass die Mitmenschen und die Gesellschaft um dich herum genau das ablehnen. Was denkst du macht das über Jahre mit dir? Was denkst du, wie würdest du das Jaaahre aushalten können?

Ich sprach freundlich und respektvoll zu dir liebe Stina❣️
Ich kann es nur manchmal schwer nachvollziehen, wieso es solche Herausforderungen gibt, wenn es doch um den Menschen geht den man so innig liebt!?
Liebt man dann doch nur Äußerlichkeiten? Sorry🙈

Namaste 🙏