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Re: Der Weg der Transition

Verfasst: Do 10. Dez 2020, 20:53
von Jaddy
Die Reizbarkeit kam bei mir später. Zuerst ging emotional mal die Sonne auf und die Welt wurde bunter, flauschiger, angenehmer. Dann war mein man shield auf einmal in der Ecke, der mich von Gefühlen ziemlich abgeschirmt hatte.

Die negative Laune hing bei mir auf jeden Fall mit uneindeutigem Hormonlevel zusammen. Egal ob T oder E, Hauptsache in einem "normalen" Level. Irgendwann war ich bei 4mg in zwei Portionen am Tag und ich merkte, dass ich wieder latent aggressiv wurde und andere schlechte Eigenschaften und Gefühle von vorher hochkamen. Der Test bestätigte: T unten, E nicht hoch genug. Also hab ich aufgedreht (und meinen Endo informiert). Erkenntnis: Unter 200pg/ml E2 ist Jaddy unleidlich.

Gewichtszunahme: 7kg. Das ging ziemlich schnell und unerwartet, bevor ich es richtig bemerkte. Und ich weiss auch warum. Immer Abends akute Fressflashs, d.h. mein Budget gerissen. Ich bin immer noch dabei, das in den Griff zu kriegen. Seit 3 Jahren.

Re: Der Weg der Transition

Verfasst: Do 10. Dez 2020, 21:09
von Bibi Melina
Jaddy hat geschrieben: Do 10. Dez 2020, 20:53 Gewichtszunahme: 7kg. Das ging ziemlich schnell und unerwartet, bevor ich es richtig bemerkte. Und ich weiss auch warum. Immer Abends akute Fressflashs, d.h. mein Budget gerissen. Ich bin immer noch dabei, das in den Griff zu kriegen. Seit 3 Jahren.
genau wie bei mir furchtbar sowas

Re: Der Weg der Transition

Verfasst: Do 10. Dez 2020, 21:16
von Scharap
Patricia_cgn hat geschrieben: Do 10. Dez 2020, 20:37 Das Alles in nur 7 Monaten
Wow, gratuliere. Dann wünsche ich dir noch alles Gute auf deinem Weg.

Re: Der Weg der Transition

Verfasst: Fr 11. Dez 2020, 10:48
von ChristinaF
Scharap hat geschrieben: Do 10. Dez 2020, 20:16 Die, die die HRT machen oder schon gemacht haben. Welche Veränderungen habt ihr, neben dem Brustwachstum, als erstes festgestellt?

Grüsse
scharap
Gratuliere, dass du mit deiner Psych. zufrieden bist. In der einen oder anderen Situation wird sie dir auf deinem Weg bestimmt helfen können.
Brustwachstum ist bei mir noch immer vorhanden. Anfangs gings relativ "schnell" bis zur Körbchengröße 85 AA. Dann teils monatelang gar nichts; nur die Brustwarzen taten meistens weh. Dann wieder einsetzendes Wachstum.
Heute BH Größe A mit leichter Tendenz zu B. Erst waren die Brüste spitz bis sie sich langsam aber stetig mit Drüsengewebe auffüllten und auch die Brustwarzen und der Warzenhof änderten sich hin zu einer fraulichen Brust.
Das schönste an diesem Wachsen, wird auch bei dir der Fall sein, ist aber die wohlige Glückseeligkeit die Brüste zu spüren und zu wissen, das sie da sind.
Bei mir ging das Körpergewicht von runden 68kg auf heute 64kg zurück; und das trotz der abendlichen "Fressattacken". Auch die Schuhgröße änderte sich von 39 auf 37/38.
Haare am Körper wurden nach einigen Monaten immer weniger. Heute ist nichts mehr erkennbar. Bis auf die Arme, wo sich nach ca. zwei Monaten eine Art weicher, dünner Flaum bildet, der dann von mir epiliert wird.
Bart wurde schon vor der HRT regelmäßig mittels Laser eliminiert. Verbunden mit den Hormonen ist auch nichts mehr sehbar.
Die gesamte Haut am Körper ist sehr weich und zärtlich geworden und Berührungen, auch an den Brüsten, lösen da bei mir wahre Glücksschauer aus.
Die Hüften wurden etwas breiter auch das Gesäß entwickelte sich hin zum Weiblichen.
Meine bisherigen Gefühle oder Emotionen wurden völlig umgestellt. Weich, zärtlich, ausgeglichen und hin/wieder kommts bei dementsprechenen Anlässen zu Tränen.
Du siehst, auf dich kommt in den nächsten Monaten einiges an Veränderung zu. Ich hoffe, dass du die HRT ebenso gut verträgst wie ich und vergiss bitte nicht, dich zwei oder dreimal im Jahr auf deinen Hormonstatus untersuchen zu lassen.
Liebe Grüße
Christina

Re: Der Weg der Transition

Verfasst: Mi 16. Dez 2020, 18:04
von Scharap
Scharap hat geschrieben: Do 10. Dez 2020, 20:16 Sie sagte mir zu Beginn mal, einfach als Info, dass sie das nicht anhand von irgendwelchen Kriterien oder Punkten bestimmen könne, sondern, dass ich für mich in meinem Inneren herausfinden muss, wer ich bin und wer ich sein möchte.
Hallo ihr Lieben.

Wie bereits geschrieben, war das letzte Gespräch mit der Therapeutin erstmal nur zum kennenlernen. Doch etwas hat dieses Gespräch dennoch gebracht, denn alle Zweifel welche mal da waren sind weg und seit gestern ist es fast so, als wüsste ich dass ich Trans bin (also dass ich innert kürzester Zeit herausgefunden habe wer ich bin). Zumindest fühlt es sich so an. Es ist gerade etwas schwer zu erklären wie ich mich fühle. Ich kann fast nur noch unentwegt daran denken. Gestern früh beispielsweise verspürte ich eine leichte innere Unruhe und am liebsten würde ich sofort mit der HRT beginnen.

Wie habt ihr herausgefunden, dass ihr tatsächlich Trans seid und wie lange hat es bei euch gedauert bis ihr sicher wart? Was habt ihr dann gemacht?

LG


Scharap

Re: Der Weg der Transition

Verfasst: Do 17. Dez 2020, 10:22
von ChristinaF
Scharap hat geschrieben: Mi 16. Dez 2020, 18:04
Wie habt ihr herausgefunden, dass ihr tatsächlich Trans seid und wie lange hat es bei euch gedauert bis ihr sicher wart? Was habt ihr dann gemacht?

LG
Scharap
Da gibts sicher viele individuelle Antworten. Bei mir wars so, dass ich durch die Gespräche mit meiner Psych. verstärkt wurde zu dem zu stehen was ich fühle. Und als ich dies akzeptiert hatte, was sicher nicht ganz einfach war, lebte ich nur noch als Frau. Und seit dieser Zeit fühle mich wesentlich befreiter und und vor allem glücklicher als vorher. Es ist einfach so, als wäre ich schon immer Frau. Ein Gefühl, dass sich nicht in Worte fassen lässt.
LG Christina

Re: Der Weg der Transition

Verfasst: Do 17. Dez 2020, 10:52
von Momo58
Hallo Sharap,

Oh frau, was für eine schwierige Frage. Bei mir hat es ein halbes Leben lang gedauert. Zum ersten Mal bemerkte ich es, als ich im Alter von 5 Jahren am Beginn der emotionalen Denkfähigkeit stand. In der Pubertät meinte ich, dass ich Crossdresser bin. Im jungen Erwachsenenalter wollte ich wieder ein ganzer Kerl sein. Richtig bewusst war es mir im Alter von 45 Jahren. Es folgten viele Jahre der Heimlichkeit, die immer schwerer auszuhalten waren. Dann suchte ich eine Selbsthilfegruppe. Beim ersten Mal ging ich mit meinen verhassten Männerklamotten hin. Dort fragte mich jemand, ob ich beim nächsten Mal weiblich gekleidet kommen möchte. Ich war erstaunt über die Offenheit, die mir bis zu diesem Zeitpunkt so fremd war. Meine transunerfahrene Therapeutin fragte mich das selbe. Diese Denkanstöße und diese Offenheit halfen mir, zu mir zu stehen. Eine Woche Gedankenkarusell noch vor mir und dann war es soweit. Es war, als ob sich ein innerer Knoten gelöst hatte. Ein Gefühl von innerer Befreiung machte sich breit. Von da an war ich 24/7 ein männlicher Gorilla in Frauenkleidern. Es dauerte eine Weile, bis mein Passing und mein Bewegungsmuster eher dem einer Biofrau entsprach. Dann folgte ein Alltagstest, eine begleitende Therapie bei einer transerfahrenen Therapeutin und der in Deutschland übliche Weg mit Antrag auf Personenstands-/Namensänderung, Gutachten, Anhörungstermin beim Gericht, rechtskräftiger Beschluss, Änderung aller Papiere, Hormontherapie. Nur die GAOP war bei mir wegen Vorerkrankungen nicht möglich. Heute bin ein einfach nur eine starke, elegante, ältere transidente Frau. Ich bin glücklich, aber manchmal frage ich mich, warum ich mich in meiner männlichen Vergangenheit so lange selbst gequält habe.

Liebe Grüße
Manuela

Re: Der Weg der Transition

Verfasst: Do 17. Dez 2020, 16:33
von Scharap
Heute hatte ich den zweiten Termin bei meiner Therapeutin. Gleich zu beginn habe ich ihr gesagt, dass ich mir mittlerweile sicher bin, dass ich Transident bin und dass mich das (dieses Gefühl) in den letzten Tagen doch etwas beschäftigt hat, sowie ich immer öfters eine leichte innere Unruhe verspüre. Ansonsten haben wir über so allgemeine Themen, wie Arbeit, Familie und Pfadi (Pfadfinder) geredet. Mal schauen was nächstes Mal so geschiet.

Re: Der Weg der Transition

Verfasst: Do 17. Dez 2020, 17:11
von Momo58
Hihi, das erinnert mich an alte Jugendsünden bei den Pfadi's. Wir klauten den Mädels die BH"s und hiessten sie auf den Fahnenmasten.
Es freut mich, dass es mit deiner Therapeutin gut läuft.

LG Manuela

Re: Der Weg der Transition

Verfasst: Do 17. Dez 2020, 18:49
von ExuseIn-2021-01-31
Weil du fragst welche Veränderungen als erstes zu spüren waren...

So nach zwei Wochen fühlte ich das der Kopf irgendwie anders war, ganz ganz schwer zu beschreiben, ruhiger, gelassener ,der Drang sachlich zu denken lies nach. Mit der Zeit interessierten mich gewisse typisch männliche Themen und Dispute nicht mehr, ja ich entwickelte sogar eine regelrechte Abneigung. Der Tunnelblick wich mehr und mehr, ich bemerkte Dinge und Eindrücke viel stärker die vorher nicht in dieser Art da waren. Diese Dinge kamen aber später so nach und nach. Nach ein paar Monaten ging es dann mit Emotionen so richtig los, plötzlich tagelang nur geheult ohne scheinbaren Grund und nicht zu kontrollieren, aber es tat gut. Es fühlte sich echt an, authentischer. Viele Veränderungen kamen schubweise und mit plötzlicher Heftigkeit, diese beruhigten sich hinterher. Sie gehörten dann fortan zu mir.
Bei jeder Erhöhung der Hormone wurde ich einige Tage später immer extrem aggressiv das ich so in meinem Charakter nicht kenne. Wenn mich da jemand nicht in Ruhe lies hatte ich das Gefühl diesem ins Gesicht springen zu müssen, leider hatten das einige Freundinnen sehr zu spüren zu bekommen. Glücklicherweise war das immer am nächsten Tag vorüber. Sie nahmen es aber hinterher mit Humor und meinten willkommen im Club... :mrgreen:

Körperlich begann Brustwachstum doch schon recht früh aber sie wachsen in Schüben, die Körperbehaarung ging spürbar zurück, ich hatte da aber eh nie viel muss ich auch sagen. Nur die Barthaare am Kinn und Oberlippe spielen hier nicht mit aber das ist die Regel. Einiges zugenommen an den Beinen, sehen weiblicher aus. Muskeln gingen ziemlich schnell weg und das war an Kraft auch zu merken. Ich hatte aber eh nicht so die Muckis...
Die Haut, das Gesicht? Ist so eine Sache...selbst bemerkt man diese winzige Veränderungen an sich nicht so, schaue mich ja jeden Tag in den Spiegel. Es sind Fremde oder andere die mich nicht oft sehen, die das an mir bemerkten, es sind Kleinigkeiten die doch das Gesicht schleichend verändern.
Achja, durch das Androcur wars im Schritt sehr schnell absolut mausetot und mit der Zeit wirds kleiner...ich brauchs eh nicht... :mrgreen: Ist für mich übrigens absolut recht, ich kann daher auch extrem kurze Röcke tragen und es stört nicht und zu sehen ist von aussen auch nichts.

Das war es so im groben Zügen und es sind nur MEINE Veränderungen die bisher nach 8 Monaten HET eingetroffen sind...bei anderen kanns wieder anders sein.

LG Kathy

Re: Der Weg der Transition

Verfasst: Do 17. Dez 2020, 20:58
von Scharap
Scharap hat geschrieben: Do 17. Dez 2020, 16:33 Heute hatte ich den zweiten Termin bei meiner Therapeutin. Gleich zu beginn habe ich ihr gesagt, dass ich mir mittlerweile sicher bin, dass ich Transident bin
Ich muss hier noch hinzufügen, dass ich bei meinem ersten Termin bei ihr schon sehr vorbereitet kam. Habe ihr einige Dokumente mitgebracht unteranderem meine bis dato gemachten Tagebucheinträge, einen Translebenslauf welchen ich erstellt hatte sowie eine Pro und Contra Liste und den Outing Brief zum Crossdressing, welchen ich letztes Jahr für/an die Eltern und Geschwister geschrieben hatte. Sämtliche Dokumente welche ich ihr beim letzten Termin mitgebracht hatte, hat sie bis heute gelesen und sich nochmals dafür bedankt, dass ich ihr diese mitgebracht (zur verfügung gestellt) habe. Als ich ihr diese bei unserem ersten Termin gab, war sie überrascht wie gut vorbereitet ich gekommen war. Nun, hat sich seit diesem einiges getan und wird sich auch weiterhin tun.

Ich freue mich jedenfalls darauf, mich selbst verwirklichen zu können.

Re: Der Weg der Transition

Verfasst: Di 12. Jan 2021, 23:49
von Scharap
Hallo meine Lieben.

Hoffe ihr seid alle gut im 2021 angekommen )))(:

Ich wollte euch wieder etwas auf den momentanen Stand meines Weges bringen. Und zwar hatte ich gestern, nach den Festtagen, meinen ersten Termin im neuen Jahr und somit bisher den Dritten. Wir haben uns erst nur über verschiedene Sachen unterhalten, was mache ich im Moment, wie geht es mir und so weiter. Gegen Ende des Gesprächs mit meiner Therapeutin kam noch mal die Frage bezüglich der HRT auf (wie aktuell das im Moment ist). Als ich ihr dann von meinem Traum, welchen ich über die Festtage hatte, berichtete und ihr gesagt habe, dass ich das als Zeichen dafür sehe, dass ich die HRT machen will (bis dato, war das noch nicht ein allzu präsentes Thema). Als dafür, dann auch das Thema bezüglich des Indikationsschreibens aufkam, sagte sie mir, sie würde mich unterstützen und eines ausstellen. Es kann sich also nur noch um Wochen handeln, bis ich mit der HRT beginnen kann.

Liebe Grüsse


scharap

Re: Der Weg der Transition

Verfasst: Mi 3. Feb 2021, 15:33
von Scharap
Hallöle ihr Lieben.

Nach dem ich, nach dem letzten Gespräch mit meiner Therapeutin, bei dem Gynäkologen welchen ich als erstes im Sinn hatte einen Termin vereinbaren wollte und dafür bis zum Juli hätte warten müssen, habe ich nun eine Endokrinologin gefunden bei der ich nicht ganz so lange warten muss. Nach dem meine Therapeutin ihr das Zuweisungsschreiben gesendet hat, habe ich den erst Termin nun nächsten Montag. Ich freue mich darauf mit der HRT beginnen zu können und das nach nur wenigen Sitzungen (4) bei meiner Therapeutin. Dennoch frage ich mich was man so bei einer 40 minütigen Sitzung macht und/oder worum es bei solchen Sitzungen geht?

Ich freue mich auf jeden Fall darauf und fiebere jetzt dem Montag entgegen :wink:.

Alles Liebe


scharap

Re: Der Weg der Transition

Verfasst: Mi 3. Feb 2021, 16:33
von Momo58
Hi scharap,

Herzlichen Glückwunsch zur HRT. Ich freu mich mir dir. Es ist nicht ungewöhnlich, dass du nach 4 Sitzungen mit der HRT beginnen kannst. Das geht bei euch in der Schweiz sportlich schnell und deine Therapeutin ist ja in der Lage, dich richtig einzuschätzen.
Die Therapeutin begleitet dich, den Rest machst du allein. Sie wird eingreifen, wenn du falsch liegst, aber das wird bei deinem Passing und bei deinem bisherigen Weg nicht so oft vorkommen.

Liebe Grüße
Manuela

Re: Der Weg der Transition

Verfasst: Mi 10. Feb 2021, 12:21
von Scharap
Guten Morgen ihr Lieben.

War eben in der Apotheke und habe die Tabletten, welche ich gestern dort "bestellt" habe abgeholt.

Am Montag war ich nun bei meinem erst Termin bei meiner Endokrinologin. Im Grossen und Ganzen ging es erstmal um die gesundheitliche Abklärung betreffend der Hormontherapie, ob da irgendwelche OP's gemacht wurden oder sonstige (Erb-)Krankheiten vorhanden sind, welche vielleicht Auswirkungen auf die HRT haben könnten. Nach dem alles Gesundheitliche soweit geklärt war, hat sie mir dann ein Rezept ausgestellt. Habe für den Anfang mal Estrofem 4 mg/Tag und einmal Androcur 10 mg/Tag für drei Monate erhalten.

In den letzten drei Nächten konnte ich gar nicht richtig (ein-)schlafen, da ich immerzu an den Beginn der HRT denken musste. Ich bin froh, dass es nun endlich soweit ist (ap). Werde euch auf jeden Fall die Tage und Wochen mal berichten wie's mir dabei so geht und ob ich schon erste Veränderungen bemerkt habe.

In diesem Sinne wünsche ich euch noch einen wunderschönen Mittwoch und bis bald :wink:.


Scharap