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Re: Der erste Tag beim Psychologen...

Verfasst: Mi 29. Jul 2020, 09:29
von Aria
Helga hat geschrieben: Mi 29. Jul 2020, 00:17
Patricia hat geschrieben: Di 28. Jul 2020, 17:49 Habe nun mit totaler Vorfreude, den ersten Tag beim Psychologen wegen Transident hinter mir.
Also um es vorweg zu nehmen, danach war ich fertig
Hallo Patricia,
was hast du dir erhofft?
Wenn beim ersten Termin die Diagnose gestellt und in den Folgeterminen nur noch Details für das Gutachten abgestimmt werden, dann ist etwas mächtig schief gelaufen.
Irgendwann wird sich der rosa Nebel lichten und du hast planmäßig noch etliche Jahre auf Erden vor dir. Daher sehe ich es durchaus als Aufgabe des Therapeuten an zu eruieren, ob die Patientin sich wirklich über die Tragweite ihres Wunsches im Klaren ist. Eine Hormonersatztherapie ist keine Bronchalweitung, auch wenn die Präparate ähnlich angewendet werden, eine Gaop ist keine Fimosenbehandlung, auch wenn es um das gleiche Körperteil geht. Diese Maßnahmen sind die einschneidensten Veränderungen, die mensch sich, seiner Psyche und seinem Körper legal zuteil werden lassen kann.
Auch wenn die Sexualität seit Freud von Psychotherapeuten gern überbewertet wird, spielt sie doch in einen sehr wichtigen Bereich des menschlichen Daseins hinein, den der zwischenmenschlichen Beziehungen. Es ist leider so dass viele Transfrauen, denen es nicht gelungen ist eine Partnerschaft aus dem "früheren Leben" mitzunehmen, den Rest des langersehnten Lebens mit dem wahren Ich allein verbringen müssen. Auch mit Neovagina wirst du für eine lesbisch orientierte Bio- Frau nicht zur Traumfrau.
Dies ist nur eine der Konsequenzen, mit denen du wirst leben müssen.
Wenn du dich unverstanden oder unsensibel behandelt fühlst ist dies nur ein Vorgeschmack auf das, was dich noch erwartet.
Die Aufgabe des Therapeuten ist es seinen Patienten zu helfen. Dies bedeutet jedoch nicht dass er alles nur abnicken muss.
Die Tatsache, dass er dich in der ersten Sitzung so verwirrt und aufgewühlt hat, deutet darauf hin, dass du selbst noch Einiges aufarbeiten musst.
Liebe Grüße
Helga

Ich finde es, ehrlich gesagt, ganz schön anmaßend von dir, wie du dich hier einbringst. Da sitzt Patricia, völlig verunsichert von der ersten Therapiestunde und alles was du machst, ist Vorwürfe. Dass man extrem verunsichert ist, ist völlig normal und deshalb geht es in erster Linie darum, Vertrauen aufzubauen und die Klientin nicht mit solchen Themen zu bombardieren. Von daher, der völlig falsche Ansatz des Therapeuten. Das solltest du auch erkennen, wenn du dich damit auskennst. Tust du aber anscheinend nicht, denn anders kann ich mir diese Antwort nicht erklären. Ich habe es dir schon mal gesagt und ich sage es gerne noch mal: Wenn du keine wirkliche Ahnung von dem Thema hast, halte die Finger still! Gerade bei einem so sensiblen Thema wie diesem hier. Denn das allerletzte, was so eine Person in dieser Lage braucht, ist zusätzliche Verunsicherung und Vorwürfe.

Re: Der erste Tag beim Psychologen...

Verfasst: Mi 29. Jul 2020, 11:16
von ChristinaF
Ich finde ebenfalls, dass das Vorgehen des Psychs. in keinster Weise dir helfen kann. Im Gegenteil. Je mehr Sitzungen du bei ihm verbringst, umso mehr wirst du dich in Verteidigungs- bzw. Erklärungszuständen finden.
Hoffentlich findest du bald einen neuen, denn das Vorgefallene ist wirklich nicht annehmbar. Dazu kommt, dass m.M. nach auch das Vertrauensverhältnis mehr als gestört ist.
LG Christina

Re: Der erste Tag beim Psychologen...

Verfasst: Mi 29. Jul 2020, 12:13
von Momo58
Ich kann nur von mir schreiben und ich habe bei den Kennenlern-Terminen immer auf mein eigenes Bauchgefühl geachtet und das hat Patricia ja auch gemacht. Ich kam damals auch verwirrt nach hause, habe in mich hinein gespürt und erst dann eine Entscheidung getroffen.

Re: Der erste Tag beim Psychologen...

Verfasst: Mi 29. Jul 2020, 14:42
von Marlene K.
Oh ja, es gibt sehr seltsame Therapeuten. Ich hatte da einen jungen griechischen Deutschen, der nicht von der Idee ablassen wollte, dass alle meine Probleme darin bestehen würden, dass ich meine Mutter sein wolle...

Ich habe sechs Sitzungen gebraucht, um mich zu trennen. Vertraue auf Dein Bauchgefühl und mverschwende nicht Deine Kraft und Deine Zeit.

Re: Der erste Tag beim Psychologen...

Verfasst: Mi 29. Jul 2020, 16:24
von Wally
Liebe Patricia,

Als ich vor 30 Jahren (!) meine Psychotherapie wegen Transsexualismus begann, mußte ich erst mal genau das lernen und begreifen, was Dir dieser [zensiert] von vornherein ausreden wollte: dass ich nämlich Frauen NICHT als Mann, sondern als Frau begehre, wie eine Lesbe - und dass genau daraus auch immer wieder die Probleme resultierten, die ich bis dahin in durchweg allen Beziehungen mit rein heterosexuellen Frauen gehabt hatte. Im weiteren Verlauf habe ich dann zwar den Unterleib trotz positiver Gutachten so gelassen, wie er war (habe mir nur die Brust aufbauen lassen, was sich für mein weiteres Leben als äußerst segensreich erwies). Der Schwengel - ob nun vorhanden oder nicht - spielte aber seitdem bei meinen längerfristig gut funktionierenden Partnerschaften (seit 13 Jahren bin ich glücklich mit einer cis-Frau verheiratet) kaum noch eine Rolle, der hätte ebenso gut weg sein können. Die Liebe zu einer Frau "funktioniert" bei mir einfach anders...

Nun ist jeder Transsexuelle anders; ich kann nicht wissen, wie das bei Dir persönlich aussieht. Wenn aber ein Therapeut schon in der allerersten Stunde denselben Weg, der mich nach jahrzehntelangem Unglück endlich und dauerhaft zu einem glücklichen Leben geführt hat, kategorisch ausschließt und dich exakt in die Gegenrichtung schicken will, anstatt wenigstens erst mal vorsichtig empathisch zu eruieren - dann beweist er damit nur, dass er von dem Metier rein GARNIX verstanden hat.

Such Dir auf jeden Fall einen Therapeuten, der spezielle Erfahrung mit Transsexuellen hat; möglichst einen, der auch schon länger als Gutachter bei Gerichten und Chirurgen anerkannt ist. Und fast noch wichtiger: such Dir als MzF eine Therpeutin, keinen Mann! Soweit unsereins psychisch wirklich weiblich ist, können uns weibliche Therapeuten nämlich schlicht besser verstehen, sie können sich da besser einfühlen und mixen nicht eigene Kastrationsängste ins Therapiegespräch. Ich hatte damals eine Therapeutin; es war ein Glücksfall für mich. Beim Zweitgutachten, das ich damals für die Krankenkassenfinanzierung meiner Brust-OP brauchte, war es dann auch okay, dass das ein männlicher Psychiater war; da ging's ja nur noch um den in der Therapie bereits erarbeiteten Status quo.

Herzliche Grüße
Wally

Re: Der erste Tag beim Psychologen...

Verfasst: Mi 29. Jul 2020, 16:43
von Alex_andra
Hallo, einen kleinen Einwand gegen die hier im Subtext zu lesende negative Darstellung des Bereichs sexueller Beratung bzw. Therapie möchte ich gerne anbringen.

Unabhängig von der Angemessenheit der Frage nach der Sexualität der Patient_in und ihren Vorstellungen bezüglich ihrer Zukunft, kann der Gang zu einem Fachmenschen für sexuelle Angelegenheiten durchaus etwas bringen, sofern sich dieser Mensch mit Trans* auskennt.
Die Tatsache, dass sich die eigene Sexualität mit großer Wahrscheinlichkeit durch die HRT sowohl psychisch als auch physisch ändern wird, sollte irgendwann während des Findungsprozesses Thema sein, ohne dass diese oft herbeigesehnten Veränderungen dämonisiert werden.
Warum also nicht auch diese Fachkompetenz in den ganzen Prozess mit einbauen. Menschen gehen aus wesentlich geringfügigeren Gründen zu solchen Stellen, oft auch als Paar, um sich fachlich beraten zu lassen.

Wichtig ist aber die trans* Kompetenz des beratenden Fachmenschen und dass es kein Muss, sondern als Option gesehen werden soll.
Auch nicht gelebte Sexualität bzw. das nicht vorhandene Bedürfnis nach sexuellen Erlebnissen kann Thema einer solchen Sitzung sein, sollte es aber nur, wenn die Patient_in dies auch ausdrücklich wünscht.

Ich möchte auf keinen Fall, dass ihr meinen Beitrag als Zustimmung zu dem oben beschriebenen Verhalten des Therapierenden lest, ich wollte nur auf die eventuell hilfreichen Kompetenzen dieser Fachleute hinweisen.

Und bitte, Patricia, lies dies nicht als Empfehlung von mir, eine solche Stelle aufzusuchen.
Ich denke allerdings selbst darüber nach.

Ob das allerdings parallel zur eigentlichen Therapie geht und von der Kasse übernommen wird, weiß ich nicht.

Sicher befindest du dich noch im Stadium der probatorischen Sitzungen. Während dieser Zeit kannst du auch Kontakt zu anderen therapierenden Stellen aufnehmen.

Wo wohnst du nochmal, habe irgendwas mit Stuttgart und Karlsruhe in Erinnerung.
Für Baden-Württemberg gibt es mittlerweile ja die Stelle der TTI Beratung in Ulm, eventuell können die bei der Suche einer geeigneten Therapie bzw. Therapeut_in helfen. Ich glaube in dieser Gegend ist auch die dgti ziemlich stark, eventuell haben die ja Adressen von trans* erfahrenen Mediziner_innen oder Psycholog_innen.

Viel Glück bei deinem weiteren Weg
Alexandra

Re: Der erste Tag beim Psychologen...

Verfasst: Mi 29. Jul 2020, 17:05
von Lavendellöwin
Liebe Patricia,

sehr vieles was ich auch für richtig halte haben einige vor mir geschrieben.

Wie Alex schon schrieb, ist es sicherlich nicht falsch sich während der Begleittherapie
auch mal mit sexuellen Themen zu beschäftigen.
Da habe ich das Glück das meine Begleittherapeutin eben auch Paar- und Sexualtherapeutin ist,
so konnte ich ganz offen auch über diese Themen reden. Für mich ist meine Thera wie ein Hauptgewinn..

Hmm, genau, offen reden. Das ist der wichtigste Punkt in der Begleittherapie.
Und, ich kann es wirklich nur wieder einmal sehr eindringlich sagen, eine gute Therapieperson
begleitet, öffnet und bereitet Wege. Ich weiss, viele Therapiepersonen sehen sich nicht so,
sondern als Diagnosesteller.
Aber grade bei *trans stellt die betroffene Person selbst die Diagnose und sonst niemand,
es geht darum, das deine Seele heilt und dein Herz Nahrung bekommt.

Ich wünsch dir, das du die richtige Person findest...

Alles Liebe Marie (flo)

Re: Der erste Tag beim Psychologen...

Verfasst: Mi 29. Jul 2020, 19:43
von rika
Ich hatte da vor ca. Jahren auch so meine Erfahrungen mit einer Psychologin. Grund: ziemlich unten und suizidgefährdet. Privat versichert fand ich ziemlich schnell eine und bin die 20 km zu Frau Dingeskirchen gefahren. Sie steigerte die Diagnose auf akut gefährdet, da männlich und 60+.

Die Termine waren immer vormittags um 10 oer 11 Uhr und dauerten eine Stunde, aber eigentlich nur 50 Minuten. Ich nahm dazu Tabletten, deren Namen ich vergessen habe. Sie machten zunächst noch depressiver und dann richtig lustig.

Frau Dingeskirchen befragte mich nach meinem Leben, meiner Kindheit und was auch immer. Ich füllte ein vielseitiges Formular aus und erzählte ihr von rika. Das war offenbar neu für sie und sie hatte dafür auch keinen therapeutischen Ansatz - wie oder warum auch? Die rika sollte ja nicht wegtherapiert werden, denn dann würde ja ein großer Teil meines "Ichs" fehlen.

Ich trabte 1 x pro Woche zu ihr hin, erzählte und erkannte, dass es meistens zu nichts führte. Warum? Ich kann ja nicht sofort und wie aus der Pistole geschossen von den Problemen der vergangenen Woche berichten und so wurden die Gespräche immer belangloser. Achja: sie hatte mich aufgefordert, eine körperliche Untersuchung vornehmen zu lassen und empfahl mir einen Internisten in der Nähe. Sie kostete € 2000 und bescheinigte, dass ich altersgemäß einiger in der Reihe war. Später erfuhr ich, dass sie beide der FEG (Freie evangelische Gemeinde, die hier sehr stark ist) angehören.

Dann überraschte ich Frau Dingeskirchen - wenn auchn mit Ankündigung - mit der äußerlichen rika. Sie war ziemlich überfordert; dabei hatte ich mich ganz schön "in die Reihe geschafft."

Nach ca. 20 Sitzungen á € 90 habe ich ihr geschrieben, dass ich nicht mehr komme.

Warum? Der Spiegel im eigenen Flur wurde der beste Therapeut, ich gewann Kraft, die in mir vorhanden ist. Und diese eigene Energie habt ihr alle auch!!!

Ich habe Menschen in meinem Bekanntenkreis, die seit Jahren zu Therapeuten gehen. Denen sage ich gerne: bezahlt ihr fürs Zuhören und könnt ihr das selbst überhaupt noch? Und habt ihr ein Problem oder seid eines? Klingt böse und ist ein wenig auch so gemeint. Mir sind zu viele Menschen begegnet, die ständig geklagt haben - über ihre Gesundheit, ihre Lebensumstände und was auch immer. Aber irgendwann kann man sie auch nicht mehr hören.

Ich hüte mich, die Menschen über einen Kamm zu scheren oder gar Messlatten anzulegen. Meine Eigene hat irgendwann funktioniert und da brauchte ich keine Psychologen mehr.

Zum Schluss: ich habe wunderbare und ganz unterschiedliche Menschen (vor allem weibliche), mit denen ich mich treffe, esse, austausche und ganz starke Zeiten verbringe. Sie machen reich und erzählen mir, dass sie Gleiches empfinden. Vor allem: wir erzählen und hören uns zu!

Therapeuten können da nicht mithalten, da diese Gespräche nie länger als 50 Minuten dauern.

Eine glückliche rika

Re: Der erste Tag beim Psychologen...

Verfasst: Mi 29. Jul 2020, 20:32
von rika
P.S. ihr seid / wir sind alle stark und lebt/leben ein besonderes Leben; das der Psychologen und Therapeuten ist dagegen unendlich arm.

rika

Re: Der erste Tag beim Psychologen...

Verfasst: Mi 29. Jul 2020, 21:51
von Helga
Aria hat geschrieben: Mi 29. Jul 2020, 09:29 Denn das allerletzte, was so eine Person in dieser Lage braucht, ist zusätzliche Verunsicherung und Vorwürfe.
Liebe Patricia,
Falls es verkehrt rübergekommen sein sollte- es war nicht meine Absicht dich zu verunsichern oder dir Vorwürfe zu machen. Dafür entschuldige ich mich.
Das Tempo mit dem du vorpreschst erfüllt mich offen gestanden mit Sorge. Seit kurzem ist dir erst bekannt / bewusst, dass es soetwas wie Transidentität überhaupt gibt, schon hast du den Entschluss gefasst eine HET zu machen und dich operieren zu lassen. Für eine solche Entscheidung braucht es eine Menge Selbstreflexion, bei der auch ein Therapeut, bei dem die Chemie stimmt, nur Hilfestellung leisten kann, wie wir hier richtigerweise lesen konnten. Wenn du dich mit allen Aspekten intensiv auseinander gesetzt hast, werden dich auch vermeintlich falsche Fragen nicht aus der Bahn werfen. Da du deinen Therapeuten bestenfalls einmal im Monat siehst, solltest du die Möglichkeiten nutzen, die dieses Forum dir bietet.
Liebe Grüße
Helga

Re: Der erste Tag beim Psychologen...

Verfasst: Do 30. Jul 2020, 07:07
von Exuserin_Patricia
Helga hat geschrieben: Mi 29. Jul 2020, 21:51
Aria hat geschrieben: Mi 29. Jul 2020, 09:29 Denn das allerletzte, was so eine Person in dieser Lage braucht, ist zusätzliche Verunsicherung und Vorwürfe.
Liebe Patricia,
Falls es verkehrt rübergekommen sein sollte- es war nicht meine Absicht dich zu verunsichern oder dir Vorwürfe zu machen. Dafür entschuldige ich mich.
Das Tempo mit dem du vorpreschst erfüllt mich offen gestanden mit Sorge. Seit kurzem ist dir erst bekannt / bewusst, dass es soetwas wie Transidentität überhaupt gibt, schon hast du den Entschluss gefasst eine HET zu machen und dich operieren zu lassen. Für eine solche Entscheidung braucht es eine Menge Selbstreflexion, bei der auch ein Therapeut, bei dem die Chemie stimmt, nur Hilfestellung leisten kann, wie wir hier richtigerweise lesen konnten. Wenn du dich mit allen Aspekten intensiv auseinander gesetzt hast, werden dich auch vermeintlich falsche Fragen nicht aus der Bahn werfen. Da du deinen Therapeuten bestenfalls einmal im Monat siehst, solltest du die Möglichkeiten nutzen, die dieses Forum dir bietet.
Liebe Grüße
Helga
Huhu Helga,

dein erster Kommentar war schon echt etwas heftig.
Mit welchen Tempo ich nun voran presche ist halt meine Sache, auch wenn es für außenstehende seltsam oder sogar verstörend rüberkommt.
Im Grunde quäle ich mich seit gut 20 Jahren damit rum und sehe diese Chance nun als Befreiung.
Beim Psychologen ging es ja nicht um falsche Fragen, die werden alle locker von mir beantwortet.
Er meinte halt selbst, er kennt sich da nicht so aus und ich sollte einen Sexualtherapeuten aufsuchen - da ihm eine Beziehung zwischen Frau > Frau sehr suspekt vorkam.

Ich werde ganz gewiss so gut wie alle Hebel in Bewegung setzen, um mein Ziel zu erreichen.
Was andere von mir denken, ist mir dabei relativ egal - es geht hier nur um mich.

lg
Patricia

Re: Der erste Tag beim Psychologen...

Verfasst: Do 30. Jul 2020, 09:01
von Aria
Helga hat geschrieben: Mi 29. Jul 2020, 21:51 Das Tempo mit dem du vorpreschst erfüllt mich offen gestanden mit Sorge. Seit kurzem ist dir erst bekannt / bewusst, dass es soetwas wie Transidentität überhaupt gibt, schon hast du den Entschluss gefasst eine HET zu machen und dich operieren zu lassen. Für eine solche Entscheidung braucht es eine Menge Selbstreflexion, bei der auch ein Therapeut, bei dem die Chemie stimmt, nur Hilfestellung leisten kann, wie wir hier richtigerweise lesen konnten. Wenn du dich mit allen Aspekten intensiv auseinander gesetzt hast, werden dich auch vermeintlich falsche Fragen nicht aus der Bahn werfen. Da du deinen Therapeuten bestenfalls einmal im Monat siehst, solltest du die Möglichkeiten nutzen, die dieses Forum dir bietet.
Hey Helga,

ich kann ja verstehen, dass du dir Sorgen um Patricia machst aber ich denke, sie ist ein mündiger Mensch und weiss schon sehr gut, wie sie die Sache angeht. Dass du dich für deinen ersten Post entschuldigt hast, ist gut. Trotzdem muss ich mich fragen, warum du nun wieder - in abgeschwächter Form - in die gleiche Kerbe haust. Vllt kannst du mir ja erklären, was die Intention hinter so einem Verhalten ist, das ich absolut nicht verstehe.

Ausserdem hätte ich gerne mal von dir gewusst, ob du die gleichen Erfahrungen wie Patricia oder ich gemacht hast. Bist du transident? Bist du deswegen in Therapie? Hast du eine derartige "Leidensgeschichte" wie hier oft in diesem Zusammenhang geschildert, erlebt? Wenn du all diese Fragen mit Nein beantworten kannst, frage ich mich, was dich dazu bewegt, soche Beiträge zu schreiben. Verstehe mich nicht falsch, ich kann gut verstehen, was deine Absichten dahinter sind und im Kern steckt auch ein wenig wahres, doch für mich sieht die Geschichte von Patricia ein wenig anders aus - zumindest bei dem, was ich aus den paar Beiträgen herauslesen konnte.

Ob und in wie fern Patricia transident ist, wird sich im Laufe einer guten Therapie für sie heraus stellen. Jedoch sehe ich, und kann es mir sehr gut vorstellen, dass schon sehr lange ein innerer Prozess bei ihr gestartet hat, sie somit schon etwas länger Selbstreflexion betreibt. Diese ewige Kopfkino mit den immer selben Gedanken, wer, was, man ist, zeugt davon. Und wenn man dann von Transgender das erste Mal erfährt, ist es wie ein Aha-Erlebnis. Und wenn man dies hatte, kommt relativ schnell, eins zum anderen. Dann weiss man auch recht schnell, wohin die Reise geht und was man alles verändern möchte. Aber, keine Sorge, Helga, bis es dazu kommt, verstreicht noch so einiges an Zeit in Therapie und die Möglichkeit sich weiter selbst zu reflektieren. Ausserdem ist nix festgeschrieben. D.h., wenn sie jetzt diese Empfindungen hat, können die in einem halben Jahr ganz anders aussehen. Heute steh sie auf Frauen, in paar Monaten vllt auf Männer. Heute möchte sie die OP, morgen evt nicht mehr.

Ein guter Therapeut wird ohnehin die notwendigen Richtlinien einhalten, die für solch eine Selbstfindung notwendig sind. Bis die OP gemacht werden kann, können schon mal 2-3 Jahre oder sogar länger ins Land gehen. Viel Zeit also, um keine voreiligen Entscheidungen zu treffen. Deswegen brauchst du dir also keine Sorgen machen, Helga. Ich mache mir viel mehr Sorgen, an was für einen Therapeuten sie da geraten ist - und das habe ich ja auch geäussert. Denn, in den ersten Gesprächen sollten solche Fragen, wie er sie gestellt hat überhaupt nicht zur Sprache kommen. Und, dass er sich eine Liebe zwischen zwei Frauen nicht vorstellen kann, zeugt von seinem veralterten Weltbild.

Eine gute Therapie sollte mMn derart starten, dass der/die Klient/in iin den ersten Stunden nur von sich erzählt, ihre ganze Lebensgeschichte ausbreitet - gerade in Bezug auf dieses Thema. Dadurch findet schon mal eine Menge Selbstreflexion statt. Da kann man auch ruhig mal bedient sein, ob seines eigenen Lebens. Und wenn dann vom Thera noch geschickt Fragen eingestreut werden á la: "Und was haben sie dabei empfunden, wenn sie ihre Freunde Patricia genannt haben?" ist das schon ein recht guter Anfang. Das alles kann dann auch schon mal 5-10 Stunden dauern, bevor es weiter in die Tiefe geht. Und wenn die Termine gut gelegt sind, kann das schon mal 1/2 Jahr dauern. Du siehst, von Schnellschuss kann hierbei auch nicht wirklich die Rede sein.

Was man ausserhalb dieses Zeitraums noch machen kann, ist zu Selbsthiflegruppen gehen und sich dort mit den Leuten austauschen. Oder man trifft sich mit Gleichgesinnten im Caffee und tauscht dort Gedanken aus. Das habe ich z.B. so gemacht, da ich keine Lust auf SHG hatte.



@Patricia: Ich weiss nicht, ob du facebook hast. Wenn ja, kannst du ja mal Transgender Germany - TGG beitreten. Dort schreibst du Julia an und bittest sie nach der Behandler-Liste. Die ist sehr gut gepflegt und gibt dir vllt Optionen, einen geeigneten Thera in deiner Nähe zu finden. Ausserdem kannst du dich in dieser Gruppe schon recht gut austauschen, denn die ist ziemlich gut nach Themen strukturiert.

Re: Der erste Tag beim Psychologen...

Verfasst: Do 30. Jul 2020, 09:54
von Jaddy
Patricia hat geschrieben: Do 30. Jul 2020, 07:07Er meinte halt selbst, er kennt sich da nicht so aus und ich sollte einen Sexualtherapeuten aufsuchen - da ihm eine Beziehung zwischen Frau > Frau sehr suspekt vorkam.
Leider sind sehr viele Therapeut"¢innen recht cis-hetero ausgerichtet und überfordert, wenn ihre Klientel da raus fällt. Da geht dann eigentlich nur, sich eine andere, in solchen Sachen kompetentere Person zu suchen.

Re: Der erste Tag beim Psychologen...

Verfasst: Do 30. Jul 2020, 15:49
von Helga
Aria hat geschrieben: Do 30. Jul 2020, 09:01
Ausserdem hätte ich gerne mal von dir gewusst, ob du die gleichen Erfahrungen wie Patricia oder ich gemacht hast. Bist du transident? Bist du deswegen in Therapie? Hast du eine derartige "Leidensgeschichte" wie hier oft in diesem Zusammenhang geschildert, erlebt? Wenn du all diese Fragen mit Nein beantworten kannst, frage ich mich, was dich dazu bewegt, soche Beiträge zu schreiben. Verstehe mich nicht falsch, ich kann gut verstehen, was deine Absichten dahinter sind und im Kern steckt auch ein wenig wahres, doch für mich sieht die Geschichte von Patricia ein wenig anders aus - zumindest bei dem, was ich aus den paar Beiträgen herauslesen konnte.

Liebe Aria,
dass mensch keine HET macht und nicht beim Therapeuten mit trans- Erfahrung in Behandlung ist muss nicht bedeuten, dass es keine jahrzehntelange Leidensgeschichte gab und keine intensive Auseinandersetzung mit Lösungsmöglichkeiten stattgefunden hat. Dies ist ein Irrglaube, der hier im Forum leider sehr verbreitet ist.
Wir sollten Patricias Post nicht weiter belasten.
Liebe Grüße
Helga