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Re: Trans„Frau und Vollkommenheit

Verfasst: Di 18. Feb 2020, 19:58
von Patricia
Ich werde niemals vollkommen sein, das ist vermutlich auch gar nicht nötig. Wenn es aber eine Therapeutische Maßnahme gäbe welche aus mir eine körperlich 100% ige Frau machen würde, dann wäre das was ich unter vollkommen verstehen würde.
Was ich darunter verstehe? Ich hätte gerne nicht nur Brüste und eine Vagina, nein ich möchte auch Eierstöcke und eine Gebärmutter haben. Ich möchte die Möglichkeit haben schwanger zu werden. Ein Erlebnis um welches mich Mutter Natur "betrogen" hat. Und bevor jetzt die Diskussion entbrennt ob unfruchtbare Frauen für mich unvollkommen sind, nein sind sie nicht, sie sind genauso vollkommene Frauen wie jede andere Frau. Aber hier geht ja es darum was es für mich bedeutet vollkommen zu sein.
Dann hätte ich gerne einen weiblichen Knochenbau, denn ich werde mit meinen Knochen wahrscheinlich nie zu 100% als Frau durchgehen, da breites Kreuz, sehr grosse Hände, voluminöser Brustkorb.
Und ich möchte gerne ein feminineres Gesicht haben, wobei ich weiß, dass mein Passing gar nicht so schlecht ist wie ich ursprünglich gedacht hab.
Aber ich bin nun mal körperlich als Mann geboren und muss das akzeptieren, dass es keine Wunderkur gibt.
Also muss ich nicht vollkommen sein um mich als Frau zu fühlen.
Dennoch denke ich werde ich am Ende eine GA-OP , evtl. BA und vielleicht FFS, lassen um so vollkommen zu sein wie möglich. Hängt von den Ergebnissen der HRT ab.
LG
Patricia

Re: Trans„Frau und Vollkommenheit

Verfasst: Di 18. Feb 2020, 20:43
von Momo58
Ich bin eine starke, liebevolle, elegante, ältere Transfrau und fühle mich so wie meine Umwelt mich sieht. Durch mein vollkommenes Passing werde ich als vollkommene Frau wahrgenommen, obwohl ich noch nicht vollkommen bin. Doch was gehört für mich zur Vollkommenheit? Ein gutes Passing, elegante Kleidung, natürliche Brüste durch HRT, Bartepilation, Logopädie, ein erlerntes Sozialverhalten einer Frau, das Durchsetzungsvermögen einer Frau, Selbstbewußtsein, eine GAOP. Das macht mich fast vollkommen, aber solange es noch nicht erfolgreich möglich ist, einer Transfrau eine Gebärmutter einzupflanzen wird die absolute Vollkommenheit niemals erreicht werden können. So wie unser Geschlecht ein gefühltes Geschlecht ist, so wird meine Vollkommenheit nur eine gefühlte Vollkommenheit sein.

LG Manuela

Re: Trans„Frau und Vollkommenheit

Verfasst: Di 18. Feb 2020, 21:10
von Aria
Hola Lexi!

Ich versuche einfach mal zu beschreiben, was in mir vorgeht und wie ich mich fühle. Vllt. wird es dir dabei klar, was ich als Transfrau unter Vollkommenheit verstehe.
Ich finde das was Kathi geschrieben hat, schon sehr gut. Ja, ich war auch mal ein offensichtlich vollkommener Mann - äusserlich. Es hat alles gepasst, bis auf eine entscheidende Kleinigkeit: Mein Betriebssystem. Das war schon immer weiblich. Wurde aber über die Jahrzehnte daraufhin konditioniert männlich zu sein. Man könnte sagen, mir wurde ein Virus eingeschleust, der mir vorspielte männlich zu sein. Und um diesen Eindruck noch zu verstärken, schaute mich aus dem Spiegelbild ein Mann an.

Aber da ein Betriebssystem mit Virus nie wirklich rund läuft, es immer wieder zu aussetzern und Fehlfunktionen kommt, die die Rechenleistung stören, begann ich mich auf die Suche nach der Ursache des Problems zu begeben. Nach einigen Sitzungen beim IT-Spezialisten war das Virus ausfindig gemacht und eliminiert - was für eine Befreiung! Doch ist das eine Problem weg, kommt das nächste. Das Betriebssystem weiss nun, dass es lange Zeit falsch lief und es weiss auch, dass es nun einen Reboot bräuchte, doch der bleibt ohne Techniker eben aus. Doch glücklicherweise kommt der bald in Form eines Endokrinologen. Das ist dann der erste und in meinen Augen auch der wichtigste Schritt in Richtung Vollkommenheit. Das System fängt nun an, immer konstanter zu laufen und kann gar nicht verstehen, wie es so lange Zeit mit dem Virus überhaupt hat funktionieren können.

Nun, nachdem das System einwandfrei arbeitet, fängt es an, Stellen an sich zu entdecken, die nicht zur Software passen. Gut, dass die Malware in der Hinsicht so nach und nach weiter ihre Arbeit verrichtet. Leider bei der einen mehr als bei der anderen. Ich kann da von Glück sprechen. Bei mir hat die ganze Arbeit geleistet. mein Vorbau ist regelrecht explodiert - und das nach 1,5 Monaten. Wäre das nicht so gewesen, hätte ich darunter bestimmt genau so gelitten, wie unter meinem Schoß. Den kann die Malware leider nicht reparieren. Und das nervt mich ungemein. Tagsüber ist alles gut versteckt und es fällt nicht wirklich auf. Doch abends beim Kleiderwechsel könnte ich heulend in die Knie sinken. So sehr strebt also mein Betriebssystem zur kompletten Angleichung. Es würde mich seelisch fertig machen, hätte ich nicht so ein dickes Fell. Doch auch das bekommt irgendwann mal lichte Stellen.

Generell lässt sich sagen, dass der Leidensdruck bestimmt, in wie weit man seinen Körper für sich Vollkommen macht. Womit die eine wunderbar klar kommt, kann bei der anderen schon die grösste Katastrophe sein. Ich hoffe, ich konnte dir mit der bildlichen Darstellung der Dysphorie, die jede unterschiedlich triggert, ein wenig verständlicher machen, wie es bei mir als Transfrau aussieht.

LG Aría

Re: Trans„Frau und Vollkommenheit

Verfasst: Di 18. Feb 2020, 21:39
von Laila-Sarah
Hallo,

Ich weiß was für ein heißes Thema dies ist. Ich möchte nur meine Meinung äußern. Niemand soll sich bitte angegriffen fühlen:

Vollkommenheit. Braucht man es? Eine individuelle Frage mit eben solcher Antwort.

Aber was ist Vollkommenheit? Die Vollkommenheit des Ganzen? Besteht sie aus der Vollkommenheit der Teile? Ist es wirklich so? Manchmal sagt man ja, dass die Summe mehr als die Teile wert sein kann. Es gibt z.B. Menschen, die als Sexsymbole angesehen werden, jedoch krumme Nasen oder Sprachfehler haben. Warum ist es so? Die frage muss sich jeder selbst beantworten.

Wenn für euch die Vollkommenheit des Ganzen die Vollkommenheit der Teile bedeutet, dann habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht für euch:

Den vollkommenen weiblichen biologischen Körper werden solche wie wir nie haben. Schließlich ist in jeder unseren Millionen Zellen ein männlichen Chromosom drin. Jeder Versuch die Vollkommenheit zu erreichen wird also immer näher dran aber nie wirklich am Ziel sein. Wie eine exponentielle Kurve immer näher an die Asymptote kommt aber nie die Asymptote berühren kann. Aber dieses immer näher, noch ein bisschen näher kommen wollen, kann Menschen ernsthaft zu Ihren Grenzen bringen. Ich habe es hier öfters im Forum beobachten müssen.

Aber jetzt die gute Nachricht: Das vollkommene weibliche Wesen: Ich habe es hier bei vielen von euch gesehen und erlebt. Und ich habe erfahren, dass vollkommene Weiblichkeit keinen vollkommenen weiblichen Körper braucht!

Wenn ihr meinen Rat hören wollt. Nimmt eure Körper so an wie sie sind. Es sind biologische Maschinen und sie funktionieren in diesem Originalzustand am besten. Aber arbeitet ruhig an euren weiblichen Wesen und versucht es so weit wie möglich zu perfektionieren. Denn wie steht es in Sun Tzu Ping Fa:
Kämpfe nicht, wenn Du nicht gewinnen kannst.
Den XY Chromosom aus jeder euren Zellen kriegt man nicht raus (Hardware) aber das Gehirn kann vollkommen umprogrammiert werden (Software).

VlG

Re: Trans„Frau und Vollkommenheit

Verfasst: Di 18. Feb 2020, 23:39
von Nicole Fritz
Aria hat geschrieben: Di 18. Feb 2020, 21:10 Es hat alles gepasst, bis auf eine entscheidende Kleinigkeit: Mein Betriebssystem.
Dieser Gedanke schoss mir letztlich erst durch den Kopf: Was unterscheidet einen Trans*-Menschen von einem Cis-Menschen? - Auf dem einen Gehirn läuft Windows und auf dem anderen Linux. :lol:
Laila-Sarah hat geschrieben: Di 18. Feb 2020, 21:39 Nimmt eure Körper so an wie sie sind. Es sind biologische Maschinen und sie funktionieren in diesem Originalzustand am besten.
das geht mir als Enby jetzt runter wie Öl. - Mir kam schon öfter der Gedanke, dass es meinem Körper mit Hormonen ähnlich ergehen könnte, wie meinem Motorrad, wenn ich statt dem üblichen Hochleistungs-Mehrbereichsöl eine Mischung aus Rizinus- und Rapsöl verwenden würde. :wink:

Re: Trans„Frau und Vollkommenheit

Verfasst: Mi 19. Feb 2020, 04:38
von ExuserIn-2020-10-20
Der Verglich mit den Betriebssystemen von Linux und Windows gefält mir, hat nur leider einen Haken.
Samba, :mrgreen: die Schnittstelle zwischen den Betriebssytemen.
Da steckt der Teufel im Detail.

LG
Petra Sofie

Re: Trans„Frau und Vollkommenheit

Verfasst: Mi 19. Feb 2020, 06:48
von Whoopy Highfly
Wer oder was ist Vollkommenheit?
Dieser Begriff steckt bei vielen im Kopf.
Verlieren wir, alle Menschen, nicht den Überblick auf der Suche nach Vollkommenheit? Oder ist hier Perfektion gemeint.
Dann stellt sich die Frage, wer oder was ist perfekt?
Ich gehe soweit, da ich von mir behaupten kann, das. Ich weder perfekt und / oder vollkommen bin.
Verbreitet denn nicht jede Person eine Illusion, perfekt zu sein?
Versuche ich vollkommen oder perfekt zu sein, entsteht eine Illusion im Auge des Betrachters. Das Aussehen einer Person entsteht im Kopf. Wir haben doch alle ein Schema in unserer "Datenbank", was uns suggeriert, die Person zu sehen was wir uns wünschen.

Unser Gehirn spielt uns visuell viele Streiche, die nur durch objektive Betrachtungen zu widerlegen.

Re: Trans„Frau und Vollkommenheit

Verfasst: Mi 19. Feb 2020, 10:59
von Jasmine
Laila-Sarah hat geschrieben: Di 18. Feb 2020, 21:39 ..................
Wenn ihr meinen Rat hören wollt. Nimmt eure Körper so an wie sie sind. Es sind biologische Maschinen und sie funktionieren in diesem Originalzustand am besten. Aber arbeitet ruhig an euren weiblichen Wesen und versucht es so weit wie möglich zu perfektionieren. Denn wie steht es in Sun Tzu Ping Fa:
Kämpfe nicht, wenn Du nicht gewinnen kannst.
......................
Ich glaube ich habe schon sehr viel gewonnen, in einem Kampf den ich nie gedacht habe zu gewinnen.
K640_IMG_20200218_143656.JPG
Ich bin weiblich und den Orginalzustand werde ich noch mit einer OP ändern. Aber bin ich dann vollkommen?
Nein, aber bestimmt zufrieden erreicht zu haben, was für mich richtig und wichtig ist.

Den Satz: "Biologische Maschinen funktionieren im Orginalzustand am besten" muss ich in meinem Fall sagen: NEIN
Gerne kann ich schreiben was ich durchmachte von der Jugend bis zu meinem Outing, aber das würde hier den Rahmen sprengen.
Wie sich mein Zustand verschlimmerte bis ich "all in" ging. Meine Partnerin sagte mal zu mir: Es ist so schön zu sehen wie ich erblühe.
Ich vegetierte im Orginalzustand dahin, meine Seele wurde immer und immer wieder verwundet, getreten.... wie lange hätte ich es noch aushalten können?
Krankheiten, Depression........... eine schlimme Vergangenheit die ich am liebsten vergessen würde. Ich kann nur froh sein, das ich eine Partnerin an meiner
Seite habe die 100% hinter mir steht und mich auf meinem Weg begleitet.
Auch den Satz: "Nehmt eure Körper so an wie sie sind" erinnert mich an die Worte meiner Mutter, du bist so geboren spiel deine Rolle in der Gesellschaft.
NEIN und nochmals NEIN
Sie treiben mir die Tränen in die Augen und ich spüre jeden Schlag. Tut mir leid, das nimmt mich ein wenig mit.
Mit Tränen in den Augen, Jasmine

Re: Trans„Frau und Vollkommenheit

Verfasst: Mi 19. Feb 2020, 11:21
von Momo58
Danke Jasmine für deine schönen Worte. Ich habe das selbe gedacht, aber so schön und gefühlvoll hätte ich mich nicht ausdrücken können.

GLG Manuela

Re: Trans„Frau und Vollkommenheit

Verfasst: Mi 19. Feb 2020, 11:47
von Laila-Sarah
Jasmine hat geschrieben: Mi 19. Feb 2020, 10:59
Laila-Sarah hat geschrieben: Di 18. Feb 2020, 21:39 ..................
Wenn ihr meinen Rat hören wollt. Nimmt eure Körper so an wie sie sind. Es sind biologische Maschinen und sie funktionieren in diesem Originalzustand am besten. Aber arbeitet ruhig an euren weiblichen Wesen und versucht es so weit wie möglich zu perfektionieren. Denn wie steht es in Sun Tzu Ping Fa:
Kämpfe nicht, wenn Du nicht gewinnen kannst.
......................
Ich glaube ich habe schon sehr viel gewonnen, in einem Kampf den ich nie gedacht habe zu gewinnen.
K640_IMG_20200218_143656.JPG
Ich bin weiblich und den Orginalzustand werde ich noch mit einer OP ändern. Aber bin ich dann vollkommen?
Nein, aber bestimmt zufrieden erreicht zu haben, was für mich richtig und wichtig ist.

Den Satz: "Biologische Maschinen funktionieren im Orginalzustand am besten" muss ich in meinem Fall sagen: NEIN
Gerne kann ich schreiben was ich durchmachte von der Jugend bis zu meinem Outing, aber das würde hier den Rahmen sprengen.
Wie sich mein Zustand verschlimmerte bis ich "all in" ging. Meine Partnerin sagte mal zu mir: Es ist so schön zu sehen wie ich erblühe.
Ich vegetierte im Orginalzustand dahin, meine Seele wurde immer und immer wieder verwundet, getreten.... wie lange hätte ich es noch aushalten können?
Krankheiten, Depression........... eine schlimme Vergangenheit die ich am liebsten vergessen würde. Ich kann nur froh sein, das ich eine Partnerin an meiner
Seite habe die 100% hinter mir steht und mich auf meinem Weg begleitet.
Auch den Satz: "Nehmt eure Körper so an wie sie sind" erinnert mich an die Worte meiner Mutter, du bist so geboren spiel deine Rolle in der Gesellschaft.
NEIN und nochmals NEIN
Sie treiben mir die Tränen in die Augen und ich spüre jeden Schlag. Tut mir leid, das nimmt mich ein wenig mit.
Mit Tränen in den Augen, Jasmine
Hallo Jasmine,

zuerst einmal tut es mir sehr Leid in dir massive negative Emotionen ausgelöst zu haben. Es war keine Absicht (siehe Disclaimer im original Post) und du hast was ich geschrieben habe zum Glück auch falsch verstanden:
Kämpfe nicht, wenn Du nicht gewinnen kannst.
Den Kampf sich selbst zu finden kann man sehr wohl gewinnen. Und man sollte ihn auch kämpfen. Auch in dem man sich äußerlich ändern lässt ist es vollkommen in Ordnung und evtl. sogar unabdingbar.

Der Text bezog sich auf den Faden und im Faden geht es um Perfektion oder Vollkommenheit. Mein oberes Zitat bezieht sich auf den Drang den perfekten weiblichen Körper zu bekommen und nicht aufhören zu können diesen Zustand anzustreben.Das ist für mich ein Kampf den man nicht gewinnen kann.
Nimmt eure Körper so an wie sie sind. Es sind biologische Maschinen und sie funktionieren in diesem Originalzustand am besten.
Auch hier rede ich ausschließlich vom Körper. Dem Gefäß was dich auf der materiellen Ebene existieren lässt und dich leben lässt. Sie ist eine hochkomplizierte biologische Maschine. Und ein unbeschreibliches Wunderwerk. Sehr viele Parameter, sehr viele Abhängigkeiten. Alles erfüllt eine Funktion und ist so abgestimmt wie sie biomechanisch am besten funktionieren kann. Chirurgische eingriffe haben ernst zu nehmende Risiken. Es ist falsch sie wegzureden. Auch der wechsel von Hormonen und die Blocker können nach langen Jahren Nebenwirkungen zeigen. Ich denke der Preis ist hoch den man dafür Zahlt.

Aber auch dass kann ich verantworten und es ist OK solange man einen Punk erreichen kann, wo man aufhört und zufrieden ist. Die Frage ist: Wird es dann perfekt? Und wird man dann zufrieden sein und sich akzeptieren?

VlG

Re: Trans„Frau und Vollkommenheit

Verfasst: Mi 19. Feb 2020, 12:01
von Jaddy
Also Vollkommenheit kann ich nicht definieren, denn alles, was ich mir vorstellen kann, wäre in der Praxis vermutlich entweder unzureichend oder irgendwann langweilig. OK, ausser Nirvana, aber da das mit der AUflösung des Ichs einher ginge, gäbe es danach keine Entität mehr, die das beurteilen könnte.

Aber ich weiss, was ich aus jetziger Perspektive gerne hätte. Kennt ihr die "Culture"(1) von Iain Banks? So etwas. Post-scarcity, pan-humanistisch, mind orientiert, losgelöst von physischen Körpern, wobei die biologischen Körper dort schon sehr flexibel in ihren Möglichkeiten sind.

Gender? Egal. Der Begriff verliert ohnehin die Bedeutung in der Gesellschaft von vielfältigen nichtmenschlichen Wesen einschliesslich synthetischer Intelligenzen. Warum festlegen auf ein kleines Set von Verhalten, wenn 1 je nach Situation und Sinn aus dem ganzen Spektrum wählen kann?

Und Geschlecht? Körper? Was darf's denn heute sein? Wenn "mind-states" wie Spielstände gespeichert, kopiert, übermittelt und in andere Körper transferiert werden können, biologische und technische, oder in KI-Matritzen im virtuellen laufen, stellt sich ohnehin mehr die Frage nach Bewusstsein, Selbst und Eigenidentität - und ob es das überhaupt gibt.

Also in einer solchen Welt würde ich die Möglichkeiten nutzen, verschiedene Körper zu bewohnen und Erfahrungen zu sammeln. Humanoide verschiedener Art, mit unterschiedlichen Features(2). Chimären möglicherweise. Aber auch ganz andere. Nicht ackern wie ein Pferd oder fliegen wie ein Vogel, sondern als Pferd bzw. als Vogel.

Das ist so die Art von Leben, wie es meiner Ansicht nach sein sollte und die Art von Möglichkeiten, die es bieten sollte. Frau? Mann? Mensch? Die Frage hat für mich keine Bedeutung. Ich empfinde sie als deutlich zu klein und einengend und verbinde mit den Begriffen einfach nichts für mich relevantes. So als würde 1 angesichts der Zukunftsplanung immer nur nach der Sockenfarbe gefragt werden. Die Vollkommenheit der Sockenfarbe ist mir aber egal. Mir fehlen ganz grundsätzliche Möglichkeiten.

Statt wirklich tolle Dinge machen zu können, sitze ich auf diesem rückständigen Planeten fest, dessen Bewusstseine sich um ein paar mühsam aus dem Boden gekratzten Steine prügeln oder wer den besseren unsichtbaren Freund hat oder ob nach aussen oder nach innen gerichtete Genitalien festlegen, was die Person tun, denken, sagen oder anziehen darf. Das ist doch alles eher Kinderspielplatz.

So, und nun zurück zur regulären Diskussion ob 1 den lieben Mitmenschen die bevorzugte Erscheinungsform zumuten darf oder welche Repressionen folgen, oder ob das willkürlich einschränkende Versorgungssystem an unterentwickelter Bio-Technik die gnädige Erlaubnis für ein paar kleine, aber irrwitzig aufwändige Korrekturen an den zufällig entstandenen, sehr unzureichenden und kurzlebigen Körpern gewährt :)

---

(1) Besser den englischen Wiki-Beitrag [1]https://en.wikipedia.org/wiki/The_Culture und einen Artikel von Banks über seine Hintergedanken [2]http://www.vavatch.co.uk/books/banks/cultnote.htm

(2) "An elaborate thought-code, self-administered in a trance-like state (or simply a consistent desire, even if not conscious) will lead, over the course of about a year, to what amounts to a viral change from one sex into the other. The convention - tradition, even - in the Culture during the time of the stories written so far is that each person should give birth to one child in their lives." [2]

Re: Trans„Frau und Vollkommenheit

Verfasst: Mi 19. Feb 2020, 12:29
von Lavendellöwin
Laila-Sarah hat geschrieben: Mi 19. Feb 2020, 11:47 wo man aufhört und zufrieden ist. Die Frage ist: Wird es dann perfekt? Und wird man dann zufrieden sein und sich akzeptieren?
Liebe Laila-Sarah,

ich mag ja deine Faktenchecks sonst ganz gerne, weil ich darin schon den einen oder anderen
Gedanken für mich aufgreifen konnte...

an bestimmten Ecken des Lebens kommst du aber mit Fakten nicht weiter-oder naja ich für
mich jedenfalls nicht. Will ich auch gar nicht, genauso wie mir manchmal Meinungen von anderen
recht egal sind, da auch mal mein Befinden vorne stehen darf...sogar muss...

Vielleicht ist es an einem Tag perfekt und da ist vollkommene Zufriedenheit-an nächsten Tag ist
es aber schon anders...
ist es an einem Tag perfekt, nenne ich das "All-Eins-Sein" also mit Allem eins sein mit mir, der Welt
und den Menschen um mich rum. Was dazu nötig ist zeigt und bringt der Tag..
gibt es viele Tage wo es eher nach "Alleinsein" im Wortsinn aussieht macht mich das sehr unzufrieden,
da ich getrennt bin von Allem, vielleicht sogar wenn es ganz schlimm ist von meinem Körper.

Würdest du mich an so einem Tag fragen was würdest du für deinen Wunsch den du gerade hast, oder
dein Verlangen oder das tiefe Gefühl es muss sich was ändern tun, würde ich wohl sagen ich würde
mein Leben dafür geben-nur für eine Minute Glück und den Zustand des "All-Eins-Sein"..
bin ich da schon ist alles schön..

wie wenn man an einem Fluss sitzt..manchmal ist der klar und es ist möglich auf den Grund zu sehen,
manchmal aber ist er schmutzig und viel zu schnell um etwas darin wahrzunehmen.

Hmm Vollkommenheit ist doch etwas umfassendes, etwas aus einem komplexen Leben rauszupicken
und sagen das ist vollkommen-naja, ich weiss nicht, ist etwas seltsam, kann es schwerer aber auch leichter
machen..
und bevor ich mich jetzt vollkommen in unvollkommenen Gedanken verliere, änder ich was und wechsel
vielleicht meinen Standpunkt...

Alles Liebe Marie (flo)

Re: Trans„Frau und Vollkommenheit

Verfasst: Mi 19. Feb 2020, 13:25
von Jasmine
Laila-Sarah hat geschrieben: Mi 19. Feb 2020, 11:47 Hallo Jasmine,

zuerst einmal tut es mir sehr Leid in dir massive negative Emotionen ausgelöst zu haben. Es war keine Absicht (siehe Disclaimer im original Post) ..............
(he) Natürlich war es keine Absicht von dir, ich bin dir auch nicht böse. (he)
Aber es ist mal so, da lese ich einen Beitrag und schon berühren mich die Worte. Dann kommen Reaktionen mit denen ich nicht gerechnet habe. Wenn die Worte mich dann auch noch an die Vergangenheit erinnern, dann fließen eben wie in diesem Fall mal die Tränen. Ich habe mich zu unserer Katze aufs Sofa gekuschelt und versucht wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Dann habe ich mich neu geschminkt, nachdem ich mich wieder gefangen habe. Bei all meinem selbstbewußten Auftreten erinnern mich gerade solche Momente an die Geschehnisse der Vergangenheit und ich spüre die Narben auf meiner Seele. Vollkommen bin ich nicht, habe viele Ereignisse von früher aufgearbeitet, aber es gibt natürlich auch bei mir Momente in denen ich schwach und verletzlich bin. In denen ich spüre wie sehr mein Herz geblutet hat. Das kommt dann so wie heute morgen zum Vorschein.
Liebe Grüße Jasmine

Re: Trans„Frau und Vollkommenheit

Verfasst: Mi 19. Feb 2020, 14:31
von Laila-Sarah
Jasmine hat geschrieben: Mi 19. Feb 2020, 13:25
Laila-Sarah hat geschrieben: Mi 19. Feb 2020, 11:47 Hallo Jasmine,

zuerst einmal tut es mir sehr Leid in dir massive negative Emotionen ausgelöst zu haben. Es war keine Absicht (siehe Disclaimer im original Post) ..............
(he) Natürlich war es keine Absicht von dir, ich bin dir auch nicht böse. (he)
Danke dir. Jetzt geht es mir auch besser. Weil es hat mich schon sehr belastet, was es bei dir ausgelöst hat. Sorry nochmal (flow)

Re: Trans„Frau und Vollkommenheit

Verfasst: Mi 19. Feb 2020, 14:44
von Laila-Sarah
!EmmiMarie! hat geschrieben: Mi 19. Feb 2020, 12:29
Laila-Sarah hat geschrieben: Mi 19. Feb 2020, 11:47 wo man aufhört und zufrieden ist. Die Frage ist: Wird es dann perfekt? Und wird man dann zufrieden sein und sich akzeptieren?
Liebe Laila-Sarah,

ich mag ja deine Faktenchecks sonst ganz gerne, weil ich darin schon den einen oder anderen
Gedanken für mich aufgreifen konnte...

an bestimmten Ecken des Lebens kommst du aber mit Fakten nicht weiter-oder naja ich für
mich jedenfalls nicht. Will ich auch gar nicht, genauso wie mir manchmal Meinungen von anderen
recht egal sind, da auch mal mein Befinden vorne stehen darf...sogar muss...

Vielleicht ist es an einem Tag perfekt und da ist vollkommene Zufriedenheit-an nächsten Tag ist
es aber schon anders...
ist es an einem Tag perfekt, nenne ich das "All-Eins-Sein" also mit Allem eins sein mit mir, der Welt
und den Menschen um mich rum. Was dazu nötig ist zeigt und bringt der Tag..
gibt es viele Tage wo es eher nach "Alleinsein" im Wortsinn aussieht macht mich das sehr unzufrieden,
da ich getrennt bin von Allem, vielleicht sogar wenn es ganz schlimm ist von meinem Körper.

Würdest du mich an so einem Tag fragen was würdest du für deinen Wunsch den du gerade hast, oder
dein Verlangen oder das tiefe Gefühl es muss sich was ändern tun, würde ich wohl sagen ich würde
mein Leben dafür geben-nur für eine Minute Glück und den Zustand des "All-Eins-Sein"..
bin ich da schon ist alles schön..

wie wenn man an einem Fluss sitzt..manchmal ist der klar und es ist möglich auf den Grund zu sehen,
manchmal aber ist er schmutzig und viel zu schnell um etwas darin wahrzunehmen.

Hmm Vollkommenheit ist doch etwas umfassendes, etwas aus einem komplexen Leben rauszupicken
und sagen das ist vollkommen-naja, ich weiss nicht, ist etwas seltsam, kann es schwerer aber auch leichter
machen..
und bevor ich mich jetzt vollkommen in unvollkommenen Gedanken verliere, änder ich was und wechsel
vielleicht meinen Standpunkt...

Alles Liebe Marie (flo)
Hallo Marie,

Aber das genau meine ich doch. Du bist z.B. einer diese User, wo ich sage: Sehr nah am "perfektem" weiblichem Wesen. Und natürlich auch andere z.B. Jasmine. Weil ihr einfach sehr warm und weiblich denkt. Die ganze Männlichkeit ist bei euch nicht mehr vorhanden. Vor allem nicht die toxische Version. Ihr macht auch einen Eindruck, wo man denkt: Emotional integer und ausgeglichen ... irgendwie angekommen. Dieses Gefühl ist für mich der Schlüssel zu allem. Wenn man diese innere Balance nicht findet und es statt dessen immer draußen an der Meinung anderer Leute, an materiellen Dingen, an OPs, an Medikamenten sucht. Dann dreht man sich wie eine Katze im Kreis, der sein eigenes Schwanz jagt. Wie ich schon sagte: Ein gewisses Maas an "Anpassung" ist bestimmt angebracht und von Mensch zu Mensch verschieden. Aber es darf kein ewiger Kreislauf werden, weil es ja vollkommen sein muss. Irgendwann wird nämlich das Hamsterlein im Hamsterrad müde und bricht zusammen.

VlG