Seite 2 von 2
Re: Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache
Verfasst: Di 28. Jan 2020, 13:45
von ExuserIn-2020-10-20
Hallo Nicole,
Du hast Recht, nicht gendergerechte Texte in Büchern und z.B. Anzeigen sind im Allgemenen besser zu lesen, darum hat man die Möglichkeit eine Fußnote zu setzen. Ob sie wirklich gelesen wird ist fraglich, zeigt aber das der Autor verstanden hat worum es geht. Bei Büchern gibt es die Möglichkeit eines kurzen Vorwortes, oder einen Prolog der die Situation besser beschreibt.
Dieses vorgegbene Thema befaßt sich schließlich explizit mit Fußnoten.
Deshalb sind solche Fußnoten als eine "Salvatorischer Klausel" zu betrachten. Auch nicht die beste Lösung, schließlich wird aber dabei klar wie der vorangegange Text zu lesen ist, und welche Grundeinstellung vorliegt. Diesen Sinn zu transportieren ist wichtiger, als sich in verschwurbelten Gendertexten zu verlieren.
LG
Petra Sofie
Re: Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache
Verfasst: Di 28. Jan 2020, 15:15
von Jaddy
gagalady hat geschrieben: Di 28. Jan 2020, 12:40Deinen Beitrag finde ich gut. Schade, daß Du ihn im letzten Satz selbst konterkarierst...
Nun, das sind leider häufige Beobachtungen. Bei einem großen Konzern in Bremen zum Beispiel muss eine trans Frau in der Produktion sich trotz VÄ/PÄ nach wie vor in der Waschkaue für Männer duschen, umziehen, die Männertoilette benutzen. Entscheidung von recht weit oben. Und die haben eine ganze Diversity-Abteilung. Die gleiche Firma kriegt es seit Monaten nicht auf die Reihe, eine Personenstandsänderung auf "divers" inkl. Vornamensänderung in ihren Systemen zu realisieren. Das Jobcenter weigert sich, eine trans Person mit korrigiertem Namen und Personenstand bei der Berufsschule anzumelden, was zum direkten, sofortigen Zwangsouting geführt hat. Ein Rettungsdienst schreibt immer noch den alten Namen in die Schichtpläne - wobei hier die Kolleg"¢innen glücklicherweise voll hinter der betroffenen Person stehen. Trans Personen werden gekündigt - und die Stelle sofort wieder ausgeschrieben - natürlich mit "m/w/d" (2 Fälle in meinem Umfeld). Das sind nur ein paar Fälle, die ich hier in den letzten Monaten aus den SHG mitbekommen habe.
Deshalb wollte ich daraif aufmerksam machen, dass solche Dinge wie "m/w/d" häufig Lippenbekenntnisse sind - ebenso wie diese Fussnoten - und die Betriebe bei weitem noch nicht bereit, sich da wirklich zu verändern. Von einzelnen positiven Ausnahmen abgesehen, selbstverständlich. In den Stellenanzeigen steht es tatsächlich hauptsächlich, um Abmahnungen durch darauf spezialisierte Abmahnfirmen zu vermeiden.
Re: Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache
Verfasst: Di 28. Jan 2020, 15:30
von Jaddy
Petra Sofie hat geschrieben: Di 28. Jan 2020, 13:45Du hast Recht, nicht gendergerechte Texte in Büchern und z.B. Anzeigen sind im Allgemenen besser zu lesen,
Das wird häufig behauptet, aber experimentell nicht belegbar. Siehe z.B.
https://magazin.tu-braunschweig.de/pi-p ... dlichkeit/ Es gibt zahlreiche Studien mit gleichem Ergebnis dazu.
Bottom line:
1. Wird die Verständlichkeit wesentlich von der generellen sprachlichen Optimierung beeinflusst - sprich: Texte sollten generell verständlicher geschrieben werden
2. Ist der Effekt, dass die rein männliche Form auch generell männlichere Bilder im Kopf hervorruft, nachweislich. "Der Arzt", "Der Kunde", ...
Es mag sein, dass Einzelne ein anderes Bauchgefühl haben. Das dürfte aber - meine Vermutung - wesentlich a) an fehlender Gewöhnung und b) noch nicht optimalen Formulierungen gemäss Punkt 1 oben liegen.
Re: Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache
Verfasst: Di 28. Jan 2020, 15:44
von Nicole Fritz
Petra Sofie hat geschrieben: Di 28. Jan 2020, 13:45
Hallo Nicole,
Du hast Recht, nicht gendergerechte Texte in Büchern und z.B. Anzeigen sind im Allgemenen besser zu lesen, darum hat man die Möglichkeit eine Fußnote zu setzen. ...
Hallo Petra Sofie,
in einem Roman macht es meistens keinen Sinn, genderneutral schreiben zu wollen. Da zeigt man mit der Sprache ja ein Bild von unserer Gesellschaft, die nun einmal nicht genderneutral strukturiert ist. Bei einem Sachbuch weise im Klappentext und im Vorwort auf die Problematik hin. Sonst versuche ich, soweit es ohne "Verrenkungen" möglich ist, das generische Maskulinum zu vermeiden und so wenig wie möglich zu gendern. Ein - schon etwas älteres - Beispiel gibt es
hier.
Unangenehm kann es für nicht-binäre Personen eigentlich nur werden, wenn man sie direkt anspricht - Geschäftsbrief, Stellenausschreibung, ... . Und dann ist eine Fußnote nur eine Entschuldigung für die unpassende Anrede. Letztlich bedienen sich die "Diversen" (trans*, inter-, nicht binär) mit der */_-Schreibweise nur einer Entwicklung, die mit der Gleichberechtigung und Emanzipation der Frauen (50% der Bevölkerung!) angefangen hat. Und ob 'BäckerIn', 'Bäcker/in', 'Bäcker_in' oder 'Bäcker*In' macht da den großen Unterschied doch wohl auch nicht.
LG Nicole
Re: Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache
Verfasst: Di 28. Jan 2020, 16:09
von Anne-Mette
Moin,
Jaddy hat geschrieben: Di 28. Jan 2020, 15:15
Bei einem großen Konzern in Bremen zum Beispiel muss eine trans Frau in der Produktion sich trotz VÄ/PÄ nach wie vor in der Waschkaue für Männer duschen, umziehen, die Männertoilette benutzen.
Das wäre ein Fall für die Antidiskriminierungsstelle. Ich will aber nicht groß abschweifen; denn es geht hier im Thema um die gendergerechte Sprache.
Letzte Woche hatte ich die Anfrage einer Einrichtung, die wissen wollte, wie es "im Alttagstest" mit dieser Frage ausschaut; heute fragte mich eine Bildungseinrichtung nach der Möglichkeit, den "neuen Namen" auf den Zeugnissen anzugeben.
Ich will die genannten Negativbeispiele nicht kleinreden; aber ich erlebe immer wieder, dass sich Firmen und Einrichtungen bemühen und durchaus aufgeschlossen reagieren, aber Hinweise und Beratung brauchen.
Gruß
Anne-Mette
Re: Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache
Verfasst: Do 30. Jan 2020, 21:52
von JuLa67
Svetlana L hat geschrieben: Di 28. Jan 2020, 07:33
JuLa67 hat geschrieben: Mo 27. Jan 2020, 21:52
genau das habe ich getan. Ich habe die Kollegin darauf hingewiesen, dass die Formulierung sehr altbacken klingt, wo im Geschäftsalltag von m/ w/ d gesprochen und geschrieben wird.
Die Kollegin hat sich sehr aufgeschlossen für den Hinweis bedankt und versprach Änderung!
Als ich nachschaute stand da:
Aus Gründen der leichten Lesbarkeit nutzen wir Begriffe in männlicher Form.
Selbstverständlich sind immer
alle Menschen gemeint.
Das, finde ich, ist eine schöne Formulierung.
Liebe Grüße
Larissa
Re: Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache
Verfasst: Fr 31. Jan 2020, 07:38
von Svetlana L
Oftmals steckt ja nicht böser Wille dahinter, sondern lediglich Unwissenheit - und das kann man ja ändern. Bleibt zwar noch das grundsätzliche Problem dieser Fußnoten - aber immerhin

Re: Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache
Verfasst: Mo 8. Feb 2021, 12:24
von Marlene K.
Da diese Debatten ja immer weitere Auswirkungen bis in das Heiligtum Nachrichten in den öffentlich-rechtlichen Sendern hat bringe ich mal einen humorigen Beitrag hierzu...