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Re: "Einordnen"

Verfasst: Mo 20. Jan 2020, 14:09
von Joe95
Ich bin ja selber so eine Art "Pronomenlegastheniker".
Sechzig Jahre selbst missgendern, das steckt tief drin.

Ich nehm es auch keinem übel. Statt dessen freue ich mich drüber so leben zu dürfen, wie ich mich fühle. Ich fachsimple im Baumarkt mit dem Mann an der Säge in meinem femininsten Look oder komm in Arbeitskleidung (Männerklamotten) und beklage mich bei der Kassiererin mit den ewig langen Krallen über meine brüchigen Nägel.
Ich fühle mich frei.

Re: "Einordnen"

Verfasst: Mo 20. Jan 2020, 14:37
von Nicole Fritz
Hallo,

die entscheidende Frage scheint hier wohl zu sein, ob man sich dem täglichen "Kampf" mit der falschen Zuordnung stellen, oder sein äußeres so anpassen möchte, dass es "perfekt" in die binäre Schublade passt.

Wer nun als TS das "Glück" hat mit Hormonen und OPs sein äußeres gut angleichen zu können, kann sich diesem "Kampf" weitgehend entziehen. Wie ist es aber nun, wenn die Natur oder - was ich immer wieder lese - die Eigenwahrnehmung hier Grenzen setzt? Dann gibt es da ein Ideal, dass ich irgendwie nie erreichen kann. Das macht mich unglücklich, depressiv oder neidisch. Ich fühle mich schlecht(*). Also bleibt mir nichts anderes übrig, als mich wie ein*e Enby, der*die ja schon vom Empfinden her in keine der Schubladen passt, diesem "Kampf" zu stellen.

Das ist auch das, was ich am Trans-Weg kritisiere: einige werden glücklich damit, viele nutzen ihn teilweise um den "Kampf" erträglicher zu machen, und ebenso vielen nützt er nichts. Meiner Meinung nach wäre dieser Weg bei einer allgemeinen Akzeptanz der Gender-Vielfalt weitestgehend überflüssig. Und das ist mein Ideal, für das ich mich bei diversen Plattformen im Netz einsetze - auch wenn wohl einige daraus schließen, ich sei nur verbittert und hacke deshalb ständig auf unserer von Dummheit und Arroganz in begrenzten Bahnen geleiteten Gesellschaft herum.

(*) ich habe hier folgenden Eindruck: Da fühlt sich eine TS angestarrt, weil alle ihre Blicke auf eine auffallend schöne Frau richten. Und dann sagt die Eigenwahrnehmung: jetzt habe ich alles nur mögliche getan, und das Passing ist immer noch schlecht.

LG Nicole

Re: "Einordnen"

Verfasst: Mo 20. Jan 2020, 14:39
von Wally
Jaddy hat geschrieben: Do 16. Jan 2020, 00:15 Ich habe mich gerade ziemlich geärgert.
Es fiel der Satz "..diejenigen, die sich nicht einordnen können", und damit war ich gemeint als einzige bekannt nicht-binäre Person dort.
Hallo Jaddy,

ich weiß ja nicht, wo genau, von wem (ach ja: inzwischen hat sie sich selber geoutet) und in welchem Zusammenhang das fiel. Ich habe aber den Eindruck, dass Du hier im CD-Forum NICHT der/die einzige Enby bist; ich selber ordne mich auch so ein, und sehr viele, vermutlich sogar die Mehrzahl hier würde ich ebenfalls als Enby einschätzen. Dass wir uns in das traditionelle, binäre Geschlechterschema nicht einordnen können, ist doch gerade das, was uns von "Normalos" unterscheidet: kein Vorwurf, sondern bloß eine banale Tatsache. Okay, draußen in der Öffentlichkeit gibt's immer noch ein paar wenige Betonköpfe, die uns aus dieser Tatsache einen Vorwurf machen. Aber hier im Forum? Komm mal wieder runter.

Herzlichen Gruß
Wally

Re: "Einordnen"

Verfasst: Mo 20. Jan 2020, 15:03
von Joe95
Nicole Doll hat geschrieben: Mo 20. Jan 2020, 14:37 Und das ist mein Ideal
Nicht nur deins, das wäre das Ideal überhaupt.
Ich bin hier in meinem Umfeld ziemlich bekannt und scheinbar auch irgendwie akzeptiert (vermutlich als die Quotentranse oder der nette Freak von nebenan), womit ich dem schon recht nahe komme.
Aber ich mache mir keine Hoffnung das ich dieses Ideal wirklich mal erlebe.