Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 13. Dez 2019, 08:34
Was schlägst Du vor ?
Ich würde drei Dinge vorschlagen: Sichtbarkeit, Wissen und Emanzipation.
Sichtbarkeit: Dazu hast Du im Grunde schon alles gesagt. Ich kann mich da nur anschließen. Meine Erfahrung der vergangenen 20 Jahre ist die, dass man der Gesellschaft "da draußen" weit mehr "zumuten" kann, als immer angenommen wird. Wie oft hört man noch immer, die Gesellschaft "wäre noch nicht so weit". Das ist Unsinn. Wenn nicht jetzt, wann dann? Wenn die AfD in der Regierung sitzt? Es ist allerhöchste Zeit, dass aus dem "Gespenst trans Mensch", das hier in Deutschland noch immer dominiert, echte Menschen mit echten Gesichtern werden, denn nur mit echten Menschen kann sich eine Gesellschaft solidarisieren.
Wissen: Meiner Ansicht nach ist es unerlässlich, dass alle(!) trans Menschen zumindest in Grundzügen mit der wissenschaftlichen Debatte um das Thema "Trans" vertraut sind. Nicht, um dann irgendwelchen Schmähschriften zu widersprechen, sondern um in Gesprächen, die der Sichtbarkeit zwangsläufig folgen werden, Fragen beantworten oder zumindest auf Quellen verweisen zu können. Viele Menschen haben heute schonmal irgendwas über "Trans" gelesen, möglicherweise gar in der "FAZ". Da ist es dann sehr hilfreich, wenn man auf die Fragen eingehen kann, die sich aus dieser Lektüre ergeben. Das wäre auch ein Punkt, an dem die Verbände noch viel mehr tun könnten, indem sie wissenschaftliche Informationen gut aufbereitet und vor allem
kritisch hinterfragt(!) öffentlich zur Verfügung stellen. Auf sowas könnte man dann verweisen und sagen: Schau, da und da kannst Du nachlesen, warum diese oder jene Studie Unsinn ist.
Emanzipation: Adorno hat es vor vielen Jahren schon treffend formuliert: Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Aktuelle "Narrative" zum Thema "Trans", die ausschließlich auf "Dysphorie", "Leid" etc. fokussieren, behaupten aber das Gegenteil. Sie suggerieren, man könne innerhalb eines durchgehend pathologischen und pathologisierenden Konstrukts doch irgendwie ein "normales" Leben führen, wenn man trans Menschen nur ausreichend kontrolliert und "betreut". Das aber ist ein Widerspruch in sich, der sich "normalen" Menschen kaum vermitteln lässt. Deshalb müssen wir im ersten Schritt der Emanzipation dringend davon wegkommen, uns immer wieder auf "Narrative" zu berufen, die ausschließlich auf "Leid" und "Dysphorie" basieren. Ansonsten bleiben wir in den Augen "der anderen" immer bemitleidenswerte Kreaturen der Gattung "Patient". Über weitere Emanzipationsschritte können wir dann reden, wenn die "Patientenrolle" überwunden ist...