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Re: Der selbe Mensch ?!

Verfasst: Do 5. Dez 2019, 15:56
von Engelchen
Anja hat geschrieben: Do 5. Dez 2019, 15:47 Aber das bezieht sich ja auch wieder auf ihn. Also wenn sich da im Laufe der Zeit was ändert, dann vermutlich zum Positiven hin, so lange ihr euch beide damit wohl fühlt.
Ich denke hier kann ich Anja gut folgen.

Lisa

Re: Der selbe Mensch ?!

Verfasst: Do 5. Dez 2019, 16:01
von Céline
Ich antworte mal kurz und bündig.....
Ich bin ein komplett anderer Mensch und ändere mich immer mehr.
An mir ist im Grunde nichts mehr konstant und ich merke es selbst.
Das beinhaltet negative sowie positive Eigenschaften
Céline

Re: Der selbe Mensch ?!

Verfasst: Do 5. Dez 2019, 16:08
von Saskia_lc
Hallo Carry,

als ich mich gegenüber meiner Lebensgefährtin geoutet habe, brachte ich auch dieses Argument "ich bin ja der gleiche, das CD war schon immer da..." Aber ich änder mich schon allein damit, das ich es nun mehr ausleben kann. Ich kann mich jetzt anziehen, schminken und auch Shoppingedanken ausleben. So kennt mich meine Partnerin nicht :) Ich bemerke auch Ihre "Sorgen" wohin sich das noch entwickeln wird. Es wird "mehr" werden und all das wird mich verändern, sicherlich positiv, aber es muss ja nicht das sein, was meine Partnerin möchte. Sie akzeptiert mich als CD vollkommen, aber wenn es mehr wird, hat sie sicherlich auch Angst Ihren männlichen Partner zu verlieren, so wie sie ihn jetzt kennt.

Aber Charakterlich werde ich mich sicherlich kaum ändern, jedenfalls nicht durch Saskia.

Gruß Saskia

Re: Der selbe Mensch ?!

Verfasst: Do 5. Dez 2019, 16:26
von sbsr
Carry hat geschrieben: Do 5. Dez 2019, 14:54 Verstehe ich also richtig, dass sich auch in der Interaktion mit anderen Menschen (Partner*In?) nichts ändert aus Deiner Sicht?
Also tatsächlich nur das äußere Erscheinungsbild?
Würde ich so behaupten, ja. Meine Frau will von der ganzen Sache nichts wissen und mitbekommen, und ich denke dass mir das gelingt und ich mich im "normalen Leben" eben nicht verändert habe, ist für sie der Hauptgrund, warum wir noch verheiratet sind.

Carry hat geschrieben: Do 5. Dez 2019, 14:54 Wahrscheinich macht das einen Großteil des Unterschiedes zwischen Crossdressern und Transsexuellen/Transidenten aus, oder!?
Das kann ich nicht beantworten. Ich kann nur mutmaßen, dass angenommen ich würde Vollzeit in Frauenoptik leben, also komplett nur Damenkleidung, lange Haare, Makeup usw., aber ohne Hormone oder OP, wahrscheinlich würde sich mein Wesen dadurch trotzdem nicht verändern, denn so wie ich bin, so bin ich halt nunmal, wie und warum sollte Kleidung etwas an meinen Emotionen ändern?

Ich möchte nicht ausschließen, dass es bei anderen so sein kann, ich kann es mir bei mir nur nicht vorstellen.

Re: Der selbe Mensch ?!

Verfasst: Do 5. Dez 2019, 16:51
von ExuserIn-2022-05-22
Ich will nur für mich schreiben und kann sagen das sich an meinem Wesen nichts geändert hat . Auch das wechseln zwischen M-F ist kein Problem. Und ich habe auch nicht das Gefühl das sich das ändern wird . Ich glaube es ist eher eine Horizont Erweiterung.
Das kann bei anderen natürlich anders sein . Aber dann kommt es aus psychisch- emotionalen Tiefe .

Re: Der selbe Mensch ?!

Verfasst: Do 5. Dez 2019, 16:53
von Tatjana_59
Hallo Carry,

Ich habe nur dein Eingangsposting gelesen, den Rest kurz überflogen.
Nur den Beitrag von Céline habe ich ganz gelesen.
Und diesen Beitrag kann ich nur voll unterstreichen.
Ich bin TS mit komplett abgeschlosser Transition.
Von meiner Warte aus kann ich dir versichern.
Ich bin komplett anders, nicht nur auf Grund der Op's.
Es hat sich nicht nur die Hülle geändert, sondern meine komplette Psyche.
Mit Beginn der HRT begannen die Veränderungen.
Meine Frau ist alles andere wie glücklich darüber obwohl sie meinen ganzen Weg mitging.
Schlussendlich habe ich sie sogar verlassen.

Trotzdem hält meine Frau noch immer zu mir, kämpfte um mich.
Und der Kampf lohnte sich.
Wir werden ganz von vorne neu anfangen.
Mit der Gewissheit dass ich ein total anderer Mensch bin.

LG Tatjana

Re: Der selbe Mensch ?!

Verfasst: Do 5. Dez 2019, 17:06
von Sophia69
Hallo Carry,
ich bezeichne mich oder besser gesagt, bin Crossdresser. Mir geht es genauso wie Svenja. Ich trage das Gefühl der weiblichen Seite -und dieser Seite schenke ich viel Raum- und dem damit verbundenen Lebensgefühl ja schon seit meiner Kindheit in mir. Soll heißen, dass ich mich nie mit dem typisch männlichen Rollenklischee identifiziert habe, aber auch nicht mit dem weiblichen Pendant. Machos, wie auch Mäuschen waren und sind nie eine Option für mich. Eher starke und gefühlvolle sowie empathische Männer, als auch sinnliche, erotische "Powerfrauen".
In meiner Pubertät, in der es erst ganz gegen Ende das Internet gab, fühlte ich mich als zumindest sonderbar oder anders ausgedrückt, normal, normal waren die anderen. Deshalb "flüchtete" ich mich mehr oder weniger in die "verwegene Männerrolle". Als extremer Abenteuersportler mit total durchtrainierten Köper trug ich hin und wieder heimlich Damenunterwäsche und FSH. Dies war meine äußere, aber nicht ersichtliche Verbindung zu meiner Weiblichkeit. Natürlich war ich in den eigenen 4 Wänden auch ganz en femme gekleidet. Auch hier schlug/und schlägt dann das Pendel eher zur extremeren Seite aus mit: Langhaarperücke, Minirock und High Heels.
Als ich mir dann aber vor gut 10 Jahren, auch durch Hilfe des Internets eingestand, dass ich Crossdresser bin und damit anfing dies auch zu genießen hat sich hiermit lediglich die Einstellung zu mir selbst sich geändert. Ich bin als Mann nie breitbeinig gegangen, habe mich ebensowenig breitbeinig in Sesseln "gelümmelt" und habe noch nie über sexistische Witze gelacht, bin immer modebewusst gewesen und hatte und habe immer einen Faibel für das Schöne. Nun aber genieße ich es als Ausdruck meiner Weiblichkeit mich geschmeidig und teilweise grazil zu bewegen oder bspw. nach schönen Accesoires ausschau zu halten etc. .
Da ich noch nicht mein Comming Out vor meiner Frau hatte, braucht sie eigentlich nicht mehr zu befürchten, als dass sich mein Erscheinungsbild in Richtung Frau ändert. Natürlich hat sie sich in das Erscheinungsbild des Mannes verliebt, was meiner Meinung nach auch nicht unter dem Teppich zu kehren ist, aber sie hat sich genauso in den Mann verliebt, der einfühlsam ist, modebewusst ist und viel Wert auf Ästhetik legt. Wenn ich ihr dann en femme gegenüber treten würde bzw. werde ist meine Liebe, mein Empfinden mein Gefühl für sie, ja mein gesamtes Verhalten genauso wie je zuvor, nämlich einzigartig und voller Liebe getragen. Denn ich bleibe der/ die gleiche. Nur fühle ich mich in Damenkleidung wohler. Sie ist für mich teilweise viel feinfühliger, vor allem facettenreicher, verspielter, schöner! Dies kommt meinem Naturell entgegen. Ja, und offen und ehrlich gesagt finde ich Frauen generell attraktiver als Männer und wäre zumindest zeitweise auch gerne eine. Aber deshalb verändert sich nicht mein Charater, meine Persönlichkeit oder wie immer frau es nennen mag, nicht.

Carry, ich hoffe, dass ich einwenig dazu beitragen konnte, dass du dir ein aufschlussreicheres Bild von uns CD, die natürlich dennoch so verschieden sind, wie kaum ein Mensch den anderen gleicht, machen kannst.

Ich wünsche Dir und deinem Partner, dass Ihr beide mit einander glücklich bleibt oder werdet.

Liebe grüße Liz (moin)

Re: Der selbe Mensch ?!

Verfasst: Do 5. Dez 2019, 17:57
von Lavendellöwin
Carry hat geschrieben: Do 5. Dez 2019, 15:00 Also (ich bin auch nicht sicher, ob ich meine Frage verständlich formuliere?), wenn jetzt ein "Mann" der aber eine weibliche Seite in sich trägt,
so ist, wie er ist, dann steht/stand er ja immer unter dem Einfluss dieser weiblichen Seite, mehr oder weniger bewusst - denke ich
Würde also bedeuten, wenn die Frau sich dann Bahn bricht, dann kommt eben dieser weibliche Anteil deutlicher hervor?
Hi Carry,

im Grunde ja..nur das vielleicht Einfluss das falsche Wort ist.
Es ist von einer Facette dieses Wesens bis eben das ganze Wesen-mit den ganzen Abstufungen von meinetwegen
DWT bis trans* oder enby oder oder.

Es gibt CD's die näher am trans*sein stehen und manche weiter weg-jetzt gibt es Haue-CD's sind für mich
nicht wirklich bei transident einzuordnen, vielleicht transgender-das ist meine Sicht.
An der Stelle sehe ichs wie Svenja-eine Klamotte anzuziehen bei klassischen CD ist eine Klamotte anziehen,
weil die Person das schön findet und Lust drauf hat-dann ist die Wesensänderung theoretisch minimal.
Dann ist es die gleiche Person. In dem Augenblick...

Wenn nun das Gefühl da ist, ja ich bin eine Frau, ist es auch schon vorher da, aber mit dem Schritt sich
es einzugestehen fällt etwas ab, wie eine alte Haut oder ein Kokon-dann erscheint erst das ganze wahre
Wesen. Und da könnte man auch sagen, eine andere, eben die tatsächliche Person.
Von daher sage ich auch ich bin nicht die gleiche wie vor Jahren-wäre ich doch aber sowieso nicht, egal
welche Entwicklung ich genommen hätte..
das Ganze ist ein Prozess..

Wie Anja sagt, niemand kann dir sagen was die Zukunft bringt-mit Sicherheit wird sie aber Veränderung bringen.
Und die muss nichts mit ein bisschen Crossdressing zu tun haben..

Alles Liebe Marie (flo)

ah PS..natürlich liebe ich meine Partnerin noch immer (bald sind es 18 Jahre an Neujahr) und sie mich-vielleicht
sogar mehr, aber wir für uns haben die Geschlechtlichkeit in der Beziehung auch aufgelöst.
Hier geht es um uns als Menschen nicht um was sich biologisch im Schoss zeigt...

Re: Der selbe Mensch ?!

Verfasst: Do 5. Dez 2019, 18:36
von ExuserIn-2020-03-10
Carry hat geschrieben: Do 5. Dez 2019, 13:14 Hallo liebes Forum,
[...]
Was mich wirklich interessiert, wären eure Erfahrungen, wie seht ihr Mädels euch selbst, wenn ihr "en femme" seid, wie ändert sich das Verhalten gegenüber euren Partnerinnen, oder eben auch nicht, ändert sich die Gefühlswelt in Bezug auf die Partnerin, oder nicht!?
Ich fände es spannend, darüber mehr zu erfahren!
Jetzt schon vielen Dank für eure Antworten (flow)
Beste Grüße, Carry
Hallo Carry,
für mich als 'Teilzeitfrau' ändert sich überraschend wenig. Klar, wenn ich abends schick gekleidet weggehen möchte, dann freue ich mich natürlich drauf, ich verbringe eine Stunde oder länger im Bad, bis ich dann so aussehe wie ich aussehen möchte. Aber innerlich bin ich tatsächlich immer derselbe Mensch, ich denke, handle, fühle nicht anders als wenn ich im Mann-Modus unterwegs bin. Ich fahre vielleicht etwas vorsichtiger Auto, aber eigentlich auch nur um nicht einen Unfall zu riskieren, das wär sonst schade um die viele Vorbereitungszeit.
Auch gegenüber meiner Partnerin ändert sich da nichts, für die bin ich eigentlich immer ein Mann auch wenn ich grad nicht danach aussehe.

Allerdings war das nicht immer so.
Es gab auch eine Zeit (ist allerdings schon lange her), da musste ich das Weibliche vor meiner damaligen Frau verstecken. Jedoch, wenn man das versteckt dann staut sich der Drang nach dem Weiblichen immer stärker auf bis man dann mal wieder 'Gelegenheit' hat es auszuleben. Dass man dann "jemand anders" ist, dass man sich anders fühlt, das kann man wahrscheinlich leicht nachvollziehen. Ich würde mal vermuten, diese Annahme, man wäre "jemand anders", "weiblicher", das kommt in der Anfangsphase schon daher dass man es nie gewohnt war, dass man es nicht mehr verdrängt, versteckt, man lässt "sich selbst" plötzlich zu und das ist natürlich "anders" als der bisherige Alltag.

Meine bescheidenen Gedanken..
LG,
Ute

Re: Der selbe Mensch ?!

Verfasst: Do 5. Dez 2019, 18:41
von ExuserIn-2020-03-10
Carry hat geschrieben: Do 5. Dez 2019, 15:35 das denke ich ja auch, aber meinst Du, es wird sich seine Sicht auf mich, sein Empfinden mir gegenüber ändern, wenn er dann mal Zuhause in meinem Beisein "en femme" ist?
Vielleicht mag "die andere" mich ja gar nicht? :?: :wink: (Du weißt, wie ich das meine...)
Hi Carry, interessante Gedanken hast du da..
ich vermute mal es wird sich etwas in Bezug auf dich ändern - es wird mehr Offenheit in der Beziehung geben weil das 'Trans-Sein' nicht mehr versteckt werden muss.
Deine Befürchtung, dass 'die Andere' dich nicht mag, die ist meiner Meinung nach unbegründet. So groß sind die Veränderungen nicht. Sprich, wenn da Ablehnung wäre hättest du es schon längst von ihm gemerkt ;-)

LG,
Ute

Re: Der selbe Mensch ?!

Verfasst: Do 5. Dez 2019, 18:42
von YvonneTV
Carry hat geschrieben: Do 5. Dez 2019, 13:14 Was mich wirklich interessiert, wären eure Erfahrungen, wie seht ihr Mädels euch selbst, wenn ihr "en femme" seid, wie ändert sich das Verhalten gegenüber euren Partnerinnen, oder eben auch nicht, ändert sich die Gefühlswelt in Bezug auf die Partnerin, oder nicht!?
Ich fände es spannend, darüber mehr zu erfahren!
Hallo Carry (moin)

für mich als Teilzeitfrau/CD (ich bin gern Mann doch auch mal gern Frau) gibt es da verschieden Bereiche.
Kurz zu mir: Ich lebe Yvi seit einigen Jahren aus. Meine Partnerin wusste davon vom ersten Moment und ist ok damit. Wir sind nun bald schon drei Jahre zusammen (he)

1. Die Optik:
Hier bin ich komplett verschieden durch Make-Up und Outfit. Das geht soweit, dass mich viele eng vertraute direkt erst mal nicht erkannt haben :D

2. "Die Bewegung":
Hier meine ich Gestik, Mimik und auch die Körperhaltung. Ich trage z.B. gern Highheels, da ist der Gang automatisch anders.
Wenn ich sitze im Minirock, dann sind die Beine eng zusammen - als Mann sitze ich meist "klassich" breitbeinig rum :mrgreen:

3. Aktivitäten/Verhalten/Gefühle
Hier gibt es für mich keinen Unterschied als Yvi oder im Männermodus ! Die "Dinge" die ich als Mann nicht mag mag ich als Yvi auch nicht (z.B. Oper).
Dinge die ich mag, mache ich als Yvi auch gern.

Mit meiner Steffi ändert sich da auch nix: Ob wir nun einfach Arm in Arm laufen, knutschen, Shoppen gehen oder uns mit Freunden treffen - da bin ich immer ich (egal ob Yvi oder als Mann).
Die Gefühlswelt ist bei mir die gleiche.

4. "Entspannt macht vieles mehr Spass":
Tatsächlich tut die Yvi Zeit mir sehr gut und ich bin oft entspannter. Sprich die alltäglichen Probleme rücken in den Hintergrund und wenn ich z.B. im Supermarkt an einer langen Schlange stehe, dann ärgert mich das nicht (oder viel weniger). Auch wenn ich alltägliche Dinge erledige, dann machen diese mir mehr Spass als Yvi, eben weil ich entspannter bin und mich dann nur schwer was aus der Ruhe bringen kann. (als Mann ärgern mich solch banalen Dinge schon meist mehr)

Das ist etwa so wie frisch verliebt oder wenn man im Urlaub ist. Da ist man einfach gechillter .... :mrgreen:

Yvi Zeit ist Wellnes für die Seele und tut mir gut - doch ich bin immer ich )))(:

PS: Hoffe das ist einigermassen verständlich (smili)

Re: Der selbe Mensch ?!

Verfasst: Do 5. Dez 2019, 18:50
von Michaela M.
Hallo!
Meine Frau hatte mich ja schon kennengelernt mit meiner weiblichen Seite. Für sie ist es normal das
ich z. B. bei bestimmten Filmen z. B. Forrest Gump weine, das ich Bollywood, Sissi, usw. mit ihr ansehe, bei Schmerzen,
Krankheit nicht jammere wie ein Mann, zärtlicher bin, gerne mit ihr einkaufen gehe, ein guter Zuhörer bin, multtasking
kann usw. was man als nicht typisch Mann ansieht.
Als Kind war ich immer abwechselnd bei den Schwestern von meinem Vater, mit meinen Cousinen, im Kindergarten und
in der Schule mit den Mädels zusammen, was für mich normal war, wo ich mich wohl fühlte und sich keiner daran störte
das ich nicht so wie die anderen Jungs war.
Für meine Mutter musste ich dagegen immer den Sohn geben in der Öffentlichkeit. Meine Frau sagte dann immer,
dass das nicht ich bin, merkte wie schwer mir das verstellen fiel und ich darunter litt. Das machte ihr immer Angst
belastete auch sie, da sie mich so ja nicht kennengelernt hatte. Es war also bei uns genau umgekehrt, die männliche
Seite machte die Probleme in der Beziehung, da ich ein Verhalten an den Tag legen musste, was mir nicht entsprach.
Erst Ende Januar 2014, als meine Mutter starb, musste ich mich nicht mehr verstellen, etwas vorspielen und es fiel ein
Stein bei uns beiden vom Herzen.
Ich habe ja das Glück das mein Körper schon immer mehr weibliche Hormone produzierte wie männliche.
Dann kommt noch dazu das durch die Leistenoperationen die Samenleiter verwachsen und vernarbt sind,
die Hoden seit Jahren nichts mehr produzieren, was dazu führt das, wenn im Februar die HET los geht,
es keine großen Veränderungen im Verhalten geben wird, sondern nur körperlich.

Gruss
Michaela M.

Re: Der selbe Mensch ?!

Verfasst: Do 5. Dez 2019, 19:00
von Franka
Ich kann auch nur als Vollzeitfrau antworten.
Die Hormone bewegen natürlich schon einiges. Es fließen jetzt Tränen in traurigen Momenten, meine Kolleginnen haben nach 20 Jahren entdeckt ich kann ja sprechen. Beim Autofahren bin ich viel entspannter und rege mich kaum noch auf, muss auch keinen LKW mehr überholen, wenn ich an der nächsten Ausfahrt eh raus will, das kann aber auch dem Klimaschutz geschuldet sein und nicht den Hormonen :D
Früher war ich echt eine harte Nuss, die harte Schale hat nichts an mich heran gelassen aber auch keine Emotionen heraus. Das ist heute ganz anders.
Auf der anderen Seite trinke ich immer noch lieber ein Bier, als Sekt, Grille lieber ein Steak als Salat zu essen und habe auch noch alle meine Kettensägen in Gebrauch.
Als alltags Frau ist meine Kleidung aber legerer geworden, als zu Anfangszeiten. Kurze Röcke und High-Heels trage ich eher selten in letzter Zeit.
Ich bin auf der einen Seite bestimmt noch der selbe Mensch, habe aber auch viele Veränderungen durchgemacht.
Meine Frau wollte nicht mit eine Frau zusammen leben, aber wir haben es geschafft beste Freundinnen zu bleiben und sehen uns regelmäßig und unternehmen als Freundinnen noch viel zusammen.
Manchmal kann man halt nicht alles haben.

LG Franka

Re: Der selbe Mensch ?!

Verfasst: Do 5. Dez 2019, 19:35
von Kadenz
(Meine Ansicht als Partnerin)

Ja, Hormone können natürlich einiges verändern. Das gilt aber alles für jeden, zu jeder Zeit. Wenn ich schlechte Laune wegen PMS habe oder in die Menopause komme oder in die Mid Life Crisis, bin ich dann noch der gleiche Menschen? Ich denke, ja. Menschen sind nicht "fest", sie verändern sich ständig. Sie haben Launen, Tagesform, passen sich Situationen an, haben teilweise einschneidende Erlebnisse und reifen. Genauso wenig, wie ich zweimal in den gleichen Fluss springen kann, ist eine Person immer die selbe.

Natürlich kann ich mich einer Person gegenüber fremd fühlen, zB wenn mein Ehemann unerwartet in Frauenkleidung vor mir steht. Er sieht anders aus und verhält sich anders. Aber wenn ich zB einen Freund nur privat von ausgelassenen Feiern kenne und ihn dann plötzlich in seiner Arbeit als Zollbeamte treffe, kann ich vielleicht auch das Gefühl haben, das ist eine andere Person. Tatsache ist: Menschen haben viele Facetten, und oft kennt man nicht alle davon... Trotzdem heißt das nicht, dass das unterschiedliche Menschen sind.

Gerade gestern habe ich zu Phi gesagt, dass sie noch genau der gleiche Mensch für mich ist, obwohl sie jetzt als trans* lebt. Das bedeutet, dass ihr Wesen für mich gefühlt eine Kontinuität hat. Da ist kein Bruch drin. Klar sind jetzt ein paar Dinge anders, aber das sind halt Entwicklungen, wie sie manchmal einfach im Leben passieren.

Und ja, manchmal trennt man sich wegen solcher oder anderer Entwicklungen. Ich habe Verständnis für die Menschen, die die Beziehung auflösen, wenn ihr Partner sich als trans* outet. Man kann sich seine Sexualität nicht aussuchen, und wenn das Gegenüber ein andere Geschlecht als vorher hat, kann es sein, dass es dann nicht mehr sexuell passt, obwohl der Mensch an sich der selbe ist. Hoffentlich bleibt aber wenigstens ein Gefühl der Verbundenheit.

Re: Der selbe Mensch ?!

Verfasst: Do 5. Dez 2019, 19:42
von Newbie
Hey Carry,

spannendes Thema! (yes)
Ich bin die Partnerin von DanielaTV und wir stehen auch erst ganz am Anfang unserer gemeinsamen Reise. Das Outing ist nun 6 Wochen her und ich habe meinen Partner (CD) bisher nur 1x ganz en femme gesehen. Ich glaube, du hattest es mit verfolgt, dass wir zwischendurch einige Schwierigkeiten hatten, weil ich durch Stress zwei Wochen gar keine Berührung mit dem Thema hatte. Meine Aussagen sind daher natürlich nur auf mich bezogen und wie ich die Veränderungen in der kurzen Zeit wahrgenommen habe.

Mein Partner hatte mir im Outing berichtet, dass es für ihn immer schwerer war mit der Zeit die Rolle des Mannes aufrecht zu erhalten. Dann kam die Zeit, in der ich hier im Forum am Lesen war und war erstaunt darüber, wie weiblich er/ sie hier im Forum schrieb. Alleine die Anreden mit "Huhu ihr Lieben" oder "Liebe (und dann der Username)", das kannte ich gar nicht. Wenn er sonst als Mann mit seinen Kumpels im Teamspeak unterwegs ist, dann höre ich immer nur "Moin" oder eher so in die Richtung. Natürlich bleibt er gewissermaßen die gleiche Person, vielleicht die gleiche Identität (hmm, schwer zu beschreiben), aber die Sichtweise und das Verhalten sind schon weiblicher und weicher geworden teilweise, wie ich finde. So viel Erfahrungen haben wir noch nicht sammeln können, aber vielleicht hilft es dir ja weiter.