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Re: Sozialisation in der Rolle
Verfasst: Di 3. Dez 2019, 14:07
von ExuserIn-2021-04-19
Beim Tragen von hochhackigen Schuhen unterscheidet sich mein Gang automatisch vom männlichen Gang. Das geht wohl jedem so. Wenn man das Laufen mit hohen Hacken passabel beherrscht, sieht das ganze schon sehr nach Frau aus. Bei flachen Schuhen muss ich aufpassen, dass ich nicht versehentlich in den Männermodus falle. Also kurze Schritte, Arme anwinkeln usw. Ich achte allerdings auch als Mann meistens auf eine gute Haltung. Rücken gerade, Kopf hoch - der aufrechte Gang ist schließlich Produkt einer langen Evolution, den soll man nicht verschludern

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Re: Sozialisation in der Rolle
Verfasst: Di 3. Dez 2019, 15:37
von Engelchen
Ich glaube ich muss mich selber mal genauer beobachten.
Ich erwische mich aber zwischendrin wieder mal im Männermodus..., und das als Vollzeitfrau - schäm
Lisa
Re: Sozialisation in der Rolle
Verfasst: Di 3. Dez 2019, 15:49
von ExuserIn-2021-04-19
Lisa-Weber hat geschrieben: Di 3. Dez 2019, 15:37
Ich erwische mich aber zwischendrin wieder mal im Männermodus..., und das als Vollzeitfrau - schäm
Lisa
Da gibt es nichts zu schämen, Lisa, jeder kann doch gehen, wie er will. Es ist ja auch abhängig von der körperlichen Verfassung, wenn man müde oder traurig ist, schlufft man schon mal so dahin. Hat man gerade die Welteroberungsstimmung, sieht es schon wieder ganz anders aus. Wir Teilzeitfrauen neigen natürlich dazu, alles andere auch perfekt machen zu wollen, wenn wir uns schon mühevoll aufgebrezelt haben.
Re: Sozialisation in der Rolle
Verfasst: Mi 4. Dez 2019, 03:57
von Joe95
Interessantes Thema.
Woher weiß ich ob ich mich männlich oder weiblich benehme?
Oder ob ich nun männlich oder weiblich sozialisiert bin?
Kleine Schritte machen und mit dem Po wackeln?
Äh...
Ich kann es mir nur so erschließen:
Ich habe mich lange Zeit rumgequält um dann endlich zu erfahren das ich eine Frau bin.
Ich benehme mich mehr und mehr danach wie ich mich fühle und lasse dabei (vielleicht ja auch nur angenommene) Erwartungen anderer außer Acht.
Irgendwie haben emotionale Reaktionen den Vorrang, wobei ich jetzt nicht mal wüsste wie ich das erklären kann. Ich habe das Gefühl immer mehr ich selbst zu sein.
Dabei fühle ich mich zunehmend wohler.
Also bin ich doch als Joe sozialisiert, oder? Na, und da Joe bekanntermaßen eine Frau ist bin ich als Frau sozialisiert.
Womit bewiesen wäre das es völlig natürlich für eine Frau ist, mit männlichem Körper und männlicher Stimme rumzulaufen.
Re: Sozialisation in der Rolle
Verfasst: Mi 4. Dez 2019, 05:22
von Jasmin_35
Sozialisation, das ist das absolute Thema Nr 1 für mich, schon weit vor dem beginn der HRT, denn was nützt es einem noch so sehr nach Frau auszusehen, wenn man schon von weitem erkennen kann, das einem ein Mann entgegen läuft. Es ist auch nicht nur der Gang oder wie man sitzt oder wie man steht, das hat man recht schnell drauf, wenn man sich etwas Mühe gibt und es auch durchzieht. Es ist die ganze Körpersprache, die ganze Ausstrahlung, wie man redet, was man sagt, es sind die tausend Kleinigkeiten, wie rundere Bewegungsaufläufe, andere Betonung beim Sprechen, aus den Handgelenken gestikulieren und nicht mit den ganzen Armen rumfuchteln. Der Gesichtsausdruck, es ist jede Sekunde des Lebens und natürlich auch eine ständige Aufgabe sich zu verbessern. Ich höre ständig von vielen Leuten, die von meiner Vergangenheit wissen, wie weiblich ich wirke (DANKE nochmal an alle), das hat aber auch mit harter Arbeit und dem Willen zu tun sich zu verändern/verbessern, ich unterstelle hier niemandem etwas, das nicht zu haben und ich weiß auch wie schwer es ist. Es ist eine Lebensaufgabe.
Dazu kommt noch die gesamte Denkweise, Sozialisation ist auch eher ein Frauenthema, deswegen ist es den meisten Transmännern das erste wichtigste, bevor überhaupt irgendwas etwas richtung medizinischer Weg unternommen wird und als Transfrau muss man auch diese Denkweise haben oder zumindestens entwickeln, weil auch die Denkweise weiblich werden muss, da helfen aber natürlich auch die Hormone und Blocker bei.
Stimmlage kann wichtig sein, muss aber nicht, wenn alles andere passt und ich kenne mindestens eine Person, wo die Stimmlage gar keinen Einfluss auf den Gesamteindruck hat, weil alles andere stimmt und ich sie voll und ohne jeglichen Zweifel als Frau wahrnehme

Re: Sozialisation in der Rolle
Verfasst: Mi 4. Dez 2019, 09:17
von Nicole Fritz
Ich lese hier immer wieder: Mühe geben, durch ziehen, ... - Wie habe ich das in der Rolle als Mann immer abgrundtief gehasst!!? Ich habe mich bemüht und bemüht, dis zur kalten und warmen Vergasung, und keiner hat es mir irgendwie mit Aufmerksamkeit oder Anerkennung gedankt - absolut sinnlos, Zeit- und Kraftverschwendung! - Und dann soll ich jetzt in der neuen Rolle wieder damit anfangen? Dabei passt noch nicht einmal mein Aussehen zu dieser Rolle. Also ist es doch noch schwerer. - Da halte ich es lieber wie Joe. Ich bin einfach ich. Ende. Aus. Fertig. Und wem das nicht passt, der kann mir aus dem Weg gehen.
Nur so nebenbei: Mit ausreichend hohen Hacken wird der Gang von ganz alleine "weiblicher".

Aber 10 Kilometer auf mehr als 8 cm hohen Absätzen zurück legen

muss auch nicht unbedingt sein.
Und sonst wünsche ich noch allen einen schönen Advent.

LG Nicole
Re: Sozialisation in der Rolle
Verfasst: Mi 4. Dez 2019, 10:04
von Anja
Moinsen
zu dem Thema hatten wir übrigens schon was:
Sozialisation als Nebenaufgabe der Transistion
Mir ist die Sozialisation sehr wichtig. Ich unterhalte diesbezüglich auch einen regen Austausch mit Jasmin. Weil unterm Strich ist garnicht so klar zu definieren, was eigentlich genau dazu gehört.
Ich spüre aber, das es mir etwas "gibt", wenn ich mich mit geborenen Frauen umgebe. Ich habe letztens Mal zu einer Frau gesagt, das meine Software ein Update bekommt

Vielleicht garkein so abwegiger Vergleich...
Es ist ja nicht nur die Außenwirkung (um da mal alles drunter zusammenzufassen), mir sind inzwischen ja auch weitere Unterschiede aufgefallen, gerade z.B. als ich wegen meinem Liebeskummer ziemlich am Boden war..
Ich glaube, durch das Zusammensein mit geborenen Frauen, erfolgt die Sozialisation ganz automatisch, ohne das man da groß dran "arbeiten" müsste. Sympathische Menschen spiegelt man unbewusst und eignet sich deren Verhalten an, ohne das man darüber nachdenken muss.
Ich fühle mich zwischen geborenen Frauen auch nicht mehr wie ein "Fremdkörper", wie es noch ganz zu Anfang war. Inzwischen fühle ich mich unter ihnen unter meinesgleichen und ich werde auch so behandelt. Meine anfängliche Unsicherheit ist kein Thema mehr...
Ich glaube auch nicht, das sich das irgendwie "abschließen" lässt, es ist ja ein Prozess... Ebenso wie die Hormontherapie. Damit ist man ja auch nicht nach 5 Jahren fertig, die Hormone nimmt man und die wirken ja auch weiterhin...
Grüße
die Anja
Re: Sozialisation in der Rolle
Verfasst: Mi 4. Dez 2019, 10:10
von Nicole Fritz
Anja hat geschrieben: Mi 4. Dez 2019, 10:04
zu dem Thema hatten wir übrigens schon was:
... von dem ich übrigens offensichtlich absolut "begeistert" war:
viewtopic.php?f=52&t=18503#p247767
Re: Sozialisation in der Rolle
Verfasst: Mi 4. Dez 2019, 11:21
von Anja
Moinsen
Nicole Doll hat geschrieben: Mi 4. Dez 2019, 10:10
... von dem ich übrigens offensichtlich absolut "begeistert" war
Dir ist schon klar, das man nichts schreiben
muss?
Wenn mich ein Thema nicht begeistert, halt ich mich halt raus...
Kann man machen. Muss man natürlich nicht
Grüße
die Anja
Re: Sozialisation in der Rolle
Verfasst: Mi 4. Dez 2019, 13:15
von Nicole Fritz
Anja hat geschrieben: Mi 4. Dez 2019, 11:21
Wenn mich ein Thema nicht begeistert, halt ich mich halt raus...
... OK, überzeugt.

Aber es hat mich ja zunächst interessiert, aber dann irgendwie nur genervt.

Re: Sozialisation in der Rolle
Verfasst: Mi 4. Dez 2019, 19:44
von Valerie Bellegarde
Ich finde den thread interessant, besonders den Post 19 von Joe, die sich über weibliches Powackeln belustigt und natürlich Nicole Doll (Post 23 ff) der/dem all diese von außen auferlegten Sozialisationszwänge beim Lernen der weiblichen Rolle auf die Nerven gehen und deshalb dafür plädiert, diese ganze Thematik überhaupt zu ignorieren oder abzuschaffen.
Recht so, ihr beiden. Natürlich kann jede (auch transidente) Frau aussehen und sich benehmen wie sie es will und für gut hält, und kein Crossdresser und auch keine transidente Person ist gezwungen, Schuhe mit hohen Absätzen zu tragen und kleine Schritte zu machen, an der wahren Identität dieses Menschen wird das nichts ändern. Beim Rollenlernen geht es aber überhaupt nicht um Identität (also nicht um das wirkliche Sein), sondern um die Außenwirkung, also um den Show-Effekt, um es mal so zu nennen, also (in meinem Fall als männlicher CD) um die Art und Weise, wie ich rüberkommen will, wenn ich en femme bin und mich unter Leuten bewege.
Da es den meisten männlichen Crossdressern (wie ich, ausgehend von mir selbst, einfach mal annehme) aber nicht um ihre eigentliche Identität geht, sondern um ihre Außenwirkung (und zwar um die optische und akustische und sonstige Außenwirkung auf Dritte), ist es müßig, über die Sinnhaftigkeit von Rollenerwartungen zu debattieren. Wenn ich als CD die Frauenrolle zeitweise übernehme, also die Rolle einer Frau quasi überstreife, so hat das mit meiner eigentlichen Identität als Mann überhaupt nichts zu tun, ich bin und bleibe ein Mann, der eben jetzt mal für einen bestimmte Zeit (und aus bestimmten, individuellen Motiven heraus) Frauenkleider trägt und sich als scheinbare Frau in der Öffentlichkeit bewegt. Insofern sollte über die Sinnhaftigkeit oder die Erfüllung weiblicher Rollenerwartungen nicht so prinzipiell gestritten werden, diese sind für 99% aller Menschen Fakt und Realität und in dieser Welt bewegen wir uns nun mal.
L.G. Valerie
Re: Sozialisation in der Rolle
Verfasst: Mi 4. Dez 2019, 20:32
von Joe95
Valerie Bellegarde hat geschrieben: Mi 4. Dez 2019, 19:44
Beim Rollenlernen geht es aber überhaupt nicht um Identität (also nicht um das wirkliche Sein), sondern um die Außenwirkung, also um den Show-Effekt, um es mal so zu nennen, also (in meinem Fall als männlicher CD) um die Art und Weise, wie ich rüberkommen will, wenn ich en femme bin und mich unter Leuten bewege.
Da gebe ich dir Recht. Deshalb muss ich dir aber hier:
Valerie Bellegarde hat geschrieben: Mi 4. Dez 2019, 19:44
Joe, die sich über weibliches Powackeln belustigt
auch deftig wiedersprechen.
Es ist nicht das weibliche Powackeln, das mich belustigt.
Das finde ich nämlich zumindest hübsch wenn nicht sexy, solange es weiblich ist.
Was mich belustigt ist nämlich die Vorstellung von Powackeln mit MEINEM Po!
Sorry, aber das ist bestimmt nicht weiblich, das ist eher für alle beteiligten und unbeteiligten eine Zumutung.
Der Versuch weiblich zu wirken durch weibliche Gestik funktioniert bei mir nicht.
Mein Metier ist die Natürlichkeit. Irgendwelche Versuche meinen Gegenübern meine eigene weiblichkeit aufzudrängen würden mich nur selbst verunsichern.
Re: Sozialisation in der Rolle
Verfasst: Mi 4. Dez 2019, 21:39
von JuLa67
@ Joe
Das mit der Natürlichkeit und der Wirkung der Verunsicherung kann ich so unterschreiben.
Verunsichert fällt mensch irgendwie immer unangenehm auf. Tiere spüren Angst, leichte Beute. Ist der Mensch nicht auch ein Herdentier?
Mit der Natürlichkeit wächst die Selbstsicherheit. Wenn man damit auffällt, dann eher positiv, auf jeden Fall keine leichte Beute.
Und wenn mensch dann noch Lächeln kann ... Glückwunsch!
Larissa
Re: Sozialisation in der Rolle
Verfasst: Do 5. Dez 2019, 00:22
von Michaela Smile
... daszu müsste ich erstmal herrausfinden welches denn die Rolle ist.....
in der männlichen bin ich total sozialisiert. aber ist das meine richtige Rolle?
in der femininen, hmm weis nicht. die Micha ist die Micha und macht einige Sachen total anders.
der Kerl hat zum beispiel ne unüberwindbare koumpounophobie. Knöpfe gehen gar nicht ...pfui ekelhaft macht er nen Bogen rum.
Micha hat da gar keine Probleme mit .ok, n ganz kleines vieleicht schon. aber nicht grundlegend.
Verhalten, Art usw. ändern sich da komplett. sogar Autofahren wird zum Abenteuer

Re: Sozialisation in der Rolle
Verfasst: Do 5. Dez 2019, 09:40
von Nicole Fritz
Ich frage mich gerade, wann man überhaupt in einer Rolle sozialisiert ist. War ich in der Rolle als Mann überhaupt irgendwie sozialisiert? Ich spielte sie doch eigentlich nur routiniert. Und damit wären wir wieder beim Show-Effekt. Wenn ich jetzt also genauso routiniert die Frau spiele, ist es doch letztlich dasselbe wie vorher, nur anders herum. Ich denke, das macht den Unterschied zwischen (Hobby-) Crossdresser und Transidentität aus. Bei mir gibt es keine männliche Rolle in der ich das Gefühl habe irgendwie "richtig" oder sozialisiert zu sein. Und wenn ich versuche eine Frau darzustellen, ist es nur Show. Das macht dann zwar immer wieder Spaß, aber das bin ich nicht wirklich.
Also denke ich, dass ich eine wirkliche oder echte Sozialisation nur als Enby, also irgend etwas zwischen den Geschlechtern oder außerhalb der Geschlechter, erreichen kann. Wenn sich dagegen eine Transfrau vollkommen als Frau fühlt, kann sie sich auch in dieser Rolle sozialisieren. Dann führt wohl auch das ganze Bemühen, das bei mir zwecklos ist, zum Ziel.
LG Nicole