Re: "Gendersternchen" als neoliberales Distinktionsinstrument von Kulturlinken?
Verfasst: Mi 14. Aug 2019, 23:14
Erst mal muss ich vorweg schicken, dass ich mich Vicky anschließe, was die interessanten Ansätze bei Herrn Pfaller angeht.
Doch nun zu den Äußerungen hier im Thread ...
*) Und dabei geht es ausschließlich um Worte, für die unsere Sprache das generische Maskulinum vorsieht. Worte mit generischem Femininum, wie die Fachkraft oder die Hebamme, wurden nie in Frage gestellt.
Interessanterweise ist bei den Versuchen, ein gendergerechte Sprache zu initiieren, oft das Argument zu finden, dass die vorgeschlagenen Konstrukte ja auch gedankliche Stolpersteine sein sollen, die die Menschen immer wieder in ihrem Redefluss unterbrechen und zum Nachdenken über die behauptete sprachliche Diskriminierung anregen sollen .. mithin gerade das Gegenteil dessen darstellen, was der Motor der Entwicklung in der Sprache ist.
Wo ich jedoch nicht mitgehe, ist das wieder eingewobene Totschlag-Argument, dass, wer keine (fertigen und besseren) Lösungen zu bieten hätte, auch kein Recht zur Kritik habe.
Beste Grüße
Michi
Doch nun zu den Äußerungen hier im Thread ...
Es muss die Frage gestattet sein, ob dieses Interesse überhaupt berechtigt ist, oder dies nur behauptet wird. Tatsächlich ist es so, dass erst das aufgestellte feministische Konstrukt, dass das generische grammatikalische Geschlecht*) eines Wortes eine explizite Annahme über das biologische Geschlecht treffen würde, dazu geführt hat, dass man Frauen explizit benannt hat, und in der Folge plötzlich nicht binäre Menschen explizit ausgeschlossen waren. Marius Jung beschreibt in seinem Buch "Moral für Dumme" sehr treffend, dass der Versuch der expliziten Bildung und Berücksichtigung von Gruppen automatisch dazu führt, dass Gruppen von Ausgeschlossen entstehen. Damit entsteht ein rekursives Problem welches mit dem Versuch der Benennung immer neue kleinere Gruppen von Ausgeschlossen entstehen lässt, und nur dadurch vollständig und für alle gerecht aufgelöst werden kann, wenn jede involvierte Person ihre eigene Gruppe ist. Man könnte auch sagen, das auf diese Weise das Gefühl einer Gemeinschaft gezielt zerstört wird.Svetlana L hat geschrieben: Mi 14. Aug 2019, 07:23 Meiner Ansicht nach geht es um das berechtigte Interesse einer Gruppe von Menschen, aus der sprachlichen Unsichtbarkeit herauszukommen.
*) Und dabei geht es ausschließlich um Worte, für die unsere Sprache das generische Maskulinum vorsieht. Worte mit generischem Femininum, wie die Fachkraft oder die Hebamme, wurden nie in Frage gestellt.
Da stimme ich dir zu. So wie Valerie das ausgeführt hat, lässt sich kein Bezug zum Thema herstellen.Svetlana L hat geschrieben: Mi 14. Aug 2019, 07:23 Das mit irgendwelchen Medien- oder Marketingstrategien gleichzusetzen halte ich für nicht zielführend.
Was du dabei unterschlägst, ist die Tatsache, dass sich Sprache im Gebrauch entwickelt, und nicht durch Verordnung, wie es von den Kämpfern für die sogenannte gendergerechte Sprache immer wieder versucht wird. Entwicklung entsteht nämlich nicht durch Verordnung, sondern allein durch den freiwilligen wiederholten Gebrauch von Veränderungen, weil diese für die breite Masse drr Sprecher einen spürbaren Vorteil, eine Verbesserung im Gebrauch darstellen.Svetlana L hat geschrieben: Mi 14. Aug 2019, 07:23 Immer wieder wird zwar eingestanden, dass sich Sprache unentwegt fortentwickelt, aber genau bei dem Thema geschlechterinklusive Sprache ist Fortschritt nicht erwünscht.
Interessanterweise ist bei den Versuchen, ein gendergerechte Sprache zu initiieren, oft das Argument zu finden, dass die vorgeschlagenen Konstrukte ja auch gedankliche Stolpersteine sein sollen, die die Menschen immer wieder in ihrem Redefluss unterbrechen und zum Nachdenken über die behauptete sprachliche Diskriminierung anregen sollen .. mithin gerade das Gegenteil dessen darstellen, was der Motor der Entwicklung in der Sprache ist.
Ich gehe soweit mit, dass Kampfbegriffe nicht weiterhelfen. Das gilt übrigens für beide Seiten, und ich sehe deren Gebrauch eher als Symptom der jahrelangen verbalen Aufrüstung auf beiden Seiten.Svetlana L hat geschrieben: Mi 14. Aug 2019, 07:23 Da werden dann Kampfbegriffe wie "Genderismus" herangezogen, um die Bemühungen für eine geschlechtergerechte Sprache zu diskreditieren. Dazu empfehle ich mal bei genderdings.de nachzulesen. * und _ sind vielleicht (noch) nicht der Weisheit letzter Schluss, aber bei allen Kritikern - so auch bei Pfaller - steht nichts, wie man es anders bzw. besser machen könnte.
Wo ich jedoch nicht mitgehe, ist das wieder eingewobene Totschlag-Argument, dass, wer keine (fertigen und besseren) Lösungen zu bieten hätte, auch kein Recht zur Kritik habe.
Beste Grüße
Michi