Die Sonne scheint einzig für die "Normalen" - heute wie so oft. Das erdrückt mich, ich will die Vorhänge zuziehen und dahindämmern, bis es wieder dunkel wird. Die Regenwoche mit ihren Extremen, die das psychische Fass ebenso überlaufen ließ wie Rinnen und Borde, ist vorbei. Doch die Wunden sind noch immer da. Die alten, die nie verheilen, und die vielen neuen, die ständig dazukommen.
Das Positive sehen, wenn es stets mit Negativem verbunden ist, gelingt schon lange nicht mehr. Ein Schlechtes muss durch drei Gute aufgewogen werden - die Rechnung geht niemals auf. Es verbleibt ein riesiges Defizit, das ich in 100 Jahren nicht abbauen könnte, auch gar nicht mehr wollte.
Das Hamsterrad, das ich mir selbst gemäß der Anforderungen meiner Umgebung gebaut habe, dreht sich weiter bis zum letzten Tag, dem ich als Einziges wirklich entgegenfiebere. Paracetamol war ein kurzer Lichtblick, bis ich die Berichte von wochenlanger Quälerei und irreparablen Leberschäden las, die nicht das erhoffte Ende, sondern noch schlimmere Schmerzen brachten. Zum Glück gibt es immer wen, der früher als man selbst auf solche Ideen kommt ...
Nein, ich hab kein Borderline. Schmerzen sind furchtbar und keine Wohltat für mich. Die Angst davor hält mich vor dem nächsten Versuch zurück. Blutverdünner zu kaufen ist eine Sache, den letzten Schritt zu wagen, eine andere. Wenn das schief geht, weiß ich gar nicht mehr, wie ich die riesigen Wunden verbinden soll. Die würden nicht nach einer Woche aufhören zu bluten wie beim letzten Mal ... Die Geschlossene mit ihrer Zwangsmedikation ist auch kein schöner Ausblick.
Soll ich doch rausgehen mit all meiner Verletzlichkeit, Impulsivität und gehemmter Lebenslust, die ständig auf Pfade in den Tod umgeleitet wird? Die Angst ist ständiger Begleiter. Angst vor Bloßstellung, was quasi nie vorkommt, viel schlimmer: Angst vor Sympathie, die früher oder später in blanken Hass umschlägt.
Heute würde ich auch
ihm begegnen, der mich mit der Kaltschnäuzigkeit eines überforderten Kerls derart verletzt hat, dass ich noch immer nicht weiß, wie ich damit umgehen soll - ob ich überhaupt damit umgehen kann.
Egal, wie herum ich es drehe, ich lande garantiert im nächsten Tief, aus dem es schon jetzt kein Entrinnen gibt. Wozu noch mehr Quälerei, wenn der Kopf längst erkannt hat, dass der Zenit bereits überschritten ist und der freie Fall begonnen hat. Es ist die verbleibende Zeit vor dem Aufprall, in der es gleichgültig ist, was man tut oder denkt ...
Hallo Elizabeth,
obwohl -§175 aufgrund des Alters der Klientel und gerade im Osten keine vordergründige Rolle zu spielen scheint, hast du dennoch den Hauptgrund erkannt. Es ist die Angst der Typen, in der eigenen Macho-Clique als 'Schwuchtel' abgestempelt zu werden. Das ist leider heute offenbar ebenso aktuell wie zu Zeiten des -§175.
Elizabeth hat geschrieben: Sa 18. Mai 2019, 02:10
Hallo Diva,
wenn Du die "Erb-Sünde" erst dann aufdeckst, wenn Dein Gegenüber schon Gefühle entwickelt hat,
dann stolpern die über den -§175, den sie nicht aus ihrem Kopf kriegen, auch wenn er seit 25 Jahren (endlich!) abgeschafft ist.
Das ist leider nur möglich, wenn ich mir das besagte Pappschild "Achtung! Kein Mensch, bin nur so verkleidet!" um den Hals hänge. Bei
ihm hat es bei der ersten (zufälligen!) Begegnung derart gefunkt, dass ringsherum alles wie vom Blitz erhellt schien. Darum hab ich die Karten schon beim 2. Mal auf den Tisch gelegt, was zwar zu keiner akut erkennbaren Veränderung seiner Gefühle führte, aber danach wurde es umso schlimmer ... Es geht hier nicht um Intimitäten, für sowas bin ich sowieso nicht bereit. Da müsste noch mehr als ein Wunder geschehen.
Ich suche nicht; dieses Elend hab ich mir ein Jahr lang angetan, kann mir nicht vorstellen, jemals auf eines der Portale zurückzukehren und zig Treffen zu verabreden. Allein der Gedanke daran verursacht Frust.
Wenn ich hier die Diskussionen rund ums Passing lese, sind viele genauso drauf, wie ich es anfangs war. Da bestehen anfangs die enormen Ängste, draußen verlacht und gemobbt zu werden, nicht selten wird von Suizidgedanken geschrieben, die ich damals selbstredend für den Fall des Scheiterns ebenfalls in Betracht zog.
Das Thema ist jahrelang vordergründig, wird manchmal nie integriert, ein Leben als erkennbare Außenseiterin muss selbst akzeptiert und von einer starken unterstützenden Sozialisation mitgetragen werden: Familie, Freunde sind da unverzichtbar. Alleine schafft das niemand.
Die vielfache Sehnsucht nach dem guten Passing ist nach meinem jetzigen Kenntnisstand aber zu kurz gedacht. Ich muss mich täglich mit Menschen herumschlagen, die ihre Rachegelüste und Komplexe an mir austoben, weil sie sich durch mich arglistig getäuscht fühlen. Hatte ich vielfach schon geschrieben, interessiert nur niemanden. Darum ist das Passing ab einem bestimmten Niveau ein grauenhaftes Eigentor. Einerseits die Ängste, nach wie vor von einigen vermeintlich 'eindeutig' als verkleideter Kerl gelesen zu werden, andererseits die Ängste, dass sie es eben nicht erkennen. Natürlich ist es schön, wenn ich unbehelligt geschminkt in Kleidern, Röcken überall herumspazieren kann und keinen erkennbaren Widerwillen errege. Aber wehe, ein Kontakt überschreitet das allgemeinverbindlich-gleichgültige Niveau ... Dann soll ich das Pappschild rausholen? Oder noch früher?
Deshalb bin ich distanziert, werde den Teufel tun, mich mit irgendwem zu verabreden, halte mich zurück - unnahbar, unantastbar. Und trotzdem passiert
es und führt zwangsläufig ins Verderben. Deshalb meine späte Erkenntnis, dass es eben ungeachtet aller Fortschrittlichkeiten doch keinen Platz für mich oberhalb der Erdoberfläche gibt. Das ist hart, entspricht aber den Tatsachen.
Trotzdem danke für die Wünsche.
LG
-Diva