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Re: Männer in L(M)eggings - Mein Bericht und Vor-Ort-Recherche

Verfasst: Fr 17. Aug 2018, 09:16
von sbsr
TessaLouboutin hat geschrieben: Mi 15. Aug 2018, 13:47 - im androgynen Klamottenbaukasten - ja, wenn`s gut aussieht (die Speckröllchen sollten sich schon in Grenzen halten)
- als Chimäre mit Dreitagebart, oben Mann unten Frau - ich weiß nicht, meiner Meinung nach eher nicht.
Zu welcher Kategorie würdest Du ein schwarzes Polo Shirt über der Jeggins ähnlichen Skinny Strech Jeans zählen? (moin)

Dreitagebart fehlt, dafür (neutrale) Sandalen aus der Damenabteilung.

Re: Männer in L(M)eggings - Mein Bericht und Vor-Ort-Recherche

Verfasst: Fr 17. Aug 2018, 09:54
von Theresa-Annalena
Hi Svenja,

na eindeutig androgyn. Und die Farbe blau führt im Kopf des unwissenden :mrgreen: Betrachters vermutlich erst mal zu den Jungens ;-)
Anders sehe es mit gelb, rot, grün, rosa, oder Rosenmuster ect. aus...
Wo so was noch geht sind die Metal-Leute und Panker. Da hab ich neulich einen gesehen (Der Rest des Outfits war auch super)
der hat sich 100% in der Damenabteilung bedient. (Frau schaut bei sowas ja genau hin) Keine Schnürungen, Keine Taschen, kein Reißverschluss.
Halt ne knallenge Lackleggings. Und da schau her, keinem fällts auf - muss so sein.

Zurück zu Dir, außerdem gebens ja Deine Beine / Waden von der Form auch her (yes) (yes) (yes) .
Starke Wadenmuskeln sehen dann schon wieder nicht so aus.
Bei den Sportlern erwünscht, käme das meiner Meinung nach da nicht so schön.

LG Tessa.

Re: Männer in L(M)eggings - Mein Bericht und Vor-Ort-Recherche

Verfasst: Mo 20. Aug 2018, 09:42
von sbsr
TessaLouboutin hat geschrieben: Fr 17. Aug 2018, 09:54 Anders sehe es mit gelb, rot, grün, rosa, oder Rosenmuster ect. aus...
Wie sieht's dann mit einem ganz hellen blau aus?
PICT_20180820_070230.JPG

Oder in weiß hätte ich auch noch eine :D

Das führt nämlich schon wieder genau zu der endlosen Diskussion, die wir ja schon etliche Male hatten, was ist überhaupt weiblich, oder was wird üblicherweise als weiblich interpretiert. Weiß an sich ja eigentlich nicht, eine Hose auch nicht, eine eng geschnittene Hose schon mehr, eine eng geschnitte weiße Hose ganz sicher.

Jeggins (Leggins in Jeans Optik) vermutlich auch, weil eng geschnitten. Eine an den Beinen zu weite Jeggins? Wohl nicht, solange sie noch etwas schlabbert und man so nicht erkennt, dass es eine Leggins ist. Aber wo ist die Grenze? Der Glanzgrat des Stoffs, oder sobald Elasthan eingearbeitet ist, blau mit ganz leichten roten Mustern? Um sich hier nicht in Gefahr zu bewegen, bleiben wir lieber doch wieder bei dem uns zugewiesenen Kastenschnitt in blue oder dark Denim.

Ich glaube diese Frage hat(te) wohl auch starken Einfluss auf Jennifers Umfrage. Bei "Leggins" haben sicher viele die neon Lycra Aerobik Bekleidung aus den 90ern im Kopf. Interessant wäre deshalb die Frage, was müsste eine Leggins für Voraussetzungen haben, bzw. was müsste man an einer Damen Leggins aus der aktuellen Mode ändern, damit sie für Männer tragbar ist. Vermutlich kämen dann Antworten wie darf nicht eng sein, die Kontur der Beine darf sich nicht abzeichnen, muss blau oder schwarz sein, darf kein Muster haben, und letztlich wären wir wieder bei einer handelsüblichen blue Denim Strech Jeans mit geradem Bein.

Re: Männer in L(M)eggings - Mein Bericht und Vor-Ort-Recherche

Verfasst: Mo 20. Aug 2018, 10:01
von Michelle_Engelhardt
sbsr hat geschrieben: Mo 20. Aug 2018, 09:42 Interessant wäre deshalb die Frage, was müsste eine Leggins für Voraussetzungen haben, bzw. was müsste man an einer Damen Leggins aus der aktuellen Mode ändern, damit sie für Männer tragbar ist. Vermutlich kämen dann Antworten wie darf nicht eng sein, die Kontur der Beine darf sich nicht abzeichnen, muss blau oder schwarz sein, darf kein Muster haben, und letztlich wären wir wieder bei einer handelsüblichen blue Denim Strech Jeans mit geradem Bein.
Es würde eigentlich genügen, wenn sich die Denke der Menschen ändern würde....wird aber wohl in absehbarer Zeit nicht passieren, vermute ich.

Liebe Grüße
Michelle

Re: Männer in L(M)eggings - Mein Bericht und Vor-Ort-Recherche

Verfasst: Mo 20. Aug 2018, 10:49
von Theresa-Annalena
sbsr hat geschrieben: Mo 20. Aug 2018, 09:42
...Wie sieht's dann mit einem ganz hellen blau aus?..
...Oder in weiß hätte ich auch noch eine :D...
Hi Svenja, wer kann einem verbieten das zu tragen was man tragen möchte? Ich denke zu 90% verbieten wir uns
das erstmal selbst, aus welchen Gründen auch immer. Die Zuordnung Kleidung Mann/Frau ist doch nur eine Momentaufnahme.
Im Mittelalter und Barock trugen die Männer hohe Absätze und Overknees... und heute?
Wie weit sich unsere Gesellschaft hinsichtlich Akzeptanz hinreisen lässt, bleibt offen.
Es hat sich ja auch in den letzten Jahren schon einiges getan und jede missionarische Aktivität kann für
uns alle nur von Vorteil sein.

Für mich persönlich stellt sich die Frage eigentlich nicht, da ich zu 100% als Frau wargenommen
werden will.


Zur hellblauen oder weißen Leggings (mal den androgynen Modus vorausgesetzt - also kein Mädelsmodus)
würde ich aber nicht unbedingt diese Sandalen tragen (Bitte nicht falschverstehen) Es gibt da tolle
Sneaker oder Turnschuhe. Meine Lieblinge sind da z.B. die Adidas concorde round:
Adidas_concord_Blau_pink.jpg
gab`s auch monochrom für noch weniger Auffälligkeit.
Mit einer puderfarbenen FSH getragen finde ich die Teile richtig schick.
Gibst leider nicht mehr. Sehen sportlich aber auch in bestimmten Farbkombinationen sehr elegant aus.
Durch das kurze Vorderteil und den niedrigen Schnitt gehen sie in Richtung Ballerina aber ohne gleich als
solche aufzufallen. Sobald es geht werd ich mal meine mit einer skinny Jeans hier vorstellen.

LG Tessa.

Re: Männer in L(M)eggings - Mein Bericht und Vor-Ort-Recherche

Verfasst: Mo 20. Aug 2018, 11:21
von Vincent
sbsr hat geschrieben: Mo 20. Aug 2018, 09:42 Aber wo ist die Grenze? Der Glanzgrat des Stoffs, oder sobald Elasthan eingearbeitet ist, blau mit ganz leichten roten Mustern? Um sich hier nicht in Gefahr zu bewegen, bleiben wir lieber doch wieder bei dem uns zugewiesenen Kastenschnitt in blue oder dark Denim.
Welche Gefahr denn?
Die Gefahr, dass es ungewöhnlich ist, und mal jemand bei besonders bunten Beinen nach unten sieht?
Es ist noch nie etwas passiert, nicht mal ein dummer Kommentar, wenn ich Leggings an hatte.

In der kühleren Jahreszeit trage ich häufig welche, nicht nur zum Sport - es interessiert die Leute noch weniger, als wenn man als Mann einen Rock trägt.
Eine Ausnahme bildet eine Leggings von mir mit Comicmuster - auf die fahren Kinder total ab :lol:


Leggings für Männer werden mittlerweile auch reichlich ausserhalb des Sportsektors angeboten:
http://www.asos.de/search/?currentprice ... floor:1001
https://www.lotusleggings.com/collectio ... gs?view=96
http://www.schleckysilberstein.com/2014 ... -tun-kann/ :mrgreen:

Re: Männer in L(M)eggings - Mein Bericht und Vor-Ort-Recherche

Verfasst: Mo 20. Aug 2018, 12:35
von sbsr
TessaLouboutin hat geschrieben: Mo 20. Aug 2018, 10:49 Ich denke zu 90% verbieten wir uns das erstmal selbst, aus welchen Gründen auch immer.
Ich fand's nur lustig, weil Du halt auch nach diesem typischen Fahrplan geschrieben hast, im MM bitte kein gelb, rosa, Blumenmuster, ...

TessaLouboutin hat geschrieben: Mo 20. Aug 2018, 10:49 Zur hellblauen oder weißen Leggings (mal den androgynen Modus vorausgesetzt - also kein Mädelsmodus) würde ich aber nicht unbedingt diese Sandalen tragen
Es gibt da tolle Sneaker oder Turnschuhe.
Im heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnung kommen nur Sandalen in Frage. Geschlossene Schuhe dann wieder ab unter 24-°. Aber das gehört hier eigentlich nicht zum Thema.

Vincent hat geschrieben: Mo 20. Aug 2018, 11:21 Welche Gefahr denn?
Die Gefahr, dass es ungewöhnlich ist, und mal jemand bei besonders bunten Beinen nach unten sieht?
Ich bin da inzwischen auch halbwegs drüber, Damen Handtasche eh ständig, aktuell hautfarbene Strümpfe in Sandalen, sonst oft Wedge Sneaker, scheinbar hat sich das schon rum gesprochen, mir schaut die halbe Belegschaft auf die Füße statt ins Gesicht. Seitdem sich Skype Meetings flächendeckend durchgesetzt haben, brauche ich fast nicht mehr außer Haus, das heißt ich muss mich auch nicht mehr ganz so an den Kodex halten. Es muss halt "Verkehrstauglich" sein, falls doch mal unerwartet jemand höher bezahltes in der Türe steht.

Der Durchschnittsmann antwortet hingegen auf Jennifers Umfrage ganz artig, niemals eine Leggins anzuziehen. Denn damit würde er sich genau der von Dir beschriebenen Gefahr aussetzen. Wie Tessa auch schreibt, sich selbst verboten. Sonst könnte man ja für schwul gehalten werden oder in sonstige Peinlichkeiten geraten.

Vincent hat geschrieben: Mo 20. Aug 2018, 11:21 Leggings für Männer werden mittlerweile auch reichlich ausserhalb des Sportsektors angeboten:
Im ersten Shop heißen mit einer Ausnahme alle irgendwas mit Running oder Sport, oder Retro Festival.
Der zweite Shop hat wirklich schöne Modelle, ist allerdings in Canada angesiedelt, noch nicht mal in Europa. Wie schon mehrere Shops feststellen musste, ist in Deutschland wohl einfach kein Markt dafür.
Der letzte Link ist aus 2014. Zumindest bis hier nach Niederbayern ist seither noch nichts davon durchgedrungen.

Michelle_Engelhardt hat geschrieben: Mo 20. Aug 2018, 10:01 Es würde eigentlich genügen, wenn sich die Denke der Menschen ändern würde....wird aber wohl in absehbarer Zeit nicht passieren, vermute ich.
Und jetzt sind wir nämlich genau wieder beim springenden Punkt. Wir hier sind uns einig, Leggins am Mann, warum nicht?! Wer nicht auffallen will in typisch männlichen Farbgebungen, sonst auch gerne mit Blumenmuster wem's gefällt. Da wir es selbst ausprobiert haben, wissen wir auch wie bequem eine Leggins nun einfach mal ist.

Aaaaaber, die breite Masse denkt halt wie so oft anders. Eine Leggins ist, weil in der heutigen Mode so üblich, ein Kleidungsstück für Frauen oder allenfalls zum Sport. Da hilft uns keine Herleitung von Mittelalter oder sonst was. Die Leute denken im hier und jetzt so. Deshalb trauen sich nur wenige aus diesem Denken auszubrechen, warum die Komfortzone verlassen und etwas machen, was "man nicht macht". Nur wenige reichen aber nicht, um einen Mainstream zu generieren, und ohne den verbleibt der Rest in dieser Denkweise.

Machen wir uns nichts vor, egal wie viele Versuche es noch geben wird, die Leggins an den Mann zu bekommen wird nicht in absehbarer Zeit passieren, wenn nicht ein Wunder passiert, das die Leggins plötzlich zum Must Have macht. Bis dahin ziehen wir furchtlos unsere Leggins und Skinny Strech an und pfeifen auf die Komfort Verweigerer.

Re: Männer in L(M)eggings - Mein Bericht und Vor-Ort-Recherche

Verfasst: Mo 20. Aug 2018, 13:48
von Theresa-Annalena
sbsr hat geschrieben: Mo 20. Aug 2018, 12:35 Machen wir uns nichts vor, egal wie viele Versuche es noch geben wird, die Leggins an den Mann zu bekommen wird nicht in absehbarer Zeit passieren, wenn nicht ein Wunder passiert, das die Leggins plötzlich zum Must Have macht. Bis dahin ziehen wir furchtlos unsere Leggins und Skinny Strech an und pfeifen auf die Komfort Verweigerer.
Ja liebe Svenja, Du bist unsere Kämpferin in der Sache. Ich finde es gut wie Du auf Dresscode pfeifst. Und wenn es halbwegs vom Umfeld akzeptiert ist und der Chef
mitspielt, ist das doch ne wunderbare Situation für Dich. Bei uns hier hinterm Wald bzw. in den konservativen Etagen unserer Firma ist das so als ob die Milka Kuh
durchs Dorf getrieben wird. Aktuell undenkbar.

LG Tessa.

Re: Männer in L(M)eggings - Mein Bericht und Vor-Ort-Recherche

Verfasst: Mo 20. Aug 2018, 14:21
von sbsr
TessaLouboutin hat geschrieben: Mo 20. Aug 2018, 13:48 Ja liebe Svenja, Du bist unsere Kämpferin in der Sache. Ich finde es gut wie Du auf Dresscode pfeifst. Und wenn es halbwegs vom Umfeld akzeptiert ist und der Chef
mitspielt, ist das doch ne wunderbare Situation für Dich.
Oh nein, das ist deutlich zu viel des Lobes! Es gäbe so viele Klamotten, die ich liebend gerne hätte, sogar einige die zuhause im Schrank liegen, ich mich aber nicht damit vor die Tür traue. So sind auch die schwarzen Sandalen lediglich ein Kompromis, es sind die einzigen die ich gefunden habe, die nicht Typ Jesus Latschen sind und als neutral bzw. unisex durchgehen.

Wenn wir hier von Kämpfern oder Vorreitern reden wollen, dann möchte ich an der Stelle mal Dolores und Joe erwähnen.

Die Arbeit ist tatsächlich ein klein wenig mein Versuchslabor geworden, wo ich Sachen auf Alltagstauglichkeit teste. Außerdem versuche ich mit kleinen Schritten meine Kollegen an meinen "seltsamen Modegeschmack" zu gewöhnen in der Hoffnung, dass sich irgendwann niemand mehr wundert, wenn ich im Blumenprint Shirt auftauche.

Der Betrieb in dem ich arbeite ist zum Glück so groß, dass man sich seitens Chef Etage nichts erlauben kann in Sachen Diskriminierung und Ähnliches. Deshalb darf niemand etwas sagen, solange ich eben halbwegs vorzeigbar erscheine. Ein mal im Rock und ich wäre zwar wahrscheinlich nicht meinen Job, aber sämtliche externen Geschäftsbeziehungen los.

Ansonsten bin ich genau der gleiche Schisser, der zuhause wehmütig seine Leggins in der Hand hält und darauf wartet, dass Stars, Sternchen und Influencer in Leggins auflaufen und sie deshalb jeder haben will. Bei der geringsten Bemerkung bezüglich meines Outfits, auch wenn sie neutral oder sogar positiv ist, bin ich wochenlang verunsichert, weil es jemandem aufgefallen ist.

Übrigens ziehe ich mich oftmals um, und zwar von weiblich nach männlich, bevor ich das Haus betrete. Meine Frau würde wahrscheinlich bei einigem durchdrehen, mit dem ich in der Öffentlichkeit nicht mal einen Blick geerntet habe. Die hellblaue Jeans ist bei ihr schon hart an der Grenze und sie möchte nicht, dass ich sie anziehe, wenn wir zusammen sind.

TessaLouboutin hat geschrieben: Mo 20. Aug 2018, 13:48 Bei uns hier hinterm Wald bzw. in den konservativen Etagen unserer Firma ist das so als ob die Milka Kuh durchs Dorf getrieben wird. Aktuell undenkbar.
Du hast gesehen, dass ich in Niederbayern lebe? Ich glaube konservativer/verknöcherter geht schon fast nicht mehr. Selbst Bio Mädels mit auffälligem Modegeschmack sind mindestens im ganzen Dorf bekannt.

Ich habe schon wieder viel zu viel geschrieben. Hier geht es um Leggins.

Re: Männer in L(M)eggings - Mein Bericht und Vor-Ort-Recherche

Verfasst: Mo 20. Aug 2018, 14:31
von Jasmine
sbsr hat geschrieben: Mo 20. Aug 2018, 14:21 Du hast gesehen, dass ich in Niederbayern lebe? Ich glaube konservativer/verknöcherter geht schon fast nicht mehr. Selbst Bio Mädels mit auffälligem Modegeschmack sind mindestens im ganzen Dorf bekannt.
Doch es geht noch konservativer, :D Aber hier im Landkreis Cham hat sich mein Umfeld an mich gewöhnt :D
Liebe Grüße Jasmine

Re: Männer in L(M)eggings - Mein Bericht und Vor-Ort-Recherche

Verfasst: Mo 20. Aug 2018, 16:50
von Joe95
Ich hab jetzt nicht alles gelesen und frage mich ob das wirklich neu sein soll?
Schon vor über dreißig Jahren, lange bevor ich auch nur ahnte was mit mir los ist, habe ich Leggins und T-shirt als ganz normale Kleidung getragen.

Re: Männer in L(M)eggings - Mein Bericht und Vor-Ort-Recherche

Verfasst: Mo 20. Aug 2018, 19:02
von Vincent
Hallo Svenja,
uns trennen räumlich zwar nur 100km, wenn ich deine Schilderungen und Ängste so verfolge, aber Galaxien.

Gestern Abend habe ich mit meiner Frau noch einen kleinen Abendspaziergang in unserem Viertel gemacht - das sportliche Sweatkleid das ich zuhaue trug habe ich nur durch passende Sneakers ergänzt und wir sind losgezogen. Und ja, wir haben sogar eine Mutter eines Klassenkameraden unseres Großen getroffen und etwas geratscht.

Für meine Frau war es selbstverständlich, dass ich das Kleid anbehalte, ich habe kurz überlegt...
sbsr hat geschrieben: Mo 20. Aug 2018, 14:21 Ansonsten bin ich genau der gleiche Schisser, der zuhause wehmütig seine Leggins in der Hand hält und darauf wartet, dass Stars, Sternchen und Influencer in Leggins auflaufen und sie deshalb jeder haben will. Bei der geringsten Bemerkung bezüglich meines Outfits, auch wenn sie neutral oder sogar positiv ist, bin ich wochenlang verunsichert, weil es jemandem aufgefallen ist.
Was das Bemerken der Kleidung betrifft, solltest Du vielleicht an Deinem Selbstverständnis arbeiten:
"ich bin ich, ich bin anders und will, das man das sieht, ich gehe modisch voran - seht die Leggings, ich kann und traue mich das und du rennst nur der Masse hinterher " oder so ähnlich.

:roll: Allerdings... :roll:

Der gleiche Schisser war und bin ich eigentlich immer noch, mit Leggings habe ich zuhause angefangen, mit viel Zweifel und "Angst" vor der Reaktion meiner Frau, dann draußen, und dann ging es über Jahre weiter, mit dem einen oder anderen Kleidungsstück.
Manchmal finde ich mich extrem cool und abgebrüht, wenn ich z.B. mal in einem Strickkleid, mit FSH und kniehohen Stiefeln bei einem offiziellen Termin einlaufe, auf der anderen Seite habe ich bei jedem neuen Kleidungsstück Bedenken es meiner Frau vorzustellen - erst Recht wenn es in seiner Art neu ist. Dabei hatte ich noch NIE eine ablehnende Reaktion von ihr.

Es bleibt aber immer die latente Angst etwas kaputt zu machen, auch schon durch die Frage.

Vermutlich ist es die Urangst, die ich noch von meiner ersten Frau habe, die hatte Leggings zähneknirschend zuhause hingenommen, alles andere :((a

Immer in ganz kleinen Schritten voran gehen, den Weg so wie Du ihn beschreitest, ist er wohl am konfliktfreisten, und die Menschen haben Zeit sich daran zu gewöhnen - auch wenn ich es manchmal als nervtötend langsam empfinde.

Re: Männer in L(M)eggings - Mein Bericht und Vor-Ort-Recherche

Verfasst: Mo 20. Aug 2018, 21:02
von Dolores59
Es bleibt aber immer die latente Angst etwas kaputt zu machen, auch schon durch die Frage.
Das größte Hindernis sitzt in unserem Kopf. Wir müssen uns deutlich machen, dass unsere Angst in den meisten Fällen größer ist als das was wirklich passiert. Ob wir die Angst völlig los werden, ist fraglich. Aber mit jedem Mal, mit dem wir sie überwinden, wird sie eine Winzigkeit kleiner.

Bei aller Routine habe ich noch immer Angst, bestimmten Leuten in Frauenkleidung zu begegnen. Dennoch lasse ich die Angst nicht über mein Leben herrschen. Wenn es passiert, dann passiert's. Wie neulich im Freibad, als ich einigen Bekannten im Bikini bzw. Badeanzug unerwartet über den Weg gelaufen bin.

Bisher ist noch kein Feedback darüber gekommen.

LG
Dolores

Re: Männer in L(M)eggings - Mein Bericht und Vor-Ort-Recherche

Verfasst: Di 21. Aug 2018, 10:36
von Vincent
Hallo Dolores,
Dolores59 hat geschrieben: Mo 20. Aug 2018, 21:02 Bei aller Routine habe ich noch immer Angst, bestimmten Leuten in Frauenkleidung zu begegnen. Dennoch lasse ich die Angst nicht über mein Leben herrschen. Wenn es passiert, dann passiert's. Wie neulich im Freibad, als ich einigen Bekannten im Bikini bzw. Badeanzug unerwartet über den Weg gelaufen bin.
eigentlich ist es schon verrückt, dass man nur, weil man ein Mann ist, Angst davor hat "falsch gekleidet" gesehen zu werden.
Bei mir ist diese diffuse unterschwellige Angst gegenüber früheren Zeiten extrem zurückgegangen.

Was allerdings geblieben ist, ist der Fakt, dass ich nicht von Bekannten in Kleidung gesehen werden will, die meiner Frau nicht bekannt ist. Ich empfände es als ungut, würde sie über Umwege davon erfahren.
Auf der anderen Seite bringe ich es auch nicht fertig mal alles offen auf den Tisch zu legen und versehe mich selbst nicht warum.

So wie sie Leggings cool findet, Strick- oder Sweatkleid mit Strumpfhose und Stiefel abnickt, hohe Absätze nur deswegen doof findet, weil unser Größenunterschied noch weiter wächst, mir Shorts mit gemusterter FSH zu einer Ihrer Familienfeiern vorschlägt, sollte ich völlig tiefenentspannt sein.

Trotzdem habe ich Kleider, Röcke und z.B. Badeanzüge im Fundus, die ihr unbekannt sind und eine Grenze bilden zum Teil Ihr gegenüber, zum Teil öffentlich und zum Teil öffentlich, weil es zu Ihr gelangen könnte.

Mein Verhalten, meine Ängste sind diesbezüglich irrational, geschaft etwas dagegen zu tun habe ich bislang nicht - außer immer mal wieder ein einzelnes neues Kleidungsstück einzuführen und mit genau der selben Angst mein nächsten weiter zu machen.

Re: Männer in L(M)eggings - Mein Bericht und Vor-Ort-Recherche

Verfasst: Di 21. Aug 2018, 11:50
von sbsr
Vincent hat geschrieben: Di 21. Aug 2018, 10:36 eigentlich ist es schon verrückt, dass man nur, weil man ein Mann ist, Angst davor hat "falsch gekleidet" gesehen zu werden.
Der Mensch ist ein Herdentier und fürchtet nichts mehr als soziale Ausgrenzung. Deshalb tun, verhalten, kleiden wir uns wie alle anderen, um dazu zu gehören. Die beste Rechtfertigung aus dem Gewohnten auszubrechen ist, jemanden gesehen zu haben, der das gleiche schon getan hat.

Ein Trend entsteht erst dadruch, indem jemand etwas aus der Reihe macht, in der Hoffnung Nachahmer zu finden und für seinen Mut bewundert zu werden. Besteht die Gefahr, statt zum Vorbild zur Lachnummer zu werden, lassen wir es lieber. Die Nachahmer selbst folgen dem Vorbild auch nur deshalb, weil sie erwarten, dass es ein Trend wird und sie so zum einen wieder zu einer Gruppe gehören, und zum anderen auch bewundert werden, weil sie die ersten und damit Vorreiter in ihrem direkten Umfeld waren.

Frauen bewahren sich interessanter Weise dabei immer noch ein gewisses Maß an Individualismus. Wenn man Frauen bittet, sich einheitlich zu kleiden, wird sich bestenfalls auf die Farbe geeinigt. Doch jede wird einen Schnitt wählen, den sie bevorzugt. Bei Männern entsteht ein Hang zur Uniform, damit man ja nicht auffällt.