Moinsen,
ich hatte schon überlegt, ob ich etwas zu meinen Erfahrungen im Urlaub schreibe, wusste dann aber nicht so recht wohin damit und hab es gelassen.
Aber ich finde hier passt es doch ganz gut rein. Ich weiß nicht ob es im Wortsinn positiv ist, aber das könnt ihr ja halten wie ihr wollt...
Nochmal vorweg, für die, die es nicht wissen: Ich lebe seit 2,5 Jahren als Frau und bin ebensolange in HT. Allerdings keine (Ga)OP, Kein Stimmtraining...
Also ich bin vielleicht nicht mehr ganz
sichtbar aber doch auf jeden Fall
hörbar nicht als Frau geboren worden.
Normalerweise verschwende ich aber keinerlei Gedanken mehr daran, das ich keine geborene Frau bin. Aber vor unseren Urlauben kommt das Thema dann doch ab und zu mal hoch. Gerade im Sommer, am Strand, zeigt man doch recht viel von sich.
Und da schleichen sich dann vorher ab und zu Gedanken ein, wo ich mich Frage, ob es eventuell Probleme gibt. Gerade die Phase mit dem Umziehen ist ja für nicht Operierte ein besonders heikler Moment.
Komischerweise habe ich während des Urlaubs keinen Gedanken daran verschwendet. Erst als wir wieder zu Hause waren, gings mir noch mal durch den Kopf.
Wir waren täglich baden, häufig auch mehrmals täglich, ich sprach natürlich auch mit den Kindern und meiner Frau, war also auf jeden Fall hörbar abseits der Norm.
Wir waren beim Baden kaum unter uns, was vermutlich der Ferienzeit geschuldet ist. Durch die Kinder, die dann natürlich auch mit anderen (badenden) Kindern spielten, kamen wir auch mit anderen Eltern in Kontakt und ins Gespräch. Meine Besonderheit war dabei nie ein Thema.
Das war jetzt schon unser dritter Urlaub zusammen als Frauen und rückblickend kann ich nur sagen, das es keinen interessiert. Nicht mal am Strand, wo es ja schon ziemlich intim zugeht.
Weil ja häufiger mal auf der Gesellschaft rumgehackt wird, möchte ich nun mal gegenteiliges tun.
Ich kann seit zweieinhalb Jahren völlig unbeschwert mein neues Leben leben. Ich trage was ich will wann ich will. Und niemand hat ein Problem damit. Ich muss mich nicht operieren lassen um akzeptiert zu werden. Ich brauche auch keine weibliche Stimme.
Ich werde so akzeptiert wie ich bin. Trotz häufiger Kontakte mit Fremden. Trotz häufigem Umziehen unter den Augen Fremder. Selbst nach so langer Zeit fühle ich mich nicht genötigt, weitere Angleichungen (Stimme, Schoß) vornehmen zu lassen.
Also mir ist nicht direkt was ganz tolles oder positives passiert, was ich hier berichten kann. Mir ist nur im Nachhinein klar geworden, wie ereignislos unser Leben bezüglich meiner Besonderheit verläuft.
Und das ist doch wiederum auch etwas positives. Oder?
Da muss ich
die Gesellschaft mal loben!
Grüße
die Anja