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Re: Wie wichtig ist die Stimme für den Gesamteindruck?

Verfasst: Do 29. Mär 2018, 13:23
von Anja
Moinsen,
sbsr hat geschrieben: Do 29. Mär 2018, 13:10 Vorschlag, lass uns telefonieren, dann sage ich Dir meinen ehrlichen Eindruck. Ernst gemeint.
Das würde ja nicht viel bringen, da ein Telefonat ja keinen Gesamteindruck darstellt. Wie meine Stimme am Telefon wirkt, weiß ich. Da muss ich (unbekannte) Anrufer immer verbessern.
Das ist (wie am Grillstand) auch manchmal in Situationen der Fall, wo derjenige einen Gesamteindruck abrufen kann. Da fand ichs halt schön, das ich vom Fahrradhändler ohne Korrektur meinerseits gleich richtig zugeordnet wurde. Meistens wird dann von denjenigen, die unsicher sind, eine direkte Ansprache mit Geschlechtszuweisung vermieden...
Ich verbessere auch nicht immer, nur in Situationen wo ich wert drauf lege. Am Grillstand wurde ich als Herr vor vielen Leuten angesprochen, das wollte ich so nicht stehen lassen...
Bei einem Anrufer, der mich vermutlich nie wieder anruft, ist es mir dann Banane und ich verzichte auf irgendwelche Erklärungen.
Da ich in diesem Bereich bisher auch keine nennenswerten Probleme habe, konnte ich mich für ein Stimmtraining auch noch nicht begeistern. Wie du schon sagst, so eindeutig ist es selbst mit Stimmtraining nicht...

Grüße
die Anja

Re: Wie wichtig ist die Stimme für den Gesamteindruck?

Verfasst: Do 29. Mär 2018, 13:24
von Anke
Hallo,
Anja hat geschrieben: Do 29. Mär 2018, 13:03 Die erste in der Schlange, eine Omi, hatte versucht, ihre Position mir gegenüber mit ihrem Rücken zu verteidigen. Darauf der Griller "Nein, der Herr ist zuerst dran." Ich habe ihn dann entspechend verbessert "Die Dame bitte".
Fand ich jetzt aber auch nicht schlimm. Er hatte kaum von seinem Grill aufgeschaut sich wohl hauptsächlich an meiner Stimme orientiert...
Keine Ahnung. Wie gesagt, es lohnt ja nicht, sich darüber Gedanken zu machen...
stimmt, lohnt sich nicht, sich darüber Gedanken zu machen. Nervt trotzdem manchmal. Denn in solch einer Situation möchte ich eben auch kein Aufsehen machen, aber unkorrigiert würde ich das auch nicht stehen lassen.

Ich denke, dass es die wenigstens gewohnt sind mit Transmenschen umzugehen. Die meisten in meinem Bekanntenkreis kennen außer mir niemanden. Und eine richtig weibliche Stimme macht es in solch einer Situation einfacher. Aber das Leben ist nun mal nicht perfekt. Und bevor ich riesige Energie in die Perfektion meine Stimme stecke (wobei das erreichbare Ergebnis sowieso klare Grenzen hat), mache ich liebe andere Dinge.

Liebe Grüße

Anke

Re: Wie wichtig ist die Stimme für den Gesamteindruck?

Verfasst: Do 29. Mär 2018, 13:36
von Anja
Moinsen,
Anke hat geschrieben: Do 29. Mär 2018, 13:24 Denn in solch einer Situation möchte ich eben auch kein Aufsehen machen.
Da gehts mir dann anders. Ich war früher als Mann eher schüchtern. Als Frau bin ich sehr selbstbewußt geworden, da haue ich zur Not auch mal auf den Putz, wenn es sein muss :wink:
Am Grillstand war auch noch eine Kollegin mit ihrer (volljährigen) Tochter dabei. Also neben zahlreichen Unbekannten auch zwei Bekannte. Da ist es mir dann schon wichtig, sowas nicht zu akzeptieren.
Anke hat geschrieben: Do 29. Mär 2018, 13:24 Ich denke, dass es die wenigstens gewohnt sind mit Transmenschen umzugehen.
Klar, denn wir sind zahlenmäßig ja so eine Minderheit. Umso wichtiger finde ich es, das man sichtbar ist.
Obwohl ich auch hier sagen muss, das ich (bis auf gelegentliche falsche Zuweisung) keine Probleme hatte, nach immerhin nun 2 Jahren als Frau...
Also ich werde überall ganz normal behandelt.

Grüße
die Anja

Re: Wie wichtig ist die Stimme für den Gesamteindruck?

Verfasst: Do 29. Mär 2018, 13:59
von Ronda_PTL
Hallo Mädels,

Danke für diesen lebendigen Thread, der m.E. so ziemlich die ganze Bandbreite der Möglichkeiten abdeckt, wie das "Gesamtpaket" Frau eingeschätzt wird oder eben Zweifel womöglich entstehen / übergangen werden.

Für die "Fraktion" der Crossdresser kann ich sagen, dass auch ich die mehrfach bestätigte Erfahrung gemacht habe, dass durchaus die eine oder andere IMPERFEKTION -- wie die Stimme eben -- das Bild als Frau wahrgenommen und behandelt zu werden nicht zertört, wenn das "Gesamtpaket" stimmig ist. Die Gründe wurden schon von Euch genannt: Stimmmeldodie, Auftreten, Freundlichkeit, natürliche Varianten bei CIS-Mädels, ... Usw.
Ich persönlich konnte zu meiner Freude und Erleichterung schon oft feststellen, dass die Wahrnehmung der meisten Menschen, wenn sie uns begegnen / in Kontakt treten, weitaus mehr auf ein recht grobkörniges Muster reagiert, als wir mit unserem enorm kritischen Selbst_Bewusst_Sein oft glauben oder mutmaßen.

Diesem Effekt dürfen wir glaube ich grundsätzlich -- egal ob CD / PTL / TG / TI -- weitaus öfter vertrauen. (yes)

GLG Ronda. (so)

Re: Wie wichtig ist die Stimme für den Gesamteindruck?

Verfasst: Do 29. Mär 2018, 19:07
von Helen52
Hallo
habe gerade etwas interessantes auch zu diesem Thread im WDR gefunden.

Bei der Befragung von Quarks & Co im WDR haben auf Frage:

Was macht Ihre Geschlechtsidentität am meisten aus?

49% die Stimme - aber auch 48% die Persönlichkeit geantwortet.
(Befragung ist nicht repräsentativ)
Das ist für mich ungefähr die Quintessenz aus diesem Thread.

Die kompletten Ergebnisse der Quarks-Umfrage zur Sendung: ""Intersexualität (Männlich, weiblich, XYZ)" sind frisch online:
http://applications.devbureau.de/Inters ... uswertung/

Sendung läuft übrigens am 10.4.2018 im WDR:
https://www1.wdr.de/fernsehen/quarks/

LG
Helen

Re: Wie wichtig ist die Stimme für den Gesamteindruck?

Verfasst: Do 29. Mär 2018, 19:29
von Valerie Bellegarde
Noch eine kleine Ergänzung zu der von Helen erwähnten Umfrage: Auf die Frage "Was macht Ihre Geschlechtsidentität am meisten aus?" kamen aber auch solche Antworten: "Geschlechtsmerkmale" (77%) , "Körperform" (67%) und anderes. Die Stimme rangiert allenfalls im Mittelfeld.

Re: Wie wichtig ist die Stimme für den Gesamteindruck?

Verfasst: Do 29. Mär 2018, 20:46
von Michelle_Engelhardt
Anke hat geschrieben: Do 29. Mär 2018, 11:55
Grundsätzlich ist es für mich völlig in Ordnung, als Transfrau erkannt zu werden....

(ap) (ap) (ap) ....so isses :)p

Liebe Grüße
Michelle

Re: Wie wichtig ist die Stimme für den Gesamteindruck?

Verfasst: Do 29. Mär 2018, 20:55
von Mina
Erkannt werden.... sorry, nicht persönlich nehmen. Was sagt der/die gemeine Enby dazu? :lol:

Komme grade von einer Vernissage meiner Liebsten zurück. Ich dachte immer Kunstfreunde sind offen für alles - Pustekuchen. Highlight war wohl ich! :lol: :D

Aber darum gehts mir nicht. Mir ist nur wichtig, mich in meiner Haut wohl zu fühlen. Was Andere denken, gucken oder meinen....just two Cent away.

(Naja jedenfalls haben ein Bruchteil der Bremer Bevölkerung ein Individuum mit dem Anteil von ca 1,7% live erlebt, ist ja auch schon was)

Leben und erleben.

Re: Wie wichtig ist die Stimme für den Gesamteindruck?

Verfasst: Do 29. Mär 2018, 21:37
von Michelle_Engelhardt
Wenn ich endlich mal wieder in meine Geburtsstadt komme, trinken wir beide einen Kaffee, okay? :mrgreen:

Re: Wie wichtig ist die Stimme für den Gesamteindruck?

Verfasst: Do 29. Mär 2018, 22:16
von Mina
Geht in Ordnung Michelle, sag einfach kurz Bescheid. 8)

Re: Wie wichtig ist die Stimme für den Gesamteindruck?

Verfasst: Fr 30. Mär 2018, 04:58
von Jasmine
Mina hat geschrieben: Do 29. Mär 2018, 20:55 Highlight war wohl ich!
Aber darum gehts mir nicht. Mir ist nur wichtig, mich in meiner Haut wohl zu fühlen. Was Andere denken, gucken oder meinen....
Ich war mit meiner Partnerin einer Einladung zu Freunden gefolgt, dort waren auch ein paar neue Gesichter. Mit meinem Outfit fiel ich ein wenig auf. Soviel zum Thema Highlight. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nichts gesagt. Schnell kamen meine Partnerin und ich mit anderen Mädels ins Gespräch. Meine Stimme schien den ganzen Abend keine zu stören. Viel wichtiger waren Themen wie Outfits und Schminken u.a.. Mit meinen Smokey Eyes wurde ich z. B. gefragt, wie ich die so schön hinbekommen habe. Da ich selbstsicher aufgetreten bin und mich in meiner Haut wohlfühlte, war wohl meine Stimme uninteressant. Liebe Grüße Jasmine

Re: Wie wichtig ist die Stimme für den Gesamteindruck?

Verfasst: Fr 30. Mär 2018, 14:07
von Joe95
Anja hat geschrieben: Do 29. Mär 2018, 13:36...
Am Grillstand war auch noch eine Kollegin mit ihrer (volljährigen) Tochter dabei. Also neben zahlreichen Unbekannten auch zwei Bekannte. Da ist es mir dann schon wichtig, sowas nicht zu akzeptieren...
Das sehe ich ehrlich gesagt ein wenig anders.
Zwar ist das Thema bei meinem "nicht-Passing" alles andere als akut, aber ich habe grundsätzlich ein Problem damit mich verteidigen oder rechtfertigen (mir fällt gerade nix besseres ein, ich hoffe ihr versteht was ich meine...) zu müssen.
Ich käme niemals auf den Gedanken jemanden in so einer Situation zu verbessern.
Ich würd ihm höchstens freundlich ins Gesicht grinsen.

Egal ob jemand sagt "ich hatte meine Fahrkarte eben noch!" oder ob jemand sagt "Ich bin eine Frau, ich habs schriftlich!", die Antwort ist "ja, aber sicher..." und der Gedanke ist "erwischt..."

Das hat nix mit dem Passing zu tun (gerade das von Anja finde ich sehr gut und natürlich), sondern damit wer die Opferrolle übernimmt.
Die hat nun mal derjenige, der sich verteidigen muss.

Re: Wie wichtig ist die Stimme für den Gesamteindruck?

Verfasst: Fr 30. Mär 2018, 15:51
von Frauke
Eine unpassenden Anrede zu korrigieren, sehe ich nicht als Verteidigung oder gar als Übernahme einer Opferrolle. Und was die Stimme betrifft: Ich finde schon erstaunlich, was cis-Frauen teils für Stimmen haben, gerade wenn diese nicht mehr jung sind. Auch hier gibt es eben eine große Bandbreite.

Re: Wie wichtig ist die Stimme für den Gesamteindruck?

Verfasst: So 1. Apr 2018, 20:15
von Andrea aus Sachsen
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Die Frage, die über diesem Thread steht, lässt sich sicher nicht allgemeingültig beantworten, doch ich habe mich damit beschäftigt, weil ich für alles offen bin, was zu einem guten Passing beiträgt.
Bei meinen ersten Ausflügen als Frau in die Öffentlichkeit versuchte ich, durch leichtes Anspannen der Brust die ganz tiefen Töne aus meiner Stimme herauszunehmen. Das schien einigermaßen zu funktionieren, denn ich erlebte nie einen erstaunten oder gar verschreckten Blick, wenn ich zu sprechen begann. Nur am Telefon reichte das nicht, da blieb ich noch der Herr "¦
Inzwischen habe ich etwa 50 Logopädie-Stunden hinter mich gebracht. Wenn ich dort entstandene Bandaufnahmen richtig beurteile, klingt meine Stimme inzwischen eher geschlechtlich uneindeutig. Für den Alltag dürfte das erst mal genügen. Am Telefon habe ich mir angewöhnt, zu Beginn des Gespräches besonders auf meine Stimmlage zu achten und mich immer mit Vor- und Zunamen zu melden. Dadurch werde ich jetzt schon immer öfter richtig als Frau erkannt.
An einer weiteren Verbesserung arbeite ich. Mir ist eben ein gutes Passing (optisch und akustisch) sehr wichtig.