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Re: Die echte Lohnlücke

Verfasst: Fr 23. Mär 2018, 17:19
von Michi
Olivia hat geschrieben: Fr 23. Mär 2018, 11:19 Ich arbeite im öD. Formal existiert ein Tarifvertrag, nach dem erhalten Männer und Frauen das gleiche Gehalt. Aber: Frauen sind in den niedrigen Einkommensgruppen stark überrepräsentiert und in den Führungspositionen stark unterrepräsentiert, in Teilzeit wieder stark überrepräsentiert.
Und was hast DU getan, um dieses Problem zu beheben? Hast du mal eure Arbeitnehmervertretung zur Rede gestellt?

Ich unterhalte mich viel mit Leuten über solche Themen.

Eine Betriebsratsvorsitzende hat mir erklären wollen, dass in ihrem Unternehmen Frauen schlechter als Männer bezahlt werden. Auf meine Frage - wenn es denn so wäre - warum sie das zulassen und mittragen würde, anstatt die Gewerkschaft zu informieren und ihren Arbeitgeber in Grund und Boden zu stampfen, kam ... nichts, nur betretenes Schweigen. Dass die Männer in ihrem Unternehmen nahezu durchgängig 40 Stunden/Woche arbeiten, die Frauen im Durchschnitt nur irgendwo zwischen 30 und 35 Stunden, dass es überwiegend die Männer sind, die Nachtschichten und Überstunden leisten, und dass es die Frauen sind, die viel schneller den Job wechseln, und oft nur wenige Monate bis Jahre dort verweilen, hat sie völlig ausgeblendet.

Nur Bruttolöhne vergleichen und jammern. - Das habe ich gerne!


Da du deine ideologisch gefärbten Aussagen immer und immer wieder wiederholst, erlaube ich mir ebenso, diese immer wieder zu korrigieren:

Wir haben ganz überwiegend keine Lohndiskriminierung von Frauen, sondern eine Diskriminierung (besonders) von Berufen im sozialen Bereich.

Geschlechter-Ideologie wird daran nichts Wesentliches ändern, sondern alleine die Benennung der Tatsachen.

Ist dir noch nicht aufgefallen, wie sich Politiker immer wieder in Gesprächen winden, wenn die Frage aufkommt, wann die Arbeit in der Pflege endlich besser bezahlt werden muss?! Da geht es nämlich um Kosten, und kein Politiker ist bereit, die Verantwortung zu übernehmen, wenn dadurch die Ausgaben für Pflege steigen.

So sieht es aus. - Alles ziemlich falsch und verlogen, und das kotzt mich maßlos an!


Michi

Re: Die echte Lohnlücke

Verfasst: Fr 23. Mär 2018, 21:00
von conny
Olivia hat geschrieben: Fr 23. Mär 2018, 11:19 Oberflächlich betrachtet ist man versucht zu sagen: Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit.
Wieso oberflächlich? Das ist i.W. Realität, insofern besteht Lohngerechtigkeit.
Olivia hat geschrieben: Fr 23. Mär 2018, 11:19 Aber das Problem liegt ja viel tiefer: Warum sind Frauen verstärkt in den unteren Einkommensschichten und nicht in der Führung und warum machen überwiegend Frauen die Teilzeit? Das hat Ursachen, gesellschaftliche Ursachen, und führt in der Summe zur Lohnungerechtigkeit. Darum geht es ja, die gesellschaftlichen Ursachen dafür zu analysieren und dann zu beheben.
Diese Ursachen gibt es. Aber die Diskussion darüber ist an dem Thema "Lohngerechtigkeit" falsch aufgehängt!

Re: Die echte Lohnlücke

Verfasst: Fr 23. Mär 2018, 21:23
von Bente
Moin,
wer legt denn fest, wie eine Stunde Lebenzeit vergütet werden soll? Im Endeffekt regelt doch unsere Gesellschaft das Problem. Es geht um Wertschätzung des Einzelnen. Da spielen auch Berufe nur untergeordnete Rollen. Der Mensch, der andere Menschen mieten (einstellen) kann, zeigt durch sein Verhalten, den Lohn, den er bereit ist für die gemietete Lebenszeit zu zahlen, ob er menschenverachtend zu den Nachkommen der Sklavenhalter zählt, oder eher dem humanistischen Zweig der Menschheit zuzurechnen ist.
Unser Grundgesetz hat so tolle -§!
Nur auf dem Arbeitsmarkt geht es ganz anders zu! Da wimmelt es nur so von "Streikbrechern". Jeder versucht für sich selbst erstmal das Beste rauszuholen. Der Begriff der"Solidarität" ist in der Gruppe der Arbeitnehmer/Lohnabhängigen kaum noch bekannt.

LG
Benny. :mrgreen:

Re: Die echte Lohnlücke

Verfasst: Fr 16. Nov 2018, 12:12
von Olivia
Die Welt — 16.11.2018
Frauen verdienen im Durchschnitt weniger als Männer. Dieser Satz ist längst ein Gemeinplatz der politischen Debatte, die Tatsache selbst ist wenig umstritten. Neuere Untersuchungen zeigen jetzt, dass die viel beschworene Entgeltlücke zwischen den Geschlechternzumindest schrumpft. Wie eine umfangreiche Auswertung der Beratungsgesellschaft Compensation Partner zeigt, beträgt die bereinigte Lohnlücke, im Beratersprech gern auch Gender-Pay-Gap genannt, aktuell 4,5 Prozent. Damit ist der Abstand im Vergleich zum Vorjahrum 0,7 Punkte geschrumpft. Im Jahr 2017 hatten Männer im Schnitt 5,2 Prozent mehr in der Lohntüte als ihre Kolleginnen im gleichen Job. "Wir beobachten eine Verringerung der bereinigten Entgeltlücke", sagt Tim Böger, Geschäftsführer von Compensation Partner.

Re: Die echte Lohnlücke

Verfasst: Fr 16. Nov 2018, 19:01
von Michi
Es ist echt spannend
... zu lesen, dass diese sogenannte "Gender-Pay-Gap", die Anfang diesen Jahres noch von der Bundesfamilienministerin Katarina Barley und einigen anderen mit über 20% propagiert wurde, nun doch so schnell auf wundersame Weise auf unter 5% geschrumpft ist. Ich frage mich, warum sich noch niemand aus der Politik für diese Leistung medienwirksam auf die Brust geklopft hat. :wink:

Na gut
... der Equal-Pay-Tag fällt also 2019 auf Mitte Januar, und ein paar Personen, die in der Vergangenheit immer gerne die schlechte Bezahlung von Frauen beklagt haben, werden wohl bis dahin gerade so vom Jahreswechsel-Winterurlaub in Kitzbühel o.ä. zurück sein. :wink:

Es freut mich
...anscheinend fruchten die jahrelangen Kritiken an den bewusst falsch interpretierten Zahlen doch langsam. Ich denke nach wie vor, dass wir viel weiter sein könnten, wenn man von Anfang an ehrlicher mit Problemen umgehen würde, und weniger die Ideologie im Vordergrund stehen würde. :(

Mal sehen
... wann endlich der nächste Schritt gemacht wird, und man die schlechte Bezahlung von Berufsgruppen angeht, in denen überwiegend Frauen arbeiten. Mit den paar frauen-quotierten Aufsichtsratspöstchen wird man die die Lohnlücke keinesfalls beseitigen ... nicht mit einer 30% Quote, und auch nicht mit 100% Aufsichtsrats-Frauen. :wink:


PS: Wer glaubt, Ironie und Sarkasmus gefunden zu haben, dem sei gesagt, dass war nicht das Geschenk. Weihnachten ist erst in 5 Wochen und 3 Tagen. (ki)