Hallo Mina, Vicky und Anja, Hallo zusammen,
ich fühle mich falsch verstanden.
Nirgends habe ich geschrieben, dass wir mehr Sport machen sollten, um mehr fressen zu können.
Ich bewege mich auch nicht so viel, ähnlich wie Michelle. Ernährung hat mich nicht wernsthaft interessiert - was kann man da schon groß falsch machen.
Nachdem mein Kind Diabetes (Typ 1) bekam, habe ich mich mehr, ja eigentlich überhaupt erst einmal mit Ernährungsfragen beschäftigt. Prinzipiell sauge ich Wissen regelrecht auf, wie ein Schwamm, wenn mich ein Thema erst mal interessiert. Und dann arbeitet mein Kopf Tag und Nacht, bis ich da Struktur reingebracht und eine Systematik erkannt habe.
Also ... ganz so "egal" scheint es wohl doch nicht zu sein.
Freilich, wenn man jung ist, da macht der Körper viel mit, ohne sich zu beklagen. Außerdem hat wohl sowieso jeder Experte eine andere Meinung. Aber dennoch würde es mich interessieren, wo diese Ansicht "ist völlig egal, wann man isst" herkommt. Da würde ich gern mal drüber lesen, um meine Vorstellungen weiter auszubauen und zu verfeinern.
tl;dr
Warum der moderne Mensch zu Übergewicht neigt? - Meiner Ansicht nach 2 Schwerpunkte:
Zu viel Zucker und allgemein eine zu hohe Enegiedichte unserer Lebensmittel. Das will ich im Folgenden etwas näher erläutern.
Es ist einfach zu leicht, große Mengen an Kalorien in sich reinzustopfen. Aber das ist nur die eine Seite. Die andere Seite ist, dass viel mehr Nährstoffe in kurzer Zeit aufgenommen werden. Und die muss der Körper ja irgendwo "hinschaffen".
An dieser Stelle muss ich Anja mit ihrem Autovergleich korrigieren:
Man muss es sich im übertragenen Sinne eher so vorstellen, dass der höherwertige Kraftstoff in in der gleichen Menge in den Motor eingespritzt wird, aber im Motor nicht komplett umgesetzt werden kann. Die unverbrauchten Reste lagern sich dann im Motor ab.
Unsere Physiologie ist nicht auf die hohe Energiedichte eingerichtet, sie braucht eine gewisse Menge an "Füllstoffen" für eine normale Funktion.
Achtung, es wird jetzt auch etwas "technisch" ...
Unser Körper ist ein Regelkreis, der nur unter bestimmten Rahmenbedingungen ordnungsgemäß funktoniert.
Die großen Mengen an Zucker und anderen Kohlenhydraten in der hochkalorischen Nahrung treiben den Blutzuckerspiegel in kurzer Zeit hoch, es wird viel Insulin ausgeschüttet, doch weil meist gar kein entsprechender Bedarf da ist, greift Plan B, und die überflüssigen Kohlenhydrate werden in körpereigenes Fett umgewandelt, um den Blutzuckerspiegel wieder zu normalisieren.
Bei der der hochkalorischen Nahrung kommte es aber nicht nur zu einem schnellen Anstieg des Blutzuckers, sondern er fällt auch schnell wieder ab, weil der Regelkreis mit der Menge an Kohlenhydraten überfordert ist, und die Veränderung nicht so schnell ausregeln kann. Die große Menge Insulin kann einfach nicht schnell genug abgebaut werden, um der drohenden Unterzuckerung entgegenzuwirken.
Der menschliche Regler hat ein unzureichendes Dämpfungsverhalten und so kommt es zu Überschwingungen nach oben und unten. - Hatte ich schon erwähnt, dass es technisch wird?
Aber ganz im Ernst:
Die Überschwingungen sind nicht gut. Überzucker bedeutet Fettaufbau, und Unterzucker macht Heißhunger. Beides ist schlecht.
Ok, nun könnte man sagen:
Da esse ich einfach den ganzen Tag viele kleine Portionen. Wurde ja auch viele Jahre gepredigt, lieber 5-6 kleine Mahlzeiten zu essen.
Dabei besteht aber wieder die Gefahr, dass man mehr frisst als man braucht.
Zudem erzeugt ein in Folge der Nahrungsaufnahme ständig erhöhter Blutzuckerspiegel einen erhöhten Insulinspiegel, der wiederum dazu führt, dass sich die Muskelzellen an das Insulin gewöhnen und mit der Zeit resistent werden. Das ist der Weg in den Altersdiabetes (Typ 2) und damit einhergehende Fettleibigkeit. Denn wenn der Zucker nicht von den Zellen abgebaut wird, bleibt der Blutzuckerspiegel weiter hoch, und der Zucker wird in körpereigenes Fett umgewandelt.
Und dann kommt noch eine weitere unschöne Funktion unsereres Körpers zum Tragen. Er baut die Fettreserven zwar schnell auf, aber nur schwer wieder ab. Vorher beginnt er, andere Energiequellen im Körper anzuzapfen, die leichter erreichbar sind.
Bleibt noch die Frage tierischer Nahrung:
Es ist ja derzeit opportun, diese zu verdammen, vor allem weil das Thema Fleisch ideologisch aufgeladen ist (zuforderst die schlechte Ökobilanz, aber auch Leid der Tiere). Dennoch halte ich einen gewissen Anteil Fleisch aus ernährungsphysiologischer Sicht für notwendig. Natürlich freuen sich die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln, wenn sie Produkte verkaufen können, die Ernährungsdefizite ausgleichen helfen sollen. Aber das kann's doch nicht sein!
So, hab ich jetzt alles abgearbeitet?
Zum Abschluss möchte ich euch noch bitten, meine Ausführungen nicht in irgendeiner Weise negativ aufzufassen. Ich möchte niemand belehren oder sonstwas. Ich will nur versuchen, die ganzen Fragen mehr im Zusammenhang zu betrachten, und vielleicht kann es der Einen oder Anderen weiter helfen, die noch nicht ihren optimalen Weg gefunden hat.
Liebe Grüße
Michi